Joan Crawford, eigentlich Lucille Fay LeSueur (* 23. März 1904 oder 1905 in San Antonio, Texas, † 10. Mai 1977 in New York City) war eine US-amerikanische Filmschauspielerin.
Ihre Mutter heiratete später Henry J. Cassin (1867 - nach 1919). Die Familie lebte in Lawton, Oklahoma, wo Cassin ein Vaudeville-Theater (andere Quellen: ein Kinematograph) betrieb. Das Familienregister von 1910 aus Comanche County, Oklahoma, erwähnte am 20 April Henry und Anna Cassin, Adresse 910 "D" Street in Lawton. Lucille war zu dem Zeitpunkt 5 Jahre alt.
Joan Crawford bestand stets darauf, im Jahr 1908 geboren zu sein. Allerdings wusste man gemeinhin, dass ihre wahres Geburtsdatum einige Jahre davor lag. Da es in San Antonio vor dem Jahr 1908 keine Geburtsurkunden gibt und da keine offizielle Geburtsurkunde der Schauspielerin existiert, wird angenommen, dass sie 1905 geboren sein muss. Dafür spricht auch der oben erwähnte Familienzensus.
Um 1916 zog die Familie nach Kansas City, Missouri. Als Adresse wurde 403 East Ninth Street angegeben. Nach der Grundschule ging Lucille auf die St. Agnes Academy, eine katholische Schule in Kansas City. Später, nachdem ihre Mutter sich von Mr. Cassin getrennt hatte, blieb Lucille an der St. Agnes, wo sich ihr Schulgeld durch Dienstleistungen verdiente. Sie ging danach an die Rockingham Academy. 1922 schrieb sie sich am Stephens College in Columbia, Missouri ein, wo sie ihr Geburtsdatum mit 1906 angab. Nach gut einem Jahr am College beschloss sie, eine Karriere als Tänzerin zu versuchen. .
1924 unterschrieb sie einen Vertrag mit dem neugegründeten Filmstudio MGM und nahm im Januar 1925 ihre Arbeit in Culver City, Kalifornien auf. Der Studiochef Louis B. Mayer war mit ihrem Namen unzufrieden und ließ ein Preisausschreiben in dem Fanmagazin Movie Weekly unter dem Motto Gib Ihr einen Namen und gewinne $ 500 veranstalten. Zur Auswahl stand unter anderem auch die Namen Joan Arden und Peggy Grey.
Ihre erste größere Rolle hatte sie dem Film Sally, Irene and Mary (1925), in dem sie die Tänzerin Irene spielt, die ein tragisches Schicksal erleidet. Im folgenden Jahr bereits wurde sie zu einem der WAMPAS Baby Stars gewählt, also zu einem der Starlets, die am ehesten das Potential für eine große Karriere habe. Andere Gewinnerinnen des Jahres waren Mary Astor, Mary Brian, Dolores Costello, Dolores Del Rio, Janet Gaynor und Fay Wray.
Das Studio setzte die Schauspielerin während der ersten Jahre in jedem Genre ein, ohne dass eine klare Entwicklung zu erkennen wäre. Ihr ungewöhnlichster Stummfilm war daher auch The Unknown (1927), einem typischen Lon Chaney Vehikel. Der Regisseur Tod Browning holte eine gute Darstellung aus Joan Crawford, die sich noch Jahre später positiv über die Zusammenarbeit mit Lon Chaney äußern sollte.
Mit der Rolle der Diana Medford in Our Dancing Daughters (1928) wurde Joan Crawford schließlich ein Topstar für das Studio. Sie spielte eine junge, lebenslustige Frau der besseren Gesellschaft, damals auch Flapper genannt. Diesen Rollentypus sollte sie in den nächsten Jahren noch oft verkörpern.
In den frühen 1930er Jahren ändete Crawford ihr Image vom Flapper-Girl hin zur ambitionierten Frau, die ihre Lebensumstände aus eigener Kraft verbessern will. An diesem Punkt ihrer Schauspielkarriere spielte sie daher oft Arbeitermädchen, die den sozialen Aufstieg schaffen.
