Johannes Aesticampianus, auch genannt Johannes Rhagius, eigentlich Rak, Rock was dem altsorbischen Wort Krebs entspricht, (* 1457 in Sommerfeld; † 31. Mai 1520 in Wittenberg) war Theologe und Humanist.
Auf Empfehlung von Conrad Celtis begann Rhagius 1499 eine Studienreise, die ihn über Wien, Venedig, Padua, Ferrara, Rom und schlussendlich nach Bologna führte, um Griechischstudien zu treiben. In Bologna war er ein Schüler von Philipp Beroaldus und befreundete sich mit Jakob Questenberg.
Als er vom Papst den damals begehrten Dichterlorbeer „poeta laureatus“ erhält und damit zum Dichter gekrönt wird, wendete er sich Ostern 1501 der Universität Basel zu, wo er die Cebes-Tafeln zuerst diesseits der Alpen bekannt machte. Nach kurzem Aufenthalt in Augsburg und der Teilnahme an einer Disputation zwischen Jakob Wimpheling und Thomas Murner in Straßburg, erhält er im Wintersemester 1501 er an der Universität Mainz die Professur für Moralphilosophie und Rhetorik, die er bis 1505 ausübt.
Als er 1506 einem Ruf an der Neugegründeten Universität Frankfurt (Oder) folgt, wird er dort Professor der Poetik und Rhetorik. Sein wohl berühmtester Schüler war damals der junge Adlige Ulrich von Hutten, den er bereits 1505 in Mainz kennen gelernt hatte und der ihm 1506 nach Frankfurt folgte. Des Weiteren scharten sich um Rhagius weitere Studenten wie die Neffen des Bischofs von Lebus, da er als erster gelehrter auch in Griechisch lehrte. Als polemisierender Humanist geriet er mit dem führenden Theologen Konrad Wimpina in einen Streit und verließ aufgrund dessen 1508 mit einigen seiner Schüler Frankfurt, um sich Leipzig zuzuwenden. Jedoch auch an der Universität Leipzig stießen seine Ideen auf Widerstand, so dass nach einer Rede 1511 Herzog Georg von Sachsen seine Billigung zur Vertreibung des Professors aus Leipzig erteilte.
Rhagius unternahm aufgrund seiner Vertreibung aus Leipzig und einer Appellation an Papst Julius II. eine zweite Reise nach Rom. Hier promovierte er zum Dr. der Theologie und erwarb sich das Privileg sechs „poetae laureati“ ernennen zu dürfen. 1512 war er vorübergehend Lehrer des Griechischen in Paris und 1513 Lehrer an der Universität zu Köln, wo er aber wiederum wegen Streitigkeiten, diesmal mit Johannes Reuchlin, vertrieben wurde. Unauffällig setzte Rhagius seine Lehrtätigkeit fort. 1514 eröffnete er eine Lateinschule in Cottbus und 1515 im sächsischen Freiberg, wobei ihn seine Freunde Petrus Mosellanus, Caspar Borner und Sobius die ihnen aus Köln folgten, begleiteten und sich für seine humanistischen Bestrebungen einsetzten. Auf Dauer entsprach jedoch das Wirken an den Lateinschulen nicht den Erwartungen von Rhagius.
Deshalb trat er mit Georg Spalatin in Verbindung und verhandelte mit diesem über eine Anstellung an der Universität Wittenberg. Im Wintersemester 1517, übernahm er daraufhin die Plinius Vorlesungen. Während der Entstehung der Reformationsbewegung in Wittenberg, wandte er sich der Kirche zu und hielt Vorlesungen über das Mönchsleben, den heiligen Hieronymus und Augustinus. Seit dem Winter 1519 kränkelte er und litt ständig an Atemnot, wie Luther noch am 22. Mai 1520 dem einstigen Begleiter von Rhagius, Johannes Lang (Longius) mitteilte. Kurz darauf verstarb Rhagius am 31. Mai und wurde in der Wittenberger Stadtkirche beigesetzt.
Ein Epitaph das sich in der Stadtkirche der Lutherstadt Wittenberg auf einer Erzplatte befindet, schildert in einem lateinischen Textbild die Dichterkrönung des Verstorbenen und geht auf seine Tätigkeiten in Orten an der Donau, am Rhein an der Oder, an der Elbe, an der Spree und an der Seine ein. Zum Schluss findet sich sein Todestag, der 31. Mai 1520.
Mann Deutscher | Theologe (16. Jh.) | Humanist | Geboren 1457 | Gestorben 1520
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