Journalismus bezeichnet die publizistische Arbeit bei der Presse, im Rundfunk und in Online-Medien.
Gleichzeitig steht der Journalismus in der Kritik, durch Sensationsgier und unsachliche, teilweise falsche Berichterstattung dem Auftrag, zur Wahrheitsfindung beizutragen, oft nur unzureichend zu entsprechen. Dies gilt vor allem für die Boulevardzeitungen, teilweise jedoch auch für die gesamte Medienlandschaft.
Immer wieder wird die Bildung von „Meinungsmonopolen“ befürchtet, die Struktur und die Marktanteile einzelner Verlagskonzerne werden daher von Kontrollorganen wie dem Bundeskartellamt und der Europäischen Kommission reguliert.
Im interpretativen Journalismus wird eine Nachricht in ihrem Kontext dargestellt und häufig mit Hintergrundinformationen ergänzt, zum Beispiel in Form eines Berichts oder einer Reportage.
Häufig werden Nachrichten mit einer deutlichen Wertung oder Stellungnahme verbreitet, in Form eines Kommentars oder einer Glosse. Diese, meist deutlich von der neutralen Berichterstattung getrennte Form nennt man Meinungsjournalismus.
Weitere, differenziertere Arten des Journalismus bilden beispielsweise der investigative und der Fachjournalismus.
Der Journalismus hat sich im Laufe seiner mehr als 2000 Jahre währenden Geschichte jeweils der neuesten Technologien bedient. Meilensteine waren die Erfindung des Buchdrucks in der Renaissance, die Entwicklung der Informationsübertragung im 19. Jahrhunderts durch die Telegrafie sowie die Erfindung des Hörfunks (um 1920) und des Fernsehens (um 1950). Anfang der 90er Jahre kam als neueste Ausprägungsform der Online-Journalismus im Internet dazu.
Die Ursprünge des Journalismus finden sich im Römischen Reich, in dem ab dem 1. Jahrhundert v. Chr. das täglich erscheinende Informationsblatt Acta Diurna herausgegeben wurde. Die Redakteure dieses ersten grafischen Mediums wurden diurnarii genannt. Zur selben Zeit erschien mit dem Commentarius Rerum Novarum die erste Wochenzeitung, die bereits eine ähnliches Themenspektrum wie heutige Zeitungen - eine Mischung aus offiziellen Informationen, Nachrichten und Unterhaltung - aufwies und von etwa 300 professionellen Schreibern erstellt wurden.
Im Mittelalter wurden noch vor der Erfindung des Buchdrucks wirtschaftliche Informationen an den Handelsplätzen (insbesondere auf Häfen) auf Flugblättern verbreitet, die in Italien avvisi und in deutschsprachigen Ländern Zeitung genannt wurden. Dies kann man als Ursprung des Fachjournalismus ansehen, der sich mit spezifischen Themen befasst.
Der Buchdruck beschleunigte die Herstellung derartiger Informationsblätter, der Durchbruch des Journalismus ließ dennoch weitere Jahrhunderte auf sich warten, was vor allem an der damals noch langsamen Geschwindigkeit der Informationsübertragung auf dem Land- und Seeweg lag. Dieses Problem konnte erst im 19. Jahrhundert befriedigend gelöst werden.
Vorläufer: Ein schwarzes Brett oder amtliche Mitteilungen im Dorf an jeder dritten Ecke laut nach einem Schellen verlesen...
Der Straßburger Zeitungsverleger Johann Carolus ließ sich von Korrespondenten aus Städten entlang bedeutender Postrouten – wie Köln, Wien, Prag, Venedig und Rom – wöchentlich die neuesten Nachrichten (damals „Avisen“ genannt) schicken. Anfangs kopierte er die Nachrichten mit eigener Hand und schickte sie an zahlungskräftige Interessenten, die diesen Service abonniert hatten. Zu den Abonnenten von Johann Carolus gehörten vor allem reiche Kaufleute, die ihre Waren ins Ausland exportierten und erfahren wollten, was in Europa geschah. 1604 erwarb Carolus von einem Straßburger Drucker drei Pressen und stellte diese in seiner Wohnung auf. In jener Druckerei setzte er wahrscheinlich 1605 die erste gedruckte Ausgabe seiner Nachrichtenblätter.
