John Milton (* 9. Dezember 1608 in London; † 8. November 1674 in Chalfont St. Giles) war ein englischer Dichter und Staatsphilosoph.
Im Comus wird der Sieg der Keuschheit über die Versuchung an einem jungen Mädchen dargestellt, welches von den ausgelassenen Geistern der Nacht, Comus und seinem Gefolge, umschwärmt wird. Ferner entstanden damals die Arcadia, die Elegie Lycidas, eine Klage um den Tod eines Freundes, und die berühmten Gedichte: L'allegro ("Der Heitere") und Il penseroso ("Der Gedankenvolle", beide erst 1645 in den Juvenile poems erschienen, in denen sich am deutlichsten die Gemütsrichtung Miltons offenbart. Im Allegro besingt er die lachende Schönheit der Erde, den Zauber des englischen Waldes, die Freuden der Jagd und ländlicher Feste, das trauliche Treiben am winterlichen Herde; diesen nichtigen Freuden aber stellt er im Penseroso das höhere Glück des Denkers gegenüber, der im Forschen die Welt vergisst, der seine Seele nährt an den großen Geisteswerken alter Zeiten und endlich die erhabene Weisheit des Propheten erlangt.
Die folgenden vier Jahre (1645 bis 1649) arbeitete Milton an einer "Geschichte Englands in der angelsächsischen Epoche". Als die republikanische Partei zur Gewalt gelangt war, ernannte ihn der regierende Ausschuss des Parlaments zum Geheimschreiber des Staatsrats für die lateinischen Ausfertigungen.
Im Gegenzug verfasste der Bischof von Exeter die Schrift Eikon basilike, das Bildnis Seiner geheiligten Majestät in seiner Einsamkeit und Qual. Das anonym erschienene Buch, das sich für ein nachgelassenes Werk des Königs selbst ausgab, war bald in 47 Auflagen im Land verbreitet, und fortan lebte der meineidige Stuart als ein edler, großmütiger Herr in den Herzen der Masse. Unverzüglich antwortete Milton mit seinem Eikonoklastes ("Bilderstürmer"), worin er den Betrug enthüllte und treffende Worte über die Schwäche sprach, welche die großen öffentlichen Sünden eidbrüchiger Fürsten über den kleinen Tugenden ihrer Häuslichkeit vergisst.
Daraufhin schrieb der gelehrte Claudius Salmasius die Defensio regia, welche Milton 1651 mit der Defensio pro populo anglicano beantwortete. Darin verkündet er die Freiheit als ein angebornes Recht der Völker und spricht der Nation das Recht zu, einen verräterischen Tyrannen zu richten und zu strafen. Das Buch ist eine Oppositionsschrift von weltgeschichtlicher Bedeutung; es wurde das politische Erbauungsbuch der Puritaner und in ganz Europa begierig gelesen. In Paris und Toulouse ward die Schrift durch Henkershand verbrannt, während das Parlament dem Verfasser eine Belohnung von 1000 Pfund Sterling zuerkannte. Milton führt als Präzedenzfälle für die Hinrichtung Karl Stuarts Osiris, Saul, David und die Erhebung des Schmalkaldischen Bundes wider Karl V. an; der Schwerpunkt seiner Beweisführung liegt aber in dem Idealismus seiner naturrechtlichen Doktrin, wonach die Freiheit dem Menschen angeboren ist. Die übermäßige Anstrengung bei Ausarbeitung dieser Schrift, mit der er vom Staatsrat beauftragt worden, hatte indessen seine gänzliche Erblindung zur Folge. Einige kleinere Flugschriften im Interesse der Republik (Upon the model of common Wealth, Ready and easy Way to establlsh a free common Wealth) beschließen die Reihe seiner Prosaschriften.
