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Johann Faust (* wahrscheinlich um 1480 in Knittlingen als Georg Faust; † wahrscheinlich um 1538 in Staufen im Breisgau) war ein wandernder Magier, Astrologe und Wahrsager.

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Die historische Figur Faust


Nach nicht gesicherten Quellen kommen als Geburtsort das baden-württembergische Knittlingen, aber auch Helmstadt bei Heidelberg oder das thüringische Roda (heute Stadtroda) in Frage. In Knittlingen befinden sich heute ein umfangreiches Faust-Archiv und ein Museum.

Das große Problem, das sich bei der Betrachtung des historischen Fausts stellt, ist die niedrige Anzahl verfügbarer Quellen. Insgesamt gibt es nur neun Dokumente, auf die man sich beziehen kann. Diese enthalten größtenteils auch nur wenige, von den jeweiligen Autoren subjektiv eingefärbte und sich widersprechende Informationen zu dem in Zeiten der Renaissance (14.-16. Jhd.) lebenden Faust.

Als gesichert gilt, dass Faust um etwa 1480 geboren wurde. Der genaue Geburtsort ist umstritten. Als am wahrscheinlichsten wird jedoch das baden-württembergische Knittlingen im Kraichgau angesehen. In einem Brief eines Ingolstadter Gelehrten vom 27. Juni 1528 ist allerdings von einem "Doctor Jörg Faustus von Haidlberg" die Rede (Stadtarchiv Ingolstadt, Ingolstädter Ratsprotokolle). In anderen Berichten wird ein "Georgius Faustus Helmstet(ensis)" genannt, was den modernen Forscher Frank Baron den Hinweis gab in den Archiven der Heidelberger Universität nach Studenten aus Helmstet zu suchen, wobei er auf einen Georgius Helmstetter stieß. Dieser besuchte die Universität in Heidelberg von 1483 bis 1487. Auffällig ist dabei, dass dieser einer von zwei Studenten war, der sich weigerte seinen Familiennamen anzugeben, was die Möglichkeit offen lässt, dass es sich dabei um Faust handelt. Falls es sich bei Georgius Helmstetter wirklich um den historischen Faust handelt, lägen einige Informationen über seinen Bildungsgang vor, da dieser Student am 12. Juli. 1484 mit einem Bakkalaureat seinen Abschluss machte, und am 1. März 1487 den Magistergrad erwarb.

Für die Zeit bis 1506 existieren allerdings keine gesicherten, sondern lediglich widersprüchliche Belege für Fausts Wirken. Belegt ist erst wieder ein Aufenthalt im Jahre 1506 in Gelnhausen als Vorführer magischer Kunststücke und Horoskopsteller. In den folgenden 30 Jahren erschien Faust in vielen Städten im süddeutschen Raum. Er trat auf als Arzt, Doktor der Philosophie, Wunderheiler, Alchemist und Wahrsager in einer Person. Viele sahen in ihm allerdings nur einen Betrüger und Hochstapler. Besondere Anfeindung erfuhr er von der Kirche, die ihn als Teufelsbündler und Gotteslästerer bezeichnete. Diese und weitere Vorwürfe finden sich in einem schon im Jahre 1507 verfassten Brief des Abtes Trithemius. Auch in einem Brief vom 7. Oktober 1513 von Conrad Mutanius Rufus, der Faust angeblich in einer Herberge getroffen hat, wird Faust negativ bewertet, indem er als "ein reiner Prahler und Narr" bezeichnet wird. (siehe Kiesewetter, Faust in der Geschichte und Tradition, Bd 1, S. 3). Es gibt allerdings auch Zeitdokumente, in denen Faust positiv dargestellt wird: beispielsweise beschrieb ihn der Tübinger Professor Joachim Camerarius 1536 als einen ernst zu nehmenden Sternendeuter. Der Wormser Stadtarzt Phillip Begardi äußerte sich 1539 zu Fausts großen Kenntnissen der Arzneikunst.

