Jitzchak Rabin (hebräisch: יצחק רבין; * 1. März 1922 in Jerusalem; † 4. November 1995 in Tel Aviv) war Generalstabschef von Tzahal sowie Verteidigungsminister und Ministerpräsident seines Landes. Über Jahre hinweg war Rabin einer der wichtigsten Entscheidungsträger Israels in außen- und sicherheitspolitischen Fragen.
Das Amt des Ministerpräsidenten hatte er zweimal inne, erstmals von 1974 bis 1977 und nochmals von 1992 bis zu seiner Ermordung im Jahre 1995.
1994 erhielt Rabin gemeinsam mit seinem damaligen Außenminister Schimon Peres und dem damaligen Chef der palästinensischen Autonomiegebiete, Jassir Arafat, den Friedensnobelpreis.
Rabin besuchte seit dem Herbst des Jahres 1928 die erste Arbeiterschule Bet Hinuch leJaldei Owdim (Schule für Arbeiterkinder) in Tel Aviv, die er 1935 abschloss. Dann ging er für zwei Jahre auf die Schule Giwat HaSchloscha (1937 in Rosa-Cohen-Schule umbenannt) in der Umgebung von Tel Aviv und war ab Oktober 1937 in den zwei Jahren vor seinem Abitur auf der bekannten Kedurie Landwirtschaftsschule. Rabin beendete die Schule am 20. August 1940, nach anfänglichen Schwierigkeiten, als der beste Schüler seiner Klasse. Für mehr als ein Jahr zwischen Sommer 1938 und Herbst 1939 war Rabins Schullaufbahn zugunsten von Diensten für die Hagana unterbrochen.
Seit 1948 war er mit der gebürtigen Königsbergerin Leah Rabin (geborene Schlossberg) verheiratet. Das Paar hatte zwei Kinder Dalia (* 1950) und Juwal.
Im Oktober 1947 erreichte er die Position des obersten Planungsoffiziers. Während des israelischen Unabhängigkeitskriegs 1948 befehligte er bei der Verteidigung Jerusalems die Harel Brigade und kämpfte im Negev als Stellvertreter Jigal Allons, der Chef des südlichen Frontabschnittes war, gegen die Ägypter. Im Jahre 1949 handelte er als Delegierter der israelischen Waffenstillstandsdelegation auf Rhodos das Waffenstillstandsabkommen von 1949 mit Ägypten mit aus.
Nach dem Krieg wurde Rabins Einheit der Palmach von Ben Gurion aufgelöst und Rabin wurde als einer der wenigen Offiziere in die Tzahal übernommen. Er besuchte im Folgenden einen Kurs Haim Laskows für Battailonskommandeure. Nach einem kurzen Zwischenspiel als Leiter dieses Kurses wurde er von Jigael Jadin in den Generalstab befördert. Hier war er Chef der Operationsabteilung der Tzahal. 1952 ging er mit seiner Familie nach England und besuchte dort das Royal Staff College in Camberley.
Von 1953 bis 1956, jetzt ein Generalmajor, übernahm Rabin die Leitung der Ausbildung der israelischen Armee, danach wurde er Befehlshaber der Truppen an der syrischen Grenze Israels. An der Sinai-Kampagne von 1956 war er deshalb kaum beteiligt. Am 24. Januar 1961 wurde er zum stellvertretenden Generalstabschef und am 1. Januar 1964 zum Generalstabschef (auf Hebräisch: רמטכ"ל, sprich: Ramatkal) der Tzahal (israelische Verteidigungsarmee) ernannt. Unter seinem Kommando errang die Tzahal einen umfassenden Sieg über Ägypten, Syrien und Jordanien im Sechstagekrieg. Nachdem die Altstadt von Jerusalem von der Tzahal erobert worden war, war Rabin einer der ersten, der die Altstadt besuchte. Ein weltweit berühmt gewordenes Bild zeigt ihn zusammen mit dem damaligen Verteidigungsminister Mosche Dajan und dem Fallschirmjäger Uzi Narkis beim Durchschreiten des Löwentors.
