Johann Sebastian Bach 1746.jpg. Ölgemälde von Elias Gottlob Haussmann]] Jsbgwappen.gif Johann Sebastian Bach (* 21. März 1685 (JK) in Eisenach; † 28. Juli 1750 in Leipzig) war ein deutscher Komponist des Barock und ein auch zu seiner Zeit berühmter Organist und Cembalist. Er gilt heute als einer der größten Tonschöpfer überhaupt, der die spätere Musik wesentlich beeinflusst hat und dessen Werke im Original und in zahllosen Bearbeitungen weltweit präsent sind.
Bachs heutige Berühmtheit hat ihre Wurzeln zum einen in der Tatsache, dass seine Werke (zusammen mit denen von Heinrich Schütz und Georg Friedrich Händels Opern und Oratorien) die einzigen waren, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in großem Umfang von einem Barockkomponisten überliefert waren. Zum anderen übte seine konsequente Anwendung des Kontrapunktes, verbunden mit der Affektwirkung seiner Melodik und der kühnen Harmonik, auf spätere Komponisten eine große Wirkung aus. Seit dem 19. Jahrhundert schätzen kirchliche Kreise Bachs geistliche Musik vor allem wegen ihrer starken Religiosität.
Die weite Verbreitung und Rezeption von Bachs Werken nahm ihren Anfang in der Wiederaufführung der Matthäuspassion durch Felix Mendelssohn Bartholdy im Jahre 1829 und wurde gefördert durch die erste Gesamtausgabe seiner Werke (1851-1899), an der Johannes Brahms mitwirkte. Sowohl Mendelssohn als auch Brahms trugen zudem Bach'sche Klavierwerke öffentlich vor. Philipp Spittas zweibändige Biografie (1873-1879) machte das erst im 19. Jahrhundert so richtig entstehende Konzertpublikum erstmals umfänglich mit J. S. Bachs Leben und Wirken bekannt. Im Laufe des späten 19. und des 20. Jahrhunderts wurde Bach für Pianisten und Klavierschüler wieder, was er schon für Ludwig van Beethoven und Robert Schumann gewesen war: ein stetes musikalisches Lebenselixier. Die Pflege von J. S. Bachs Kirchenmusik wurde vor allem von seinen Nachfolgern im Amt des Thomaskantors in Leipzig vorangebracht. Im 20. Jahrhundert nahmen sich die großen Symphonieorchester und ihre berühmten Dirigenten sowie namhafte Solisten immer mehr des Instrumentalwerkes an.
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Zur Geburt Bachs galt an seinem Geburtsort Eisenach noch der Julianische Kalender. So wird sein Geburtsdatum in der Regel mit dem örtlich gültigen Datum, dem 21. März 1685, angegeben, sein Todesdatum hingegen nach dem in Leipzig gültigen Gregorianischen Kalender. Will man Bachs Geburtsdatum mit anderen Daten dieser Zeit vergleichen, ist zu berücksichtigen, dass er nach dem damals in anderen Gebieten schon meist verwendeten Gregorianischen Kalender erst am 31. März 1685 geboren wurde.
Bach wurde am Montag, dem 23. März, in der Georgenkirche getauft. Seine frühe Kindheit verbrachte er in Eisenach, wo er durch den Cousin seines Vaters, den Organisten der Eisenacher Georgenkirche Johann Christoph Bach, auch erstmalig mit Kirchen- und Orgelmusik in Kontakt gelangte. Im Alter von acht Jahren kam Bach auf die Lateinschule des Eisenacher Dominikanerklosters.
Seine Mutter starb am 3. Mai 1694. Am 27. November 1694 heiratete sein Vater die Witwe Barbara Margaretha Bartholomäi, geborene Keul, starb aber nur wenige Monate danach, am 20. Februar 1695. Johann Sebastian zog mit seinem Bruder Johann Jacob zu seinem älteren Bruder Johann Christoph Bach (1671-1721) nach Ohrdruf. Bachohrdruf.jpg
Der vierzehn Jahre ältere Bruder Johann Christoph, der in Ohrdruf Organist war, übernahm seine weitere Erziehung und musikalische Ausbildung. Von ihm lernte Bach das Spielen auf den Tasteninstrumenten. Zu seinem Lebensunterhalt trug seine Tätigkeit als Chorsänger bei.
