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Johan Huizinga (* 7. Dezember 1872 in Groningen, Niederlande; † 1. Februar 1945 in De Steeg bei Arnheim) war ein niederländischer Kulturhistoriker.

Huizinga entstammt einer mennonitischen Predigerfamilie und studierte zunächst indogermanistische Literaturgeschichte und im Nebenfach Geschichte. Zwischen 1905 und 1915 war Huizinga Professor für allgemeine und niederländische Geschichte in Groningen. 1915 übernahm er den Lehrstuhl für allgemeine Geschichte in Leiden und lehrte dort bis zur Schließung der Universität durch die deutschen Besatzer 1940. Offiziell emeritiert wurde er im Frühjahr 1942. Während der deutschen Besetzung der Niederlande im Zweiten Weltkrieg wurde er von August bis Oktober 1942 im Geisellager St. Michielsgestel interniert. Anschließend durfte er nicht nach Leiden zurückkehren und siedelte sich mit seiner zweiten Frau und seiner jüngsten Tochter in De Steeg bei Arnheim an.

Huizingas Geschichtsverständnis ist kulturhistorisch akzentuiert, er begreift Geschichtsschreibung als bildhaft-intuitive Mentalitäts- bzw. Kulturgeschichte. Sein bekanntestes Werk ist Der Herbst des Mittelalters, in dem die Spätblüte ritterlicher Kultur am Hof der Herzöge von Burgund beschrieben wird (siehe Haus Burgund).

Ein weiteres bedeutendes Werk von Huizinga ist Homo ludens. In diesem Werk begründet er eine kulturanthropologische Spieltheorie.

Daneben veröffentlichte er eine Geschichte der Groninger Universität im 19. Jahrhundert, zwei Bücher über die USA, eine Biographie des Erasmus von Rotterdam, eine Biographie des niederländischen Künstlers Jan Veth, eine Darstellung der niederländischen Kultur des "goldenen" 17. Jahrhunderts sowie zwei Schriften, die sich kulturkritisch mit gesellschaftlichen Entwicklungen der Gegenwart beschäftigten.

Neben seiner Professur hatte Huizinga zahlreiche sonstige Funktionen inne. Von 1915 bis 1932 war Huizinga Redakteur der Zeitschrift De Gids, einer der traditionsreichsten Kulturzeitschriften der Niederlande. 1916 wurde er Mitglied der Königlichen Akademie der Wissenschaften in Amsterdam und 1929 Vorsitzender der Geisteswissenschaftlichen Klasse. In den zwanziger Jahren war er niederländischer Gutachter des Laura Spelman Rockefeller Memorial der Rockefeller Foundation und bereiste in dieser Eigenschaft 1926 drei Monate lang amerikanische Bildungs- und Wissenschaftseinrichtungen. 1932/33 war er Rektor der Leidener Universität. 1933 wurde er Mitglied der Commission Internationale de Coopération Intellectuelle des Völkerbunds.

Werke (Auswahl)


  • Léon Hanssen u.a. (Hrsg.): Briefwisseling (Briefwechsel). Edition Veen, Utrecht
    • 1. - 1894-1924. 1989, ISBN 90-218-3693-9
    • 2. - 1925-1933. 1990, ISBN 90-204-1991-9
    • 3. - 1934-1945. 1991, ISBN 90-204-2036-4
  • Herbst des Mittelalters. Studien über Lebens- und Geistesformen des 14. und 15. Jahrhunderts in Frankreich und in den Niederlanden, Stuttgart: A. Kröner 1987, ISBN 3-520-82501-5
  • Homo Ludens. Vom Ursprung der Kultur im Spiel, Reinbek: Rowohlt 2004, ISBN 3-499-55435-6
  • Verzamelde Werken (niederländische Werkausgabe). Tjeenk Willink, Haarlem
    • 1. - Oud-Indië, Nederland. 1948
    • 2. - Nederland. 1948
    • 3. - Cultuurgeschiedenis I. 1949
    • 4. - Cultuurgeschiedenis II. 1949
    • 5. - Cultuurgeschiedenis III. 1950
    • 6. - Biografie. 1950
    • 7. - Geschiedwetenschap, Hedendaagsche Cultuur. 1950
    • 8. - Universiteit, Wetenschap en Kunst. 1951
    • 9. - Bibliografie en Register. 1953

Weblinks


Mann | Niederländer | Historiker | Geboren 1872 | Gestorben 1945

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