János von Neumann (* 28. Dezember 1903 in Budapest (Österreich-Ungarn) als margittai János Lajos Neumann; † 8. Februar 1957 in Washington, DC) war ein Mathematiker, Physiker und Chemie-Ingenieur ungarischer Herkunft. Während seiner Zeit in Deutschland nannte er sich Johann von Neumann; heutzutage ist er vor allem unter seinem in den USA gewählten Namen John von Neumann bekannt.
Im Herbst 1929 wurde von Neumann von Oswald Veblen eingeladen, an die Princeton University in New Jersey zu kommen und Vorträge zur Quantentheorie zu halten. Er wirkte ab 1933 in Princeton am dort neu gegründeten, elitären Institute for Advanced Study als Professor für Mathematik. Einer seiner Kollegen dort war Albert Einstein. Wie dieser emigrierte auch von Neumann nach der Machtergreifung Hitlers dauerhaft in die USA.
John von Neumann erbrachte auf vielen Gebieten der Mathematik herausragende Beiträge. Schon 1928 hatte ihn ein Aufsatz des Mathematikers Émile Borel über Minimax-Eigenschaften zu Ideen geführt, die später auf einen seiner originellsten Entwürfe hinausliefen, der Spieltheorie. Von Neumann bewies das Minimax-Theorem. Mit Co-Autor Oskar Morgenstern schrieb er 1944 das zum Klassiker gewordene Buch The Theory of Games and Economic Behavior. Er wurde damit zum Begründer der Spieltheorie.
Von Neumann war ebenfalls Verfasser des ersten mathematisch durchdachten Quantenmechanikbuches (Hilbertraum, Entropiedefinition) und beteiligte sich wesentlich an der Entwicklung der axiomatischen Mengentheorie. Zudem gilt er als einer der Väter der Informatik. Von Neumann arbeitete ab 1943 am Manhattan-Projekt in Los Alamos. In diese Zeit gehört seine Entwicklung des ersten numerischen Verfahrens zur Lösung von hyperbolischen partiellen Differentialgleichungen, die von-Neumann-Stabilitätsanalyse sowie seine Pionierleistungen in der Rechnerarchitektur. Neben seinen mathematischen Leistungen war von Neumann politisch aktiv. Vor dem Abwurf der Atombomben auf Japan war er wichtiges Mitglied des Target Committee, das die genauen Ziele der tödlichen Bomben mitbestimmte. Hier setzte er sich für Kyoto als Abwurfort ein. Die Stadt ist für die Japaner ein heiliges religiöses Zentrum.
Nach ihm wurde die so genannte Von-Neumann-Architektur (auch: Von-Neumann-Rechner) benannt, ein Computer, in dem Daten und Programm binär codiert im selben Speicher liegen. In diesem lässt sich durch Sprungbefehle von der statisch festgelegten Reihenfolge der gespeicherten Anweisungen abweichen. Er beschrieb dieses Prinzip 1945 im First Draft of a Report on the EDVAC. Das Papier blieb zunächst unveröffentlicht, kursierte jedoch schnell in wissenschaftlichen Kreisen. So gut wie alle modernen Rechner beruhen auf von Neumanns Idee.
Die wesentlichen Ideen der so genannten Von-Neumann-Architektur wurden jedoch schon 1936 von Konrad Zuse ausgearbeitet, in zwei Patentschriften von 1937 dokumentiert, und größtenteils bereits 1938 in der Z1 realisiert. Zuse erkannte aber von Neumanns Verdienste als Mathematiker, beim Bau der EDVAC und als Urheber des seriellen Prinzips an. Die Verdienste von Neumanns beruhen wesentlich auf der Mathematisierung und Verwissenschaftlichung der Rechenmaschinen.
Mit dem Namen John von Neumann ist angeblich die Idee verbunden, die Ost-West-Konfrontation durch die Explosion einer Wasserstoffbombe über unbewohntem sowjetischem Gebiet zu beenden, um der Sowjetunion die Überlegenheit des Westens zu demonstrieren, sie von der Entwicklung einer eigenen Wasserstoffbombe abzuhalten und entscheidend und dauerhaft einzuschüchtern. Ob US-Präsident Eisenhower allerdings tatsächlich durch von Neumann zu einem solchen Schritt gedrängt wurde, ist umstritten.
Stanley Kubrick setzte von Neumann, der weithin als Prototyp eines mathematisch-technischen Genies galt, in dem Film Wie ich lernte, die Bombe zu lieben (englisch: Dr. Strangelove) ein künstlerisches Denkmal.
Professor John von Neumann, privat ein lebenslustiger und geselliger Mensch, war zweimal verheiratet (Mariette Kovesi und Klara Dan) und hatte eine Tochter (Marina). Sein Haus in Princeton war Mittelpunkt der trinkfesten akademischen Kreise auf den legendären Princeton-Parties. Er starb nach einem qualvollen Krebsleiden im Washingtoner Walter Reed Hospital. Er gilt als einer der genialsten und vielseitigsten Mathematiker des 20. Jahrhunderts.
Siehe auch: John-von-Neumann-Medaille
Mann | Ungar | US-Amerikaner | Mathematiker (20. Jh.) | Physiker (20. Jh.) | Chemiker (20. Jh.) | Geboren 1903 | Gestorben 1957 | Informatiker | ETH Zürich
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