1631 gab der Franzose Théophraste Renaudot die erste Zeitung im modernen Sinne, La Gazette heraus und meldete ein Patent auf diese Art der Informationsverbreitung an. Renaudot gilt als Visionär des modernen Journalismus und als Erfinder der meisten journalistischen Darstellungsformen wie Kommentar oder Bericht, die noch heute in den Printmedien verwendet werden. Ab Anfang des 18. Jahrhunderts wurden auch in den USA die ersten Zeitungen herausgegeben, die sich noch an die gebildete Elite richteten.
Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts konnten in der Drucktechnologie entscheidende Durchbrüche erzielt werden, die Printmedien deutlich billiger machten. Zur gleichen Zeit konkretisierte sich das Berufsbild des Journalisten.
Zu dieser Zeit war die Berichterstattung in den meisten Medien noch sehr meinungsgefärbt. 1835 wurde mit dem New York Herald die erste Zeitung gegründet, die versuchte, objektiv und realistisch aktuelle Informationen zu liefern. Dieser informative Journalismus fand zwar rasch Nachahmer, zur dominanten Erscheinungsform wurde er jedoch erst nach 1900. Im selben Jahr wurde mit Havas die erste Presseagentur gegründet.
Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden die ersten Massenmedien in den USA. Einen großen Einfluss auf diese Entwicklung hatten die Fortschritte in der Bildung, die auch der gehobenen Mittelklasse das Erlernen von Lesen und Schreiben ermöglichte und sie damit zu Kunden für die Zeitungen machte. Aber auch die Fortschritte in der Technologie - die Automatisierung des Druckens sowie die Optimierung der Informationsübertragung durch Telegraph und Telefon - trugen zum Erfolg der Presse bei, da sie die das Herstellen eines Mediums immer billiger machten.
In die selbe Zeit fallen wichtige ökonomische Fortschritte, wie das gezielte Platzieren von Werbung in den Zeitungen.
In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts hatte sich der Journalismus endgültig als Machtmittel in der gesellschaftlichen Meinung etabliert. Er wurde deshalb Objekt von Versuchen, Interessen aller Art - insbesondere politischer und wirtschaftlicher Natur - zu verbreiten. Diese Versuche dauern bis heute an und sind einer der Hauptkritikpunkte, die an den Journalismus gerichtet werden.
Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Technologie der bewegten Bilder entwickelt. Sie wurde nach der Erfindung des Tonfilms in den 20er-Jahren zu informativen Zwecken eingesetzt, besonders zu wöchentlichen Nachrichtenüberblicken (Wochenschauen).
Einen größeren Einfluss hatte jedoch zunächst das Aufkommen des Hörfunks in den 20er-Jahren. Dieses neue Medium veränderte die Art zu schreiben rasant, da das Radio in Echtzeit über aktuelle Ereignisse berichten konnte und zudem mittels Musik Zugang zu den Emotionen der Hörer hatte. Es entstanden neue Unterkategorien des Berufs des Journalismus, wie der Kommentator und der Moderator, sowie neue Darstellungsformen.
Um gegen das Radio bestehen zu können, verlagerten sich die Journalisten in den Printmedien auf das Analysieren und Kommentieren der Nachrichten. In den USA entstand bereits kurz nach dem Ersten Weltkrieg der sogenannte interpretative Journalismus in speziellen Zeitschriften, die newsmagazines genannt wurden. Wichtig war nun nicht mehr, eine Nachricht zu übermitteln, sondern, sie in ihren Kontext zu stellen und dem Leser begreiflicher zu machen. Besonders nach der Weltwirtschaftskrise 1929 wurden solche Hintergrundinformationen immer wichtiger, da viele ökonomisch interessierte Menschen sich über die Ursachen dieser Krise informieren wollten. Um 1950 hatte der interpretative Journalismus die dominante Rolle unter den Ausprägungsformen in seiner Disziplin errungen.
Das Fernsehen sorgte Ende der 40er-Jahre für einen weiteren Quantensprung, da nun die Informationen live mitsamt Bildern übertragen werden konnten und die Nutzer die Möglichkeit hatten, einem Ereignis praktisch aus der Ferne beizuwohnen. Es hatte einen großen Einfluss auf den politischen Journalismus, da sich die Politiker nun live bei Interviews und Talkrunden zeigen konnten, wodurch die Berichterstattung und damit auch deren Aufnahme durch die Bevölkerung personenbezogener wurde.
