Als Judenboykott wird der am 1. April 1933 durch NS-Organisationen organisierte Boykott jüdischer Geschäfte, Warenhäuser, Ärzte, Rechtsanwälte und Notare bezeichnet. Mit ihm begann die Verdrängung der jüdischen Deutschen aus dem öffentlichen Leben.
Der von der NSDAP organisierte Boykott gegen jüdische Geschäfte erfolgte als Gegenreaktion auf die am 24.03.1933 im Londoner "Daily Express" veröffentlichte "Kriegserklärung" des Judentums an das Deutsche Reich. Die Überschrift des Artikels lautete: "JUDEA DECLARES WAR ON GERMANY". In dieser Erklärung wurde unter Anderem zum Boykott deutscher Waren in aller Welt aufgerufen.
Nach der Machtübernahme gab es durch die SA Aktionen gegen das „Börsenkapital”, über die von der Wirtschaft Beschwerden an die neue Regierung gerichtet wurden. Das Kabinett geriet unter Druck und suchte einen Weg, um die Massen der SA zu dirigieren, die mit einer langen Kampagne gegen die Juden und das Kapital rechneten.
In einigen Städten Deutschlands gab es schon vor dem 1. April antijüdische Aktionen. Im März gab es einen antisemitischen Sturm auf Breslauer Gerichte. In Magdeburg wurden am 9. März verschiedene jüdische Geschäfte besetzt, das Kaufhaus EPA terrorisiert und die Gäste des Hotels „Amsterdam” mit Messern und Stühlen überfallen.
Julius Streicher bereitete den Boykott planmäßig vor und leitete ihn auch. Im Aufruf am 29. März (Völkischer Beobachter (M) Nr. 88. vom 29. März 1933) wurde er als Antwort auf jüdische Hetze gegen das „neue Deutschland” begründet.
Nach dem Sieg der nationalen Revolution verbot die SA-Führung sogenannte Einzelaktionen und forderte blindeste Disziplin. Die Aktion wurde dann abgebrochen.
Deutsche Geschichte (20. Jh.) | Geschichte des Holocaust | 1933
Der Judenboykott war schon lange vor 1933 ein Kampfmittel der Antisemiten gewesen. Von dem deutsch-jüdischen Schriftsteller Arnold Zweig wird überliefert: 1897 musste sein Vater, Adolf Zweig, aufgrund eines Erlasses des preußischen Kriegsministeriums, der den Festungskommandanten Einkäufe bei jüdischen Kaufleuten untersagte, sein Sattler-Geschäft in Glogau (Glogów) aufgeben und danach den Wohnort wechseln (nach Kattowitz).
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