Paul Joseph Goebbels (* 29. Oktober 1897 in Rheydt; † 1. Mai 1945 in Berlin durch Suizid) war einer der einflussreichsten und populärsten Politiker während der Zeit des Nationalsozialismus. Neben zahlreichen anderen Staats- und Parteiämtern leitete er das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda.
Im Alter von vier Jahren erkrankte Goebbels an einer Knochenmarksentzündung, durch die sein rechter Unterschenkel verkümmerte und sein Klumpfuß entstand. Er war mit ca. 165 cm relativ klein gewachsen, weshalb er im Volksmund offen als Schrumpfgermane verspottet wurde. Goebbels deutete die Krankheit rückblickend als „Zeichnung“ durch eine höhere Gewalt, die er Zeit seines Lebens zu kompensieren versucht habe. Bereits im Schulalter habe er versucht, die körperliche Behinderung zu reflektieren und sich in einen Schicksals- und Heldenglauben verloren. Die Behinderung und seine in der Schulumgebung als nicht standesgemäß empfundene Herkunft stachelten seinen Ehrgeiz an. 1917 legte er als Jahrgangsbester sein Abitur ab.
Goebbels bewegte sich, seiner Zeit durchaus entsprechend, zwischen den radikalen Ideologien, die vom Untergang so genannter alter Werte und Erschaffung neuer Gesellschaftssysteme geprägt waren. In jungen nationalkonservativen Kreisen war man von Kriegswirtschafts- und sozialistischen Verwaltungssystemen angetan, wenn auch mit der Einschränkung, dass eine Führerelite über den Rest des Volkes herrschen sollte.
Nachdem ihn 1920 auch seine Freundin Anka Stalherm verlassen hatte, verlor Goebbels gänzlich den Rückhalt. Aus seiner materiellen Not folgerte er, die Geldwirtschaft sei das Übel schlechthin. In scharfem Gegensatz zu Hitler war Goebbels kein besonders ausgeprägter Antisemit, obwohl ihn die Tatsache, dass seine neue Freundin Else Janke eine jüdische Mutter hatte, irritierte. Seit 1922 beschäftigte er sich immer mehr mit den Schriften von Oswald Spengler und Houston Stewart Chamberlain.
1923 nahm Goebbels auf Vermittlung seiner damaligen Freundin eine Stelle bei der Dresdner Bank als Börsenausrufer an, die er aber nach neun Monaten im September wieder verlor. Von dieser Zeit an hasste Goebbels den Kapitalismus und beschrieb ihn als Verschwörung des Judentums.
In dieser Zeit schrieb er neben diversen dramatischen Versuchen auch den Roman Michael. Ein deutsches Schicksal in Tagebuchblättern, für den er allerdings zunächst keinen Verleger fand. 1929 erschien der Roman im Franz-Eher-Verlag.
Kritiker aus dem rechten Lager kritisierten die Sprache Goebbels' als kommunistisch. Goebbels und die Brüder Strasser waren in der Partei Vertreter des "linken" Flügels. Für sie lag das Interesse mehr beim Sozialismus als beim Nationalismus.
Es schien Goebbels zu dieser Zeit auch nicht abwegig, dass Deutschland ein Bündnis mit der Sowjetunion eingehen sollte. So feierte er in seinen Beiträgen Lenin als den "nationalen Befreier" Russlands. Auch sollte Deutschland nicht für den Kapitalismus kämpfen. Goebbels sagte von sich selber, dass er ein "deutscher Kommunist" sei.
Zu dieser Zeit ging Goebbels auch auf Distanz zu Adolf Hitler, obwohl er den Parteiführer bisher sehr verehrt hatte. Goebbels wollte nicht akzeptieren, dass Hitler Gelder von Industriellen dankbar entgegennahm, obwohl er selbst, wie aus seinem Tagebuch hervorgeht, von dem Fabrikdirektor Arnold finanziert wurde. Stattdessen wollte Goebbels den Flügel um die Strasser-Brüder stärken, die Machtzentrale der Partei sollte von München nach Norddeutschland verlegt werden. Hitler sollte nur noch Ehrenvorsitzender der Partei sein und Gregor Strasser Parteiführer.
