Judy Garland (* 10. Juni 1922 in Grand Rapids, Minnesota, USA; † 22. Juni 1969 in Chelsea, London; eigentlich Frances Ethel Gumm) war eine US-amerikanische Filmschauspielerin und Sängerin.
Zu ihrer bekanntesten Rolle wurde jedoch die Dorothy in dem Film Das zauberhafte Land (The Wizard of Oz) mit dem Song Over The Rainbow. Die Verfilmung aus dem Jahre 1939 des Kinderbuchklassikers Der Zauberer von Oz aus dem Jahr 1900 von L. Frank Baum ist auch heute noch einer der bekanntesten Filme der USA. Figuren und Handlungsabläufe sind Bestandteile des US-amerikanischen Allgemeinwissens geworden. Ursprünglich wollte man für die Rolle der Dorothy Shirley Temple engagieren, doch scheiterten die Vertragsverhandlungen mit deren Studio 20th Century-Fox.Für ihre Darstellung erhielt Judy Garland den damals noch vergebenen Juvenile Oscar für jugendliche Darsteller.
Nach dem großen Erfolge spielte sie weiterhin in zahlreichen MGM-Musicals. Vor allem Heimweh nach St. Louis aus dem Jahre 1944 gilt bis heute als ein herausragendes Beispiel des MGM-Stils, und Judy Garland wurde eine seiner bedeutendsten Interpretinnen. Jedoch galt die junge Schauspielerin bei Dreharbeiten als äußerst schwierig. Wie später bekannt wurde, bekam sie nach einer Zeit Drogenprobleme durch die vielen, langen und anstrengenden Dreharbeiten. Sie bekam Aufputsch- und Schlafmittel, je nach Bedarf, was zu dieser Zeit jedoch als unbedenklich angesehen wurde. Es kam wiederholt zu langen Verzögerungen und Skandalen, die dafür sorgten, dass sie 1950 aus ihrem Vertrag entlassen wurde. Vorausgegangen war wegen ihrer psychischen Anspannung und ihres bislang unglücklich verlaufenen Privatlebens ein Selbstmordversuch. Ihre Ehe mit Vincente Minnelli stand kurz vor dem Zusammenbruch. Judy Garland erhob im Nachhinein schwere Vorwürfe gegen das Filmstudio MGM und ihre inzwischen verstorbene Mutter, welche sie aus finanziellen Interessen rücksichtlos ausgebeutet hätten.
Sie entfernte sich von Hollywood. Es folgte eine schwere erfolglose Zeit. Sie hatte zwar viel berühmte Freunde, wie den amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy, welcher sie immer bat ihm am Telefon "Over the Rainbow" zu singen. Jedoch war sie so pleite, dass sie mit ihren Kindern gezwungen war sich aus den Hotelzimmern wegzuschleichen, da ja nicht damit gerechnet wurde bei so einem "großen" Star, dass sie die Hotelrechnung nicht bezahlen kann.
Schließlich kehrte sie auf Anraten ihres neuen Ehemanns und Managers Sid Luft zurück auf die Bühne. Mit einer Gesangsshow tourte sie quer durch die USA, wo Menschenmassen sie mit ihren Filmhits feierten. Der Rauswurf bei MGM führte dazu, dass sie als Sängerin noch größere Erfolge feierte als bisher beim Film. 1954 kehrte sie furios auf die Leinwand zurück. George Cukor besetzte sie in der Hauptrolle neben James Mason in Ein neuer Stern am Himmel. Es gelang ihr ein Comeback, und sie erhielt für die Rolle der Vicky Lester eine Oscarnominierung. Die Auszeichnung erhielt aber Grace Kelly. Für Judy war die Enttäuschung so groß, dass sie nur noch sporadisch in Filmen auftrat. In den 1960er Jahren wurde sie dann mit der CBS - Judy-Garland-Show im Fernsehen erfolgreich.
Die letzten Lebensjahre verbrachte sie vorwiegend in London. Dort heiratete sie im März 1969 den Nachtclub Besitzer Mickey Deans, der noch im selben Monat eine Konzert-Tour durch Skandinavien arrangierte. Doch die vielen kräftezehrenden Jahre bei MGM, die daraus resultierende Abhängigkeit von Aufputsch- und Schlafmitteln sowie eine schwere Hepatitis im Jahre 1959 forderten schließlich ihren Tribut. Am 22. Juni 1969, zwölf Tage nach ihrem 47. Geburtstag, nahm sie wie jeden Abend etwas Schlafmittel, wachte gegen 3 Uhr nachts wieder auf und nahm erneut eine kleine Dosis, "... und ehe man sich versieht, hat man zu viel genommen". Tragischerweise hat sie genau diesen Satz über ihre berühmte Kollegin Marilyn Monroe gesagt, als diese tot in ihrem Bett aufgefunden wurde.
Ihre Tochter Liza hatte einst von ihr gesagt "Sie lebte 8 Leben in einem" - und wie recht sie damit hatte.
Am 27. Juli 1969 wurde Judy in Hartsdale,New York beigesetzt.
Fünf Tage nach ihrem Tod, am Abend ihrer Beerdigung, wehrten sich Schwule erstmals im Stonewall Inn, einer Schwulenkneipe in Greenwich Village, gegen die menschenverachtenden Routinekontrollen der Polizei, woraus die weltweit größte Lesben- und Schwulenbewegung und somit der Christopher Street Day entstand.History of Gay and Lesbian Pride Month, 16. Juni 2006, National Women's History Project
Obwohl Garlands Tod vor allem in der amerikanischen Community oft als ein Auslöser für dieses Schlüsselereignis angesehen wird, dürfte der zeitliche Zusammenhang nur Zufall sein (siehe auch: Friends of Dorothy). Dennoch wurde Garlands Tod, ihr Begräbnis und die Verknüpfungen zu Stonewall (egal ob zufällig oder nicht) ein Teil der amerikanischen LGBT-Geschichte und Überlieferung. David Bianco: Stonewall Riots, 1995-2006, PlanetOut
Als Rufus Wainwright in New York mit dem gleichen Programm wie Garland 45 Jahre vor ihm auftrat, beschrieb er das Ereignis als "der schwulste Moment meines Lebens".Arndt Breitfeld: Wainwright singt Garland - "Der schwulste Moment meines Lebens", 15. Juni 2006 in spiegel.de
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