Miltons Staatsschriften dienten der Politik Cromwells, dessen Hoffnung es war, "den gesamten protestantischen Namen in brüderlicher Eintracht zusammenzuknüpfen" und diese gesammelte Macht dem Haus Habsburg entgegenzustellen. Nach dem Fall der Republik und der Wiedereinsetzung der Stuarts hatte Milton von Seiten der rachedurstigen Royalisten und Presbyterianer harte Verfolgungen auszustehen. Am 16. Juni 1660 wurde die Defensio öffentlich durch den Henker verbrannt, und nur der Fürsprache einflussreicher Freunde gelang es, den bereits verhafteten Dichter zu befreien.
Einsam und verlassen kehrte Milton ins Privatleben zurück, das sich für ihn jedoch keineswegs glänzend gestaltete. Seine erste Frau war 1652 unter Hinterlassung von drei Töchtern gestorben. Nach Jahresfrist, in den Tagen seines politischen Wirkens, hatte er sich mit Katharine Woodcock vermählt, die aber schon vor Ablauf eines Jahrs ebenfalls starb. Die dritte Ehe, die der 50-jährige hilfsbedürftige Blinde auf das Zureden seiner Freunde einging, war ebenso unglücklich wie die erste. Dazu war sein Vermögen in den Wirren des Bürgerkriegs verloren und sein Haus 1666 im großen Brand von London zerstört worden.
Das persönliche Leid der letzten Lebensjahre hatte Miltons starken Geist so wenig gebeugt wie das staatliche Elend. Er nahm seine dichterische Tätigkeit wieder auf und kehrte zu seinem Jugendplan zurück, ein großes Epos zu schaffen. Aber alle Pläne weltlicher Dichtung, die er damals gehegt hatte, stieß er jetzt von sich; nur dem Allerhöchsten - Gott selbst - sollte sein Dichten gewidmet sein. So entstand das Werk, auf welchem Miltons Dichterruhm vornehmlich beruht: Paradise Lost. Hierbei handelt es sich um das bis dato bedeutendste religiöse Werk angelsächsischer Dichtkunst, das vom tragischen Fall des Menschengeschlechts handelt und sich vor dem Hintergrund eines gigantischen Ringens zwischen den Mächten des Himmels und der Hölle abspielt und seine Einflüsse auf Literatur und Filmkunst (Z.B. der Film "The devils advocate" deutsch: "Im Auftrag des Teufels", USA, 1998, mit Al Pacino und Keanu Reeves) bis heute ausübt. Die Darstellung der Figur des Satans im Vergleich zur relativ blassen, nüchternen Ausarbeitung der Person Gottes gelingt John Milton so gut, dass der Dichter William Blake gar John Milton als "Parteigänger Satans unwissender Weise" bezeichnet hat (»he was a true Poet and of the Devil's party without knowing it« (in »The Marriage of Heaven and Hell«, 1793)). Irrigerweise wird hieraus hier und da eine eigene Interpretationsrichtung (»Satanisten«) begründet. Im 18. Jahrhundert werden von "Paradise Lost" nahezu doppelt so viele Neudrucke wie von Shakespeares Dramen aufgelegt. Für den deutschen Sprachraum ist vor allem die berühmte Übersetzung Johann Jakob Bodmers (1732) von Bedeutung; Friedrich Gottlieb Klopstocks »Der Messias« ist nahezu undenkbar ohne das Vorbild von "Paradise Lost". Im 20. Jahrhundert wird John Milton (respektive seine Dichtung) sowohl scharf angegriffen (T. S. Eliot 1936, später relativiert) als auch euphorisch verteidigt (exemplarisch C. S. Lewis 1942.)
Milton hat später noch ein Paradise Regained geschrieben, das die Versuchung Christi in der Wüste zum Stoff hat. Sein letztes Werk ist das in griechischer Form geschriebene Trauerspiel Samson Agonistes (1671), das zur Vorlage für Händels Oratorium Samson wurde.
Er starb in kümmerlichen Verhältnissen am 8. November 1674 in Bunhill bei London und wurde in der Kirche St. Giles begraben; 1737 setzte man ihm ein Denkmal in der Westminsterabtei.
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