Nuzi (auch Ga-Sur) ist eine antike hurritische Stadt. Sie war eine Kleinstadt im Königreich Arrapha, die sich heute unter dem Siedlungshügel Jorgan Tepe, heute ein Teil Kirkuks, befindet (östlich des Tigris, südöstlich von Ninive).
Fundgeschichte
Seit dem Beginn des 19. Jh waren auf dem Kunstmarkt Tontafeln aus der Umgebung von
Kirkuk aufgetaucht, die von den örtlichen Bauern ausgegraben worden waren. Auf der Suche nach dem Ursprung dieser Tafeln entdeckte
Edward Chiera 1925 Nuzi/Yorgan Tepe 10 km südwestlich von Kirkuk und begann mit Ausgrabungen, die dann durch Robert H. Pfeifer, Richard F. S. Starr und dem
Harvard University und dem University Museum of
Philadelphia fortgeführt wurden.
Archive
Dabei fand man umfangreiche Archive mit insgesamt ca. 20.000
Tontafeln, von vermutlich
churritischen Schreibern in
babylonischer Sprache geschrieben. Private und staatliche Archive enthielten rechtliche, geschäftliche und Verwaltungsurkunden. Die
Keilschrift-Tafeln enthielten zahllose Einzelheiten zum Leben in
Babylonischer Zeit, u. a. zu Rechtsangelegenheiten wie Adoption, Eheschliessung, Erbrecht und Testament und zum Finanzsystem (z.B. kannte man schon das System der
Ratenzahlungen).
Hier fand man auch die älteste
Kartendarstellung auf einer Tontafel aus dem
38. Jahrhundert v. Chr. aus
sumerischer Zeit, die sogenannte
Tontafel von Nuzi. Auf der 7 cm × 7 cm großen Tontafel sind Berge, Flüsse und Städte eingezeichnet.
Rechtswesen und Gesellschaft - Parallelen zur Bibel
Unter den Sitten und sozialen Regeln entdeckte man zahlreiche Parallelen zu den
Biblischen Erzählungen des
Alten Testaments, insbesondere der Patriarchengeschichte aus dem
1. Buch Mose. Die Äußerungen
Abrahams in Bezug auf seinen Sklaven
Elieser (Genesis 15,2), zeigt deutliche Parallelen zu der hier geschilderten Sitte zur Adoption. Es war üblich, einen Sklaven oder Freien zu adoptieren, damit man im Alter versorgt war, wenn leiblichen Kinder fehlten. Auch die Veräußerung des
Erstgeburtsrecht, wie sie bei der Erzählung von
Jakob und
Esau (Gen. 25, 29-34) geschildert wird, kommt in den Tafeln vor. Der Besitz kleiner
Tonfiguren, Verkörperungen der Familiengötter, war gleichbedeutend einer Eigentumsurkunde. Wer sie besaß, war erbberechtigt. Das erhellt, warum
Rahels Vater unbedingt seine
Teraphim wiederbekommen wollte, die Rahel entwendet und mitgenommen hatte (Gen. 31,14-16, 19, 25-35).
Geschichte
Nuzi wurde im 14. Jh. durch die Assyrer zerstört (Stratum II).
Siehe auch
Weblinks
- http://infinitiv.com/nuzi/ (englisch)
Antike mesopotamische Stadt | Archäologischer Fundplatz im Irak | Hurritische Stadt
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