Johann Georg Hamann (* 27. August 1730 in Königsberg; † 21. Juni 1788 in Münster) war ein deutscher Philosoph und Schriftsteller. Sein Hang zum Irrationalen und die mystisch-prophetische Sprache führten zu dem Beinamen „Magus des Nordens.“
1756 wurde er von einem Rigaer Handelshaus (Christoph Berens) angestellt und reiste ein Jahr später nach London, wo er bis zum Frühsommer 1758 blieb. Er geriet in eine tiefe Krise und studierte intensiv die Bibel. Dabei kam es 1758 zu einem „Erweckungserlebnis”. In Gegnerschaft zu den Philosophen der Aufklärung (unter anderem sein Freund Kant) verfocht Hamann unter dem Eindruck Giordano Brunos, Leibniz’, Spinozas und des Neuplatonismus eine Rückbesinnung auf Motive wie Gottesbestimmung, Schöpfung und göttliche Menschwerdung sowie auf die Einheit von Vernunft und Sinnlichkeit, Allgemeinem und Einzelnem bzw. Begriff und wahrnehmbarem Zeichen.
Als sich seine Hoffnung, Katharina Berens heiraten zu können, zerschlagen hatte, kehrte er Anfang 1759 wieder nach Königsberg zurück, kümmerte sich jedoch wie stets nur wenig um einen bürgerlichen Beruf. Wohl wegen eines Sprachfehlers konnte er weder predigen noch Vorlesungen abhalten. Jedoch waren ihm seine Belesenheit und seine Kenntnis fremder Sprachen bei seiner umfangreichen schriftstellerischen Tätigkeit hilfreich. 1762 begann die Freundschaft mit Johann Gottfried Herder, den er stark beeinflusste. 1764 reiste er nach Frankfurt, die Möglichkeit einer dortigen Anstellung zerschlug sich allerdings.
Durch Vermittlung Kants erhielt Hamann 1767 eine Übersetzerstelle bei der preußischen Zollverwaltung; er begann eine nie legalisierte „Gewissensehe“ mit Anna Regina Schumacher, aus der vier Kinder hervorgingen. 1777 wurde er zum Packhofverwalter ernannt. Die berufliche Tätigkeit ließ ihm genügend Zeit zu ausgedehnter Lektüre und zum Schreiben. Von 1764 bis 1779 war er Mitarbeiter der „Königsbergschen Gelehrten und Politischen Zeitungen“, für die er viele Rezensionen schrieb. 1787 erhielt er auf eigenes Gesuch seinen Abschied; er reiste nach Düsseldorf zu Friedrich Heinrich Jacobi und nach Münster, wo er Kontakt zum Kreis um Amalia Fürstin Gallitzin aufnahm. Dort starb er am 21. Juni 1788.
Überzeugt davon, dass unsere seelischen Regungen sich in einem Halbdunkel (des Unbewussten?) abspielen, schuf er sich selbst eine neue, schwer verständliche Sprache. Das von Sokrates betonte „Nichtwissen“ deutete er als Bekenntnis zum Irrationalismus und verlangte vom Dichter und Denker die „Herzwärme der Willkür“. Seine Schriften - die meist recht kurz sind - sind durchzogen mit vielen Zitaten und Anspielungen. Allerdings widerspricht der rätselhafte Stil dem seines Briefwechsels, der recht deutlich und klar war. Daher wurde vermutet, er habe den Leser zur aktiven Mitarbeit „zwingen“ wollen, denn (so schrieb er einmal sinngemäß) „ein Autor, der heute sofort verstanden wird, wird morgen falsch verstanden.“ Autor und Leser sind bei Hamann komplementär verbunden: sie bilden zwei Hälften eines Ganzen, die sich aufeinander einstellen müssen, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen.
Dies gehört auch zu seinem zentralen Begriff, der coincidentia oppositorum, deren Existenz er überall aufsuchte und auch nachwies: in der rätselhaften Vereinigung von Körper und Geist, von Sinnlichkeit und Vernunft, von Schicksal und Verantwortung im menschlichen Leben, und in den christlichen Mysterien.
Ein Denker, der so sehr vom Widersprüchlichen im Leben überzeugt ist, hat es nicht weit zur Ironie. So war er berühmt für die ironischen Wendungen in seinen Schriften - was ihr Verständnis umso mehr erschwert. Nicht umsonst wird man bei der Lektüre Hamanns an die Romane seines Zeitgenossen Laurence Sterne erinnert.
Bedeutende Werke Hamanns sind Sokratische Denkwürdigkeiten (1759), Golgatha und Scheblimini (1784) sowie Metakritik über den Purismus der reinen Vernunft (1784). Als Wegbereiter des Sturm und Drang sowie der Romantik hatte Hamann nachhaltigen Einfluss auf Denker wie Johann Gottfried Herder, Johann Wolfgang Goethe, Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Friedrich Wilhelm Joseph Schelling oder Søren Kierkegaard und Ernst Jünger.
Philosoph der Frühen Neuzeit | Autor | Sturm und Drang (Literatur) | Literatur (18. Jh.) | Literatur (Deutsch)
Mann | Deutscher | Geboren 1730 | Gestorben 1788
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