Josef Werndl (* 26. Februar 1831 in Steyr, Oberösterreich; † 29. April 1889) war ein österreichischer Waffenproduzent.
Josef Werndl wurde als Sohn des Waffenindustriellen Leopold geboren. Nach seiner Ausbildung als Waffenschmied und ersten Arbeitserfahrungen in Prag und Wien unternahm Werndl ausgedehnte Studienreisen nach England, Thüringen und zu den Fabriken von Remington und Colt in den USA. Nach seiner Rückkehr übernahm er 1855 den väterlichen Betrieb.
Josef Werndl begann die 500 Mitarbeiter zählende Fabrik auf moderne Produktionstechniken umzustellen und entwickelte gemeinsam mit seinem Werkmeister Karl Holub den bahnbrechenden Tabernakelverschluss für Hinterlader, mit dem er sich bei Aufträgen der k.u.k. Armee gegen den Konkurrenten Remington durchsetzte.
Die Waffenfabrik wuchs rasch auf 6.000 Mitarbeiter und wurde als "Österreichische Waffenfabriksgesellschaft" (OEWG) in eine AG umgewandelt, dessen Generaldirektor Werndl wurde. Die Produktion stieg auf etwa 8.000 Gewehre pro Woche.
Seiner Zeit weit voraus, baute Josef Werndl für seine Arbeiter moderne Wohnhäuser, Schulen und Schwimmbäder - Gebäude die die Stadt Steyr, besonders den Stadtteil Wehrgraben, auch heute noch prägen. Er zahlte Löhne in überdurchschnittlicher Höhe und versorgte alle Angestellten und deren Angehörige mit kostenloser medizinischer Betreuung.
Josef Werndl war fasziniert von technologischen Entwicklungen seiner Zeit und förderte die Produktion von Elektrizität aus Wasserkraft, auch um die schlechter werdende Auftragslage am Waffenmarkt auszugleichen. Die OEWG erzeugte Dynamos sowie Glüh- und Bogenlampen. Zur Weltausstellung 1884 erleuchtete Werndl Steyrs Straßen als erste Stadt Europas mit elektrischem Licht, was auch Kaiser Franz Josef zu einem Besuch des "bengalischen Wunders" bewegte.
Josef-Werndl-Denkmal in Steyr 2005.jpg Die Zusammenarbeit mit Holub und dem Eisenbahningenieur Ferdinand Mannlicher machte die österreichische Waffenfabrik zu einem der weltweit wichtigsten Waffenproduzenten, mit über 9 Millionen produzierten Waffen unterschiedlicher Größe zwischen 1869 und 1911. Mit zeitweise über 140.000 Beschäftigten war die OEWG die größte Waffenfabrik Europas.
Im Frühjahr 1889 erkrankte Werndl an einer Lungenentzündung, nachdem er nach einer der in Steyr häufigen Überflutungen seine soziale Ader demonstrierte, indem er persönlich an den Aufräumarbeiten teilnahm. Josef Werndl starb am 29. April 1889 im Alter von 59 Jahren. Das Werndl-Denkmal in Steyr, geschaffen vom Bildhauer Viktor Tilgner, zeugt bis heute von seiner Größe.
Aus der OEWG wurde 1935 die Steyr Daimler Puch AG. Schon ab 1920 wurden in Steyr PKWs gebaut und nach dem zweiten Weltkrieg begann die Produktion von Traktoren und Lastkraftwagen. Mit Steyr Mannlicher setzt sich die Tradition der Waffenerzeugung fort.
Mann | Österreicher | Unternehmer (Rüstungsindustrie) | Geboren 1831 | Gestorben 1889 | Steyr
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