Am 19. Januar 1700 verließ Georg Erdmann Ohrdruf und reiste nach Lüneburg. Kurz danach, am 15. März, folgte ihm Johann Sebastian nach.
Zwischen Ostern 1702, als Bach seine Schulzeit in Lüneburg beendet hatte, und 1703 lassen sich Bachs Spuren nicht mehr genau verfolgen. Aus einem späteren Brief ergibt sich, dass er sich im Juli um die vakante Organistenstelle in Sangerhausen bewarb und beim dortigen Rat bevorzugter Kandidat war, dass aber der Herzog von Sachsen-Weißenfels sich über dessen Votum hinwegsetzte.
Diese Reise zu Buxtehude bescherte Bach wertvolle musikalische Eindrücke. Buxtehudes Abendmusiken, Orgel- und Klavierwerke sowie dessen unvergleichliches Orgelspiel bildeten einen Ansporn für den jungen Organisten und Komponisten.
Die ersten erhaltenen Orgel- und Klavierwerke Bachs lassen den Einfluss Buxtehudes erkennen. Dazu gehören Choralvorspiele wie beispielsweise Wie schön leuchtet der Morgenstern (BWV 739) und Präludien, Toccaten, Partiten und Phantasien.
Auf 1706 wird Bachs Capriccio sopra la lontananza del fratello dilettissimo datiert, das er zum Abschied von seinem Bruder Johann Jacob Bach komponierte, der sich als Feldmusiker in der schwedischen Armee verdingt hatte.
In allen Biographien wird darüber berichtet, dass Bach mehrmals Konflikte mit dem Arnstädter Konsistorium hatte. Dies betraf sein Verhalten den Chormitgliedern gegenüber, seine Urlaubsübertretung und seine Art, Orgel zu spielen. So wurde er ermahnt, bei der Begleitung der Choräle im Gottesdienst die Gemeinde nicht durch befremdliche Zwischenspiele, Verzierungen und Modulationen zu verwirren. Zitat: Halthen Ihm vor daß er bißher in dem Choral viele wunderliche variationes gemachet, viele frembde Thone mit eingemischet, daß die Gemeinde darüber confundiret worden. Die Choralbearbeitung zu Herr Jesu Christ, dich zu uns wend (BWV 726) mit ihren überraschenden Ausweichungen, ihrer vor allem in der damaligen mitteltönigen Orgelstimmung scharf klingenden Chromatik und den aufrauschenden Zwischenspielen macht die Verwirrung der Gemeinde verständlich.
Ein anderes Mal kam die Klage, dass er eine „frembde Jungfer“ (seine Cousine zweiten Grades Maria Barbara Bach) auf die Chorempore mitgenommen habe.
Der Enge dieser Verhältnisse hoffte Bach in Mühlhausen zu entgehen.
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| BWV726.jpg Herr Jesu Christ, dich zu uns wend, Orgelchoral BWV 726 |
Im Juni 1708 reiste Bach im Zusammenhang mit dem Abschluss der Renovierungsarbeiten an der dortigen Orgel nach Weimar und spielte vor dem Herzog Wilhelm Ernst. Dieser bot ihm die Stelle als Hoforganist und Kammermusiker mit einem Gehalt von 150 Gulden zuzüglich Naturalien an. Zudem hatte ein großer Stadtbrand in Mühlhausen zu einer Verteuerung der Lebenshaltungskosten geführt. Die Aussicht auf eine wesentlich bessere finanzielle Situation war offenbar ausschlaggebend dafür, dass Bach schon am 25. Juni 1708 – kaum ein Jahr nach seinem Amtsantritt – in Mühlhausen um seine Entlassung bat. Sein Nachfolger wurde Johann Friedrich Bach. Der Stadt Mühlhausen blieb Johann Sebastian Bach aber weiterhin verbunden. Jeweils für den Februar 1709 und 1710 bekam er Aufträge für Ratswechselkantaten, die ebenfalls auf Kosten des dortigen Rates gedruckt wurden, aber verschollen sind.
