Joan Baez (* 9. Januar 1941 in Staten Island, New York/USA als Joan Chandos Báez), ist eine US-amerikanische Folk-Sängerin mit mexikanischen Wurzeln, die besonders für ihre starke, klare Sopran-Stimme und ihr politisches Engagement bekannt ist. Sie wird als "das Gewissen und die Stimme der 1960er" bezeichnet.
Da ihr Vater eine Stelle als Dozent am Massachusetts Institute of Technology erhalten hatte, zog die ganze Familie im Spätsommer 1958 erneut um, diesmal nach Belmont, Massachusetts.
Ihre erste Solo-LP erschien ein Jahr später unter dem Titel Joan Baez bei Vanguard Records. Das Nachfolgealbum Joan Baez Vol. 2 (1961) erhielt in den USA Goldstatus, genauso wie beide Teile von Joan Baez In Concert von 1962. 1961 ging sie außerdem auf eine USA-Tournee und lernte dabei Bob Dylan kennen, der im Vorprogramm von John Lee Hooker auftrat. Sie begann, seine Songs zu interpretieren und stellte ihn ihrem Publikum vor. Auch eine Liebesbeziehung der beiden ließ nicht lange auf sich warten.
In der ersten Hälfte der 1960er stand sie mit an der Spitze der Folkbewegung. Bereits zu dieser Zeit beeinflusste ihr Stil Künstlerinnen wie Joni Mitchell und Bonnie Raitt.
Genau wie Dylan wurde auch sie von der British Invasion beeinflusst und begann ihre akustische Gitarre durch Bass und E-Gitarre zu verstärken, was bereits auf Farewell, Angelina (1965) zu hören ist. Kurz zuvor hatte Dylan begonnen, Folk mit Rockmusik zu verknüpfen, indem auch er seine Gitarre elektrisch verstärkte und mit einer Begleitband auftrat. Da sich die Ansichten der beiden über ihre jeweilige Musik immer stärker unterschieden, trennten sich Baez und Dylan 1966.
Gegen Ende des Jahrzehnts experimentierte Baez mit Lyrik, was auf Baptism; A Journey Through Our Time von 1968 zu hören ist. Bei diesem Album handelt es sich um eine Sammlung von Gedichten, die entweder gesprochen oder mit orchestraler Begleitung vorgetragen wurden.
Im selben Jahr heiratete sie David Harris, einen bekannten Gegner des Vietnamkrieges. Er war ein Fan von Countrymusik und beeinflusste ihre Musik in diese Richtung, was auf David’s Album aus dem Jahr 1969 hörbar ist. Dieses Album enthält unter anderem das Traditional Poor Wayfaring Stranger, bei dem sie von ihrer Schwester Mimi Fariña begleitet wird, und Will The Circle Be Unbroken mit Elvis Presleys ehemaligen Backgroundsängern The Jordanaires.
1969 trat sie auf dem Woodstock-Festival auf. Die hochschwangere Sängerin nutzte dieses große Forum, um die Missstände in der Welt anzuprangern, wie zum Beispiel auch die Inhaftierung ihres Ehemanns, der zu dieser Zeit eine dreijährige Freiheitsstrafe verbüßte und einen Hungerstreik unter den Mithäftlingen initiiert hatte, nachdem er aus einem Bezirksgefängnis in ein Bundesgefängnis verlegt worden war. Anschließend nahm sie ihre Gitarre herunter und sang a cappella den Gospel Swing Low, Sweet Chariot.
1971 coverte sie The Night They Drove Old Dixie Down von The Band, die damit einen Top-10-Hit in den USA gehabt hatten. Mit dem 1972er-Album Come From The Shadows wechselte sie zu A&M Records, wo sich ihre Musik ein wenig in Richtung Mainstream-Pop veränderte und sie begann, ihre eigenen Songs für das 1975er-Album Diamonds & Rust zu schreiben. Der Titelsong darauf befasst sich übrigens mit ihrer missglückten Liebesbeziehung zu Bob Dylan. Zumindest eine Zeile davon, "My poetry is lousy you’ve said." ("Meine Lyrik sei miserabel, hast du mir gesagt."), deutet auch auf die künstlerischen Differenzen der beiden hin.
