Hl.Bonaventura.jpg der Ältere: Der Heilige Bonaventura tritt dem Franziskanerorden bei (1628)]]
Bonaventura, bürgerlich Giovanni (di) Fidanza (* 1221 in Bagnoregio bei Viterbo; † 1274 in Lyon) war einer der bedeutendsten Theologen der Scholastik, Generalminister der Franziskaner, Kardinal von Albano; er wurde 1482 durch Sixtus IV. heiliggesprochen und 1588 durch Sixtus V. als doctor seraphicus zum Kirchenlehrer erklärt.
Bonaventura vermittelte in seinem Orden im Armutsstreit, leitete diesen seit 1257 17 Jahre lang bis zu seinem Tod und gilt wegen seines Einflusses und Organisationstalentes als "zweiter Gründer" des Franziskanerordens. Er vermittelte zwischen den "Fratres de communitate", die in der Frage nach der gebotenen Armut der Kirche einen gemäßigten Standpunkt einnahmen und den radikaleren "Spiritualen" oder "Fratizellen". Im Auftrag des Generalkapitels schrieb Bonaventura 1263 eine umfangreiche Biographie des hl. Franziskus, die im Anschluß an die beiden Vorgängerwerke von Thomas von Celano (Vita prima, Vita secunda) als dritte offizielle gezählt und zur Unterscheidung von einer kürzeren Franziskusbiographie Bonaventuras (Legenda minor) als Legenda maior betitelt wurde. 1266 entschied das Generalkapitel, daß Bonaventuras Legenda maior als die einzig offizielle Ordensbiographie zugelassen und alle Exemplare anderer Lebensbeschreibungen des Ordensgründers vernichtet werden sollten.
1273 ernannte Gregor X. Bonaventura zum Kardinalbischof von Albano und übertrug ihm die Vorbereitung des 2. Konzils von Lyon, das die Unionsverhandlungen mit der griechischen Kirche zum Abschluss bringen sollte. Noch vor Schluss des Konzils starb Bonaventura. Sixtus IV. sprach ihn 1482 heilig, und Sixtus V. nahm ihn 1588 als doctor seraphicus unter die Kirchenlehrer auf. Bonaventura war neben Thomas von Aquin der größte Theologe der Scholastik und galt als "Fürst unter allen Mystikern". Er schloss sich an Augustinus und die augustinische Tradition an und wurde von der Mystik des Hugo von St. Viktor und des Dionysius Areopagita beeinflusst.
Bonaventura wurde als Johannes Fidanza in Bagnoregio, Latium, geboren. Das genaue Geburtsdatum ist unbekannt, wird manchmal auf 1217, häufiger auf 1221 datiert. In seiner Franziskus-Biografie berichtet er von einem Wunder des Heiligen, durch das er selbst als Kind dem Tod entgangen war. Mit 18 Jahren immatrikulierte er sich als Laie 1235 an der Universität in Paris (Sorbonne). Dort studierte er die sieben freien Künste. Dabei lag der Schwerpunkt vor allem auf der Sprache: Grammatik, Rhetorik und Logik. Johannes studierte bei Alexander von Hales, dem Begründer des Kommentars der Sentenzen des Petrus Lombardus. Zu dieser Zeit trat Hales den Franziskanern bei, wodurch der Orden einen Lehrstuhl der Theologie bekam. Hales schätzte und förderte Johannes. Fidanza wurde mit 25 Jahren 1243 ebenfalls Franziskaner und nahm den Ordensnamen Bonaventura an. Der Name bedeutet etwa "günstiger Wind", "gute Zukunft".
Bonaventura studierte von 1243 bis 1248 Theologie. Zum Abschluss seines Studiums kommentierte Bonaventura das Lukasevangelium. Dann erhielt er vom Generalminister seines Ordens, Johannes von Parma, die Erlaubnis selbst in Paris zu lesen. In den folgenden zwei Jahren hielt er Vorlesungen über die Bibel. Von 1250-1252 kommentierte er als Hales-Schüler ebenfalls die Sentenzen des Petrus Lombardus. 1254 wurde er auf den theologischen Lehrstuhl der Franziskaner berufen. Dort lehrte er bis 1257. In diesen drei Jahren überarbeitete er seinen Lukaskommentar und schrieb über das Johannesevangelium sowie über das Buch Kohelet. Er hielt Seminare über Die Erkenntnis Christi (De scientia Christi), über Das Geheimnis der Dreifaltigkeit (De mysterio Trinitatis) sowie über Die evangelische Vollkommenheit (De perfectione evangelica). Darin verteidigte er das Leben der Minderbrüder gegenüber Theologen, die keinem Bettelorden angehörten. Nebenher arbeitete er über Die Rückführung der Philosophie auf die Theologie. Zum Abschluss seiner Lehrtätigkeit verfasste er noch sein Brevioloquium, den Entwurf einer "theologischen Summe", die unvollendet blieb.