Hitler kannte und schätzte Goebbels als geschickten Propagandisten und wollte ihn von der Strasser-Fraktion abwerben, was ihm im Nachgang zur Bamberger Führertagung der NSDAP am 14. Februar 1926 auch gelang. Hitler zeigte Goebbels die Abschnitte aus "Mein Kampf", die sich mit Propaganda und Organisation beschäftigten. Goebbels war von diesen Thesen begeistert. Seine alte Verehrung Hitlers erstarkte wieder, und er wurde zum treuen Gefolgsmann.
Berlin war zu dieser Zeit eine Stadt, in der Kommunisten und Sozialdemokraten die Mehrheit hatten. Die Berliner NSDAP war desorganisiert und ihre Anhänger zerstritten und der Einfluss in der Stadt war gering. Goebbels warf zahlreiche Mitglieder aus der Partei mit dem Ziel neue Mitglieder zu werben, die der Partei nutzten.
Bereits seine erste Aktion in Berlin zeigte die Methoden von Joseph Goebbels. Im Berliner Arbeiterbezirk Wedding mietete er einen Saal, der sonst von den Kommunisten genutzt wurde. Die Werbeplakate für die Veranstaltung ahmten die kommunistischen Vorbilder nach. Alle Berliner Mitglieder der NSDAP mussten am 11. Februar 1927 an einem Demonstrationszug durch den Wedding teilnehmen. Damit provozierte er die Berliner Kommunisten, die in ihren Zeitungen "blutige Drohungen" gegen die Veranstaltung der Nationalsozialisten ausstießen.
Am gleichen Tag kam es zur von den Nationalsozialisten erwarteten Saalschlacht. Die Kommunisten versuchten die Veranstaltung zu sprengen, in Reserve gehaltene SA-Leute stürmten aber dann in den Saal und prügelten auf ihre Gegner ein. Goebbels bewahrte auf dem Podium die Ruhe. Nach der Prügelei ließ er die Tragen mit den verletzten SA-Leuten auf die Bühne bringen. Vor dem Publikum drückte er den Verletzten die Hand. In seiner anschließenden Rede stachelte er die Zuschauer auf. In kurzen, stakkatohaften Sätzen würdigte er die SA-Männer und weckte die Empörung der Zuhörer. Goebbels spielte hier sein ganzes rhetorisches Talent aus. Am nächsten Tag berichteten die Zeitungen über die Saalschlacht. Im Parteibüro wurden über 2.600 Mitglieder-Neueintritte beantragt. 500 Männer wollten der SA beitreten.
Bei einer weiteren Veranstaltung wurde am 4. Mai 1927 ein Pfarrer von SA-Leuten krankenhausreif geschlagen. Der Polizeipräsident von Berlin verbot daraufhin die NSDAP in Berlin. Goebbels war wieder auf den Titelseiten. Er verstand es in den weiteren Wochen, die Partei als Opfer darzustellen.
Er schrieb: "Man begann, uns zu verleumden und zu beschimpfen ... Jetzt schäumte der Gegner vor Wut ... Wer von Euch hätte je geglaubt, dass wir so stark seien." (S. 83-84). Goebbels gründete in diesen Monaten Clubs in der Stadt, um das Parteiverbot zu umgehen. Hier konnte er seine Reden halten. Daraufhin wurde ihm für Preußen Redeverbot erteilt.
Goebbels nutzte die Situation geschickt für sich aus, indem er sich als Held wie als Märtyrer darstellte. Ein gefälschtes Bild, das ihn in Fesseln zeigte, prangte auf der Titelseite des "Völkischen Beobachters". In mehreren Artikeln schrieb er reißerisch, wie er von Kommunisten verfolgt würde.
Geschickt verstand Goebbels es, Opfer in den eigenen Reihen zu glorifizieren, indem er sie zu "Blutzeugen" der Partei machte.