Gegen Ende des Jahres 1713 wurde Bach nach der Aufführung einer Probekantate die Organistenstelle an der Liebfrauenkirche in Halle angeboten. Der Grund für Bachs Interesse an der Stelle ist nicht bekannt. Er erhielt am 14. Dezember seine Bestallung vom Kirchenkollegium, zögerte aber mit der Vertragsunterzeichnung und schickte erst am 19. März 1714 eine endgültige Absage mit der Begründung, dass die Besoldung nicht seiner Erwartung entspräche.
Schließlich sah sich Bach nach einer neuen Stelle um und fand sie am Hof des Fürsten Leopold von Anhalt-Köthen, dessen Schwester sein Dienstherr Ernst August am 24. Januar 1716 geheiratet hatte. Der Grund für diesen Schritt kann nur gemutmaßt werden. Am 1. Dezember 1716 war der erste Kapellmeister Johann Samuel Drese gestorben. Eine Nachfolgeregelung wurde zunächst nicht getroffen, aber Dreses Sohn Johann Wilhelm hatte eine gewisse Vorrangstellung, da er als Vizekapellmeister schon längere Zeit die Amtsgeschäfte seines Vaters versehen hatte. Damit wäre für Bach ein Aufstieg zum Kapellmeister langfristig blockiert gewesen.
Bach unterschrieb am 5. August 1717 den Vertrag für seine neue Stelle in Köthen, ohne vorher um seine Entlassung in Weimar gebeten zu haben. Als er dies nachholen wollte, erhielt er seine Demission nicht, sondern wurde am 6. November wegen seiner „Halßstarrigen Bezeügung“ in der Landrichterstube arretiert. Am 2. Dezember wurde er aus Haft und Dienstverhältnis in Ungnade entlassen.
In den Herbst 1717 wird eine 1739 erstmals erwähnte und von Forkel ausführlich dargestellte Begebenheit datiert, nach der Bach an den Hof nach Dresden reiste, wo ein Wettstreit mit dem berühmten Orgelvirtuosen Louis Marchand stattfinden sollte. Dazu kam es nicht, weil Marchand an dem festgelegten Tag in der Frühe abgereist war, angeblich, weil er den Vergleich scheute. Diese Begebenheit ist ein typisches Beispiel dafür, dass schon kurz nach Bachs Tod ihn glorifizierende Anekdoten gepflegt wurden, oft ausgelöst durch ungenaue Erinnerungen seiner Söhne und Schüler. Bach selbst schätze nach Carl Philipp Emanuel Bachs Zeugnis die mündliche und schriftliche Weitergabe solcher Anekdoten keineswegs.
Auch aus dieser Ehe entstammen zahlreiche Kinder, von denen die meisten aber schon im Kindesalter starben: Christiana Sophia Henrietta (* Frühjahr 1723; † 29. Juni 1726), Gottfried Heinrich (* 26. Februar 1724), Christian Gottlieb (getauft 14. April 1725; † 21. September 1728), Elisabeth Juliana Friederica (getauft 5. April 1726), Ernestus Andreas (* 30. Oktober 1727; † 1. November 1727), Regina Johanna (10. Oktober 1728; † 25. April 1733), Christiana Benedicta (* 1. Januar 1730; † 4. Januar), Christiana Dorothea (* 18. März 1731; † 1732), Johann Christoph Friedrich (* 21. Juni 1732), Johann August Abraham (* 5. November 1733; † 6. November 1733), Johann Christian (* 5. September 1735), Johanna Carolina (getauft 30. Oktober 1737), Regina Susanna (getauft 22. Februar 1742).
Daneben sind noch einige Geburtstags- und Neujahrskantaten überliefert, jedoch nicht für alle in Frage kommenden Feiertage. Es gilt als sicher, dass Bach für den Hof eine beträchtliche Zahl an Konzerten und anderen Instrumentalkompositionen geschrieben haben muss, die aber weitgehend verschollen oder aber in späteren Bearbeitungen als Cembalokonzerte oder Kantatensätze erhalten sind.
