Jan Hus auch Johannes Huss (nach seinem wahrscheinlichem Geburtsort Husinec) (* um 1369/1370/1371 wahrscheinlich in Husinec, Okres Prachatice; † 6. Juli 1415 in Konstanz auf dem Scheiterhaufen) war ein christlicher Reformer und Märtyrer. Er war Priester und eine Zeitlang Rektor der Universität Prag. Sein Geburtshaus beherbergt heute ein Museum und eine Gedenkstätte. Sein Vater war Fuhrmann. Die nach Jan Hus benannte Bewegung der Hussiten geht zum Teil auf sein Wirken zurück. Johannes Hus2.jpg
Als Hochschullehrer führte Hus in die tschechische Schrift die diakritischen Zeichen Akut (für lange Vokale) und Hatschek (für weiche Konsonanten) ein.
Durch Hieronymus von Prag wurde er 1398 mit den Lehren des Oxforder Theologen John Wyclif vertraut, die er begeistert aufnahm. Tschechische Adelige, die seit der Vermählung der Schwester König Wenzels, Anne von Böhmen, mit Richard II. von England (1382) an der Universität Oxford studierten, brachten von dort Wyclifs Schriften nach Prag, zuerst die philosophischen, später auch die theologischen und kirchenpolitischen. Wyclif forderte aufgrund der sittlichen Verfallserscheinungen des Klerus in England die Abkehr der Kirche von Besitz und weltlicher Macht.
Jan Hus begann Theologie zu studieren und wurde 1400 zum Priester geweiht. 1401 wurde er zum Dekan der philosophischen Fakultät ernannt. 1402 wurde er Professor und übte das Amt des Rektors der Prager Universität von 1409 bis 1410 aus. Dort lehrte er Theologie und Philosophie. Er setzte bei König Wenzel das 1409 erlassene Kuttenberger Dekret durch, welches den Tschechen die Mehrheit in der Karlsuniversität bewilligte.
Beeinflusst durch die Lehren Wyclifs kritisierte er den weltlichen Besitz der Kirche, die Habsucht des Klerus und dessen Lasterleben. Dabei soll er häufig die unwürdigsten Vertreter des Klerus als Beispiele herangezogen haben. Er kämpfte leidenschaftlich für eine Reform der verweltlichten Kirche, trat für die Gewissensfreiheit ein und sah in der Bibel die einzige Autorität in Glaubensfragen. Deshalb erkannte er das Unfehlbarkeitspostulat des Papstes nicht an. Von Wyclif übernahm Hus die Lehre der Prädestination und setzte sich für die Landessprache als Gottesdienstsprache ein.
1408 erfuhr der Prager Erzbischof von Hus' Predigten und enthob ihn daraufhin seiner Stellung als Synodalprediger. Das Lesen der Messe und das Predigen wurden ihm verboten. Er hielt sich aber nicht an diese Verbote, predigte weiterhin gegen Päpste und Bischöfe und brachte in kurzer Zeit den größten Teil Böhmens auf seine Seite.
Um der Reformbestrebungen Herr zu werden, unterwarf sich der Prager Erzbischof dem Papst Alexander V, einem der damaligen drei Gegenpäpste, und erwirkte von ihm eine Bulle, welche die Auslieferung der Schriften Wyclifs und den Widerruf seiner Lehren forderte. Außerdem sollte das Predigen außerhalb der Kirchen verboten werden. Nachdem diese Bulle am 9. März 1410 veröffentlicht wurde, ließ der Erzbischof über 200 Handschriften Wyclifs öffentlich verbrennen und verklagte Jan Hus in Rom. Hus, der sich dort erfolglos durch Abgesandte vertreten ließ, wurde daraufhin im Juli 1410 mit dem Kirchenbann belegt. Gegenpapst Johannes XXIII. bannte ihn im Februar 1411. Hus wurde exkommuniziert und aus Prag verwiesen. Als Folge davon brachen in Prag Unruhen aus.
Aufgrund seiner Beliebtheit, die in Volksdemonstrationen gipfelte, lehrte er unter dem Schutz des Königs zunächst noch ein Jahr weiter. Er verurteilte nun die Kreuzzugs- und Ablassbullen von Papst Johannes XXIII. (Gegenpapst in Pisa). Danach musste er fliehen.