In der internen Studiohierarchie rangierte sie in dieser Zeit nach Marion Davies, Greta Garbo und Norma Shearer an vierter Stelle. Gleichzeitig begann sie damals die ersten von insgesamt 8 Filmen mit Clark Gable zu drehen. Zu den größten Erfolgen der beiden Stars zählen die Filme Possessed (1931), Dancing Lady (1933) und Chained (1934).
1932 zeigte sich Joan Crawfords Status als bedeutender Star, als der Chef-Produzent von MGM Irving Thalberg sie in der Verfilmung des Romans Menschen im Hotel von Vicki Baum, besetzte. Der Film war als Prestigeproduktion konzipiert und wurde dementsprechend prominent besetzt: Greta Garbo, John Barrymore, Wallace Beery, Lionel Barrymore, Lewis Stone und Jean Hersholt. Der Streifen wurde unter dem Titel Grand Hotel von Regisseur Edmund Goulding realisiert und gewann in der Kategorie "Film des Jahres" den Oscar. Nicht wenige Kritiker meinten, Joan Crawford habe mit ihrer klug nuancierten Darstellung der Sekretärin Flämmchen die beste Leistung des Ensembles geliefert.
Die Schauspielerin verhandelte nach dem finanziell ungemein erfolgreichen Film Dancing Lady zu Beginn des Jahres 1934 einen neuen Vertrag aus, der ihre wöchentliche Gage von anfangs $ 6.500 in den nächsten Jahren auf $ 9.500 steigen ließ. In der Folgezeit war sie meist romantischen Dreiecksgeschichten zu sehen, vorzugsweise mit Clark Gable oder Robert Montgomery als Partner.
In dieser Zeit trat die Schauspierlin auch regelmäßig mit klassischen Rollen in anspruchsvollen Radioshows auf und gewann viel Lob und Anerkennung für ihre Interpretation der Nora in gleichnamigen Stück von Henrik Ibsen.
Der Versuch, 1936 ihr Rollenfach durch den Auftritt in dem Kostümdrama The Gorgeous Hussy zu erweitern, zeigte nicht den gewünschten Erfolg. Zwei aufwändig produzierte Verfilmungen von Broadwayerfolgen, The Last of Mrs. Cheney aus dem Jahre 1937 und The Shining Hour ein Jahr später, brachten ihr zwar positive Kritiken, fanden jedoch ebenfalls keinen Anklang bei ihren Fans.
1938 befand sich die Karriere der Schauspielerin daher in einer Krise. Das Publikum akzeptierte ihren Rollenwechsel hin zu Darstellerin in anspruchvollen Konversationsstücken und gesellschaftskritischen Melodramen nicht. Sie wurde im selben Jahr neben Katharine Hepburn, Marlene Dietrich, Mae West und Fred Astaire in einer Anzeige als Kassengift (box-office poison) bezeichnet.
Dank dreier Erfolge in George Cukor-Filmen konnte Crawford ihren Status wieder konsolidieren: The Women/Die Frauen (Film) (1939), Susan And God /Susan und der liebe Gott (1940) und besonders A Woman's Face/Die Frau mit der Narbe (1941). Nach eigenem Bekunden war es die größte professionelle Enttäuschung ihrer Karriere, für diesen Film nicht für den Oscar nominiert zu werden.
Trotz der ermutigenden Einspielergebnisse, die ein neuerwachtes Interesse des Publikums indizierten, verlor das Filmstudio zunehmend das Vertrauen in ihre Zugkraft an der Kinokasse. Wichtige Filmrollen verlor sie an Greer Garson, Katherine Hepburn und Irene Dunne. Joan Crawford bot Studiochef Louis B. Mayer daher die Entlassung aus ihrem Vertrag an. Der Vertrag wurde in beiderseitigem Einvernehmen am 29. Juni 1943 aufgelöst.