Aus unbekannten Gründen schien sich Fürst Leopold in der Folgezeit von Bachs Ensemblemusik immer mehr abzuwenden. Vielleicht bezieht sich die berühmte Stelle in Bachs Brief vom 20. Oktober 1730 an seinen Jugendfreund Georg Erdmann auf diese Änderung im Musikgeschmack des Fürstenhauses, wobei er ungerechterweise der Gattin des Fürsten die Hauptschuld gibt: „Daselbst Köthen hatte einen gnädigen und Music so wohl liebenden als kennenden Fürsten; bei welchem auch vermeinte meine Lebenszeit zu beschließen. Es musste sich aber fügen, dass erwehnter Serenissimus sich mit einer Berenburgischen Princeßin vermählete, da es denn das Ansehen gewinnen wollte, als ob die musicalische Inclination [= Neigung bey besagtem Fürsten in etwas laulicht werden wollte, zumahln da die neüe Fürstin schiene eine amusa zu sein.“ Dies wird dadurch bestätigt, dass nach Bachs Weggang von Köthen sein Posten nicht wieder besetzt wurde.
Bach führte am 7. Februar 1723 als Probestück die Kantaten Jesus nahm zu sich die Zwölfe, BWV 22, und „Du wahrer Gott und Davids Sohn“, BWV 23, auf. Gewählt wurde Graupner, der aber ablehnen musste, weil ihm vom hessischen Landgrafen die Entlassung verweigert wurde. Somit wurde Bach „als dritte Wahl“ Thomaskantor, ein Amt, das er bis zu seinem Tode behielt.
Den Titel eines Fürstlich Köthenischen Kapellmeisters durfte Bach weiter führen, und er lieferte noch bis zum Tod des Fürsten 1728 Musik zu den Festtagen des Fürstenhauses.
Für Weihnachten 1723 schrieb Bach die zweite Fassung des Magnificat in Es-Dur mit den weihnachtlichen Einlagesätzen (die erste Fassung erklang ohne die später erstellten Einlagesätze schon am 2. Juli 1723 zu Mariae Heimsuchung), für den Karfreitag 1724 sein bis dahin umfassendstes Werk, die Johannespassion, für Weihnachten 1724 ein Sanctus. Wohl Anfang 1725 begegnete Bach dem Textdichter Christian Friedrich Henrici alias Picander, der schließlich den Text für die Matthäuspassion lieferte, die 1727 oder 1729 uraufgeführt wurde.
Die Aufführungsbedingungen hatten sich in diesen ersten Leipziger Jahren insgesamt verschlechtert. Bach sah sich daher gezwungen, in einer Eingabe an den Rat der Stadt Leipzig vom 23. August 1730 seine Vorstellungen von der vokalen und instrumentalen Ausstattung einer „wohlbestallten Kirchen Music“ zu dokumentieren. Dieser „höchstnöthige Entwurff“ ist heute eine wichtige Quelle für die historische Aufführungspraxis seiner Werke.
Bach bemühte sich in dieser Zeit, den Titel eines Hofkompositeurs in Dresden zugesprochen zu bekommen, da er unzufrieden war mit der Bezahlung, den hohen Lebenshaltungskosten und der Leipziger Obrigkeit, die Bachs Schaffen nicht in Bachs Sinn förderte, wie sich einem Brief von 1730 entnehmen lässt: „Da aber nun (1) finde, daß dieser Dienst bey weitem nicht so erklecklich als mann mir Ihn beschrieben, (2) viele accidentia dieser station entgangen, (3) ein sehr theurer Orth u. (4) eine wunderliche und der Music wenig ergebene Obrigkeit ist, mithin fast in stetem Verdruß, Neid und Verfolgung leben muß, als werde genöthiget werden mit des Höchsten Beystand meine Fortun anderweitig zu suchen.“.
Über die Aufführung eines derartigen Werkes, nämlich der Kantate „Preise dein Glücke, gesegnetes Sachsen“ (BWV 215) zu August III. Krönungsjubiläum am 5. Oktober 1734, gibt es umfangreiche Aufzeichnungen in der städtischen Chronik. Da die königliche Familie in Leipzig keine eigene Residenz besaß, wurde sie in dem bürgerlichen Apelischen Stadtpalais untergebracht.
Aus der Chronik:
Auf der Rückreise hielt sich Bach für zwei Tage in Weißensee auf, wo er am 22. Juni 1735 die von Conrad Wilhelm Schäfer reparierte Orgel zu St. Peter und Paul prüfte. Quelle: BJ 2005, S. 287ff
Ob Bach sofort wieder nach Leipzig zurückkehrte oder noch andere Städte besuchte ist nicht bekannt. Seine Anwesenheit in Leipzig ist erst wieder ab Anfang August belegt. Am 3. August wurde die Namenstagskantate (wahrscheinlich BWV 207a) für Friedrich August II. aufgeführt Quellen: Dok. II, Nr. 367 und 368.