In dieser Zeit lieferte sich Goebbels erbitterte Kämpfe mit dem Berliner Polizeipräsidenten Bernhard Weiß, der immer wieder versuchte, Goebbels, zum Teil mit massivem Polizeieinsatz, in seiner Propagandatätigkeit – bei der es zu Straßen- und Saalschlachten kam, mit teilweise Todesfolgen – zu behindern. Verächtlich titulierte Goebbels ihn als "Isidor Weiß" (Weiß war Jude) und "ViPoPrä" (Vize-Polizei-Präsident).
Joseph Goebbels wurde von Rivalen und Feinden der eigenen Partei (NSDAP) verhöhnt, so wurde er als ,,nachgedunkelter Schrumpfgermane" oder auch als ,,Ungebleichter Schrumpfgermane" bezeichnet.
Er formte das Blatt zur Arbeiterzeitung um, das gegen die "Ausbeuter" wetterte. Für Gregor Strasser, der die Berliner Arbeiter-Zeitung in Berlin herausgab, war Goebbels' Blatt eine ungeliebte Konkurrenz. Zwischen den Verkäufern der beiden Blätter kam es in der Folgezeit zu handgreiflichen Auseinandersetzungen.
Am 29. Oktober 1927 wurde das Redeverbot für Goebbels aufgehoben. Der Angriff wurde sein Sprachrohr. Goebbels war auf jeder Titelseite mit einem Leitartikel vertreten. Ziel der Zeitung war die Verunglimpfung und Verleumdung politischer Gegner.
Goebbels hatte sich jetzt in Berlin eingelebt, er war "hart" und "kalt" geworden. Mit beißender Ironie und Berliner Jargon attackierte er seine Gegner. Er genoss es, von diesen beleidigt zu werden. Als er einmal als "Oberbandit" bezeichnet wurde, verwandte er diesen Begriff gleich auf einem seiner Plakate, auf denen er sich ankündigte unter: "Heute abend spricht Oberbandit Dr. Goebbels".
Obwohl Goebbels es geschickt verstand, die Massen zu lenken, verachtete er seine Zuhörer und wunderte sich, wie einfach die Beeinflussung des Menschen war. Neben seinen Propagandaaktionen förderte und leitete er den Terror durch die SA. Er stilisierte die Männer der SA in seinen Zeitungsartikeln als Heroen.
Der Tod von Horst Wessel bot Goebbels eine Gelegenheit, einen Helden zu schaffen. Er organisierte ein prunkvolles Begräbnis, bei dem er die Trauerrede hielt und eine neue Legende schuf.
Das Wahlergebnis: 18 Prozent der Stimmen wurden für Hitler abgegeben, und 107 Abgeordnete zogen in den Reichstag. Goebbels' Einfluss wuchs an. Er musste nun nicht mehr um Geld für seine Kampagnen betteln. Zahlreiche Industrielle spendeten jetzt im großen Stil der NSDAP, "Der Angriff" erschien jetzt täglich.
Die Politik des Reichskanzlers Heinrich Brüning trieb der NSDAP weitere Mitglieder zu. Die Millionengrenze wurde überschritten. Goebbels nutzte die Krisensituation, indem er allen alles versprach, wenn die Nationalsozialisten an die Macht kämen. Dass manche Versprechen anderen Zusagen widersprachen, fiel für ihn dabei kaum ins Gewicht: So versprach er den Hausbesitzern steigende Mieteinnahmen, den Mietern sinkende Mieten.
Der Wahlsieg brachte aber noch nicht den gewünschten Einfluss für die NSDAP. Die Wahl des Reichspräsidenten 1932 bot sich für Goebbels dazu an, den Durchbruch zu erringen. Es gelang ihm, Hitler zur Gegenkandidatur gegen Hindenburg zu bewegen.