Diese neuen Medien sorgten für eine Spezialisierung innerhalb des Berufes. Während Fernsehen und Radio zum Ort für informativen Journalismus wurden, auch weil lange Analysen und Kommentare dort störend sind, spezialisierten sich die Printmedien auf die Nischen des interpretativen und des Meinungsjournalismus. Die Art, die Texte zu schreiben, wurde für jedes Medium anders. Beispielsweise kommt es im Hörfunk vor allem auf eine kurze und knappe, aber vollständige Sprache an, während Printmedien längere und vollständigere Abhandlungen ermöglichen, weil der Konsument hier entscheiden kann, was er wann liest. Wenn der Rezipient im Text "hängenbleibt", kann er ihn auch mehrmals lesen. Einen Radiobeitrag dagegen muss er auf Anhieb verstehen. Im Fernsehen ist es wichtig, dass sich Bild und Text ergänzen. Sein Charakter als kombiniertes Text-, Ton- und Bildmedium gab dem Journalismus besonders kreative Gestaltungsmöglichkeiten, um Zugang zu der Aufmerksamkeit des Zuschauers zu erhalten. In Dokumentarfilmen etwa verzahnt sich der interpretative Journalismus mit der Kunst: Musik und visuelle Effekte werden eingesetzt, um die Informationen zu unterstreichen und so eine passende Stimmung zu erzeugen.
Der Meinungsjournalismus erlebte zur selben Zeit einen neuen Aufschwung mit Aufkommen des Boulevardjournalismus, der mit sensationsgieriger, teils erfundener Berichterstattung die Interessen der Massen zu befriedigen suchte. Bekanntestes Beispiel im deutschsprachigen Raum ist die Bild-Zeitung.
Ab den 50er-Jahren erlebte die Form des investigativen Journalismus seine Blütezeit. Hierbei handelte es sich um gezielte Recherchen der Medien zu speziellen, insbesondere politischen Themen, die der Öffentlichkeit bisher verborgen geblieben waren. Die Journalisten konnten so mehrere Skandale aufdecken. Der bekannteste Fall war die sogenannte Watergate-Affäre Anfang der 70er-Jahre, die zum Rücktritt des damaligen Präsidenten der USA, Richard Nixon, führte.
In den 80er-Jahren erschien als neueste Darstellungsform des interpretativen Journalismus in den Printmedien und im Fernsehen die Infografik, die Text und Bild kombinierte und somit komplizierte Sachverhalte verständlich machen konnte. Dies ging einher mit einer immer größeren Bedeutung der Bilder in den Printmedien, die dadurch ihre Erscheinung attraktiver machen konnten. So wurde um 1990 die Einbindung von Farbbildern und vielfältigen Design-Elementen in den wichtigen Zeitungen zum Standard.
Heute befindet sich der Journalismus in einer weiteren Umbruchphase. Das Aufkommen des Online-Journalismus in den 1990er-Jahren sorgte für eine Revolution innerhalb der Disziplin, deren Konsequenzen noch nicht voll absehbar sind. Diese neue Ausprägungsform konnte die Vorteile der Printmedien mit denen des Hörfunks und des Fernsehens kombinieren: er ist in der Lage, in Echtzeit über aktuelle Ereignisse zu berichten, wegen seines Textcharakters eignet er sich jedoch auch für längere Abhandlungen, die der Leser in Ruhe konsumieren kann. Zudem bieten sie die Möglichkeit, multimediale Informationen einzubinden, etwa Videos oder Tondokumente.
Der einzige Nachteil der Online-Medien gegenüber den Printmedien ist der, dass der Leser sich bisher an einen Computer begeben muss, um ihn konsumieren zu können. Daher ist es für den Leser bequemer, lange Texte auf Papier zu lesen - ein Umstand, der zu einer weiteren Spezialisierung der Printmedien auf Analysen, Hintergrundinformationen und Kommentare geführt hat. Es ist jedoch zu erwarten, dass dieser Nachteil in naher Zukunft entfällt, sollten sich neue Entwicklungen wie E-Books oder insbesondere das seit mehreren Jahren in Entwicklung befindliche elektronische Papier durchsetzen. Die neuen Online-Medien wurden von den traditionellen Medien wegen dieser Vorteile schnell als Gefahr angesehen und heute oft für den Rückgang der Auflagezahlen vor allem von Zeitungen verantwortlich gemacht.