Im Mai 1747 besuchte er auf Einladung Friedrichs des Großen, in dessen Hofkapelle Carl Philipp Emanuel Bach angestellt war, Potsdam und Berlin und improvisierte auf den dortigen Pianoforti und Orgeln. Er versprach, ein ihm vom König vorgegebenes Thema in einer Fuge auszuführen und in Kupfer zu stechen. Aus diesem Versprechen wurde das Musikalische Opfer, eine Sammlung von zwei Fugen (drei- und sechsstimmig), zehn Kanons und einer Triosonate, alle über das gleiche Thema.
„Einige canonische Verænderungen über das Weynacht-Lied: Vom Himmel hoch da komme ich her vor die Orgel mit 2. Clavieren und dem Pedal“ lautet der Titel eines Variationenwerkes, das Bach zu seinem Eintritt 1747 in die von Lorenz Christoph Mizler gegründete „Correspondierende Societæt der musikalischen Wissenschaften“ einreichte. Es gilt als bedeutendes, kontrapunktisches Spätwerk Bachs.
Ein weiterer kontrapunktischer Werkzyklus ist die Kunst der Fuge, deren erste Reinschrift Bach 1742 abschloss, die er aber danach bis 1749 umfassend ergänzte und überarbeitete. Die Sammlung von einfachen Fugen, Gegenfugen, Spiegelfugen, Fugen mit mehreren Themen und Kanons stellt ein Kompendium der Techniken der Fugenkomposition dar.
Ebenfalls in Bachs letzte Jahre fällt die Vollendung der h-Moll-Messe unter Verwendung der Missa von 1733, des Sanctus von 1724 und anderer älterer Kompositionen.
Nach zweimaliger Umbettung befindet sich sein Grab heute in der Leipziger Thomaskirche.
Einen zahlenmäßig wesentlich größeren Umfang haben die fremdschriftlichen und gedruckten Dokumente zur Lebensgeschichte von 1685 bis 1750 und die Dokumente zum Nachwirken von 1750 bis 1800.
All diese Dokumente sind zugänglich in Supplement-Bänden zur „Neuen Ausgabe sämtlicher Werke“ Bachs.
Bach in seiner äußeren Biographie, zumal in seinen Tätigkeiten zu erfassen, gelingt mit diesen Dokumenten wesentlich leichter als in seiner inneren Biographie. Deshalb entstanden schon zu Bachs Lebzeiten Anekdoten, die das auszugleichen suchten und immer noch wirksam sind.
Eine große Hilfe, Bach nahe zu kommen, sind die von Werner Neumann herausgegebenen und kommentierten „Bilddokumente zur Lebensgeschichte Johann Sebastian Bachs“ als Supplement zu Johann Sebastian Bach, Neue Ausgabe sämtlicher Werke. Darin werden auch alle greifbaren Varianten von Bachbildnissen vorgestellt und kritisch besprochen.
Nach Bachs Tod lebte seine Gestalt weiter in den gemalten, gezeichneten und gestochenen Portraits und in der mündlichen und schriftlichen Tradierung durch seine Söhne, Schüler, Freunde und Gegner.
Sehr bald wurde Bach für musiktheoretische und ästhetische, musikhistorische und politische Anliegen vereinnahmt. Oft sagte die Sicht auf Bach mehr über die Intentionen des Schreibenden als über Bach selbst aus.
Auch die Bach-Biographien von Forkel und Spitta über Schweitzer und Wolff bis hin zu den populärwissenschaftlich und romanhaft Schreibenden unserer Tage müssen daraufhin kritisch überprüft werden.
Das geschieht unter anderem in wissenschaftlichen Untersuchungen zu Einzelfragen von Bachs Leben und seinem geschichtlichen und musikgeschichtlichen Umfeld, oft veröffentlicht in Periodika, Forschungsberichten und Aufsatzsammlungen, die zu überblicken nicht mehr möglich ist.
