gutenberg.jpg Johannes Gensfleisch zur Laden zum Gutenberg, Geburtsname Johannes (* um 1400 in Mainz; † 3. Februar 1468 ebd.) gilt als Erfinder des Buchdrucks mit beweglichen Metall-Lettern außerhalb Ostasiens. Die Idee dieser Drucktechnik war schon viele Jahre bekannt, konnte aber technisch nicht umgesetzt werden. Gutenbergs eigentliches Verdienst war die Entwicklung von Lettern, an denen die Farbe haften blieb und die leicht und schnell herzustellen waren, sowie die praktische Umsetzung des ganzen Druckvorgangs. Obwohl das seine Leistung nicht im geringsten schmälert, trifft die Bezeichnung „Erfinder des Buchdrucks“ deshalb nur bedingt zu.
Über Gutenbergs Leben und also auch über sein Wirken ist wenig bekannt, das meiste bleibt Spekulation. Sein Bruder Friele Gensfleisch jun. lebte von 1434 bis zu seinem Tode 1447 in Eltville, wo er vermutlich mit Gutenberg eine kleine Druckerei gründete.
Gutenberg arbeitete als Goldschmied und Schreiber, dabei lernte er die ersten gedruckten Bücher kennen. Er lebte zwischen 1434 und 1444 in Straßburg, wo er mit anderen das Unternehmen „aventur und kunst“ gründete, wobei „Kunst“ im damaligen Sprachgebrauch als „handwerkliches Können“ zu verstehen ist. Für die Aachen-Wallfahrt im Jahre 1439 wurden Wallfahrtsspiegel aus verschiedenen Metallen hergestellt. Aufgrund einer Pestepidemie fand die Wallfahrt jedoch erst im Jahr 1440 statt. Weil sich seine Geschäftspartner finanziell betrogen fühlten, kam es deswegen zu gerichtlichen Auseinandersetzungen.
Die Bedeutung Gutenbergs für die Entwicklung des Buchdrucks liegt vor allem in der systematischen Benutzung diverser damals bereits bekannter Reproduktions- und Druckverfahren (dem Arbeiten mit Holzblöcken, Modeln und Druckplatten oder Stempeln). Gutenbergs eigenes Verdienst ist die Erfindung des beweglichen Handgießinstrumentes, mit dessen Hilfe Buchstaben einzeln, schneller, und feiner gegossen werden konnten. Das Handgießinstrument besteht aus zwei Teilen und ist aus Holz mit metallenen Backen. Die eingesetzte Matrize wird durch einen Metallbügel gehalten. Vor Gutenbergs Erfindung hatte bereits der Niederländer de Coster einzelne Buchstaben in Formsand gegossen.
Gutenberg Bible.jpg]] Ebenso waren ihm wohl seine Experimente zum Gießen der Wallfahrtsspiegel für die Entwicklung einer Legierung sowie eines Handgießinstruments für Metall-Lettern nützlich, mit deren Hilfe er bis zum Jahr 1453 nach einer Vulgata-Vorlage die 42-zeilige, so genannte Gutenberg-Bibel druckte (abgekürzt B42).
Ferner druckte er Ablassbriefe, die lateinische Schul-Grammatik des Aelius Donatus, einen „Türcken-Kalender auf das Jahr 1455“, einen „Aderlasskalender auf das Jahr 1457“. Dass er auch am Druck des Catholicon, eines Lehr- und Nachschlagewerks der lateinischen Sprache, beteiligt war, ist wenig wahrscheinlich.
Zuvor musste Gutenberg sich allerdings um die Finanzierung der Umsetzung seiner Idee kümmern. Der Rechtsanwalt und Kaufmann Johannes Fust lieh ihm eine hohe Summe Geld, sodass Gutenberg zu seiner Buchdruckerwerkstatt kam. Aufgrund von Differenzen zwischen Fust und Gutenberg über die Aufteilung der Einnahmen und Ausgaben des gemeinsamen Druckunternehmens kam es zum Zwist der beiden Geschäftspartner. Man trennte sich nach einem Gerichtsprozess. Mit Peter Schöffer als Leiter blieb die ehemalige Gutenbergische Druckerei das erste auch kommerziell erfolgreiche Druckunternehmen.
Die in etwa 180 Exemplaren gedruckte Gutenberg-Bibel, von denen heute noch 49 erhalten sind, wurde ein beträchtlicher Erfolg. Wie Andreas Venzke in seiner Biografie über den Buchdruck-Erfinder nachweist, muss Gutenberg daran – entgegen der landläufigen Darstellung, wonach ihn Johannes Fust in die Armut getrieben habe – erheblich verdient haben.