Am 23. Februar 1520 war Faust anscheinend in Bamberg, um den Bischof der Stadt ein Horoskop zu erstellen. Dies geht aus den Rechenbüchern des Bichofs hervor, in denen es heißt "X. guld(en) geben und geschenckt Doctor Faustus ph(ilosoph)o *" (siehe Baron, Doctor Faustus from History and Legend, S. 42). Im Jahre 1528 besuchte Faust Ingolstadt, wo er allerdings bereits nach kurzer Zeit aus der Stadt verbannt wurde. Einigen Berichten zu Folge, hielt er sich 4 Jahre später in Nürnberg auf. Dies geht aus einem Statement des damaligen stellvertretdenden Bürgermeisters hervor, welches sich in den Archiven des Stadt befindet. Darin heißt es "Doctor Faustus, dem großen Sodomiten und Nigromantico in furt glait ablainen Geleit ablehnen. Burgermeister iunior." (Staatsarchiv Nürnberg, Nürnberger Ratserlasse, Nr 870 f. 12.). Am 25. Juni 1535 wurde Faust in der belagerten Stadt Münster das letzte Mal von Quellen erwähnt. Über den Hintergrund seines Aufenthaltes in der Stadt, als auch über seinen Verbleib nach der Einnahme ist nichts bekannt.

Fausts Tod wird auf das Jahr 1540/41 datiert. Er soll im "Hotel zum Löwen" in Staufen bei Freiburg infolge einer Explosion bei chemischen Experimenten gestorben sein. Faust soll versucht haben Gold herzustellen. Sein Leichnam wurde in grässlich deformiertem Zustand vorgefunden. Man schloss daraus, dass der Teufel höchstpersönlich sich seiner Seele bemächtigt hatte. Das dramatische Ende Fausts kam seinen geistlichen und gelehrten Widersachern sehr entgegen. Sowohl die katholische Kirche als auch die protestantischen Geistlichen sahen in ihm einen Gegner ihres Glaubens. Letztere verdammten ihn sogar als Teufelsbündler. Für Gelehrte und offiziell zugelassene Ärzte war er ein Konkurrent, der ihnen Hörer bzw. Patienten abwarb.

Eine abschließende Bewertung der historischen Faustgestalt erweist sich als schwierig. In der heutigen Faustforschung wird er größtenteils als hochintelligenter Autodidakt gesehen, der seine Fähigkeiten spektakulär darstellte und geschäftstüchtig nutzte.

Die literarische Figur Faust


Die großen Lücken in Fausts Lebenslauf und sein spektakuläres Ende begünstigten Legendenbildungen um seine Person und ließen Schriftstellern, die sich mit seinem Leben befassten, viel Handlungsspielraum.

Ein erstes umfassendes Werk, das sich mit dem Leben des Fausts befasste, erschien im Jahre 1587. Der Buchdrucker Johann Spies veröffentlichte die "Historia von D. Johann Fausten", auch bekannt als "Volksbuch". Es enthält eine Vielzahl von Geschichten und Anekdoten, viele mit legendenhaften Elementen. Spies berichtet von Fausts Theologie- und Medizinstudium, seiner Beschäftigung mit der Zauberei und von seinem Bündnis mit dem Teufel, der Faust schließlich mit in die Hölle nimmt. Deutlich ist die christliche Einstellung des Autors zu erkennen. Das Buch vermittelt ein negatives Faustbild und eine Ermahnung zu gottesfürchtigem Leben. Es erlangte große Bekanntheit. Zwischen 1588 und 1611 wurde es ins Englische, Niederländische, Französische und Tschechische übersetzt. Der Faust-Stoff gelangte so auch ins Ausland.

1589 schuf der Engländer Christopher Marlowe eine dramatisierte Version der „Historia“. ,,The tragical history of Dr. Faustus“ enthält alle wesentlichen Stoffelemente der „Historia“. Die Faustfigur trägt aber deutliche Züge einer Renaissancegestalt. Faust verlangt anmaßend die Macht über die Welt und verachtet die Theologie und ihre Jenseitsorientierung. Er verschreibt sich der Magie und dem Teufel, was auch hier zu seinem bösen Ende führt. Trotzdem ist bei Marlowe deutlich die Sympathie zu seinem Protagonisten erkennbar. Es ist die erste Faustbearbeitung, die der Figur des Fausts positive Aspekte zuschreibt.