Goebbels setzte wieder seine Propagandamaschine ein. Plakate und unzählige Redner warben für Hitler. Goebbels selber trat täglich an bis zu drei Orten auf. Die Wahl ging knapp verloren, aber auch Hindenburg verpasste die absolute Mehrheit.
Goebbels wertete die eigenen Fehler des ersten Wahlganges aus. Hitler sollte im nächsten Wahlgang noch häufiger auftreten. Dazu wurde für ihn ein Flugzeug gechartert ('Hitler über Deutschland' hieß der Slogan). Die eigenen Journalisten wurden instruiert, wie sie von den Auftritten Hitlers zu berichten hatten. Hitler gewann zwar Stimmen hinzu, doch Hindenburg blieb auch im zweiten Wahlgang Sieger.
Goebbels organisierte nun mehrere Wahlkämpfe in den deutschen Ländern in der gewohnten Weise. Neu war, dass er dabei den Reichskanzler Brüning zum öffentlichen Rededuell herausforderte. Doch Brüning lehnte ab. Die Kampagnen zeigten deutliche Erfolge in Württemberg, Bayern und Preußen.
Doch Goebbels beschränkte sich nicht nur auf Wahlpropaganda. Er setzte auch auf Provokationen und Terror. So prügelten die NS-Abgeordneten im Reichstag auf die Vertreter der Kommunisten ein, Krawalle wurden angezettelt.
Am 31. Juli 1932 errangen die Nationalsozialisten einen weiteren Sieg – die NSDAP stellte 230 Abgeordnete im Reichstag. Doch die Stimmen für die NSDAP gingen in den folgenden Wahlen in den Ländern zurück. Die Partei geriet in finanzielle Schwierigkeiten. Gregor Strasser wollte diesen Abschwung dadurch auffangen, indem er Hitler zu Koalitionen mit anderen Parteien riet. Doch Goebbels war strikt dagegen. Er konnte Hitler davon überzeugen, dass Zusammenarbeit mit anderen Parteien nicht in Frage kam.
Natürlich gab es auch Ausnahmen. Während eines Streiks in Berlin 1932 kooperierten die Nazis mit der KPD, um ihren Stand in der Arbeiterschaft nicht zu gefährden. Es gibt ein Bild aus dieser Zeit, das Goebbels mit Walter Ulbricht zusammen auf der Rednertribüne zeigt. Gerade dies führte aber bei den konservativen Mitläufern zu großen Stimmenverlusten bei der Reichstagswahl im November 1932.
Goebbels wollte den Abwärtstrend der Partei abwenden. Die Gelegenheit bot ihm die Wahl zum Landtag von Lippe-Detmold. Obwohl das Land unbedeutend war, organisierte Goebbels eine große Wahlkampagne. Die gesamte Führung trat hier an, vor oft nur wenigen Zuhörern.
Der Wahlerfolg war groß und ebenso das publizistische Echo. Am 30. Januar 1933 erreichten Hitler und seine Anhänger ihr Ziel: Hitler wurde vom Reichspräsidenten Hindenburg zum Reichskanzler ernannt. Hitler nahm die Paraden der SA in Berlin ab, hinter ihm stand Joseph Goebbels. Er schrieb in sein Tagebuch: "Das neue Reich ist erstanden ... Wir sind am Ziel. Die deutsche Revolution beginnt." Er sagte allerdings auch "Hier wird man uns nur als Leichen wieder heraustragen".
Goebbels wusste sehr genau die Macht des Hörfunks – als für damalige Verhältnisse neben der Zeitung wichtigstes Kommunikationsmedium – einzuschätzen. Zwar war bereits 1932 von der Regierung Franz von Papen die Verstaatlichung des Rundfunks aus ähnlichen Gründen durchgesetzt worden, aber nie vorher hatte eine Regierung so effizient die Gleichschaltung von Presse, Funk und Film betrieben.
Ab 1933 wurde der Volksempfänger hergestellt, damit 'des Führers Stimme' auch im entlegensten Winkel zu hören sei. Der DKE38 (=Deutscher Kleinempfänger 1938, das preisgünstigste Gerät der verschiedenen Volksempfänger-Modelle) war mit einem Preis von 36 Reichsmark für jedermann erschwinglich und wurde von der Bevölkerung auch "Goebbelsschnauze" genannt.