Laut Andreas Venzke sind die gesicherten Lebensstationen auch nur die hier folgenden:
| 1394–1405: (1408) | Gutenberg wird als Mainzer geboren. |
| 1430: | Hält sich auf jeden Fall 1420 und 1427/28 in Mainz auf. |
| 1430: | Ist aus Mainz „ausgefahren“, d. h., er ist als wandernder Handwerker unterwegs. (Anmerkung: Dazu steht in Widerspruch, dass er als Patrizier kein Handwerk ausüben konnte.) |
| 1434–1444: | Lebt in (der Nähe von) Straßburg und leitet verschiedene Geschäftsgemeinschaften, die auch mit dem „Drucken“ zu tun haben. |
| 1448–1457: | Lebt in Mainz, hat eine Geschäftsgemeinschaft gegründet und druckt die Bibel. |
| 1465: | Der Mainzer Erzbischof sichert am 17. Januar 1465 in der Kurfürstlichen Burg zu Eltville sein Auskommen durch Ernennung zum Hofedelmann, welches zugleich die einzige Ehrung zu Lebzeiten darstellt und ihm eine Leibrente - Getreide, Wein und Kleidung - zubilligt. |
| 1468: | Gutenberg wird nach seinem Tod in Mainz beigesetzt. |
Gutenbergs Todestag geht nur indirekt aus einer Notiz unbekannter Hand in einem frühen Mainzer Druck hervor: „Anno Domini 1468 uf Sankt-Blasius-Tag starb der ehrsam Meister Henne Gensfleisch, dem Gott gnade.“
Von Gutenberg sind keine authentischen Bildnisse überliefert.
Gutenbergs Erfindung breitete sich schnell in Europa aus: In den ersten 50 Jahren wurden 30.000 Titel mit einer Auflage von 12 Millionen Exemplaren produziert. Druckwerke vor 1500 werden Inkunabeln oder Wiegendrucke genannt, weil der Buchdruck noch in den den Windeln oder der Wiege lag (lat. incunabula = Windeln, Wiege).
„Das größte Ereignis der Weltgeschichte“ nannte der französische Schriftsteller Victor Hugo die Erfindung des Drucks. Das Gussmetall für Gutenbergs Lettern bestand aus Blei, Zinn und verschiedenen Beimischungen, die schnell erkalteten und dem hohen Druck der Presse gut standhielten. Bei der Presse handelte es sich um eine Spindelpresse zum effektiven Auftragen des Druckbilds auf Papier und Pergament. Diese Technik war den bisherigen Holzdruckverfahren weit überlegen.
In Ostasien wurde bereits Jahrhunderte vor Gutenberg mit beweglichen und aufgrund der Eigenheiten der chinesischen Schrift wesentlich zahlreicheren Metall-Lettern gedruckt. Ob und inwieweit Gutenberg von den dortigen Techniken wußte, kann heute wohl nicht mehr festgestellt werden, sodass auch nicht sicher ist, inwieweit er den Druck mit beweglichen Metall-Lettern unabhängig davon erfunden hat. Unbestritten ist jedoch, dass Gutenberg die Letternherstellung revolutionierte und als weltweit Erster Farbe auf Ölbasis benutzte.
Umstritten ist, weshalb chinesische und koreanische Drucktechniken, die die mongolische Expansion im 13. Jahrhundert überstanden, im mittelalterlichen Ostasien nicht zu einer ähnlichen Medienrevolution führten wie später Gutenbergs Druck in Europa.
Siehe auch: Buchdruck#Bedeutung des Buchdrucks, Mediengenealogie
Angesichts der Beharrlichkeit Professor Fabbianis und seiner Mitstreiter haben die Kuratoren des Mainzer Gutenberg-Museums in einem Aufsatz, welcher in der italienischen Zeitschrift Graphicus erschienen ist, die neuen Thesen mit den gesicherten Erkenntnissen der Wissenschaft konfrontiert: Durch das „Punzen“, das Einhämmern von Buchstaben, könne niemals ein so regelmäßiges Schriftbild wie bei Gutenbergs Druckerzeugnissen erreicht werden, außerdem entstünde dabei kein rechtsbündiger Satz, sondern „Flattersatz“. Zudem sei auf einer fehlgedruckten Seite einer im polnischen Pelplin aufbewahrten Gutenberg-Bibel eine liegen gebliebene Drucktype zu sehen, die die klassische Annahme vom Druck mit beweglichen Lettern wie im Lehrbuch stütze.
Im Jahr 2000 feierte die Stadt Mainz das „Gutenbergjahr“ aus Anlass des 600. Geburtstags Gutenbergs.
Mann | Deutscher | Buchdrucker | Typograf | Erfinder | Metallurg | Geboren 1400 | Gestorben 1468] Buchdruck | Mainz
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