Der Johannistag (kurz auch Johanni, gelegentlich auch Johannestag) ist der Gedenktag der Geburt Johannis des Täufers am 24. Juni. In der katholischen Kirche hat dieser Tag den Rang eines Hochfestes. In einigen Gegenden wird der Tag auch Sommerweihnacht genannt.
Ursprung
Das
Datum wurde entsprechend einer Angabe des
Lukasevangeliums (1,26.36) vom liturgischen Datum der
Geburt Jesu her errechnet (6 Monate vorher). Im
Kirchenjahr ergab sich daraus sehr passend das (antike) Datum der
Sommersonnenwende mit der wieder abnehmenden Tageslänge, was schon früh auf den Täuferspruch in Hinblick auf den kommenden
Christus bezogen wurde: „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“ (
Johannesevangelium 3,30). Johannes der Täufer ist neben der Gottesmutter
Maria der einzige
Heilige, an dessen Geburt ein kirchliches Fest erinnert; die Gedenktage der übrigen Heiligen sind meist ihre Todestage.
Die katholische Kirche begeht den Johannistag als Hochfest. Das Datum findet sich auch im Kalender anderer Kirchen. Johann Sebastian Bach schrieb für den Johannistag die Kantate „Christ, unser Herr, zum Jordan kam“ (BWV 7).
Brauchtum/Mittsommerfeste
Johannisfeuer-1.jpg
Ein ausgepägtes
Brauchtum hat sich um diesen
Festtag entwickelt.
Zu den Bräuchen zählte in der Johannisnacht der Tanz um das Johannisfeuer.
Johannisfeuer
Das
Johannisfeuer (oder Würzfeuer, Nodfeuer) ist ein ursprünglich
heidnischer und im Volksleben fortlebender, zum Teil auch christianisierter
Brauch und wird in der Nacht vor dem Johannistag angezündet.
Es hängt wohl mit verschiedenen anderen religiös motivierten Feuer
opfern zusammen. Dem Volksglauben nach sollte es
Dämonen abwehren, die böse sind, Krankheiten bringen, Viehschaden und misswüchsige Kinder hervorbringen. Darauf deuten auch die
Strohpuppen, die man in manchen Gegenden ins Feuer wirft. Insbesondere sollten auch
Hagelschäden abgewehrt werden. In dieser Beziehung deckt sich das Johannisfeuer mit dem
Hagelfeuer.
Ein Zusammenhang besteht außerdem mit dem sogenannten
Notfeuer, weshalb es mancherorts auch Nodfeuer genannt wird. Auch der Hergang ist ziemlich gleich, nur dass der Umlauf mit
Fackeln und das Umwälzen eines
Rades beim Johannisfeuer besonders hervortritt.
Schließlich steht es in enger Verbindung zur am
21. Juni stattfindenden
Sommersonnenwende, weshalb es selbst mitunter als Sonnenfeuer bzw. Sonnwendfeuer bezeichnet wird. Das beim Johannisfeuer verwendete umwälzende Rad wird oft als
Sonne gedeutet.
Das Johannisfeuer findet man in verschiedener Ausgestaltung fast über ganz Europa verbreitet. Die südlichste Sonnenwendfeier mit Johannisfeuer findet seit 1929 in der spanischen Provinz Alicante statt. War die Provinzhauptstadt selbst zunächst südlichster Festort, so zelebrieren seit den 1990er Jahren auch weitere, südlicher gelegene Orte der Provinz ein solches Spektakel vorrangig aus touristischen Gründen (z.B. in Torrevieja, z.Z. das südlichste Johannisfeuer).
Johannisfeste
Am stärksten ist der Brauch der
Mittsommerfeste in
Skandinavien und dem
Baltikum ausgeprägt. In
Lettland ist
Jāņi der populärste
Feiertag überhaupt.
In Mainz wird zu dieser Zeit die Johannisnacht gefeiert.
Weitere Zusammenhänge
- Das Johanniskraut wurde so benannt, da es um den Johannistag blüht.
- Die Johannisbeere erreicht ihre Reife am Johannistag.
- Die Schwärme der Johanniskäfer entfalten ihre Leuchtkraft in der Johannisnacht.
Der
Johannisbrotbaum hingegen, hat möglicherweise mit
Johannes dem Täufer, jedoch nicht mit dem Johannistag zu tun.
- Am 24. Juni (Tag Johanni Baptista) wechselte im Stadtstaat Zürich jeweils der Bürgermeister und die Räte. Auch die Obervogteien und Landvogteien hatten ihre Amtswechsel an diesem Tag.
Johannistag in Québec
Seit
1834 wird der Johannistag von den
Franko-Kanadiern als
Nationalfeiertag begangen. In Folge dessen erklärte
1908 Papst
Pius X. Johannes den Täufer zum
Schutzpatron der Franko-Kanadier. Seit
1977 ist der Johannistag in der Provinz
Québec ein arbeitsfreier Feiertag.
Johanni als Bauernregel
Johanni ist als
Lostag in der Überlieferung für die Landwirtschaft und Wetter von zentraler Bedeutung. Die
Sommersonnenwende am
21. Juni läutet meist mit dem Ende der
Schafskälte die
Erntesaison ein. Futter
gräser sind bereits reif und Sommer-
Getreide und viele anderen Nutzpflanzen beginnen nun ihre Reifeperiode. Traditionell wird auch der
Spargel bis zu diesem Tag gestochen.
Johanni gilt daher als spätester Termin auch in klimatisch schlechten Regionen (Küsten Norddeutschlands und Alpen) für die Heuernte, aber auch als Garant für gutes Wetter. Der Begriff Johannischnitt wurde geprägt.
- „Vor dem Johannistag / man Gerst und Hafer nicht loben mag.“
- „Wenn die Johanniswürmer glänzen, / darfst Du richten Deine Sensen.“
Die späte Mahd prägte die Artenvielfalt der europäischen Kulturlandschaft mit, da den meisten Wiesenpflanzen Zeit gelassen wird, auszusamen und auch den Bodenbrütern der Vögel und auch vielen anderen Tieren, wie Insekten und Spinnen, mehr Zeit für ihr erfolgreiches Vermehren gelassen wird.
- „Der Kuckuck kündet teure Zeit, / wenn er nach Johanni schreit“ kann frei übersetzt werden mit: Eine verzögerte Entwicklung der Tiere ist meist verbunden mit schlechtem Wetter und daher mit Ernteausfällen.
Der Fortschritt der Landwirtschaft und die damit verbundene Intensivierung, vor allem die Werbung von Silage, verschob den Termin der Mahd immer weiter nach vorne. Der Johannischnitt gilt deshalb im Naturschutz als günstiger Termin für die Mahd von Wiesen und wird häufig bei der Pflege von naturnahen Wiesen angeordnet.
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