Die Jugendbewegung ist eine ab etwa 1896 in Deutschland einsetzende Jugendkultur. In der Entstehung gab es wechselseitige Einflüsse mit der Reformpädagogik, wobei die Jugendbewegung eben von der Jugend selbst ausgeht, während die Reformpädagogik, wie alle Pädagogik, von betreuenden Erwachsenen. Die Kernzelle der deutschen Jugendbewegung war der Wandervogel; im akademischen Bereich gab es enge Verbindungen zur Freistudentenbewegung.
Beginnend um 1910 war die Jugendbewegung, als deren wichtigster Träger der Wandervogel gilt, so kraftvoll, dass Institutionen wie Kirchen, Parteien, Gewerkschaften und landsmannschaftliche Vereine ihre eigene Jugend neu zu formieren versuchten. Dabei half zum Beispiel der katholischen Kirche, dass sich aus unterschiedlichen Motiven (z. B. Abstinenz, Verhältnis zur Natur und Kultur) bereits zahlreiche Jugendliche in neuen Gruppen um geistliche Mentoren gesammelt hatten (z. B. Quickborn), wobei deren Eigendynamik von den kirchlichen Autoritäten oft unterschätzt und von manchem Bischof durchaus auch kritisch gesehen wurde. Ähnliches lässt sich auch für die evangelische Kirche, die Parteien, die Gewerkschaften und die Landsmannschaften beobachten. Dabei versuchte man sich einerseits am äußeren Stil des Wandervogels auszurichten, andererseits die eigene Identität zu betonen.
Einen neuen Inhalt brachte Eberhard Koebel, auch bekannt unter seinem Fahrtennamen tusk, der aus Ablehnung des in der bündischen Jugend verbreiteten Lebensbund-Prinzips heraus einen reinen Jungenbund gründete, die Deutsche Jungenschaft vom 1. 11. 1929 (auch: Deutsche Autonome Jungenschaft vom 1. 11. 1929), bekannter unter der Abkürzung dj.1.11.
Insofern viele dieser neu formierten oder neu gegründeten Jugendverbände in Abhängigkeit von Erwachsenenvereinigungen standen (so zum Beispiel von Parteien) kann man sie nicht als jugendbewegte Gruppen bezeichnen.
In diesem Zusammenhang ist auch das Entstehen der Pfadfinder in Deutschland vor dem ersten Weltkrieg zu betrachten, die allerdings sich immer einer relative Unabhängigkeit bewahren konnten, und weltweit aktiv wurden.
In diesem Sinne versteht man den Wandervogel, der am 4. November 1901 gegründet und 1903 offiziell anerkannt wird, als die erste Phase der deutschen Jugendbewegung (1896 bis zum Ersten Weltkrieg), während man die Bündische Jugend als ihre zweite Phase sieht (Zwischenkriegszeit), in der sich nach dem ersten Weltkrieg der Stil und die Traditionen des Wandervogels mit denen der internationalen Pfadfinderbewegung zu etwas Neuem verbanden.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 wurden alle Bünde aufgelöst, verboten bzw. in die Hitler-Jugend inkorporiert. Manche Gruppen lebten in der Illegalität fort, von denen wiederum einige sich zu Widerstandsgruppen entwickelten.
Umstritten ist, ob und inwiefern die Jugendbewegung und die bündische Jugend heute noch fortleben. Während Historiker in der Regel einen Schlusspunkt der bündischen Phase in der Eingliederung der freien Bünde in die Hitler-Jugend in den Jahren 1933/1934 sehen – oder spätestens mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs –, betrachten sich die meisten Angehörigen der heutigen Gruppen als zeitgemäße Fortsetzung der historischen Jugendbewegung.
Auch die Stiftung Jugendburg Ludwigstein, die als dauerhaftes Gemeinschaftswerk der deutschen Jugendbewegung gilt und zu deren Einrichtungen das Archiv der Jugendbewegung gehört, sieht sich in ihren Leitsätzen aus dem Jahr 2006 in einer Mittlerrolle zwischen der historischen und der gegenwärtigen Jungendbewegung und bestätigt damit die Existenz einer gegenwärtigen Jugendbewegung.
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Jugendbewegung".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world