Der Internet-Boom führte zu einem weiteren Phänomen: Da nun auf einmal jeder Benutzer schnell durch das Schreiben einer eigenen Homepage Information in alle Welt verbreiten konnte, sorgte er für ein rasantes Ansteigen der Publikationen mit journalistischem Charakter. Die Grenzen zwischen professionellem Journalismus und der Aktivität von Amateuren verschwinden damit zusehends. Viele Online-Medien - und auch die Internetpräsenzen der traditionellen Medien - binden etwa Weblogs oder sogar Wiki-Elemente in ihre Angebote ein, andere lassen ihre Texte von den Lesern kommentieren oder besitzen Diskussionsforen. Einige Medien werden mittlerweile sogar von den Lesern selbst verfasst; bekannte Vertreter sind Indymedia,das deutsche Informationsportal grin, das koreanische Onlinemagazin Ohmy News und das zur Wikimedia Foundation gehörende Wikinews, außerdem kam am 6. Juni 2006 die Readers Edition der netzeitung dazu. Diese Phänomene werden oft unter dem Schlagwort Graswurzel-Journalismus zusammengefasst.
Parallel zu dieser Entwicklung kam es zu einer Renaissance des Meinungsjournalismus, da jeder Internet-Nutzer per Website oder Blog zu beliebigen Themen ohne besondere Kosten Stellung nehmen konnte. In vielen Online-Magazinen findet man eine Mischung aus Meinungsjournalismus und interpretativem Journalismus, da es bei solchen Publikationen verführerisch ist, die eigene Sicht der Dinge darzustellen. Diese Entwicklung wird von Verfechtern des Journalismus als Hort der objektiven Berichterstattung mit Sorge beobachtet. Befürchtet wird - teilweise zu Recht - die Polemisierung des Journalismus besonders bei kritischen Themen, während die Recherche und das Darstellen verschiedener Standpunkte nebeneinander in den Hintergrund zu rücken droht.
Zusammenfassend kann man sagen, dass das Aufkommen des Online-Journalismus zu einer steigenden "Informatisierung" der Gesellschaft geführt hat. Die Konsumenten sind heute dank der vielfältigen journalistischen Angebote viel umfassender über aktuelle Ereignisse informiert als noch vor 20 Jahren. Fast jedes noch so kleine Nischenthema wird mittlerweile von einem journalistischen Angebot besetzt. Zudem wurde das "Informationsmonopol" der traditionellen Medien von kleinen unabhängigen Angeboten attackiert, so dass es den Journalisten nicht mehr so einfach fällt, Leser zu manipulieren oder zu täuschen. Ein Beispiel ist das BILDblog, das Internetnutzer über Fehler und Falschinformationen in der Bild-Zeitung informiert. Doch diese Vielfalt von Standpunkten hat auch den Nachteil, dass die Information insgesamt unübersichtlicher wird und die Aufmerksamkeit oft auf Banalitäten gelenkt werden. Man spricht in diesem Zusammenhang oft von Infomüll - unnötige Informationen, die den Blick aufs Wesentliche verstellen.
Wie diese Entwicklungen die Welt des Journalismus verändern werden, ist noch unklar. Wahrscheinlich ist jedoch, dass die Umwälzungen mindestens so groß sein werden wie bei dem Aufkommen des Rundfunks. Einige Stimmen warnen derweil schon vor dem Aussterben der Printmedien, was aber bisher noch nicht bestätigt werden konnte; auch Hörfunk und Fernsehen bestehen weiterhin. Dennoch wächst die Konkurrenz durch Internet-Radios und den relativ neuen Internet-Fernsehsendern. Wahrscheinlich ist nach Meinung vieler, dass die bisherigen Medien bei einer weiteren Zunahme der Bandbreite des Internet zu einem einzigen Multimedium verschmelzen werden, was eine weitere Zunahme der journalistischen Darstellungsformen und Angebote bedeuten würde.
Verletzt eine Veröffentlichung diesen Rahmen, so kann auf Schadenersatz und Unterlassung geklagt werden. Es besteht grundsätzlich das Recht auf Gegendarstellung.
Die Kodizes: Pressekodex, Ehrenkodex für die österreichische Presse, Erklärung der Pflichten und Rechte.
Journalisten stellen, wie Wissenschaftler auch, Nachforschungen über bestimmte Sachverhalte an, besonders in den Formen des interpretativen und des Meinungsjournalismus. Wie diese basieren sie ihre Arbeit - zumindest in den "seriöseren" Medien - auf fundiertes Hintergrundmaterial, das explizit zur Untermauerung der Thesen genannt wird. Dennoch tritt der Journalismus nicht mit dem Anspruch an, eine Wissenschaft zu sein. Dafür gibt es diverse Gründe.