Als die Prager Karls-Universität zum Papstschisma Stellung nehmen sollte, war Hus Wortführer der Tschechen. Die Universität war nach den vier Nationalitäten Bayern, Sachsen, Polen und Böhmen gegliedert. Trotz der Mehrzahl an tschechischen Studenten wurde die Universität von deutschen Lehrern geführt.
1409 erreichte Jan Hus zusammen mit Hieronymus von Prag, dass König Wenzel von Luxemburg im Kuttenberger Dekret die Universitätsverfassung änderte. Im Streit innerhalb der Universität um die Anerkennung des Konzils von Pisa sollte eine Mehrheit für die Neutralität gewonnen werden. Der König, der Hus verehrte, beugte sich dem böhmischen Druck. Zum ersten Mal spielten bei einem Aufbegehren des Volkes nationalistische Motive eine Rolle. Wenzel erteilte den Tschechen drei Stimmen, den Bayern, Polen und Sachsen zusammen dagegen nur eine. Die Tschechen erklärten sich zusammen mit König Wenzel für neutral, während die Deutschen zusammen mit Erzbischof Sbinko an Gregor XII. festhielten. Daraufhin verließen wenigstens 1000 deutsche Studenten mit ihren Professoren Prag und veranlassten die Gründung der Universität Leipzig. Die nationalen Spannungen an der Prager Universität wurden dadurch verringert.
Der Zorn des Volkes richtete sich jedoch weiterhin gegen hohe Kirchenämter, die nach wie vor von Deutschen besetzt blieben, und vermischte sich mit einem allgemeinen Zorn auf Deutsche, von denen sich die Tschechen dominiert fühlten.
Nach seiner Flucht 1412 lebte Jan Hus bis 1414 auf der Ziegenburg in Südböhmen und auf der Burg Krakovec in Mittelböhmen. Dort verfasste er mehrere seiner Werke und schuf damit die tschechische Schriftsprache (wie später Luther die deutsche Schriftsprache schuf). In dieser Zeit setzte er seine Mitwirkung an der Bibelübersetzung in die Landessprache fort (eine neue vollständige Übersetzung des Alten Testaments und Überarbeitung von älteren Übersetzungen des Neuen Testaments entstand in seiner Umgebung). Erste Veröffentlichung der neuen Textteile erfolgte in seinem Werk Postila (1413).
Als Gegenpapst (Johannes XXIII.) einen neuen Kreuzzug gegen den König von Neapel verkündete und jedem „Kreuzträger“ vollkommenen Ablass versprach, wetterte Hus auf öffentlichen Plätzen dagegen, wodurch er großen Zulauf erfuhr. In Prag brachen neue Unruhen aus.
Hus begab sich nun nach Husinec, seinem Geburtsort, wo er Streitschriften verfasste. Er erreichte, dass der mit der Kirche in Widerspruch liegende Teil des deutschen Adels ihn und seine Anhänger schützte. Einige hatten sich, für den Fall, seine Ideen seien erfolgreich, vermutlich auch Hoffnungen auf die Kirchenbesitztümer gemacht, weil der Klerus nach Wyclifs Lehren bei Unwürdigkeit zu enteignen sei.
Hus durchzog das Land als Wanderprediger. In Massen strömten ihm neue Anhänger zu.
Der deutsche König Sigismund sicherte Hus freie Hin- und Rückreise zu und stellte am 18. Oktober 1414 einen Geleitbrief aus. Hus machte sich aber schon vorher auf den Weg, um seine Ansichten vor dem Konzil darzustellen, und erreichte am 3. November Konstanz, wo er sofort festgenommen wurde. Um seine Flucht zu verhindern, setzte man ihn am 28. November in der Wohnung eines Domherrn und am 6. Dezember im Verlies eines Dominikanerklosters gefangen.
Als Sigismund am 24. Dezember 1414 eintraf, war er über die Gefangennahme Hus' erzürnt. Er drohte damit, das Konzil zu verlassen. Man erwiderte ihm, dass es dann aufgelöst würde. Die Geleitzusage Sigismunds wurde für nichtig erklärt, da Hus seine „ketzerischen“ Ansichten nicht zurücknehmen wolle und deshalb nicht mehr die weltliche Ordnung für ihn zuständig sei, sondern die kirchliche.
