Josephbazalgette.jpg Sir Joseph William Bazalgette (* 28. März 1819 in Enfield; † 15. März 1891 in Wimbledon) war einer der großen Tiefbauingenieure des Viktorianischen Zeitalters. Als Chefingenieur der Londoner Metropolitan Board of Works war sein wichtigstes Werk der Bau des Abwassernetzwerks für Zentral-London, das die Stadt durch die großen Säuberungsaktionen der Themse, die sich während des Großen Gestanks 1858 in eine Kloake verwandelt hatte, vor den Cholera-Epidemien rettete.
Unterstützt durch seinen Kollegen Isambard Kingdom Brunel wurde er dann 1856 zum Chefingenieur der Metropolitan Board of Works berufen, einen Posten den er bis zur Abschaffung der Metropolitan Board of Works behielt, die 1889 durch den London County Council ersetzt wurde. Seine Berufung kam, nachdem drei Choleraepidemien 30.000 Menschen, davon zuletzt 1853/1854 eine Choleraepidemie bereits über 10.000 Menschen in Zentrallondon getötet hatte. Zu diesem Zeitpunkt war London die größte Stadt der Welt und erfuhr immer wieder neue Epidemien von Cholera, Typhus und Disenterie. Niemand kannte den genauen Zusammenhang zwischen Trinkwasser, Hygiene und Epidemien. 1858, während des Großen Gestanks, als alle Bewohner einschließlich der Abgeordneten aus der Nähe des Flusses flohen, beschloss das Parlament, das zuvor fünf Mal Bazalgettes Konzept immer wieder zur Überarbeitung zurückgewiesen hatte, einen Instandsetzungsplan und setzte Bazalgettes Konzept endlich mit der Bewilligung von 3 Mio. £ in Kraft.
Das Konzept umfasste Hauptpumpstationen in Deptford (1864) und bei Crossness (1865) in den Erith Marschen, beide auf der Südseite der Themse sowie bei Abbey Mills im River Lea Tal (1868) und an den Themseuferstraßen (1875) auf der Nordseite des Flusses. Das Gebäude bei Abbey Mills besteht zwar noch heute, aber Pumpen und Motoren wurden am Anfang des 20. Jahrhunderts abgebaut, während in Crossness Gebäude und Maschinen nicht zuletzt Dank seiner aufwendigen, eisernen viktorianischen Ornamentik als Monument erhalten blieben.
Der Bau brachte Bazalgette bis an die Grenze seiner Ausdauer, nicht zuletzt weil sein Konzept der unterirdischen Abwasserkanäle mit dem gleichzeitig stattfindenden Ausbau der London Underground im Konflikt stand.
Während der Bauphase stand die Baustelle zeitweilig ein Jahr wegen eines Streiks, bei dem die beteiligten Maurer, damals ausgesuchte Spezialisten, ihren Lohn von fünf auf sechs Shilling pro Tag steigern wollten. Eine Gasexplosion forderte ein Todesopfer. Zeitweilig wurden sechs Arbeiter verschüttet, wovon drei lebend und zwei tot geborgen werden konnten. Einer blieb vermisst. Weniger als zehn Unfälle ereigneten sich während der gesamten Bauzeit, was für diese Epoche gering war.
Einer der wichtigsten Elemente des Systems bestand im Tunnel von Woolwich, der die Abwässer zu einer Pumpstation transportierte. Dort befand sich die größte Pumpe, die jemals gebaut wurde. Vier Dampfmaschinen wurden installiert. Sie erlaubten die Förderung der Abwässer aus 7 m Tiefe.
Der Trinkwasserlieferant beschwor, nur sauberes Wasser nach London zu fördern. Als jedoch bei einer Störung in einem Ventil ein toter Aal zu Tage kam, war bewiesen, dass die Abwässerbestandteile in das Trinkwasser gelangt sein mussten. Deshalb schlug Bazalgette die Filtration des Trinkwassers vor, die daraufhin eingeführt wurde. Drei Monate nach der Einweihung verschwand die Cholera aus London und kehrte nie wieder zurück.
Londons Abwassersystem wurde schnell zum Vorbild anderer Metropolen, die Bazalgettes Konzept auf ihre Verhältnisse übertrugen.
Bazalgette wurde 1875 zum Ritter geschlagen und 1888 zum Präsidenten der Tiefbauingenieur-Institution gewählt.
Mehrere Jahre lebte Balzagette in Nordlondon in St. Johns Wood an der Hamilton Terrace 17, wo heute eine blaue Ehrenplakette an ihn erinnert. Sein Grab befindet sich in Wimbledon, wo er starb. Ein Monument auf der Flussseite des Victoria Embankments in Zentrallondon erinnert an Bazalgettes Genialität.
Mann | Engländer | Ingenieur | Geboren 1819 | Gestorben 1891
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