Kenntnis vom musikalischen Einfluss auf Bach hat man aus verschiedenen Quellen:
Mitteldeutsche Einflüsse durch:
Norddeutsche Einflüsse durch:
Süddeutsch-österreichische Einflüsse durch:
Italienische Einflüsse durch:
Manche berühmte Musiker, die Bach teilweise persönlich kannte, sind schwer zuzuordnen. Sie hatten selbst unterschiedlichste Musik verarbeitet und Bach mit ihren Werken beeinflusst, so etwa Jan Dismas Zelenka, Johann Mattheson, Georg Philipp Telemann, Reinhard Keiser und Georg Friedrich Händel.
Ob Bach auch Anregungen seiner Söhne Wilhelm Friedemann und Carl Philipp Emanuel aufnahm, ist nicht gesichert, aber zu vermuten. Dass manche Kompositionen der beiden ältesten Bachsöhne als Werke des Vaters galten und umgekehrt, deutet darauf hin.
Mit Ausnahme der Oper komponierte Bach Werke in allen zu seiner Zeit verbreiteten musikalischen Gattungen:
Vokalmusik
Instrumentalmusik
Bachs Werke sind großenteils funktional gebunden, beispielsweise als Kantoren- und Organistenmusik für die Kirche, Instrumentalmusik für den Hof und das Bürgertum oder Lehrwerke für den Unterricht. Die Qualität der Ausführung übersteigt aber in den meisten Fällen das damals Übliche.
Einige Werke überschreiten den tradierten Formenkanon weit. Das ist vor allem der Fall bei den vom eigenen, überragenden instrumentalen Können geprägten Orgel- und Klavierwerken und bei den großen kontrapunktischen Sammelwerken.
Bach galt den Zeitgenossen zurecht als bedeutender „Harmonist“, der die Möglichkeiten der Tonarten und deren Eigenschaften durch den gesamten Quintenzirkel ausschöpfte wie vor ihm keiner. Kritik erfuhr er wegen der Nähe seiner vokalen Kirchenmusik zur Oper und - nur scheinbar im Widerspruch dazu - wegen der Textbehandlung und instrumentalen Stimmführung der Solopartien.
Bachs kirchliche Werke sind geprägt von seiner tiefen protestantisch-lutherischen Religiosität. Von ihm sind rund 250 Kantaten überliefert, davon ca. 200 Kirchenkantaten. In seinen Kantaten und Passionen griff Bach häufig auf populäre Choräle des evangelischen Kirchengesangbuches zurück. Eine größere Anzahl seiner Werke, vor allem aus der frühen Schaffenszeit, gilt als verschollen.
Bach schrieb wahrscheinlich fünf Passionen. Die Johannes- und Matthäuspassion sind die einzigen erhaltenen authentischen Passionen. Es ist anzunehmen, dass unter den drei anderen verschollenen Werken die Lukaspassion und die Markuspassion waren. Bei der fünften verschollenen Passion vermuten Forscher eine umgearbeitete einchörige Variante der Matthäus-Passion.
| Audiobutton.png Wtk1-fugue2.mid aus Bachs Wohltemperiertem Klavier |
| Wtk1-fugue2-page1-mm1-9.png Takte 1 bis 9 aus der c-Moll-Fuge aus dem 1. Teil des Wohltemperierten Klaviers von J. S. Bach |
Johann Sebastian Bachs musikalische Werke sind im „Bach-Werke-Verzeichnis“ (BWV) katalogisiert. Ein neueres, aber weniger gebräuchliches Verzeichnis ist das „Bach-Compendium“ der Musikwissenschaftler H.-J. Schulze und Christoph Wolff.
Folgende Wikipedia-Artikel befassen sich ebenfalls mit systematischen Überblicken über Bachs Werk:
Neben seiner Wirkung als Musiker und Komponist hatte Bach auch Einfluss auf die praxisbezogene Musiktheorie, die später vor allem in den Schriften Johann Philipp Kirnbergers erfasst wurde. Vermutlich angeregt durch die verschiedenen Temperierungen von Andreas Werckmeister komponierte Bach sein Wohltemperiertes Klavier, dessen Popularität später der wohltemperierten Stimmung zum Durchbruch verhalf. Bach ging es darin - wie es Kirnberger beschrieben hat - unter anderem darum, die von der Temperierung abhängige Vielfalt tonartbezogener Affekte darzustellen und zu lehren.