Auch der Film war ein wichtiges Instrument zur Beeinflussung der Bevölkerung. Zwar waren drei Viertel der im Dritten Reich gedrehten Filme Komödien, es gab aber auch antisemitische Hetzfilme wie z.B Jud Süß oder Der ewige Jude. Goebbels nahm oft persönlich Einfluss auf die Gestaltung von Drehbüchern. Filme konnten ohne seine Genehmigung nicht mehr gedreht werden. Er war allerdings klug genug, Unterhaltungsfilme zu fördern, die nicht doktrinär waren; selbst der Briefträger sagte in diesen Filmen noch 'Grüß Gott'.
Über eine weit verzweigte Machtstruktur trieb Goebbels die Gleichschaltung der Medien voran. So gelang es ihm 1937, Alfred Hugenberg zum Verkauf der Universum-Film AG (Ufa) zu zwingen und damit eine der größten Filmgesellschaften in Staatsbesitz zu bringen. Im Gegensatz zu beispielsweise Göring ließ er sich aber nicht in die Aufsichtsräte der von ihm abhängigen Gesellschaften berufen, um sich persönlich zu bereichern.
Die von Goebbels gegründete Reichskulturkammer regelte den Zugang zu allen künstlerischen Berufen. Viele jüdische Vertreter aller Kultursparten wurden aus ihren Berufen verbannt. Goebbels initiierte auch die berühmt-berüchtigte Ausstellung Entartete Kunst und ließ hierzu die Werke zahlreicher jüdischer und moderner Künstler beschlagnahmen. Insgesamt bereitete er ideologisch-propagandistisch den Holocaust (die Shoa) vor.
Die von Goebbels entwickelte Gesamtheit der NS-Propaganda gilt noch heute als Vorbild zur Gleichschaltung und Beeinflussung der Volksmassen in Diktaturen.
Im August 1938 scheiterte Goebbels Ehe mit Magda, die er im Dezember 1931 geheiratet hatte, beinahe wegen seiner zahlreichen Affären, unter anderem mit der tschechischen Schauspielerin Lida Baarova. Erst durch Hitlers Intervention ließ sich die propagandistische "Katastrophe" abwenden.
Goebbels' Verhältnis zu den Juden ist nicht ohne Widersprüche und offene Fragen. Zwar finden sich in seinen Tagebüchern, bevor er in der rechten Szene aktiv wurde, vereinzelt judenfeindliche Sätze, doch mit der späteren Hasspropaganda, die auf die völlige Vernichtung der Juden zielte, hatte dies nichts zu tun. In seinem persönlichen Umfeld gab es zahlreiche jüdische Bekanntschaften, beispielsweise hatte seine Frau zur Zeit ihrer ersten Ehe ein Verhältnis mit dem Zionisten Chaim Arlosoroff. Sein Biograph Helmut Heiber berichtet, Goebbels habe an den Chefredaktor des Berliner Tageblatts, Theodor Wolff, damals den angesehensten Journalisten in Deutschland, fünfzig Artikel vergebens eingesandt und sich auch als Redakteur erfolglos beworben.
