Johann Kresnik (*12. Dezember 1939] in St. Margarethen, Kärnten) ist ein österreichischer Tänzer, Choreograph und Theaterregisseur.
Leben
Seine Laufbahn begann Johann Kresnik in
Graz, wo er parallel zu einer Werkzeugmacherlehre als
Statist an den Vereinigten Bühnen arbeitete und eine Schauspiel- und Tanzausbildung begann.
1959 wurde Kresnik als Gruppentänzer in Graz und ab
1960 nach
Bremen engagiert.
1962 ging er an die Bühnen der Stadt
Köln, wo er von 1964 bis 1968 als
Solotänzer arbeitete.
Die ersten Stücke
1967 choreographierte er sein erstes Stück, eine
Collage aus Texten von Patienten, die an
Schizophrenie erkrankt sind:
O seal pei.
1968 folgte
Paradies?. Hier thematisierte Kresnik u.a. das
Attentat auf
Rudi Dutschke.
Ballettdirektor in Bremen und Heidelberg
Im selben Jahr engagierte
Kurt Hübner den knapp dreißigjährigen Kresnik als Ballettdirektor an das Bremer Theater. Es folgten die sehr produktiven
Heidelberger Jahre. Er erregte schnell Aufsehen mit seinen kritischen, politisch motivierten
Ballettstücken.
1990 entstand
Ulrike Meinhof. Im Februar
1992 wurde
Frida Kahlo uraufgeführt, ein Stück über Leben und Werk der mexikanischen Malerin.
Wendewut brachte Kresnik ein Jahr später auf die Bühne. Darin beschreibt er in Anlehnung an die gleichnamige Erzählung von
Günter Gaus die Geschichte einer DDR-Mitläuferin, die im Deutschland der Wendezeit in ihrem Wunsch nach Anpassung an die bundesrepublikanische Gesellschaft scheitert.
Volksbühne Berlin
Mit Beginn der Spielzeit 1994/95 wechselte Johann Kresnik mit seinem
Ensemble an die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in
Berlin. Hier wurde im Dezember
1994 das choreographische Stück
Ernst Jünger uraufgeführt, eine Anti-Kriegs-Revue, in der sich Kresnik kritisch mit dem militaristischen Gedankengut des hundertjährigen Autors auseinandersetzt. Im April
1995 schloss Kresnik seine
Trilogie über Wegbereiter, Mitläufer und Begleiter der
Nationalsozialismus ab. Nach
Nietzsche und Ernst Jünger wählte er das Leben des Schauspielers, Regisseurs und Intendanten
Gustaf Gründgens als Vorlage für ein Stück, das, in Koproduktion zwischen der Volksbühne und dem Deutschen Schauspielhaus, in
Hamburg uraufgeführt wurde.
In den letzten Jahren produzierte Johann Kresnik seine Stücke an zahlreichen Bühnen, häufig auch in enger Zusammenarbeit mit Librettisten, Komponisten und Bildenden Künstlern. Er wurde mehrfach für seine künstlerische Arbeit ausgezeichnet. Zusammen mit seinem Ensemble gastierte er bei bedeutenden Festivals in der ganzen Welt.
Choreographisches Theater Bonn
Seit der Spielzeit 2003/2004 leitet Johann Kresnik das "Choreographische Theater" der Stadt
Bonn. Mit
Hannelore Kohl zeigte er im Dezember 2004 auf der Bühne der ehemaligen
Bundeshauptstadt die Lebensgeschichte der Gattin des
Bundeskanzlers a.D. Hannelore Kohl ist darin zugleich Opfer und Täterin. Sie unterstützt den Aufstieg ihres Mannes zum Kanzler der Bundesrepublik Deutschland. Auf dem Höhepunkt seiner Macht beginnt ihre Leidenszeit. Nach Helmut Kohls Niederlage und nach dem Bekanntwerden seiner Verstrickungen in die
Spendenaffäre der
CDU verschlimmert sich Hannelore Kohls Krankheit. Sie zieht sich aus der Öffentlichkeit zurück und nimmt sich vereinsamt das Leben.
Aufführungen
- 1967 Köln O Sela Pei
- 1968 Köln Paradies?
- 1969 Bremen Susi Cremecheese
- 1970 Bremen Kriegsanleitung für Jedermann, Frühlings-Wurd, PIGasUS
- 1971 Bremen Schwanensee AG
- 1973 Bremen Traktate
- 1974 Bremen Die Nibelungen
- 1975 Bremen Romeo un Julia
- 1976 Bremen Bilder des Ruhms
- 1977 Bremen Masada, Jesus GmbH
- 1978 Bremen Magnet
- 1980 Heidelberg Familiendialog, Pelleas und Melisande, Die Hamletmaschine
- 1982 Heidelberg Sacre
- 1983 Heidelberg Mars
- 1985 Heidelberg Ausverkauf, Sylvia Plath
- 1986 Heidelberg Pasolini
- 1987 Heidelberg Mörder Woyzeck
- 1988 Heidelberg Macbeth
- 1989 Heidelberg Oedipus
- 1990 Bremen Ulrike Meinhof
- 1991 Bremen König Lear
- 1992 Bremen Frida Kahlo
- 1992 Bremen Wendewut
- 1992 São Paulo (Zero) 2
- 1993 Basel Mars
- 1993 Berlin Rosa Luxemburg
- 1993 Bremen Francis Bacon
- 1993 Bremen Nietzsche
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