Johann Andreas Quenstedt (* 13. August 1617 in Quedlinburg, † 22. Mai 1688 in Wittenberg) war nach Martin Chemnitz und Johann Gerhard einer der wichtigen Vertreter der lutherischen Orthodoxie, genauer der letzte Vertreter der Hochorthodoxie (1600-1680).
Im Aufbau des theologischen Systems bedient sich Quenstedt der analytischen Methode, die im Anschluss an den Aristoteliker Giacomo Zabarella als die Methode einer auf Praxis ausgerichteten Wissenschaft gilt. Die Praxis auf die sich die Theologie bezieht ist die Vermittlung und Aneignung des christlichen Glaubens durch die Verkündigung des Evangeliums. Gemäß dieser Methode werden im ersten Teil (Pars Prima) der Zweck (lat. finis), im zweiten Teil (Pars Secunda) der Gegenstand (lat. subiectum), im dritten Teil (Pars Tertia) die Grundlagen (lat. principium) und im vierten Teil (Pars Quarta) die Mittel (lat. media) der Heilsaneignung im Glauben behandelt. Die einzelnen Abschnitte des Werkes sind je in einen didaktischen und einen polemischen Teil unterteilt. Im didaktischen Teil werden die wesentlichen Glaubenssätze thetisch dargestellt, im polemischen werden sie an verschiedenen Fragen (questiones) orientiert, gegen die Antithesen der Gegener behauptet und aus den biblischen Schriften begründet. Der didaktische Teil des Werkes lehnt sich dabei stark an die Theologia Positiva Acroamatica Johann Friedrich Koenigs an. In seiner Polemik gegen die anderen Positionen ist Quenstedt, von gelegentlichen Ausnahmen abgesehen, anders als zum Beispiel Abraham Calov im Ton mäßig und sachlich. Neben dem archivarischen Charakter ist dieser dogmatische Gesamtentwurf v.a. dadurch bestimmt, dass er sich gründlich mit der Auslegung der biblischen Texte befasst.
Ein besonderes Interesse Quenstedts galt der Erforschung von religiösen Riten in ihrer Geschichte. Er verfasste eine umfangreiche Arbeit zu den Begräbnisriten der Antike unter dem Titel Sepultura veterum, sive tractatus de antiqvis ritibus sepulchralibus Graecorum, Romanorum, Judaeorum & Christianorum (Die Begräbnisse der Alten, oder Traktat über die antiken Begräbnisriten der Griechen, Römer, Juden und Christen, 1660).
Des Weiteren veröffentlichte Quenstedt eine Ethica pastorum et instructio cathedralis (1678), sowie eine sich an bedeutenden Personen orientierende Geschichte der Theologie seit Anbeginn der Welt: Dialogus de Patriis illustrium doctrina et scriptis virorum ... Als erster Theologe gilt in dieser Abhandlung Adam. Behandelt werden alle bedeutenden Theologen, geordnet nach Zeit und Region des Auftretens bis zum 16. Jahrhundert.
Als Professor der theologischen Fakultät in Wittenberg hatte Quenstedt außerderm zahrleiche Disputationen aus den unterschiedlichsten Themenbereichen der Theologie zu verantworten.
Mann | Lutherischer Theologe (17. Jh.) | Dogmatiker | Deutscher
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