Johann Friedrich Reichardt (* 25. November 1752 in Königsberg in Preußen; † 27. Juni 1814 in Burg Giebichenstein bei Halle) war ein deutscher Komponist und Musikschriftsteller und -kritiker.
Auf der Rückweg von seiner ersten Italienreise 1783 machte er in Wien Station, wobei er Kaiser Joseph II. und Gluck kennenlernte. Weitere Kunstreisen nach Frankreich und England führten nicht zu dem erhofften nachhaltigen Anklang - widerwillig kehrte er zurück nach Berlin. Ab 1786 entwickelte er engere Beziehungen zu Goethe, Herder, Schiller und Hamann. Weitere Versuche (1788), in Paris Fuß zu fassen, scheiterten, jedoch war Reichardt von den Ideen der Revolution begeistert. Nach Erscheinen seiner Vertrauten Briefe (1792) wurde er 1794 als Revolutionssympathisant ohne Pension aus seinem Amt als Hofkapellmeister entlassen und lebte darauf erst in Hamburg, wo er ein Journal, Frankreich, herausgab, dann seit 1794 in Giebichenstein bei Halle (Saale). 1796 wurde er begnadigt und zum Salinendirektor in Halle ernannt, von wo er öfters nach Berlin ging, um die Aufführungen seiner Kompositionen zu leiten.
Das von ihm erworbene „Kästnersche Kossätengut“ zu Giebichenstein wurde zur „Herberge der Romantik“. Eine weitere Reise nach Paris (1802) dämpfte seine Begeisterung für die Franzosen und ihre Politik erheblich: Reichardt wurde zu einem Gegner Napoléons. Als vier Jahre später sein Gut durch französische Truppen geplündert wurde, floh er nach Danzig und wurde zum Patrioten und Freiheitskämpfer. Napoléons Bruder Jérôme in Kassel ernannte 1807 den verarmt Zurückgekehrten zum Theaterdirektor. Dieses Zwischenspiel dauerte nur ca. neun Monate. Im November 1809 suchte er Erfolg in Wien. Das Erlebnis von Haydn, Mozart und Beethoven machte ihn - verspätet - für die Wiener Klassik aufgeschlossen. Er zog sich aber bald nach Giebichenstein zurück, wo er 27. Juni 1814 an den Folgen eines Magenleidens einsam starb.
Reichardt war ständig auf Reisen: 1783 in Italien, der Schweiz, Wien und Hamburg; 1785 und 1792 in London; 1785/86/87, 1792, 1802 in Paris; 1790 Italien; 1793 Kopenhagen und Stockholm. Die Zeitgenossen vergaßen ihn und sein Werk rasch.
Der erste Sohn, Wilhelm (1777–1782), verstarb früh. Seine Tochter Luise Reichardt (* 11. April 1779 in Berlin, † 17. November 1826 in Hamburg) hat sich ebenfalls durch Liederkompositionen bekannt gemacht.
Seine schriftstellerischen Arbeiten sind durchweg von bleibendem Wert, namentlich die Briefe eines aufmerksamen Reisenden, die Musik betreffend (1774-76); Über die deutsche komische Oper (1774); Musikalische Kunstmagazin (1781-1792); Studien für Tonkünstler und Musikfreunde (1793); Vertraute Briefe aus Paris (1804); Vertraute Briefe aus Wien (1810) u. a.
Die Gedichtsammlung Des Knaben Wunderhorn von Clemens Brentano und Achim von Arnim ist - im Nachwort - Reichardt gewidmet. Dies wohl in der Erwartung, dass Reichardt die Texte vertonen werde. Dazu kam es jedoch nicht mehr.
Siehe auch: Liste deutscher Komponisten klassischer Musik
Deutscher Komponist | Komponist (Klassik) | Mann | Geboren 1752 | Gestorben 1814
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