Johann Matthäus Meyfart (* 9. November 1590 in Jena, † Januar 1642 in Erfurt) war deutscher, protestantischer Theologe, Kirchenliederdichter und aktiver Kämpfer gegen die Hexenverfolgung.
Meyfart wurde als Sohn eines lutherischen Pfarrers geboren. Nach einem vielseitigen Studium war er ab 1617 Professor, ab 1623 Direktor am Akademischen Gymnasium in Coburg. In dieser Zeit verheiratete er sich mit Barbara, der Tochter des Coburger Stadtschreibers Hans Rösling. In seinen Schriften drang Meyfart auf eine Reform der Sitten in Kirche und Schule; er kritisierte die Schäden im akademischen Lehrbetrieb und im Pfarrerstand und stritt gegen die Praxis der Hexenprozesse. Meyfart ist bis heute bekannt als Dichter des Gesangbuchliedes „Jerusalem, du hochgebaute Stadt, wollt‘ Gott, ich wär in dir ...“ (Evangelisches Gesangbuch Nr. 150, aus dem Jahr 1626).
Meyfart distanzierte sich von Calvins und Luthers Aufrufen zur Verbrennung der Hexen. Er wandte sich gegen die Hexenprozesse seiner Zeit und gegen die Folterung und Hinrichtung von unschuldigen Menschen. 1628 wurde Meyfart Zeuge in einem Hexenprozess. Etwa zeitgleich mit Friedrich Spees "Cautio criminalis" und 30 Jahre nach dem "Gründlichen Bericht von Zauberey und Zauberern" von Anton Praetorius verfasste er wohl unter dem Eindruck dieser persönlichen Erfahrungen zwischen 1629 und 1632 seine Schrift: Christliche Erinnerung, An Gewaltige Regenten, vnd Gewissenhaffte Praedicanten, wie das abscheuwliche Laster der Hexerey mit Ernst außzurotten, aber in Verfolgung desselbingen auff Cantzeln vnd in Gerichtsheusern sehr bescheidlich zu handeln sey.
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Meyfarts Schrift erschien 1635 in deutscher Sprache und unter seinem vollen Namen. Damit setzte er sich sofort direkten Anfeindungen aus. Interessant ist, dass er sich unmittelbar an die verantwortliche Obrigkeit richtete und für Mäßigung bei den Hexenprozessen eintrat. Mit eindringlichen Worten wandte er sich gegen die Denunziationen und besonders gegen die Folter: „Jetzige Prozesse machen viel Truten (= Hexen) .... Ist denn der Leib des Menschen so ein schlechtes Geschöpff / etwan wie ein Sau-Stall / oder Schaff-Hürde / oder Strohhütten? Daß er ohne Bedencken leichtlich zu verstöhren / und ihr darzu rathen dürffet?“ Meyfart versuchte, sich in die Menschen hinein zu versetzen, denen die Hinrichtung bevorstand: „Ich erzittere fast in meinen Gliedern / wann ich in meinem Sinnen heimlich nachforsche / wie doch einem armen Manne oder Weibe / das in ihrem Gewissen der Unschuld versichert ist / zu Gemüte sey“. Er setzte sich aus evangelischer Sicht für die ein, die in jener Zeit den Hexenverfolgungen zum Opfer fielen: „Mir ist nicht anders zu Sinnen, als wenn Gott mir armen Diener saget: Errette die, so man töten will“.
Wegen der Zensur konnte sein Buch Christliche Erinnerung in Coburg nicht veröffentlicht werden, wohl aber 1635 in Erfurt. Allerdings wagte bis 1703 kein Verlag mehr, eine weitere Auflage zu drucken.
1633 wurde Meyfart als Professor an die lutherisch-theologische Fakultät der Universität Erfurt berufen. 1634 wurde er zum Rektor ernannt. In seinen letzten Jahren war er wieder Gemeindepfarrer an der Erfurter Predigerkirche und Leiter aller Geistlichen im Erfurter Gebiet. Dort war er für die Ausbildung neuer Pfarrer verantwortlich. Er starb am 26. Januar 1642 in Erfurt und wurde am 30. Januar 1642 bestattet.
Mann | Deutscher | Evangelischer Theologe (17. Jh.) | Pädagoge | Rhetorik | Geboren 1590 | Gestorben 1642 | Hexenverfolgung | Christliche Literatur (Neuzeit)
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