Nach dem Krieg hielt Rabin eine berühmt gewordene Rede in der Hebräischen Universität von Jerusalem auf dem Skopusberg, nachdem er von der Universität mit der Ehrendoktorwürde der Philosophie geehrt worden war. Er nahm den Preis im Namen der ganzen Armee an, die sich - so sagte er in der Dankesrede - nicht nur in ihrer spirituellen Größe, dem Trauern um die Opfer des Feindes, von allen anderen Armeen in der Welt unterscheide. Sie habe auch auf anderen Gebieten einen Sonderstatus in der Welt und nicht umsonst 1966 den Israel-Preis für Erziehung bekommen.
Nach zwei großen Krisen musste Rabin sein Amt aufgeben: Zum einen führte die Ankunft von vier F-15-Jets an einem Schabbat zum Zerbrechen seiner Koalitionsregierung, zum anderen wurde kurz vor den Wahlen vom israelischen Geheimdienst, dem Mossad, ein illegales Dollarvermögen seiner Frau aufgedeckt, wie der ehemalige Geheimdienst-Katsa Victor Ostrovsky behauptet. Rabin übernahm die Verantwortung für das Konto seiner Frau und trat 1977 vom Amt zurück. Er verblieb jedoch als Mitglied der Arbeitspartei im Parlament. Später bekannte Rabin, in seiner ersten Amtszeit zu unerfahren in innenpolitischen Fragen gewesen zu sein. Zudem galt Rabin als scheu und zuweilen introvertiert. Hinzu kamen generelle Schwächen Rabins im öffentlichen Auftritt, oft ungeduldig (auch mit seiner eigenen Partei) trat er taktlos und unhöflich auf, weshalb ihn manche als schlechten Politiker bezeichnen.
Nach seinem Rücktritt wurde der Likud-Politiker Menachem Begin als sein Nachfolger gewählt und die jahrzehntelange Vorherrschaft der Arbeitspartei kam zu ihrem Ende, wofür Rabin verantwortlich gemacht wurde.
Nach der Regierungszeit Begins und einer kurzen Amtszeit von Jitzchak Schamir bis 1984 wurde Schimon Peres Ministerpräsident Israels und Jitzhak Rabin kam in sein Kabinett als Verteidigungsminister in der Einheitsregierung. Er setzte, wie im Fernsehen mehrfach dokumentiert, umstrittene bis brutale Methoden ein, um die Erste Intifada zu beenden und wurde mit dem Ausspruch zitiert: „Wir sollten ihre Hände und Beine brechen“ (bezogen auf die palästinensischen Aufständischen). Zugleich war er zuständig für den Rückzug der israelischen Armee aus dem südlichen Libanon. Auch nachdem 1986 Peres wieder durch Schamir abgelöst wurde, blieb er bis 1990 Verteidigungsminister. Nach dem Hinscheiden Dajans und Allons galt Rabin als die unumstrittene Autorität Israels in verteidigungspolitischen Fragen. Im Mai 1989 nahm das israelische Kabinett seinen Plan zu einer Zusammenarbeit mit den Palästinensern an.
In seiner zweiten Amtszeit von 1993 an spielte Rabin eine tragende Rolle bei den Friedensgesprächen mit den Palästinensern sowie den arabischen Ländern. 1991 kam es zu Friedensgesprächen in Madrid, nach denen Israel getrennt mit Vertretern seiner Nachbarn verhandeln sollte. Die PLO wurde bei den Verhandlungen jedoch nicht eingeladen. 1992 kündigte Rabin Syrien einen Abzug der Truppen aus den Golanhöhen an, zeitgleich verschärfte sich der Streit mit den Palästinensern und der PLO und es kam vermehrt zu Terrorakten, die die Friedensgespräche der israelischen Regierung unterlaufen sollten.