1973 ließ sie sich von Harris scheiden und hatte später eine Beziehung mit Steve Jobs. 1975/76 folgte mit der Rolling Thunder Revue ihre zweite Tournee mit Bob Dylan. Außerdem spielte sie 1978 in seinem Film Renaldo and Clara mit.
Sie wechselte kurz zu CBS Records, war aber für ihr Live Europe ’83 von 1984 ohne ein US-amerikanisches Label. Dafür eröffnete Joan Baez 1985 das Live-Aid-Konzert, nachdem sie im vorangegangenen Jahr erneut auf Europatournee mit Bob Dylan gewesen war. 1987 folgte das nächste Album in den USA, The Contemporary Ballad Book, auf dem Label Gold Castle Records.
Kurz vor ihrem 50. Geburtstag 1991 begann ein neuer Schub an Professionalität ihr Leben zu verändern. Sie nahm sich zum ersten Mal einen professionellen Manager und obendrein Gesangstraining. Außerdem unterzog sie sich einer Psychotherapie. Seit dieser Zeit spielt sie bei Plattenaufnahmen nur noch sehr selten Instrumente, sondern konzentriert sich weit mehr auf ihren Gesang. Sie schrieb auch keine eigenen Lieder mehr.
1988 trat sie unter dem Namen 3 Voices auf einigen Konzerten gemeinsam mit Konstantin Wecker und Mercedes Sosa auf. Ihr 30-jähriges Bühnenjubiläum feierte sie 1989 mit dem Album Speaking of Dreams. Für das 1992er-Album Play Me Backwards wechselte sie erneut die Plattenfirma, diesmal ging sie zu Virgin Records.
1995 wurde mit Ring Them Bells ein vielbeachtetes Baez-Live-Album veröffentlicht, auf dem sie gemeinsam mit einigen Freundinnen und Kolleginnen (Dar Williams, Indigo Girls, Tish Hinojosa, Janis Ian, Mary Black, Kate & Anna McGarrigle und Mary Chapin Carpenter) sowie ihrer Schwester Mimi Fariña zu hören ist. 2003 erschien ihr bisher letztes Album Dark Chords on a Big Guitar, gefolgt von einer US-Tournee 2004 und einer weiteren 2005. Im März und April 2006 tourt sie durch mehrere Städte Deutschlands.
Zu ihren Interpretationen gehören klassische US-Traditionals und -Folksongs, wie House Of The Rising Sun, Donna Donna, Barbara Allen, Lieder von Pete Seeger, Woody Guthrie und Bob Dylan, aber auch zahlreiche Lieder auf Spanisch und vereinzelt in anderen Sprachen, wie Italienisch, Französisch, Russisch und Deutsch ("Kinder" von Bettina Wegner).
Sie sang die Lieder des Soundtracks in dem Science-Fiction-Film Lautlos im Weltraum. Sie interpretierte auch vielfach (zum Beispiel in Woodstock) den berühmten Folksong über den schwedischen Arbeiterführer Joe Hill mit dem Titel I dreamed I saw Joe Hill last night.