Daneben wird Bach häufig als Mitbegründer der Spieltechnik mit dem Daumen als vollwertigem Spielfinger bei den Tasteninstrumenten genannt. Diese Technik erweiterte das Ausdrucksvermögen der Kompositionen bis in den virtuosen Bereich hinein, ermöglichte aber auch ein elegantes, vielstimmiges Legatospiel. „Er hatte sich eine eigene Fingerordnung ausgesonnen, daß es ihm nicht schwer fiel, die größten Schwierigkeiten mit der fließensten Leichtigkeit herauszubringen...Man ... weiß, daß es dabey hauptsächlich auf den Gebrauch des Daumens ankömmt, ..." (aus Johann Adam Hiller: Mein Leben)
Zudem setzte sich Bach für die Weiter- und Neuentwicklung von Musikinstrumenten ein. Auch das war auf eine Erweiterung der kompositorischen Mittel ausgerichtet. Die Viola pomposa ist seine Erfindung. Bei den Tasteninstrumenten interessierten ihn besonders klangliche Neuentwicklungen. Er beschäftigte sich zum Beispiel mit deren Temperierung, bei den Orgeln mit deren Klangdisposition und mechanischen Qualitäten. Ein Beispiel ist Bachs „Disposition der neüen reparatur des Orgelwercks ad D: Blasii“ (Mühlhausen 1708).
Bach war ein geschätzter und gut bezahlter Orgelinspektor, der in seinen Gutachten kein Blatt vor den Mund nahm. Dabei arbeitete er auch mit Gottfried Silbermann zusammen. Ihn forderte und förderte er in der Entwicklung des Pianofortes, das in Bachs späten Jahren nach einem Bericht seines Schülers Johann Friedrich Agricola „von ihm völlige Gutheißung erlangte“.
| JSBReisen.png Reisen von 1701 bis 1721 | JSBReisenLeipzig.png Reisen von 1723 bis 1747 |
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Nach Bachs Tod bestand zunächst kaum ein Verlangen, seine Werke weiterhin aufzuführen. Das Andenken an ihn pflegten hauptsächlich seine von ihm unterrichteten Söhne, die selbst Komponisten geworden waren:
Während seiner gesamten Schaffenszeit war Bach als Instrumental- und Kompositionslehrer tätig, insgesamt 81 Schüler sind nachweisbar. Die Schüler lebten, oft über lange Zeit, im Haushalt der Familie und nahmen später wichtige Kapellmeister- und Kantorenposten ein. Sie waren es, die neben seinen Söhnen Bachs Namen und musikalischen Nachlass auch in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts lebendig erhielten. Bekannte Schüler Bachs waren Johann Ludwig Krebs und (nach Ernst Ludwig Gerber und Friedrich Wilhelm Marpurg, aber zweifelhaft) Johann Philipp Kirnberger, der Bachs Kompositionslehre und Wohltemperierte Stimmung weitergab. Dadurch wurden zwar etliche Kompositionen Bachs zu Lehrwerken für spätere Komponisten (z. B. den jugendlichen Ludwig van Beethoven), wurden aber dennoch in den ersten achtzig Jahren nach Bachs Tod kaum öffentlich aufgeführt.
Ab April 1782 lernte Wolfgang Amadeus Mozart im Hause Gottfried van Swietens neben Werken von Händel auch Werke von Bach kennen. Mozart studierte vor allem Bachs Klavierfugen durch und eignete sich systematisch deren Kompositionstechniken an.
1789 hörte Mozart bei einem Besuch in der Thomaskirche Bachs Motette „Singet dem Herrn ein neues Lied“. Außergewöhnlich beeindruckt, vertiefte er sich in diese und andere Partituren Bachs. Die Spuren dieser Begegnung sind eine spontan komponierte Gigue und vermehrt polyphone Setzweisen in Mozarts späterem Schaffen.