Goebbels wusste von Anfang an von Hitlers Vernichtungsplänen. Auch die späteren Beschlüsse der Wannseekonferenz waren seinem Ministerium und ihm persönlich nicht verborgen. Am 27. März 1942 notiert er in sein Tagebuch:
Im Vorwort zu Joseph Goebbels. Tagebücher 1945. Die letzten Aufzeichnungen, Hamburg 1977 schreibt Rolf Hochhuth zu diesem Thema:
Einige Historiker (Barth) meinen, Goebbels habe sich später tatsächlich die Rassen- und Judenwahnlehre Hitlers zu eigen gemacht, andere gehen davon aus, dass er aus rein opportunistischen und taktischen Gründen alle judenfeindlichen Positionen Hitlers unreflektiert übernahm und nach außen hin vertrat, um sich ihm einerseits anzudienen und sich andererseits mit Krawallparolen Gehör zu verschaffen. Beispielsweise waren seine Tiraden gegen den jüdisch-stämmigen Vizepräsidenten der Berliner Polizei, Bernhard Weiß, den er in seinem Hetzblatt Der Angriff als Isidor karikierte, nicht von persönlichem Hass Weiß gegenüber geprägt, sondern Teil seiner technokratisch kühl kalkulierenden Propagandamaschine. Er verstand es hervorragend, die Klischees über "die Juden" für die NSDAP zu propagandistischen Zwecken zu nutzen, ob er sie wirklich selbst vertrat ist bis heute Gegenstand kontroverser historischer Forschungen.
Ähnliche Widersprüchlichkeiten finden sich auch im Rahmen seiner Hassparolen gegenüber den "Privilegierten" und "Intellektuellen" der Weimarer Republik. Gegen diese hatte er persönlich nichts, vielmehr wollte er aufgrund seines Minderwertigkeitskomplexes immer genau diesem privilegierten intellektuellen Personenkreis angehören, heiratete 'standesgemäß' und ließ sich gerne mit "Herr Doktor" anreden.
Die Pogrome in der "Reichskristallnacht" am 9./10. November 1938 wurden von Goebbels initiiert; vorher hatte er sich allerdings bei Hitler rückversichert. Eines seiner Motive war vermutlich, sich nach seiner Eheaffäre bei Hitler wieder beliebt zu machen. Am Abend des 9. November wurde in München des Hitlerputschversuchs von 1923 gedacht. Goebbels hielt eine antisemitische Hetzrede, in der er die Juden für den zwei Tage zuvor geschehenen Anschlag auf Ernst Eduard vom Rath verantwortlich machte. Er verwies auf Pogrome, die in Magdeburg-Anhalt und Kurhessen bereits stattgefundenen hatten und gab zu verstehen, dass die Partei antijüdische Aktionen nicht behindern werde. Dies wurde wie geplant von den anwesenden Gauleitern und SA-Führern als Aufforderung zu Aktionen verstanden und entsprechende Befehle wurden an die örtlichen Dienststellen gegeben.
Die Aktionen waren in Partei und Sicherheitsapparat nicht unumstritten; vor allem die Geheime Staatspolizei (Gestapo) und der Sicherheitsdienst (SD) kritisierten sie und zogen systematische verborgene Entrechtung dem öffentlichen Pogrom vor. Möglicherweise hielt sich Goebbels deswegen mit der direkten Organisation der Pogrome zurück und konnte sie so auch als Akt des "Volkszorns" ausgeben. Am Tag nach der "Reichskristallnacht" schrieb er in sein Tagebuch:
Der Krieg 1939 begeisterte ihn keinesfalls; er wusste, dass dieser Krieg unpopulär war, und fürchtete die Niederlage. "Gnade Gott uns, wenn wir diesen Krieg verlieren", soll er bei der Nachricht vom Kriegseintritt Englands gesagt haben. Dementsprechend bot er seine volle Fähigkeit und Kraft auf, um für Führer und Volk (wie er es sah) den Sieg dennoch zu erringen.
Sofort nach Kriegsbeginn verbot die "Verordnung über außerordentliche Rundfunkmaßnahmen" das Abhören ausländischer Sender; selbst Minister brauchten eine Sondergenehmigung.
