Der Joik (Zeitwort Joiken, auch Juoigan) ist ein mit dem Jodler verwandter, eintönig-gutturaler Obertongesang der Samen. Diese Ureinwohner Lapplands besingen damit Tiere und Naturphänomene.
Der Joik wird von Männern wie Frauen gepflegt und klingt für mitteleuropäische Ohren wie seltsamer Quarten-Gesang. Die Wurzeln dieser lautmalerischen Musik reichen angeblich bis in die Steinzeit zurück. Der Joik ist heute noch integraler Bestandteil der Kultur der Samen.
Der samische Joik ist nur teilweise formalisiert und etwa zur Hälfte Improvisation. Dem Grundverständnis nach entsteht ein Joik einfach bei einem Menschen durch das Leben in der Natur, man kann ihn also nicht direkt als improvisatorischen Gesang kennzeichnen – er existiert einfach und passt sich der Stimmung und der Landschaft an. Bei künstlerischen Auftritten wird er allerdings etwas der Situation angepasst. Es kommen rhythmische und melodische Veränderungen vor. Einzelne Vibrati und schnelle oder langsame Tremoli können eingebaut werden.
Wer den Joik verstehen will, muss sich in die tiefe Verbundenheit der Samen mit der Natur versenken. Man joikt nicht über etwas, sondern man joikt etwas – d. h. beim Joiken entsteht in Sänger und Zuhörer die Vorstellung von der Anwesenheit von Menschen, Tieren, Situationen oder Landschaften. Ein Joik ist endlos. Er benötigt keine Worte, der Interpret kann die Geschichte durch Worte, Gesten, Melodie, Rhythmus und andere Ausdruckformen erzählen bzw. variieren. Der Joik ist ein „Ding-an-und-für-sich“.
Jedes Jahr zu Ostern wird in Kautokeino (Lappland) der „Sami-Grand-Prix“ ausgetragen, ein Musikwettstreit, bei dem die Einheimischen ihre selbst komponierten Werke vortragen.
Die international bekannte norwegische Weltmusik-Interpretin Mari Boine wird oftmals als wichtigste Vertreterin des Joik genannt. Tatsächlich hat ihr sphärisch-mystischer Gesangsstil aber mit dem kehlig-bodenständigen Joik nicht mehr viel gemeinsam.
Der finnische Sami-Sänger Wimme respektive Wimme Saari ist dagegen ein moderner Joik-Interpret, der echte Joiks auf der Bühne darbietet, diese allerdings oftmals von den Techno-Klängen seiner Band RinneRadio begleiten lässt.
Die finnische Band Finntroll singt ihre Texte häufig im Joik-Stil. Damit sind sie weltweit sehr populär geworden und ihre Musik wurde dadurch stark beeinflusst.
Die Finnin Ulla Pirttijärvi aus Utsjoki, die im Rahmen der Konzertreihe Klangkosmos – Weltmusik in NRW im März 2006 insgesamt 16 Auftritte in verschiedenen Städten Nordrhein-Westfalens absolvierte, wird ebenfalls immer bekannter.
Transjoik ist eine norwegische Band, die Jazzmusik mit Joiks kombiniert. Gegründet 1992 in Trondheim unter dem Namen Frode Fjellheim Jazzjoik Ensemble wurde sie später auch gerne der Ambient- oder Trance-Szene zugeordnet.