Ludwig van Beethoven studierte bereits als Kind Klavierwerke J. S. Bachs. Sein Bonner Lehrer Christian Gottlob Neefe schrieb 1783 in Cramers Magazin der Musik über ihn: ''„Er spielt sehr fertig und mit Kraft das Clavier, ließt sehr gut vom Blatt, und um alles in einem zu sagen: Er spielt größtentheils das wohltemperirte Clavier von Sebastian Bach ...“
Beethoven setzte sich besonders in seinen späten Werken mit auf Bach fußenden polyphonen Techniken, vor allem mit der Fuge auseinander, so z. B. in der Klaviersonate op. 110 und in den Diabelli-Variationen sowie in seinen Streichquartetten op. 127, op. 130, op. 131, op. 132 und op.133 („Große Fuge“). Besonders mit der „Großen Fuge“ schlug Beethoven einen weiten Bogen in die Zukunft.
Felix Mendelssohn Bartholdy gebührt das Verdienst, mit der Wiederaufführung der Matthäus-Passion in einer verkürzten Fassung am 11. März 1829 J. S. Bach fast achtzig Jahre nach seinem Tod wieder einer breiten Öffentlichkeit ins Bewusstsein gerückt zu haben. Er gab damit einen enormen Anstoß für die Publizität der Bach'schen Musik.
Die um 1810 geborene Generation romantischer Komponisten erlebte Bach'sche Kompositionen als poetische Musik und nahm sie sich vielfältig zum Vorbild. Für Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847), Robert Schumann (1810-1856) und Frédéric Chopin (1810-1849), ja selbst für Franz Liszt (1811-1886) waren Bachs Werke eine wichtige Voraussetzung für das eigene Schaffen.
F. Mendelssohn Bartholdy, Fr. Chopin, und Fr. Liszt waren es neben Adolf Henselt, Ferdinand Hiller, Ignaz Moscheles, Clara Schumann und Sigismund Thalberg und vielen Lisztschülern, die Klavierwerke Bachs in ihre Konzertprogramme aufnahmen. Besonders das Konzert für drei Klaviere d-Moll (BWV 1063) und das Solokonzert d-Moll (BWV 1054) wurden häufig aufgeführt und machten das bürgerliche Konzertpublikum mit dem Instrumantalwerk Bachs bekannt. All das war freilich weit entfernt von einer historischen Aufführungspraxis. Die Musical Times schreibt im Januar 1848 in einem Nachruf auf Mendelssohn:
Schließlich war das Publikum ab der Mitte des 19. Jahrhunderts mit Bachs Instrumentalmusik besser vertraut als mit den geistlichen Werken, einschließlich der Passionen.
Johannes Brahms (1833-1897), dessen musikalischer Historismus sich auf J. S. Bach gründete, war maßgeblich an der ersten Gesamtausgabe von Bachs Werken beteiligt. Auf Brahms als „Fortschrittlichen“ berief sich Arnold Schönberg (1874-1951), um sich als Traditionalist in der Nachfolge Bachs und Beethovens zu charakterisieren.
Dennoch erlebten Bachs Kompositionen eigentlich erst im 20. Jahrhundert eine systematische Pflege im öffentlichen Musikleben und in der Forschung.
Die Werke Bachs wurden in den letzten 30 Jahren zunehmend Gegenstand der Historischen Aufführungspraxis. Sie hat vielen Interpreten und Hörern einen neuen Zugang zu seiner Musik ermöglicht.
Einen Anfang dazu hatte bereits 1903 Wanda Landowska mit ihrem ersten öffentlichen Cembalo-Recital gemacht und mit ersten Schallplattenaufnahmen 1923 und der Gründung der "École de Musique Ancienne" im Jahre 1925 den Weg zum "Originalklang" geebnet.
Im 20. Jahrhundert erfuhr das Werk Bachs auch eine Reihe populärer Adaptionen. Viele davon sind trivial und ohne größeren Wert, aber es gab auch ernsthaftere Annäherungen. So von Jacques Loussier mit seinem Projekt Play Bach und von Walter Carlos, der mit seinem Moog-Synthesizer eine völlig neue klangliche Perspektive auf Bachs Werk eröffnete.
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Für eine um Vollständigkeit bemühte Bibliographie siehe Yo Tomitas „Bach Bibliography“
frei erhältliche Noten von Werken J.S. Bachs:
Mann | Deutscher | Komponist (Barock) | Komponist (Kirchenmusik) | Thomaskantor | Deutscher Komponist | Organist | Geboren 1685 | Gestorben 1750
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