Der Hauptunterschied zwischen beiden Disziplinen ist der, dass der Journalismus weit weniger nach starren Regeln arbeitet als die Wissenschaft, bei der die Form der Studien streng der formalen Logik untersteht. Dies ist damit verbunden, dass der Journalist nur in wenigen Fällen an der wirklichen Erforschung und Beweisführung eines Sachverhaltes interessiert ist; weit wichtiger ist es, den Sachverhalt dem Leser möglichst anschaulich zu präsentieren. Das bedeutet nicht, dass sich auch der Journalist nicht an die Logik hält - dies muss er sogar, um seine Texte verständlich zu halten - er darf dabei jedoch Elemente der eigenen Meinung einbauen. Ferner muss der Journalist seine Thesen nur für den Leser glaubhaft machen, nicht aber formell beweisen; ein Verweis auf die Quelle oder die eigene Beobachtung bzw. gedankliche Herleitung reicht.
Ein Beispiel ist die Reportage, die bekannteste Darstellungsform des interpretativen Journalismus. In ihr begibt sich der Journalist oder Reporter ähnlich wie ein Wissenschaftler in ein bestimmtes Feld und stellt Beobachtungen an. Während der Wissenschaftler jedoch seine Beobachtungen systematisieren muss, um zu Ergebnissen zu gelangen, reicht es im Journalismus, die Zusammenhänge - selbst wenn sie nicht bewiesen sind - anschaulich für den Leser darzustellen. Er muss nur glaubhaft machen, dass die Aspekte, die er beschreibt, real sind; seine analytischen Darstellungen und vor allem die Schlussfolgerungen müssen allerdings logisch mit den dargestellten Themen kohärent sein. Oft enden Reportagen statt expliziter Schlussfolgerungen jedoch auch mit Fragestellungen, die der Journalist selbst nicht beantwortet - der Leser soll sich seine eigene Meinung bilden. Dies ist mit der wissenschaftlichen Arbeitsweise - zumindest aus Sicht des wissenschaftstheoretischen Positivismus und verwandter Ansichten - unvereinbar, da dort Sachverhalte eindeutig dargestellt und bewiesen werden sollen.
Selbst der investigative Journalismus, der sich der eigenen Nachforschung bestimmter Sachverhalte widmet, arbeitet trotz seines Namens (von engl. investigation, Forschung) nicht nach der wissenschaftlichen Methode. Er hat zwar ebenfalls den Anspruch, die untersuchten Sachverhalte zu beweisen, die Beweisführung selbst unterliegt allerdings nicht strikt der formalen Logik. Dies bedeutet folgendes: Ein Sachverhalt kann im investigativen Journalismus auch dann als gesichert gelten, wenn kein formaler Beweis, sondern dafür mehrere als eindeutig angesehene Nachweise (etwa wie in der Justiz in der Schuldfrage) vorliegen. Oft befasst sich der investigative Journalismus beispielsweise mit Bestechungsskandalen. Mehrere übereinstimmende, den Betroffenen beschuldigenden Aussagen von vom Journalisten als vertrauenswürdig eingestuften Personen (dies deutet schon auf die subjektivistische Arbeitsweise hin) genügen, um einen Bestechungsfall als gegeben darzustellen, auch wenn aus wissenschaftlicher Sicht in diesem Fall nur eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, aber kein formeller Beweis vorliegen würde. Der investigative Journalismus gerät vor allem wegen dieser Arbeitsweise häufig in die Kritik vor allem von Seiten der Politik, die ihm vorwirft, spekulativ zu arbeiten. Dem kann jedoch entgegengesetzt werden, dass die Vertreter dieser Journalismusform in seriösen Medien durchaus gewissenhaft arbeiten und eine These nur dann veröffentlichen, wenn es praktisch sicher ist, dass sie wahr sind.
Trotz dieser Unterschiede zur Wissenschaft können journalistische Texte durchaus als Voruntersuchungen für spätere wissenschaftliche Texte dienen. Dies gilt besonders für journalistische Analysen (oft in Kommentaren und Kolumnen anzutreffen), aber auch für Reportagen. Wird in einer Reportage eines bekannten Mediums etwa ein gesellschaftlicher Missstand angeprangert, so widmet oft die Wissenschaft (z.B. in diesem Fall die Soziologie) dem Thema eine umfangreichere Forschungsarbeit.
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