In den 1960er-Jahren zahlte sie einen Großteil ihrer Lohnsteuer auf ein Sperrkonto, um den Vietnam-Krieg nicht mitzufinanzieren, unterstützte das Free Speech Movement – eine für Meinungsfreiheit und gegen den Krieg in Vietnam eintretende Studentenorganisation – und nahm an Ostermärschen in Deutschland teil. 1963 weigerte sie sich, in Shows von ABC aufzutreten, da der Sender den linken Musiker Pete Seeger boykottierte. Im selben Jahr sang sie auch zusammen mit Bob Dylan am Lincoln Memorial, als Martin Luther King nach Washington (D.C.) marschierte. Aus dieser Zeit stammt auch obiges Foto. Nachdem sie während der Beteiligung an einer Blockade der Zufahrt zu einem Armeekomplex (am 16. Oktober 1967) zu einer Freiheitsstrafe von 10 Tagen verurteilt worden war, wurden alle ihrer Platten aus den PX Stores in Europa entfernt. Weiterhin gründete sie die West-Coast-Abteilung von Amnesty International. 1967 verweigerte ihr die konservative Frauenvereinigung „Daughters of the American Revolution“ („Töchter der Amerikanischen Revolution“) einen Auftritt in der Constitution Hall, wie sie es 1939 bereits mit Marian Anderson (wegen deren Hautfarbe) getan hatte.
Als ihre Schwester Mimi 1972 die Organisation Bread & Roses gründete, half Joan Baez dabei massiv mit. Die Organisation veranstaltet seitdem Konzerte in Krankenhäusern und Gefängnissen. Im August 1975 erhielt sie bei den ersten Rock Music Awards eine Auszeichnung für ihren Dienst an der Öffentlichkeit und wurde außerdem mit einem Feiertag (Joan Baez Day, am 2.August 1975) in Atlanta geehrt. Nachdem sie 1972 in einem Interview gesagt hatte, dass sie 10 Jahre zuvor eine lesbische Beziehung unterhalten hatte und sich als bisexuell sieht, gab sie 1978 einige Benefizkonzerte um gegen die Proposition 6 (die so genannte Briggs-Initiative) vorzugehen, die es vorsah, allen homosexuellen Lehrern den Unterricht an öffentlichen Schulen in Kalifornien zu verbieten. Im selben Jahr beteiligte sie sich an Gedenkmärschen für den bei einem Attentat zusammen mit George Moscone, dem Bürgermeister San Franciscos, getöteten Politiker Harvey Milk, der sich als Schwuler geoutet hatte.
In Madrid sang sie 1977 für die Befreiung von Spanien nach Francisco Franco unter anderem den Song We Shall Not Be Moved (spanisch No Nos Moveran), der 40 Jahre lang in diesem Land verboten gewesen war. Sie sang gegen Diktaturen und Militärputsche in Südamerika und gründete 1979 die Menschenrechtsorganisation "Humanitas International Human Rights Committee", die sich um die Boat People kümmerte. Sie war auch Leiterin dieser Organisation, bis diese 1982 ihre Dienste einstellte.
In den 1980er-Jahren unterstützte sie die Friedensbewegung. Sie spielte 1986 auf der von Amnesty International veranstalteten Tour Conspiracy of Hope, zusammen mit Sting, Peter Gabriel und anderen. Václav Havel bezeichnete sie als "entscheidenden Einfluss auf die samtene Revolution" von 1989. 1993 war sie eine der ersten Künstlerinnen, die Bosnien-Herzegowina besuchten, bevor sie 1994 zusammen mit Janis Ian ein Benefizkonzert für die National Gay and Lesbian Task Force gab.
Im Jahre 2003 gab sie zusammen mit Steve Earle, Emmylou Harris und Billy Bragg Konzerte gegen den Einsatz von Landminen.
Auch gegen den Irakkrieg meldete sie sich am 20./21. August 2005 zu Wort, als sie Cindy Sheehan, der Mutter eines getöteten Soldaten, bei ihrem Camp an der Zufahrt zu George Bushs Ranch besuchte.
Außerdem ist sie bis heute eine Sponsorin des Zentralkommitees für Kriegsdienstverweigerer in den USA und ist bereits einige Male mit dem lesbischen Duo Indigo Girls aufgetreten.
Sie ist Vegetarierin und hat eine Tätowierung in Form einer Blume auf dem Rücken.
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