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Leben


Familie

Joseph Benedikt August Johann Anton Michael Adam von Habsburg-Lothringen erblickte am 13. März 1741 als erster Sohn und viertes Kind von Maria Theresia und ihrem Gemahl Franz Stephan von Lothringen in Wien das Licht der Welt.

Joseph II. war zweimal verheiratet: von 1760 bis 1763 mit Isabella von Parma und mit Maria Josepha von Bayern von 1764 bis 1767. Aus keiner dieser Ehen entsprang ein männlicher Thronerbe. Da bereits seine zweite Ehe mehr aus Staatsräson als aus persönlicher Zuneigung geschlossen wurde, blieb er nach dem Tod seiner zweiten Frau unverheiratet.

Kaiser ohne Macht?

Schon als Thronfolger unternahm Joseph mehrere Inkognito-Reisen als Graf von Falkenberg (eine kleine linksrheinische Herrschaft der Habsburger), mit denen er sich die Sympathien der Bevölkerung sichern wollte, die aber erst posthum zu seinem Mythos beitrugen.

1764 wurde er noch zu Lebzeiten und mit Zustimmung seines Vaters, Kaiser Franz I. Stephan, in Frankfurt (Main) zum römisch-deutschen König gewählt.

1765 nach dem Tod seines Vaters wurde Joseph Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und offizieller Mitregent in den erzherzöglichen Ländern, ohne allerdings viel regieren zu können. Die Position des deutschen Kaisers war bereits zu dieser Zeit ”rein dekorativ”, und seine Mutter Maria Theresia dachte gar nicht daran, die Zügel der Macht zu seinen Gunsten aus der Hand zu geben.

Überdies hatte er in fast allen Fragen eine völlig konträre Meinung zu der seiner Mutter Maria Theresia, die bei all ihren Reformen geistig und emotional noch im Zeitalter der Gegenreformation lebte, während ihr Sohn Joseph bereits ein Anhänger aufklärerischer Ideen war. Nach ihrem Tod 1780 versuchte Joseph diese Ideen zu verwirklichen, allerdings auf eine derart überhastete und undiplomatische Art, dass vieles davon unwirksam blieb.

Als er 1790 überraschend starb, erhielt sein jüngerer Bruder Leopold II. die Kaiserwürde des Deutschen Reiches.

Joseph, ein aufgeklärter Absolutist


Er gilt als Exponent des aufgeklärten Absolutismus. Für ihn war das Herrschertum ein Amt, ein Dienst am Staat als übergeordnetem Ganzen.

Einheitsstaat Österreich

Joseph II. versuchte den Einfluss des Adels und des Klerus zugunsten der Bürger und Bauern zurückzudrängen. Die Leibeigenschaft der Bauern etwa wurde durch das Untertanenpatent am 1. November 1781 aufgehoben. Die adligen Ständeversammlungen wurden zugunsten von Staatsbeamten zurückgedrängt. Dies hatte auch mit seinen Zentralisierungstendenzen zu tun.

Ebenfalls versuchte er, aus Österreich einen Einheitsstaat mit Deutsch als Einheitssprache zu schaffen und wollte die althergebrachten Sonderrechte der Länder seines Herrschaftsbereiches abschaffen.

Er verzichtete sogar darauf, sich in Prag und Pressburg zum König von Böhmen bzw. Ungarn krönen zu lassen. Diese Bestrebungen lösten in den Österreichischen Niederlanden Unruhen aus und brachten Ungarn an den Rand eines Aufstandes.

Dieser Einheitsstaat, den er plante, sollte für das ganze Leben seiner Bürger sorgen, von der Wiege bis zur Bahre. Er regelte die Begräbnisfeierlichkeiten bis in die kleinsten Details, erließ Verordnungen, wie viel Kerzen bei einer Messe anzuzünden seien, und verbot sogar den Lebkuchen, da man sich damit den Magen verderben könne.

Richtschnur war dabei das ihm zugeschriebene Motto „Alles für das Volk – Nichts durch das Volk“.

Justizreformen

Dies bedeutet allerdings auch, dass die Rechtsordnung unter ihm bedeutende Fortschritte macht. 1783 wurden Teile des Eherechts in der "Verordnung in Ehesachen" kodifiziert, 1787 wurde ein neues Strafgesetzbuch erlassen, und die Ausarbeitung eines Bürgerlichen Gesetzbuches, die schließlich zum ABGB führen sollte, wurde begonnen.

Innen- und Wirtschaftspolitik

Unter seiner Regierung wurden merkantilistische und physiokratische Ideen verwirklicht. Die Bevölkerung wurde dabei ausschließlich als Arbeitskräftereservoir angesehen.

Maßnahmen zur Hebung der Bevölkerungszahl gehen damit Hand in Hand. Vor diesem Hintergrund ist z. B. die Aufhebung der Todesstrafe 1787 zu sehen – die Delinquenten wurden schließlich für die Zwangsarbeit gebraucht.

Ebenso verwirklichte er einen straffen Polizeistaat mit Spitzelsystem. Kurze Experimente mit der Pressefreiheit wurden rasch wieder aufgegeben.