Die Bombenangriffe der überlegenen alliierten Luftstreitkräfte hatten in vielen Städten des Reiches ganze Wohngebiete zerstört; unter der Zivilbevölkerung waren Tote und Verletzte zu beklagen. Die Luftangriffe weckten Empörung, weniger gegen die eigene Regierung als gegen die Angreifer. Staatliche und Partei-Dienststellen konnten die Schäden weder verhindern noch vermindern, suchten aber im Zeichen der Volksgemeinschaft unverzüglich solidarische Hilfe zu organisieren, wenn das möglich war (Verteilen von Lebensmitteln in den getroffenen Stadtteilen, Zuweisen von Ersatz-Unterkünften und Ähnliches). Die vom Propagandaministerium gesteuerten Medien, insbesondere die deutsche Wochenschau, lenkten die Aufmerksamkeit beharrlich auf solche Leistungen der staatlichen Vorsorge. Goebbels selbst suchte fleißig Schadensgebiete auf, ließ sich von Betroffenen berichten und sprach ihnen zu, selbstverständlich mit der Absicht, den Willen zum Sieg über die Angreifer und das Vertrauen in die Führung zu festigen. Das Wort "Soforthilfe" soll damals von Goebbels geprägt worden sein.
Am 31. Januar und 2. Februar 1943 hatten sich die in Stalingrad eingeschlossenen deutschen Streitkräfte der sowjetischen Übermacht ergeben; Goebbels ließ die Nachricht in Zeitungen mit Trauerrand verbreiten. Nun konnte die militärische Schwäche der deutschen Wehrmacht trotz allen verbalen Beschönigungen ("Frontbegradigung") gerade aufmerksamen Volksgenossen nicht mehr verborgen bleiben, der Glaube an den Sieg war in Gefahr. In dieser Lage hielt Goebbels es für möglich und für geboten, zu Empörung, Solidarität, Vertrauen und Siegeswille aufzurufen, nicht mehr nur gegen die Luftangriffe (so hatte er die erwünschte Reaktion bisher beobachtet), sondern allgemein gegen den Feind überhaupt. Ansprechen und innerlich bewegen wollte er nicht nur die von Luftangriffen örtlich betroffenen Menschen, sondern das gesamte deutsche Volk.
Ebenso wie Hitler war Goebbels überzeugt, über Erfolg oder Misserfolg geschichtlichen Geschehens entscheide am allermeisten die Wirkung des gesprochenen Wortes, der politischen Rede. Nach dem Rückschlag in Stalingrad sollte nun eine rhetorische Tat in Deutschland Mut und Entschlossenheit zum Sieg wieder unerschütterlich aufrichten und festigen (kein Zitat, aber die damalige Sprechweise). Im Verlauf einer politischen Kundgebung sollte (wie Goebbels es sah) die Versammlung ganz Deutschland repräsentieren, die Anwesenden sollten dem Aufruf zum totalen Krieg zustimmen und so den Willen des Volkes verbindlich festlegen. Hass und Jubel der aufgeregten Menge müsste (so stellte Goebbels sich das wohl vor) die selbe Wirkung und Geltung haben wie ein formaler Reichstagsbeschluss, wie eine demokratische Volksabstimmung.
Goebbels hat diese bis dahin unerhörte Fortentwicklung der politischen Willensbildung sorgfältig vorbereitet. Die Teilnehmer wurden namentlich ausgewählt und kurzfristig einberufen, einzelne auch ehrenvoll abgeholt und herbeigefahren. Regimetreue Volks- und Parteigenossen in genügender Zahl saßen zwischen den übrigen Teilnehmern, um an den richtigen Stellen den Beifall in Gang zu bringen. Fotografen und Kameraleute erhielten die Weisung, hauptsächlich prominente Gesichter und Zeichen der Zustimmung ins Bild zu nehmen. Die Kundgebung fand am 18. Februar 1943 im Berliner Sportpalast statt und wurde vom Rundfunk ausgestrahlt; an den folgenden Tagen verkündeten Printmedien und Wochenschau das Ereignis im ganzen Reich.
Es dauerte aber noch ein volles Jahr und fünf Monate, bis Hitler auch formal den totalen Krieg befahl. Erst nach dem Attentat vom 20. Juli 1944, freilich noch an diesem Tage, beauftragte Hitler zunächst Reichsleiter Martin Bormann mit allen "zur Herbeiführung eines totalen Kriegseinsatzes notwendigen Anordnungen in der NSDAP, deren Gliederungen und angeschlossenen Verbänden. Am 25. Juli 1944 wurde Hermann Göring beauftragt, das "gesamte öffentliche Leben den Erfordernissen der totalen Kriegsführung in jeder Beziehung anzupassen". Erst jetzt wurde Goebbels "Generalbevollmächtigter für den totalen Kriegseinsatz".