Jack L. Warner hatte die Schauspielerin als mögliche Konkurrentin für den eigenen Topstar Bette Davis unter Vertrag genommen. Aus diesem Grund wurde zeitlich auch Barbara Stanwyck für einen nichtexklusiven Vertrag über mehrere Filme verpflichtet. Interessanterweise hatte Warner 1943 zunächst versucht, ausgerechnet Norma Shearer, die sich in einen Semi-Ruhestand zurückgezogen hatte, für einen neuen Vertrag zu gewinnen.
Da das Studio entgegen vorheriger Zusagen keine adequaten Drehbücher vorlegte, ließ sich Joan Crawford solange von der Gehaltliste nehmen, bis sie sich mit dem Studio über einen geeigneten Film einigen konnte.
1944 trat sie als sie selbst in der Propagandarevue Hollywood Canteen auf.
1945 schaffte sie eines der spektakulärsten Comebacks der Zeit. Sie spielte die Titelrolle in dem Film Mildred Pierce/Solange ein Herz schlägt. Die Rolle wurde vorher unter anderem Bette Davis und Ann Sheridan angeboten. Joan Crawford musste zum ersten Mal in ihrer Karriere Probeaufnahmen machen, doch gelang es ihr, Produzent Jerry Wald zu überzeugen. Regisseur Michael Curtiz entwickelte das Drehbuch speziell für Crawford auf der Grundlage des gleichnamigen Romans von James M. Cain. Daneben wirkten Jack Carson, Zachary Scott, Eve Arden und Ann Blyth mit. Mildred Pierce spielte über 5 Millionen Dollar ein. Der Streifen wurde damit die erfolgreichste Produktion des Jahres für das Studio. Joan Crawford gewann den Oscar als Beste Hauptdarstellerin.
Die beiden nächsten Filme, Humoresque (1946) und Possessed/Hemmungslose Liebe (1947) waren sowohl künstlerische und finanzielle Erfolge. Für Possessed wurde die die Schauspielerin erneut für einen Oscar nominiert. James Agee, einer der bekanntesten Filmkritiker der Zeit erklärte die außergewöhnlich hohe Qualität von Possessed mit den Worten: A lot of people, who have a lot to give, are giving it all they've got.
Nach dem großen finanziellen Erfolg des Streifens Flamingo Road/Straße der Erfolgreichen aus dem Jahr 1949 war die Schauspielerin nahezu ausschließlich auf die Darstellung von Frauen festgelegt, die den sozialen Aufstieg um jeden Preis schaffen. Sie war mit den Drehbüchern, die ihr das Studio anbot, zunehmend unzufrieden. Mit dem Auftauchen von Jane Wyman und Doris Day bekam sie darüber hinaus noch Konkurrenz von jüngeren Stars im Studio.
Joan Crawford versuchte während der Zeit mehrfach, das Studio zu überzeugen, den Roman Ethan Frome von Edith Wharton gemeinsam mit ihr sowie Bette Davis und Gary Cooper zu verfilmen. Das Projekt scheiterte ebenso wie der Plan, die beiden Schauspielerinnen in dem Streifen Time to Sing gemeinsam vor die Kamera zu bringen.
Im Folgejahr scheiterte die Mitwirkung der Crawford in der Verfilmung des Romans Verdammt in alle Ewigkeit, in der sie die Rolle der Karen Holmes spielen sollte. Die Schauspielerin drehte dafür erstmals seit 10 Jahren wieder einen Film für MGM: Torch Song/Herzen im Fieber. Der Streifen, der einige Revuepassagen enthält, war weder in künstlerischer noch in finanzieller Hinsicht ein Erfolg.
1954 wirkte Joan Crawford in dem Western Johnny Guitar/Wenn Frauen hassen mit. Über den Film ist in den nachfolgenden Jahren viel geschrieben worden. Nicht wenige Analysten sehen in dem Streifen eine subtile Abrechnung mit der McCarthy-Ära. Anderer wollen starke feministische Ansätze entdeckt haben. Miss Crawford äußerte sich stets negativ über den Film.