Im März des folgenden Jahres floh Papst Johannes XXIII., als dessen Gefangener Hus galt, aus Konstanz. Der Papst wurde aber wieder eingefangen, nach Konstanz zurückgebracht und gefangen genommen. Die Ironie des Schicksals wollte es, daß er einige Tage im gleichen Gefängnis wie Hus zubrachte. Hus wurde dem Bischof von Konstanz ausgeliefert und auf dessen Burg Gottlieben am Rhein gefangen gehalten. Hier durchlebte er eine qualvolle Zeit. Bei Tage wurde er gefesselt und nachts neben einer Kloake mit den Händen an die Wand gekettet. Er wurde schlecht ernährt und war von Krankheit gepeinigt.
Am 4. Mai 1415 verdammte das Konzil Wyclif und seine Lehre, konnte seiner jedoch nicht mehr habhaft werden, da er bereits 30 Jahre zuvor eines natürlichen Todes gestorben war. (Dafür wurde die Verbrennung seiner Gebeine angeordnet und 10 Jahre später tatsächlich durchgeführt.)
Jan Hus-Council of Constance.jpg Spiezer Chronik Jan Hus 1485.jpg, 1485)]] Hus kam am 5. Juni in das Franziskanerkloster. Dort verbrachte er die letzten Wochen seines Lebens. Vom 5. – 8. Juni wurde Hus im Refektorium vor dem Konzil verhört. Eine ausführliche Rechtfertigung gestattete man ihm nicht, sondern verlangte von ihm den öffentlichen Widerruf und die Abschwörung seiner Lehren. Hus lehnte dies ab. Bis Ende Juni versuchte man noch mehrfach vergeblich, ihn zum Widerruf zu bewegen.
Am 6. Juli 1415 wurde er in feierlicher Vollversammlung des Konzils im Dom als Ketzer zum Feuertod verurteilt auf Grund seiner Lehre von der „Kirche als der unsichtbaren Gemeinde der Prädestinierten“.
Der tschechische Reformator Jan Hus wurde am 6. Juli 1415 auf dem Brühl, zwischen Stadtmauer und Graben, zusammen mit seinen Schriften verbrannt. Seine Asche wurde in den Rhein gestreut. Heute erinnert ein Gedenkstein am mittelalterlichen Richtplatz in der danach benannten Straße „Zum Hussenstein“ daran. Die Hinrichtung leitete Friedrich VI., der spätere Kurfürst von Brandenburg und Stammvater der preußischen Könige und deutschen Kaiser aus dem Hause Hohenzollern.
In seinem Abschiedsbrief hatte Hus an seine Freunde geschrieben:
Die Hinrichtung löste den ersten Prager Fenstersturz und die Hussitenkriege (1419 bis 1436) aus. Fünf Kreuzzüge wurden gegen die aufständischen Taboriten entsandt. Die Kriege verwüsteten in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts nicht nur Böhmen und Mähren, sie griffen auch auf die Nachbarländer über, bis die Hussiten zuerst durch Zugeständnisse, dann durch Zwist und Verrat in eigenen Reihen besiegt wurden.
In seiner Grundhaltung war Hus, wie später der junge Luther, der Kirche gegenüber loyal gesinnt. Er bemühte sich, kein Ketzer zu sein und lehnte dieses Urteil über sich ab.
Hus unterscheidet zwischen Kirchenmitgliedern der Sache und dem Namen nach. Ein Mitglied der Institution Kirche muss nicht zu den Prädestinierten gehören, genau so wie ein Nichtmitglied der Institution Kirche zur geistlichen Kirche der Prädestinierten gehören kann. Ein Mensch zeigt seine Prädestination an seinem Verhalten.
Die Kirche teilt Hus in drei Teile ein: Das Volk, die weltliche Herrschaft und den Klerus. Der weltlichen Herrschaft komme die Aufgabe zu, die Diener Gottes zu beschützen und das Gesetz Gottes zu verteidigen. Die Diener Gottes sollen "die Welt verbessern, die Kirche beleben als die Seele derselben und nach allen Seiten Christus am nächsten folgen"
Die Geistlichkeit habe die Aufgabe das Evangelium zu verkünden und dem Volk mit den Sakramenten zu dienen. Auch hier sah Hus den Gegensatz zur damaligen Priesterschaft, welche nach seinen Worten nicht aus "göttlichem Trieb" predige, sondern um des Gewinnes willen. Viele forderten Geschenke oder Geld für Salbung, Taufe, Kommunion, Ordination, Konsekration der Altäre und Begräbnisse. Hus kritisiert den Ablasshandel, erfundene Reliquien, Bilderdienst und erfundene Wunder. Die Gnade Gottes dürfe nicht käuflich sein.