Am 1. Mai 1945 gegen 22 Uhr töteten sich Goebbels und seine Frau Magda mit Blausäure. Entgegen anderslautenden Gerüchten sind weder Magda noch Joseph Goebbels erschossen worden. Das belegen die Obduktionsergebnisse der nur unvollständig verbrannten Leichen, durchgeführt durch die Rote Armee. Kurz zuvor hatte der SS-Arzt Helmut Kunz auf beider Veranlassung ihre sechs Kinder betäubt, die dann von Magda Goebbels und Hitlers Leibarzt Ludwig Stumpfegger mit Blausäurekapseln ermordet wurden. Die Leichen des Ehepaars Goebbels wurden am Morgen des 2. Mai im Garten der Reichskanzlei unvollständig verbrannt. Gegen 17 Uhr betraten sowjetische Offiziere den Garten der Reichskanzlei und entdeckten die Leichen von Goebbels und seiner Frau nur wenige Meter vom Notausgang des Führerbunkers entfernt. Im Untersuchungsbericht heißt es:
Medienwirksam stilisierte Goebbels seine Familie zur idealen nationalen Vorzeigefamilie. Die Familie wurde ein wichtiger Teil seiner Propaganda. Die Kinder Helga, Hilde und Helmut wurden im August 1938 vor die Kameras der UFA gestellt, um die medienwirksame Versöhnung des Ehepaares Goebbels zu präsentieren. "Ob denn der Vater nun wieder lieb wäre," fragte Magda ihre Töchter, was diese selbstverständlich bejahten.
Goebbels ließ seine Kinder ohne deren Wissen 1939 in einem Film auftreten, der die Euthanasie Behinderter propagieren sollte. Die Goebbels-Kinder werden dort als positiver Kontrast zu "abstoßenden" Behinderten gezeigt.
Allein 1942 sah man die Goebbels-Kinder 34 mal in den Wochenschauen, in denen sie jedes Mal das familiäre Idyll präsentierten. So sangen sie dem Vater zu seinem 45. Geburtstag ein Ständchen, halfen ihrer Mutter beim Wäsche aufhängen, oder spielten ganz einfach im Garten.
1942/1943, als Goebbels kaum noch Kriegserfolge melden konnte, setzte er fast vollständig auf Durchhalteparolen und Familien-Propaganda. So schickte er seine Frau Magda Ende 1944 noch zusammen mit den beiden ältesten Töchtern in ein Kriegslazarett, wo sie für die Wochenschau Verwundete pflegen sollten. Für die Töchter, erst 12 und 10 Jahre alt, war es ein Schock, Verwundete sehen zu müssen, die zum Teil verstümmelt waren. Daraufhin verzichtete Goebbels auf solche Propaganda. Wenige Stunden nach Hitlers Selbstmord tötete Magda Goebbels die gemeinsamen Kinder im Führerbunker. Kurze Zeit später nahmen er und seine Frau Blausäurekapseln und entzogen sich mit ihrem Selbstmord einer Gerichtsverhandlung über ihre Mitschuld am Holocaust und am Zweiten Weltkrieg.
1. Publizierte Texte (Auswahl)
2. Nicht publizierte Texte (Auswahl)
Der Dokumentarfilm „Das Goebbels-Experiment“ von Lutz Hachmeister und Michael Kloft, welcher auf der Berlinale 2005 vorgestellt wurde und im wesentlichen auf den Tagebüchern von Goebbels basiert, zeigt in Filmaufnahmen, wie sich Joseph Goebbels von seinen Anfängen in den 20er Jahren bis zum Tod neu inszenierte und wandelte.
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