Im selben Jahr wurde die Schauspielerin Opfer gezielter Indiskretionen in der Skandalpresse. Besonders das Magazin Confidential veröffentlichte Details aus ihrem Privatleben. Die negative Publicity kostete den Star nach eigenem Bekunden die Hauptrolle in der Verfilmung des Broadwayhits The Country Girl.
Die Loyalität ihrer Fans verhalf Joan Crawford jedoch 1955 zu einem erneuten Comeback durch den Streifen Female on the Beach/Frau am Strand, in dem sie eine ältere Frau spielte, die eine Beziehung mit einem jüngeren Mann eingeht.
Der finanzielle Erfolg erlaubte es ihr, im selben Jahr einen lukrativen Vertrag über drei Filme mit der Gesellschaft Columbia auszuhandeln. Sie hatte sich ausdrücklich Mitwirkungsrechte bei der Auswahl der Drehbücher und bei der Besetzung ausbedungen. Die nachfolgenden Filme ware allesamt sorgfältig produzierte Streifen. Sowohl Autumn Leaves als auch Queen Bee und The Story of Esther Costello/Die Geschichte der Esther Costello spielten mehr Geld ein als sie gekostet hatten. Besonders die subtile Darstellung einer älteren Frau in Autumn Leaves brachte ihre Lob und Anerkennung von der Fachpresse.
Nach der Eheschließung mit Alfred Steele beschloss Joan Crawford 1957, sich trotz genügender Angebote aus dem aktiven Filmgeschäft zurückzuziehen und sich exklusiv für die Belange von Pepsi Cola einzusetzen, in deren Aufsichtsrat Steele ein bedeutende Rolle spielte. Auch nach seinem Tod setzte sie sich weiterhin aktiv für die Interessen der Firma ein. Zu einer Zeit als der Begriff Product placement noch unbekannt war, sorgte die Schauspielerin bereits aktiv dafür, dass die Produkte des Getränkeherstellers in all ihren Filmen prominent zur Geltung kamen.
1962 gelang ihr an der Seite von Bette Davis in dem Streifen Whatever Happened To Baby Jane?/Was geschah wirklich mit Baby Jane? ein vielbeachtetes Comeback. Die beiden Schauspielerinnen kamen dem Vernehmen nach nicht gut miteinander aus.
Zwei Jahre später, 1964, scheiterte der Versuch, beide Stars zusammen wieder unter der Regie von Robert Aldrich in einem vergleichbaren Stoff mit dem Titel Hush, Hush, Sweet Charlotte/Wiegenlied für eine Leiche, einzusetzen, da Joan Crawford sich krankheitsbedingt aus der Produktion zurückziehen musste.
Die nachfolgenden Filme aus dieser Zeit waren dem Prestige und den schauspielerischen Fähigkeiten von Miss Crawford nicht angemessen.
In Ermangelung von entsprechenden Filmangeboten wirkte Joan Crawford daher verstärkt in zahlreichen Fernsehproduktionen mit. Zu den bekanntesten Auftritten gehörte die Mitwirkung in der daily soap The Secret Storm, in der sie im Oktober 1968 die Rolle ihrer erkrankten Tochter Christina Crawford übernahm. Im Jahr 1969 trat sie in der Episode Eyes aus der Mystery Serie Night Gallery auf, einer der ersten offiziellen Regiearbeiten von Steven Spielberg.
1974 zog sich die Schauspielerin endgültig aus der Öffentlichkeit zurück, nachdem sie Pressefotos von sich gesehen hatte, auf denen sie sich unvorteilhaft getroffen fand.
Für das Jahr 1925 sind nur die gesicherten Auftritte vermerkt. Strittige Filme aus dem Jahr wurden nicht aufgeführt. Die Mitwirkung in The Slippey Pearls aus dem Jahr 1931 konnte nicht verifiziert werden.
Frau | US-Amerikaner | Schauspieler | Oscarpreisträger | Filmschauspieler | Geboren 1904 | Gestorben 1977
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