"Die Priester predigen wohl gegen unsere Unzucht und unsere Laster", so beklagt Hus, "aber von den ihrigen sagen sie nichts, also ist es entweder keine Sünde, oder sie wollen das Privilegium haben". Die Geistlichen, die im Heer der Gläubigen in vorderster Linie stehen, müssen nach seiner Auffassung auch von allen übrigen Gläubigen ermahnt und bestraft werden können, wenn sie irren oder sündigen.
Hus hielt es für einen Missbrauch des Namens, wenn man die Aufgabe des Papstes darin sehe, Kirchensachen in letzter Instanz zu entscheiden und den Gläubigen vorzuschreiben, was dem Papst beliebt. Er wandte sich gegen Lehren, dass der Papst von unbegrenzter Macht sei, da er alles vermöge, was Christus nach seiner menschlichen Natur vermocht habe, dass er weder Gott noch Mensch sei, sondern ein gemischter Gott, ein irdischer Gott, dass der Papst einen Bischof ohne Grund absetzen dürfe, dass er von apostolischen Vorschriften in der Bibel abstandnehmen dürfe und dass ihn niemand hinterfragen dürfe, sondern sein Wille anstelle eines Grundes gelte und dass er somit sündfrei sei, dass er sich nicht irren könne, dass er zur Sünde unfähig sei, dass er auch den Engeln befehlen und die Menschen, die er wolle, retten oder verdammen könne und Ähnliches.
Des Weiteren bestritt Hus die Rechtmäßigkeit der Anwendung der Bezeichnung der heiligste Vater auf den Papst. Nach Hus ist der einzige heiligste Vater Gott, den keine Sünde erreicht. Mit der Einschränkung der heiligste Vater auf Erden könne nur jemand gemeint sein, der auf die heilige Weise lebt, Christus in der Armut, in der Demut, in der Friedfertigkeit, in der Keuschheit und in der Arbeit nachfolgt, nicht aber jemand, der in offenkundiger Habgier, in offenem Hochmut und in anderen Sünden lebt. Auch hier zeigt sich Jan Hus' Grundhaltung, dass sich Inhaber von kirchlichen Ämtern, inklusive des Papstamtes, an den Aussagen und Werten der Bibel messen lassen müssen.
Das war - in den Augen der Obrigkeiten - sein eigentlich ketzerischer Akt. Auch wenn man es so direkt schlecht sagen konnte, empfanden es die Autoritäten als unerhörht, dem Volk - noch dazu in seiner Landessprache - Zugang zu einer Schrift zu schaffen, die man weder verbieten noch anzweifeln konnte. Das war Revolution.
Die Praxis des Abendmahles gehört auch heute noch zu den theologisch diskutierten Punkten innerhalb der Christenheit. Hus betonte zunächst die Notwendigkeit des Glaubens an die Worte Jesu, welcher sagte, das Brot sei sein Leib und der Wein sei sein Blut. Darüber hinaus würden Brot und Wein durch die vom Priester verlesenen Einsetzungsworte geweiht, so dass das Brot in den wahren Leib Christi und der Wein das wahre Blut Christi transsubstanziiert (verwandelt) würden.
Über eine Rehabilitierung in der römisch-katholischen Kirche wird derzeit diskutiert. 1996 äußerte Kardinal Miloslav Vlk die Meinung, dass das Urteil gegen Hus widerrufen werden müsse. 1999 erklärte Papst Johannes Paul II. anlässlich eines Historikerkongresses über den Reformator:
In den protestantischen Kirchen genießt Jan Hus hohes Ansehen als Vorläufer des Reformators Martin Luther, der im folgenden Jahrhundert seine Ideen und Ideale aufgreifen sollte. Vor seiner Hinrichtung soll Hus gesagt haben: „Heute bratet ihr eine Gans, aber aus der Asche wird ein Schwan entstehen“ (Hus bedeutet tschechisch Gans). Später brachte man dies mit Luther in Zusammenhang und machte deshalb den Schwan zu dessen Symbol.
Geistes- bzw. Ideengeschichtlich gebührt Jan Hus die Ehre, ein Wegbereiter der uns heute so selbstverständlichen Gewissensfreiheit zu sein.
Christentumsgeschichte (Reformationen) | Evangelischer Theologe (15. Jh.) | Märtyrer | Ketzer | Mann | Geboren 1370 | Gestorben 1415
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