Marlowes Drama wurde um 1600 von englischen Schauspielergruppen nach Deutschland gebracht und von deutschen Schauspielern übernommen. In der folgenden Zeit wurde es allerdings zerspielt und auf komische Elemente reduziert. Faust wurde zu einer Witzfigur, vergleichbar mit dem „Kasperle“. Die Wiederaufwertung der Faustgestalt gelang erst um 1775 in der Epoche des „Sturm und Drang“. Viele junge Dichter befassten sich mit der Thematik. Faust verkörperte bei ihnen den Willen zum geistig-sinnlichen Abenteuer in einer eintönigen, überzivilisierten und naturfremden Welt.

Schon in den Jahren davor hatte sich Lessing mit der Thematik beschäftigt. 1759 veröffentlichte er in seinem „17. Literaturbrief“ einige Szenen eines von ihm geplanten Dramas zum Faust-Stoff. Faust wird hier als ein nach Erkenntnis strebender Renaissancemensch dargestellt. Aufgrund eben dieses Strebens nach Wissen wird er vor dem Teufelspakt bewahrt. Lessing vollendete dieses Werk nie.

1808 erschien GoethesFaust. Der Tragödie erster Teil“. Dieses Werk wurde zum wichtigsten der gesamten Faustdichtung. Der 1832 veröffentliche zweite Teil ist eher ein kulturkritischer Essay als ein Bühnenstück. Goethe beschäftigte sich insgesamt fast 60 Jahre lang mit dem Faust-Stoff. Er stellte Faust als Renaissancemenschen und Humanisten dar, als einen modernen Intellektuellen, der sich aus kirchlicher Bevormundung befreit hat.

Mitte des 20. Jahrhunderts entstanden Werke von verschiedenen Autoren zum Faust-Stoff. Dieser wurde unterschiedlich interpretiert und in andere Zeitepochen verlegt. Die Autoren gingen freier mit der Thematik um und nahmen sich unterschiedliche historische Werke zum Vorbild. Thomas Mann knüpft mit seinem 1947 erschienenen Buch „Doktor Faustus“ an die „Historia“ von 1587 an. Er verlegt die Handlung in die Zeit ab 1900 und übt mit der Figur des Fausts Kritik an der bürgerlichen Klasse Deutschlands. In Hans Eislers 1952 erschienenen Buch „Johann Faustus“ vertritt Faust die Rechte der Unterdrückten in den Bauerkriegen um 1525.

Bis heute erschienen mehrere hundert Werke, die sich mit dem Leben des Fausts befassen. Die hier vorgestellten Beispiele verdeutlichen die unterschiedliche Auffassung von seiner Figur im Ablauf der Jahrhunderte. Interessant ist, dass sich die charakteristischen Elementen des Faust-Stoffs, wie der Teufelspakt oder Fausts Erkenntnisstreben, in den unterschiedlichen Darstellungen der verschiedenen Zeitepochen erhalten haben – über Faust als Scharlatan im Mittelalter bis zu dem Gelehrten in der Neuzeit, der nach Vollkommenheit seines Wissens strebt.

Die Sage


Die Sage vom Doktor Faust erzählt von einem jungen Mann namens Johann Faust, der einen Bund mit dem Teufel abschloss. Der Teufel sollte ihm 24 Jahre lang dienen, dafür sollte er Fausts Seele bekommen. Der Vertrag wurde mit Fausts Blut unterzeichnet. Schon bald war Faust in allen Landen berühmt und wurde sogar vom Kaiser persönlich eingeladen, um ihm etwas vorzuzaubern. Aber da er dort Feinde gewann, reiste er zum Grafen von Anhalt. Aber auch dort gefiel es ihm nicht lange. Schließlich nahten seine letzten Tage und er verbrachte sie in der Gesellschaft von lustigen Studenten, denen er mehrere Gefallen erwies. An seinem letzten Tage lud er sie in seine Wohnung ein und erzählte ihnen von seinem gottlosen Bund mit dem Teufel. Sie sollten eine Lehre für ihr Leben ziehen. Die Studenten dachten zuerst, es sei ein Scherz von Faust, als er aus dem Zimmer ging. Aber als sie im Nebenzimmer einen furchterregenden Schrei hörten, eilten sie hinein. Aber sie kamen zu spät. Die ganzen Wände waren blutbespritzt und in der Decke gähnte ein großes Loch. Durch das hatte der Teufel den Doktor Faust davongetragen.

Werke, die die Faustsage nacherzählen oder sich auf sie beziehen


Literatur

Musik

Film

Weblinks


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