Außenpolitik

In seiner Außenpolitik war Joseph expansiv, aber meistens nicht vom Glück begünstigt. Die Beteiligung Österreichs an der 1. Teilung Polens mit dem Zugewinn Galiziens ging auf die Initiative Preußens zurück, das als Ausgleich für Russlands Zugewinne im Krieg mit der Türkei einen Korridor durch Polen (als Verbindung zwischen Pommern und Ostpreußen) forderte. Dem war eine Politik der Annäherung an Österreich vorausgegangen, das 1771 einen geheimen Vertrag mit der Türkei geschlossen hatte und damit Druck auf Russland ausübte. Als Katharina II. von Russland von diesem geheimen Vertrag erfuhr, wurde Österreich auch ein Angebot gemacht, an der Teilung des souveränen Polens zu partizipieren. Die Initiative zu den Teilungsplänen ging also nicht von Joseph aus, zumal die Rolle Österreichs unter den europäischen Mächten 1771/72 nicht tonangebend war. Allerdings soll er im Gegensatz zu seiner Mutter keinerlei Skrupel bei diesem Handel gehabt haben.

Im Bayerischen Erbfolgekrieg, bei dem ursprünglich geplant war, Bayern an Österreich anzuschließen und dafür den Wittelsbachern die Österreichischen Niederlande zu überlassen, musste er sich letztlich mit dem Innviertel begnügen.

1780 wurde er als Verbündeter Katharinas II. in einen erfolglosen Türkenkrieg hineingezogen.

Josephinismus


Am berühmtesten ist allerdings seine Religionspolitik, die meistens allein gemeint ist, wenn man von Josephinismus spricht.

In seinem Toleranzpatent wurde das Glaubensmonopol der Katholischen Kirche gebrochen – Protestanten und Juden durften ihren Glauben ausüben, allerdings nur unter Duldung; der Vorrang der Katholischen Kirche blieb aufrecht.

Alle Orden, die im volkswirtschaftlichen Sinne unproduktiv waren, also keine Krankenpflege, Schulen oder andere soziale Aktivitäten betrieben, wurden aufgehoben, ihr Besitz verstaatlicht. Dies führte dazu, dass viele kontemplative Abteien mit zum Teil langer Tradition geschlossen wurden. Andererseits erklärt dies, warum andere dieser Abteien noch heute z.B. Schulen betreiben. Aus dem Erlös der Aufhebungen wurde der bis ins 20. Jahrhundert bestehende Religionsfonds gegründet, der die Besoldung der Priester übernahm, die auf diese Weise zu Staatsbeamten wurden.

Auch viele Feiertage und Kirchenfeste (Wallfahrten, Prozessionen u. Ä.) wurden abgeschafft – hauptsächlich um die Arbeitsproduktivität zu erhöhen.

Bewertung


Die historische Beurteilung seiner Person ist sehr unterschiedlich. Aufgrund der Überstürztheit und Radikalität seiner Maßnahmen, die das Leben des Einzelnen teilweise bis ins Kleinste bestimmten, war Joseph zu Lebzeiten unpopulär bis zur Verhasstheit und er musste einige seiner Reformen kurz vor seinem Tod wieder zurücknehmen.

Unter der Regentschaft seines zum Starrsinn neigenden Neffen Franz I. wurde er hingegen allmählich zu einer mit Nostalgie verklärten Lichtgestalt.

Seit Ende des 19. Jahrhundert wird er einerseits als fortschrittlicher Vertreter eines aufgeklärten Absolutismus gesehen, andererseits wird auch auf den paternalistischen und zentralistischen Charakter seines Regiments hingewiesen.

Nichtsdestoweniger war er einer der wichtigsten österreichischen Herrscher, auf den viele konstruktive Ansätze zurückgehen und der einen bedeutsamen Reform- und Modernisierungsschub gebracht hat.

Übersicht über die Reformen


Staatswesen

  • Aufhebung der Leibeigenschaft
  • Als erster Herrscher der Welt: Abschaffung der Todesstrafe im Zivilstrafrecht (nicht im Militärstrafrecht)
  • Religionsfreiheit
  • Öffnung des Praters und des Augartens für die Öffentlichkeit
  • Einschränkung des strengen Spanischen Hofzeremonielles
  • Schutzzölle für den Handel
  • Grundsteuer für den Adel
  • Versuch: Deutsch als Staatssprache

Soziales

  • Bau von Schulen und Krankenhäusern (u. a. des alten AKH Wiens)
  • Gründung von Waisen- und Armenhäusern
  • Verbannung der Friedhöfe aus den Städten, um das Grundwasser zu schonen
  • Einrichtung eines steirisches Volksmuseum

Kirche

  • Gründung der Diözesen Linz, St. Pölten und Leoben, Änderung der Diözesangrenzen
  • Neugründung von Pfarren
  • Auflösung vieler Klöster
  • Verringerung des päpstlichen Einflusses
  • Verbot von „abergläubischen“ Bräuchen der Kirche
  • Abschaffung von Särgen für jeden Toten (stattdessen ein allgemeiner Sarg, der eine Falltür hatte -> von den Wienern als pietätlos empfunden -> Reform zurückgenommen)

Nachkommen


  1. Maria Theresia, Erzherzogin von Österreich * 20. März 1762 in Wien, † 23. Januar 1770 in Wien
  2. Christine, Erzherzogin von Österreich * 20. November 1763 in Wien, † 20. November 1763 in Wien

Literatur


  • Karl Gutkas: Kaiser Joseph II. Eine Biographie. Zsolnay, Wien 1989. ISBN 3-552-04128-1.
  • Francois Fejtö: Joseph II. Porträt eines aufgeklärten Despoten. Matthes & Seitz, München 1987. ISBN 3-88221-512-7.
  • Justin V. Prášek: Panování císaře Josefa II., I.-II., Prag 1903, 1904

Weblinks


Mann | Kaiser (HRR) | Haus Habsburg-Lothringen | Habsburger | Geboren 1741 | Gestorben 1790

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