Johann Daniel Müller (* 10. Februar 1716 in Wissenbach, Nassau Ortsteil von Eschenburg, † nicht vor 1786 vermutlich in Riga), auch: Daniel Müller, Daniel, Elias, Elias Artista, Messias, D. S., S., war Violinist, Bratschist und Konzertdirektor, dann radikalpietistischer Autor und "Prophet" der Vereinigungskirche "Offenbarung Christi".
Um 1735 traf er mit Johann Sebastian Bach in Leipzig zusammen, der ihn an den Hofkapellmeister Johann Theodor Roemhildt in Merseburg empfahl. 1737-1739 war er als Violinist und Bratschist Hofmusikus in Darmstadt; danach widmete er sich der Lektüre u. a. Jakob Böhmes. 1744 wird er zum Hofmusikus, Kantor und Schuldiener in Hachenburg ernannt und heiratete Maria Ursula verwitwete Schott geborene Windecker (1705-1759) eine Verwandte von Johann Wolfgang von Goethes Mutter, Catharina Elisabeth Goethe geb. Textor.
1746 übersiedelte er nach Frankfurt am Main. Als Konzerdirektor (seit 1747) veröffentlichte er dort das "Vollständige Hessen-Hanauische Choral-Buch" (2 Teile, 1754). Als Erster Violinist der Frankfurter Kapelle wird Johann Daniel Müller seit 1755 erwähnt.
Bei Auftritten in der Frankfurter Sankt-Katharinen-Kirche, in der Goethes Familie ihre Kirchenstühle hatte, dürfte ihn der junge Goethe kennengelernt haben. Müllers dem Koran gegenüber aufgeschlossenes Buch "Elias mit dem Alcoran Mahomeds. In der Offenbarung Jesu Christi. * 1772" befand sich in der Bibliothek von Goethes Vater, dem Kaiserlichen Rat Johann Caspar Goethe; zwei Exemplare besaß Goethes orientalistischer Berater Heinrich Friedrich von Diez.
Nach dem Tode seiner Gattin (1759) verließ der visionär erleuchtete Müller, der sich zum wiederkehrenden Propheten Elias (Elias Artista) berufen fühlte und eine Heidentum (Paganismus), Judentum, Christentum und Islam vereinigende Kirche "Offenbarung Christi" gründete, Frankfurt am Main und reiste durch Nord- und Ostdeutschland, Skandinavien, das Baltikum und Russland.
Nach einem für 1786 bezeugten Besuch Müllers in Dillenburg - der dortige Justizrat Karl von Knoblauch zu Hatzbach erwähnt ihn in einem Brief an Georg Christoph Lichtenberg - verliert sich seine Spur. Er soll im Umkreis russischer Spätrosenkreuzer in Riga gestorben sein.
Müller plädierte für einen dogmenkritischen Universalismus, beanspruchte aber für sich selbst die Deutungshoheit über die Offenbarungsurkunden Bibel, Talmud und Koran. Obwohl er selbst vielfach allegorisch verfährt und die dem Buchstaben verpflichtete Bibelexegese lutherischer Geistlicher wie Friedrich Christoph Oetinger ablehnt - in der Schrift "Elias mit der Lehre des Talmuds und der Rabbinen in ihrem wahren Sinn und Verstand (1772) bezeichnet er Oetinger als "Satans-Pfaffen" -, bleibt er auch Freigeistern wie Hermann Samuel Reimarus gegenüber intolerant, weil sie die Schriftbasis ganz verwürfen. Mit Reimarus, dessen zum Fragmentenstreit führenden "Fragmente" Gotthold Ephraim Lessing herausgegeben hatte, setzt er Lessing unbekümmert gleich. Moses Mendelssohn ist für ihn "ein Entlaufener aus der Synagoge der Väter".
Noch immer ist folgende von Johann Daniel Müller veröffentlichte Edition verschollen:
Diese Ausgabe von 1774 ist interessant als radikalpietistische Rezeption der jüdischen Bearbeitung eines sufistischen islamischen Werks.
Vgl. dazu die Rezension von Roland Edighoffer, in: ARIES (Brill, Leiden / Boston), Jg. 5 (2005), Nr. 1, S. 134-136.
Mann | Deutscher | Musiker | Violinist | Dissident | Pietist | Prophet | Geboren 1716 | Gestorben unbekannt
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