Johannes Rau (* 16. Januar 1931 in Wuppertal; † 27. Januar 2006 in Berlin) war ein deutscher Landes- und Bundespolitiker (SPD). In verschiedenen Spitzenämtern gestaltete er seit Anfang der 1970er Jahre die bundesdeutsche Politik maßgeblich. Von 1978 bis 1998 war er Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen und von 1999 bis 2004 der achte Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland. Bei der Bundestagswahl 1987 war er Kanzlerkandidat der SPD und im Jahr 1993 kommissarisch SPD-Bundesvorsitzender. Vor evangelisch-christlichem Hintergrund war er stets auf gesellschaftlichen Ausgleich bedacht und galt als moralische Instanz. Zentrales Motiv seiner Politik war auch sein Werben für soziale Gerechtigkeit ("Versöhnen statt Spalten") und die Aussöhnung mit Israel. Johannes_rau_2004-05-16_berlin-RZ.jpg
Nach beendeter Lehre arbeitete er zunächst ab 1952 als Verlagsbuchhändler in Wuppertal und wurde dann 1953 Lektor bei einem kleineren Verlag in Witten. Ab 1954 arbeitete er als Geschäftsführer beim Jugenddienst-Verlag, 1962 wurde er Mitglied des Vorstandes und 1965 Direktor dieses Verlages.
1968 wurde Rau in den Bundesvorstand der SPD gewählt. Ab 1973 war er Mitglied des Landesvorstandes in Nordrhein-Westfalen, von 1977 bis 1998 auch deren Vorsitzender. Ab 1978 war er Mitglied des Präsidiums der SPD und ab 1982 Stellvertretender Bundesvorsitzender.
Die von seinem Amtsvorgänger Roman Herzog 1997 begonnene Reihe der Berliner Rede setzte Rau fort. Anders als unter Herzog hielt er die im jährlichen Turnus stattfindenden Reden alle selbst. Er griff dabei gesellschaftlich relevante Themen wie die Zuwanderung, die Bio- und Gentechnik oder die Globalisierung auf. Seine letzte Berliner Rede hielt er im Mai 2004 zum Thema Vertrauen in Deutschland - eine Ermutigung. Darin forderte er in für ihn ungewöhnlich direkter Weise Politiker und Unternehmer in Deutschland zu mehr Ehrlichkeit und Verantwortungsbewusstsein auf.
Insgesamt unternahm Rau 76 Auslandsreisen als Staatsoberhaupt. Bei seinem Staatsbesuch in Israel im Jahr 2000 war er der erste deutsche Politiker, der in dieser Eigenschaft vor der Knesset stand. Seine dort am 16. Februar gehaltene Rede war die erste, die auf Deutsch gehalten wurde. Er bat dort um Vergebung für die Verbrechen des Holocaust.
Er gab am 22. Juni 2002 eine in ihrer Schärfe ungewöhnliche Erklärung anlässlich des Parteienspektakels um das Zuwanderungsgesetz ab, in welcher er das von den Parteien veranstaltete Gezerre um die Bundesratsabstimmung zum genannten Gesetz als unwürdig bezeichnet.
Am 4. September 2003 gab Rau bekannt, bei der nächsten Wahl am 23. Mai 2004 nicht mehr für das Amt des Bundespräsidenten zu kandidieren, zumal die ihn stützenden Parteien SPD und Grüne keine Mehrheit in der Bundesversammlung hatten. Am 23. März 2004 brach Rau seine Afrika-Reise vor dem geplanten Truppenbesuch bei deutschen Soldaten in Dschibuti ab. Laut Geheimdienstberichten sollte ein Mordanschlag auf einen hochrangigen europäischen Repräsentanten, also möglicherweise auf Rau, verübt werden. Am 23. April 2004 kehrte er vom letzten Staatsbesuch seiner Amtszeit aus Polen zurück.
Am 29. Juni 2004 wurde er mit einem Großen Zapfenstreich von der Bundeswehr verabschiedet.
Die Nordseeinsel Spiekeroog war jahrzehntelang das Urlaubsziel der Familie Rau, die hier ein Ferienhaus besitzt. Hier erholte sich Johannes Rau von den Strapazen des Politikeralltags und tankte Kraft nach seinen schweren Operationen. Am Tag nach dem Ausscheiden aus dem Amt des Bundespräsidenten führte ihn sein erster Weg nach Spiekeroog. Zuletzt verbrachte Rau im Sommer 2005 vier Wochen in seiner Urlaubsheimat, deren Ehrenbürger er im Jahr 2000 wurde.
Aufgrund seines auch öffentlich gelebten christlichen Glaubens wurde Rau häufig „Bruder Johannes“ genannt.
Seit 1995 wusste Rau von seinem gefährlichen Aneurysma in der Bauchschlagader, lehnte aber aus Rücksicht auf seine Ämter und die bevorstehende Wahl zum Bundespräsidenten eine Operation immer ab, bis er sich am 23. Juli 2000 operieren ließ. Am 18. August 2004 musste er sich einer schweren Herzoperation unterziehen, bei der ihm eine künstliche Herzklappe eingesetzt wurde. Nur zwei Monate später (19. Oktober 2004) musste ein Bluterguss im Bauchraum operativ entfernt werden.
Die letzten öffentlichen Auftritte von Johannes Rau waren die Preisverleihung des deutsch-türkischen Freundschaftspreises in Solingen (29. Mai 2005) und die Einweihung der Frauenkirche in Dresden (30. Oktober 2005). Rau_grab.jpg An einem Empfang des Bundespräsidenten zu seinem 75. Geburtstag am 16. Januar 2006 im Schloss Bellevue in Berlin konnte er aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr teilnehmen.
Johannes Rau starb am 27. Januar 2006 gegen 8:30 Uhr in Berlin im Kreis seiner Familie.
Bundespräsident Horst Köhler ordnete zum Gedenken an den Alt-Bundespräsident für den 7. Februar 2006 einen Staatsakt nach dem Gottesdienst im Berliner Dom an. Die Beisetzung erfolgte am selben Tag auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof zu Berlin im engsten Familien- und Freundeskreis.
Von 1965 bis 1999 gehörte Johannes Rau der Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland an und war stellvertretendes Mitglied der Kirchenleitung der Evangelischen Kirche im Rheinland, auch dem Deutschen Evangelischen Kirchentag war Rau eng verbunden; von 1966 bis 1974 war er Mitglied des Präsidiums und nahm auch danach regelmäßig am Kirchentag in offizieller Funktion und als Privatmann teil.
Johannes Rau war langjähriger stellvertretender Vorsitzender der Friedrich-Ebert-Stiftung und Mitherausgeber der evangelischen Zeitschrift Zeitzeichen.
Außerdem habe sich die Finanzlage des Landes bedeutend verschlechtert (steigende Verschuldung), das Niveau an den Schulen sei gesunken.
Mann | Deutscher | GVP-Mitglied | Ministerpräsident (Nordrhein-Westfalen) | Bundespräsident (Deutschland) | Landesminister (Nordrhein-Westfalen) | Bundesvorsitzender der SPD | Ehrenbürger | Träger des Bundesverdienstkreuzes | Ritter des Ordens wider den tierischen Ernst | Bürgermeister (Wuppertal) | Geboren 1931 | Gestorben 2006
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