John Kenneth Galbraith (* 15. Oktober 1908 in Iona Station, Eriesee; † 29. April 2006 in Cambridge, Massachusetts) war ein US-amerikanischer Ökonom, Sozialkritiker, Präsidentenberater, Romancier und Diplomat. Galbraith war einer der einflussreichsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts, als Keynesianer und bekennender Linksliberaler setzte er sich zeitlebens für eine Stärkung der staatlichen Institutionen und für eine Förderung der Nachfrage ein.
Der Regierungsverwaltung unter Roosevelt stellte er sich 1940 für die Aufsichtsbehörde zur Kontrolle von Löhnen und Preisen im Office of Price Administration zur Verfügung. Zwar blieben die Preise daraufhin konstant, doch sorgte gerade das für einen zunehmenden Protest aus der Industrie. Schließlich wurde der Widerstand dagegen so groß, dass er sich 1943 zum Rücktritt gezwungen sah.
1949 wurde Galbraith schließlich doch als Professor für Wirtschaftswissenschaften zur Harvard University berufen, 1959 dann auf den Paul M. Warburg-Lehrstuhl, wo er mit Unterbrechungen bis zu seiner Emeritierung 1975 lehrte. Die Campuszeitschrift "Harvard Lampoon" verlieh dem beliebten Universitätslehrer 1976 den „Funniest Professor of the Century Award“. John F. Kennedy kannte Galbraith aus seiner Studienzeit in Harvard und ließ sich seit 1952 als Senator von ihm beraten. Als neuer US-Präsident ernannte Kennedy 1961 Galbraith zum Botschafter in Indien. Dort beriet er bis 1963 auch die führenden Politiker Indiens wie Jawaharlal Nehru und Indira Gandhi in wirtschaftspolitischen Angelegenheiten. Hier half er, eines der ersten indischen Institute für Informationstechnologie, das Indian Institute of Technology in Kanpur (IIT Kanpur) mit Hilfe des Kanpur Indo-American Programms zu etablieren, einem Konsortium von 9 US-Universitäten.
Danach nahm Kennedys Nachfolger Johnson seine Beratertätigkeit für sein sozialdemokratisches Programm der "Great Society" in Anspruch. Ihre Differenzen über den Vietnamkrieg ließen sich nicht lange überbrücken, so dass Galbraith 1965 seinen Abschied nahm. Auch die weiteren demokratischen US-Präsidenten Carter und Clinton legten Wert auf sein wirtschaftspolitisches Urteil, doch hatte er nicht mehr denselben Einfluss wie zuvor. Erst in seinen letzten Lebensjahren erfuhren seine Analysen wieder mehr Beachtung und gewannen erneut an Ansehen angesichts der jahrelangen wirtschaftlichen Stagnation in den westlichen Industriestaaten und der weltweit dramatisch zunehmenden Staatsverschuldung.
Galbraith war einer der wenigen Wirtschaftstheoretiker, die der interessierten Öffentlichkeit komplexe Themen in einfacher Sprache klar darstellen konnte. Seine Kollegen beneideten ihn um seinen Sprachwitz und um seine Leichtigkeit in der Darstellung schwieriger Sachverhalte, seine Gegner dagegen sagten ihm Arroganz nach. Aufgrund seiner Eloquenz, seinem Charme und Witz wurde Galbraith auch von seinen Gegnern wie etwa Laffer als Diskussionspartner geschätzt. Seit seiner Herausgeberschaft für das Wirtschaftsmagazin Fortune von 1943 bis 1948 wurde er ein begeisterter Autor und Schreiber von Buchkritiken, -vorworten und Artikeln. Er prägte dabei auch wirtschaftliche Begriffe, die Eingang in den Wortschatz der Allgemeinheit fanden wie z.B. „the affluent society“ (Überflussgesellschaft), „conventional wisdom“ (gängige Meinung), „countervailing power“ (Gegenmacht) und „technostructure“ (Technostruktur, siehe: Profiorganisation). Galbraith war ein äußerst produktiver Autor, er veröffentlichte vier Dutzend Bücher und mehr als 1.100 Artikel (Parker 2005, 4).
Galbraith hinterließ seine Frau Catherine Merriam Atwater, die er 1937 heiratete. Sie hatten vier Söhne: J. Alan Galbraith ist ein Partner in der bekannten Washingtoner Anwaltskanzlei Williams & Connolly. Douglas Galbraith starb in seiner Kindheit an Leukämie. Peter W. Galbraith war als US-Diplomat u. a. Botschafter in Kroatien und ist heute ein bekannter Kommentator der US-amerikanischen Außenpolitik insbesondere in Südosteuropa und dem Nahen Osten. James K. Galbraith ist ein bekannter progressiver Ökonom.
In seinem bekanntesten Werk Gesellschaft im Überfluss (The Affluent Society) kritisierte er den Überfluss an privaten Gütern bei einem gleichzeitigem Mangel an öffentlichen Diensten und Dienstleistungen. Er machte klar, dass wirtschaftliches Handeln immer noch vom Geist des 19. Jahrhunderts getragen sei: obwohl der Grenznutzen eines Zweitautos gering ist, müsse trotzdem die Produktion immer weiter gesteigert werden, um den sozialen Frieden nicht zu gefährden. Er warnte damit schon 1958 vor den unkontrollierten Folgen des Wirtschaftswachstums für die Umwelt.
„The Affluent Society“ (1958) ist sein erfolgreichstes Buch, das er neben „A Theory of Price Control“ (1952) auch zu seinen beiden besten zählte. Es wurde in zwölf Sprachen übersetzt und mehr als eine Million mal verkauft. Galbraith plädiert darin für einen umfassenden Ausbau des Sozialstaats, was bei neoliberalen oder monetaristischen Ökonomen mittlerweile schon lange auf starke Kritik gestoßen ist.
Als Berater der US-Präsidenten Kennedy und Johnson befürwortete er Lohn- und Preiskontrollen für die Armen, die seiner Meinung nach als einzige keine Lobby haben, was oft vergessen wird. Er setzte sich dafür ein, Steuerpolitik als ein Lenkungsmittel anzusehen, das alle Firmen gleich trifft (also auch Oligopolisten), um die Inflation zu mindern. Weiterhin sprach er sich dafür aus, hohe Einkommen für Arbeitslose zu garantieren und soziale Sicherheit von der Produktion zu entkoppeln.
In seinem 1976 auf Deutsch erschienenen Werk Wirtschaft für Staat und Gesellschaft sprach er ein Thema an, das von den meisten Wirtschaftswissenschaftlern vernachlässigt wird: die große ökonomische Bedeutung der kostenlosen Arbeit von Hausfrauen für die Steigerung des Konsums. Dabei bezeichnet er diese Frauen als heimliche Dienstklasse in der modernen Demokratie, in der sich männliche Haushaltsvorstände in der Regel keine Bediensteten mehr leisten können wie die Reichen in vorindustriellen Zeiten. Wenn die Arbeit im Haushalt bezahlt würde, wären Hausfrauen (in den USA der 70er Jahre) die größte Arbeitnehmergruppe.
Mann | Kanadier | US-Amerikaner | Ökonom (20. Jh.) | Literatur (USA) | Geboren 1908 | Gestorben 2006
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