Im Sommer 1993 kam es zu ersten direkten Gesprächen zwischen Vertretern der PLO und der israelischen Regierung. Die Gespräche führten im Oslo-Abkommen zu einem Erfolg, das einen Abzug der israelischen Armee aus dem Westjordanland und dem Gazastreifen sowie eine palästinensische Selbstverwaltung in diesen Gebieten bei gleichzeitigem Gewaltverzicht der Palästinenser vorsah. Nach einer Übergangszeit sollte ein dauerhafter Status der Gebiete ausgehandelt werden. Die Verträge wurden am 9. und am 10. September von den Beteiligten unterschrieben. Am 4. Mai 1994 erfolgte eine weitere vertragliche Regelung in Washington D.C., bei der die PLO erstmalig eine anerkannte begrenzte Autonomie für den Gazastreifen und das Gebiet um Jericho bekam. Für seine Beteiligung an diesem Prozess erhielt Rabin 1994, zusammen mit Jassir Arafat und Schimon Peres, den Friedensnobelpreis. In der Folge des in Kairo 1994 endgültig bestätigten Abkommens wurden israelische Truppen aus den Autonomiegebieten abgezogen. Die PLO durfte eine Polizeitruppe von 9.000 Mann bilden, um ihrer Aufgaben der Verwaltung und Kontrolle gerecht zu werden, außerdem wurden etwa 8.500 palästinensische Gefangene freigelassen.
Rabins Regierung war zunehmend angeschlagen. Er stand nur noch einer Minderheitsregierung vor, die in der Knesset von den Stimmen der Kommunisten und der nationalistischen arabischen Knessetmitglieder abhängig war. Rabin verspielte nach Ansicht von Kritikern damit die Chance die Arbeitspartei wieder zur führenden Kraft zu machen und verlor durch diesen Linksruck an Macht. Die Durchführung der Politiken der "Tauben" um Schimon Peres im Oslo-Prozess führte zu einer zunehmenden Radikalisierung der politischen Diskussion in Israel, hier wird die Nichtintegration von mitte-rechts Positionen oft als ein Fehler Rabins betrachtet.
Kurz vor den tödlichen Schüssen hatte Rabin noch eine bewegende Rede gehalten (Übersetzung von haGalil.de) : "Ich möchte gerne jedem einzelnen von Euch danken, der heute hierher gekommen ist, um für Frieden zu demonstrieren und gegen Gewalt. Diese Regierung, der ich gemeinsam mit meinem Freund Shimon Peres das Privileg habe, vorzustehen, hat sich entschieden, dem Frieden eine Chance zu geben - einem Frieden, der die meisten Probleme Israels lösen wird. ... Der Weg des Friedens ist dem Weg des Krieges vorzuziehen. Ich sage Euch dies als jemand, der 27 Jahre lang ein Mann des Militärs war ".
Untersucht wurde der Mord von der Schamgar Kommission. Heute gibt es einen nationalen Erinnerungstag am Jahrestag seiner Ermordung. Jitzhak Rabin liegt auf dem Mount Herzl gemeinsam mit seiner im Jahr 2000 verstorbenen Frau Leah Rabin begraben. Dort erinnert ein schwarzer Stein an ihn und ein weißer Stein an seine Frau. Bei seiner Beerdigung waren neben 60 Regierungs- und Staatschefs auch Vertreter von sieben arabischen Staaten anwesend. Er war der einzige israelische Ministerpräsident, der ermordet wurde, und der zweite, der im Amt starb.
Nach dem Tod Rabins gerieten die Verhandlungen und der gesamte Friedesprozess ins Stocken.
In einer israelischen Umfrage aus dem Jahre 2005 meinte ein Viertel der Befragten, Rabin sei einem Komplott zum Opfer gefallen, dies spiegelt sich auch in einer Reihe von Internetseiten wieder, die (meist rechte) Verschwörungstheorien verbreiten.
Rabin hat, bis auf wenige Beiträge für das IDF-Organ Maarachot, verschiedene andere Zeitungen, oder Blätter der Arbeitspartei, wenig veröffentlicht. Ohne intellektuelle Ambitionen oder formelle Ausbildung - er hatte nie studiert - hat er nie ein strategisches Vermächtnis hinterlassen. Sein Hauptinteresse war immer die Sicherheit Israels, nur aus diesem Grunde willigte er in den Friedensprozess ein.
Mann | Israeli | Militärperson (Israel) | Politiker (Israel) | Friedensnobelpreisträger | Nahostkonflikt (Person) | Geboren 1922
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