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Johann Gottfried Bischoff (* 2. Januar 1871 in Unter-Mossau, Odenwald; † 6. Juli 1960 in Frankfurt am Main) war von 1930 bis 1960 Stammapostel der Neuapostolischen Kirche / NAK und bekleidete damit das höchste Amt dieser Religionsgemeinschaft.

Anfänge


Bischoff, Besitzer eines Tabakwaren- und Weinladens, vertrat ursprünglich im Rahmen der NAK recht "freisinnige" Ideen. 1918 schreibt er an seinen Mitapostel Carl August Brückner: "Es ist ein Wahn zu glauben, Jesus wohne nur im Fleisch des Apostels ...Wie hart war man gegenüber Andersgläubigen! Wie hat man die oft verdammt?! Aber - man hat nicht bedacht, daß in des Vaters Hause viele Wohnungen sind und daß der liebe Gott viele Lehrkörper auf Erden hat... Es kommt leider nur zu oft vor, daß den Gesandten (=Apostel; Anm. des Verfassers) mehr Ehre gezollt wird als dem Sender, und dahin müssen wir kommen, daß der Herr als Grund und Eckstein an den richtigen Platz kommt in seinem Werk" (zitiert nach Hutten, aaO, S. 502).

Im Nationalsozialismus


Als Bischoff 1930 zum Stammapostel berufen wurde, versuchte er von Anfang an, gute Beziehungen zum nationalsozialistischen Regime aufzubauen:
  • 1933 fügte er in "Fragen und Antworten", dem Katechismus der NAK, den 10. Glaubensartikel wieder ein: "Ich glaube, daß die Obrigkeit Gottes Dienerin ist uns zugute, und wer der Obrigkeit widerstrebt, der widerstrebt Gottes Ordnung, weil sie von Gott verordnet ist."
  • Am Tag von Potsdam, dem 21. März 1933, predigte Bischoff in einem Festgottesdienst über Sirach 10,5, dass jetzt der von Gott gesandte Führer gekommen sei. Den Text der Ansprache ließ er samt vielen Unterlagen in die Reichskanzlei schicken.
  • In einem Rundschreiben an die Amtsträger vom 25. April 1933, dass es bei Eintrittsgesuchen von Mitgliedern aufgelöster staatsfeindlicher und freidenkerischer Organisationen in Zweifelsfällen gut sein werde, "die Personalien solcher Personen der zuständigen Ortsgruppe der NSDAP zur Nachprüfung vorzulegen" und ihre Aufnahme erst nach dem Vorliegen einer Unbedenklichkeitserklärung der NSDAP zu vollziehen.
  • Die Zeitschrift "Unsere Familie" wurde durch Bischoff "arisiert"; Anfang 1934 ließ er das hebräische "Zion" aus dem Titel streichen.
  • Im "Lehrbuch" der NAK (Ausgabe 1938) wurde zu der "Frage 172" festgestellt, dass "dem Aufnahmegesuch nicht entsprochen werden kann, wenn der Aufzunehmende sich im Widerspruch zur Staatsführung befindet, die der Neuapostolische Kirche die Ausführung ihrer seelsorgerischen Tätigkeiten gestattet."
(Die angeführten Beispiele sind zitiert nach Hutten, aaO, S.477.)

Nachkriegszeit - Bischoffs "Botschaft"


Ab Weihnachten 1951 verkündete Bischoff in Gießen, dass er der letzte Stammapostel sei. Jesus werde zu seinen Lebzeiten wieder kommen. Wörtlich hieß es: "... Tag und Stunde, wann der Herr kommt, wissen wir nicht. Aber ich persönlich bin überzeugt, dass die Zubereitung des königlichen Priestertums in der Zeit erfolgt, in der ich noch vorhanden bin, ... Das Zeichen hierfür besteht darin, daß der Herr zu meiner Zeit in Erscheinung tritt und Abschluss seines Werkes macht... Ich bin der Letzte, nach mir kommt keiner mehr. So steht es im Ratschluß unseres Gottes, so ist es festgelegt, und so wird es der Herr bestätigen!" (Ereignisse, S. 48). In der Folgezeit wurde diese "Botschaft" innerhalb der NAK immer bedeutsamer. Unter anderem wurden Aufnahmen in die NAK, die so genannten Versiegelungen sowie Berufungen in die neuapostolischen Ämter von der Annahme der "Botschaft" abhängig gemacht. Zahlreiche Gemeindeglieder und höchste Amtsträger (von NAK als "Zweifler, Rechthaber und Eigenbrötler" bezeichnet) widersetzten sich dem und wurden daraufhin ausgeschlossen. Sie gründeten zum Teil neue Gemeinschaften (vgl. Vereinigung Apostolischer Gemeinden). Prominenteste deutsche "Opfer" waren der designierte und ordinierte Nachfolger des Stammapostels, der rheinische Bezirksapostel Peter Kuhlen, sowie seine zwei Mitapostel Dehmel und Dunkmann. Bei denen, die blieben, wuchs das Ansehen des Stammapostels Bischoff. In der bereits genannten "Unsere Familie" heißt es am 15. September 1959 in einem Bericht über den Auftritt des Stammapostels: "Der Stammapostel ist mit seiner Begleitung in die Halle getreten. Wir können ihn noch nicht sehen, aber wir spüren, dass jetzt ein Ereignis von überirdischer Bedeutung seinen Anfang genommen hat. Eine einzige Bewegung liegt über der versammelten Schar, Himmelskräfte haben sich gelöst und fluten durch den Raum." Am 1. Dezember desselben Jahres ist dort zu lesen: "Es gibt auf Erden keinen Menschen, durch den die Göttlichkeit uns so nahe kommt wie durch den Stammapostel ..."

Tod


Am 6. Juli 1960 stirbt Bischoff in Frankfurt am Main. Für den 2. August wird deshalb eine Mitgliederversammlung des "Apostelkollegiums der Neuapostolischen Gemeinden Deutschlands e.V." nach Frankfurt einberufen, an der 17 deutsche und ein französischer Apostel teilnehmen. Sie wählen nach "Zuruf" den Apostel und Kaufmann Walter Schmidt. In einem Schreiben an die neuapostolischen Gemeinden erklärt dieser die nicht eingetroffene Prophetie und den Tod Bischoffs so: Gott habe aus "unerforschlichen Gründen seine Willen geändert" ... Gott will durch den Tod des Stammapostels "alle Gläubigen heilsam aufschrecken und ihnen noch eine Gnadenfrist für ihre Vorbereitung auf die Wiederkunft Jesu Christi gewähren".

Dass Bischoff sich mit seiner "Botschaft" geirrt haben könnte, wird als unmöglich abgetan; er sei ja Stammapostel gewesen.

Siehe auch:


Literatur


  • Kurt Hutten: Seher - Grübler - Enthusiasten (1982)

Weblinks


Mann | Deutscher | Neuapostolischer Geistlicher | Geboren 1871 | Gestorben 1960

Johann-Gottfried Bischoff

 

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