Denn als Bonaventura 1257 auf Vorschlag des Johannes von Parma als dessen Nachfolger zum Generalminister seines Ordens gewählt wurde, gab er seine akademische Laufbahn auf. Bereits im April schrieb er einen Rundbrief an seinen Orden, in dem er die Brüder ermahnte den irgendwie angeschlagenen Ruf des Ordens wieder aufzubessern. Von 1259 bis 1260 schrieb er drei Traktate zur geistlichen Erziehung der Brüder: Selbstgespräch über vier geistige Übungen (Soliloquium de quatuor mentalibus exercitiis), Der Baum des Lebens (Lignum vitae) sowie Über den dreifachen Weg (De Triplici via).
Zu dieser Zeit schrieb Bonaventura auch sein einflussreichstes Werk, das bis heute an philosphischen Fakultäten gelesen wird: Reisebericht des Geistes zu Gott (Itinerarium mentis in Deum). Diese geistige und spirituelle Reise konnte, wenn auch nicht im Detail, selbst von den einfachsten Brüdern verstanden werden. Anlass für dieses Werk ist ein Besuch Bonaventuras 1259 auf dem Berg Alverna, auf dem der hl. Franziskus kurz vor seinem Tod die mystische Vision eines Engels mit sechs Flügeln hatte. Das Bild des Engels nahm Bonaventura zum Aufhänger für eine theologische Abhandlung über die Gotteserkenntnis. Im siebten und letzten Kapitel reflektiert er auch kurz über nicht-rationale Wege.
1260 leitete Bonaventura erstmals das Generalkapitel der Franziskaner, das in diesem Jahr im französischen Narbonne stattfand. Es ratifizierte den Entwurf seiner Statuten für das Leben der Brüder und beauftragte ihn mit einer offiziellen Franziskus-Biografie, die 1261 erschien. Insbesondere mit diesen beiden Leistungen steuerte Bonaventura die Franziskaner auf einen gemäßigten und dauerhaften Kurs, der ihm den Ruf des "zweiten Gründers des Ordens" einbrachte.
In den neun Jahren von 1257 bis 1266 begab sich Bonaventura auf Pastoralreisen durch Frankreich und Italien, nach franziskanischer Art zu Fuß. Schließlich kehrte er nach Paris zurück, wo seine Brüder von konservativen Theologen und radikalen Philosophen angegriffen wurden. Er veröffentlichte erneut eine Serie von Publikationen, vor allem über moralische Themen: Über die Zehn Gebote (Collationes de decem praeceptis), 1267, Über die sieben Gaben des Heiligen Geistes (Collationes de septem donis Spiritus sancti), 1268, eine Verteidigung der Minderbrüder (Apologia pauperum), 1269, und um Ostern 1273 legte er sein bedeutendes Werk Über die ersten sechs Tage der Schöpfung (Collationes in Hexaemeron) vor.
In seinen letzten Lebensjahren war er zu einer der bedeutendsten Persönlichkeiten der Christenheit geworden. In der dreijährigen Sedisvakanz im Papstamt von 1268 bis 1271, hielt Bonaventura in Viterbo eine bedeutsame Predigt und vermittelte wahrscheinlich bei der Einberufung des Konklaves. Er galt als aussichtsreicher Kandidat, soll aber selbst Teobaldi Visconti als Papst vorgeschlagen haben. Nach dessen Wahl zum Papst Gregor X. ernannte dieser Bonaventura zum Kardinal am 28. Mai 1273, als er über die Wiedervereinigung der orthodoxen und römischen Kirche predigte. Das Ziel schien auf dem 2. Konzil von Lyon erreicht, als Bonaventura während des Konzils nach kurzer schwerer Krankheit mit 53 oder 57 Jahren am 15. Juli 1274 im Ruf der Heiligkeit verstarb.
Mann | Philosoph des Mittelalters | Kardinal (13. Jh.) | Katholischer Theologe (13. Jh.) | Römisch-katholischer Bischof (13. Jh.) | Kirchenlehrer | Heiliger Franziskaner | Geboren 1221 | Gestorben 1274
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