Christus Ravenna.jpg, 6. Jahrhundert (Ausschnitt)]]
Jesus von Nazaret (* wahrscheinlich zwischen 7 und 4 v. Chr. in Betlehem, Kafarnaum oder Nazaret; † 30, 31 oder 33 in Jerusalem) gilt als die historische Person, die hinter dem Jesus Christus im Neuen Testament (folgend: NT) steht.
Die historische NT-Forschung versucht, aus den vorhandenen Glaubensdokumenten plausible Grundzüge des Auftretens Jesu und seiner Verkündigung zu rekonstruieren. Für antike Verhältnisse ist die Quellenlage mit mehreren Evangelien relativ günstig. Aus ihnen lassen sich aber nur bedingt gesicherte biografische Details erschließen, da sie Jesus als den Christus (Messias, Sohn Gottes, Erlöser, Menschensohn) verkünden. So sehen Christen ihn im Lichte der Auferstehungstexte im NT. Daneben gibt es nur wenige Außerchristliche Notizen zu Jesus von Nazaret.
Nach den Quellen war Jesus ein Jude aus Galiläa und trat ungefähr ab dem Jahr 28 öffentlich als Wanderprediger im Gebiet des heutigen Israel und im Westjordanland auf. Angesichts des erwarteten Gottesreichs rief er das Judentum zur Umkehr. Wenige Jahre später wurde er als angeblicher Aufrührer gegen die römische Besatzungsmacht gekreuzigt.
Jesus wollte keine neue Religion gründen, bewirkte historisch aber die Entstehung einer neuen Weltreligion, des Christentums. Auch außerhalb des Christentums hat Jesu Wirken religiöse, kulturelle, politische und persönliche Bedeutung.
Das „Testimonium Flavianum“ gilt als das älteste dieser Dokumente. Der jüdische Historiker Flavius Josephus berichtet in seinen um 90 bis 94 verfassten Antiquitates Judaicae über die Hinrichtung des Jakobus, eines Bruders Jesu (Kap. 20, 200). Diese Notiz wird meist als echt angesehen. Eine längere Notiz dagegen (Kap. 18, 63f.), die Jesus als „den Christus“ bezeichnet, könnte nachträglich von christlichen Apologeten eingefügt worden sein. Allenfalls die dort erwähnte Hinrichtung durch Pilatus wird als echter Kern vermutet.
Tacitus berichtet um 117 in den Annales (Buch XV, 44) von so genannten Chrestianern, denen Kaiser Nero die Schuld am Brand Roms im Jahr 64 zugeschoben habe. Er fährt fort:
Sueton schreibt etwa um 120 in seiner Biografie des Kaisers Claudius (Kap. 25,4), dieser habe die Juden, welche, von einem gewissen Chrestos aufgehetzt, fortwährend Unruhe stifteten, aus Rom vertrieben (49). Ob „Chrestos“ sich auf Jesus Christus bezieht, ist ungewiss.
Weitere Notizen stammen von Plinius dem Jüngeren, dem ansonsten unbekannten syrischen Stoiker Mara bar Sarapion sowie aus rabbinischen Quellen. Diese Autoren beziehen sich jedoch nur am Rande oder polemisch auf ihnen bekannt gewordene christliche Überlieferungen.
Nach heutigem Wissensstand wurden die drei synoptischen Evangelien nach Markus, Matthäus und Lukas frühestens 30 bis 40 Jahre nach Jesu Tod schriftlich fixiert, wahrscheinlich erst nach der Zerstörung des Jerusalemer Tempels im Jahr 70. Nur wenige Historiker vertreten ein früheres Entstehungsdatum einzelner Evangelien. Demnach hat wohl keiner ihrer Autoren Jesus persönlich gekannt.
Jedoch lag Matthäus und Lukas nach der im Kern weithin akzeptierten Zweiquellentheorie bereits das Markusevangelium vor. Von diesem übernahmen sie die Komposition und die meisten Texte, wobei sie diese ihren theologischen Aussageabsichten gemäß veränderten. Sie verarbeiteten außerdem wohl eine nur ihnen bekannte Logienquelle, in der Reden und Sprüche Jesu gesammelt waren (Peter Stuhlmacher). Ähnliche Jesusworte wurden eventuell zeitlich parallel auch von syrischen Gemeinden gesammelt und später im Thomasevangelium fixiert. Alle diese Stoffe wurden seit Jesu Tod jahrzehntelang mündlich von Angehörigen der ersten Christengeneration (Lk 1,2) überliefert. Ihre frühesten Bestandteile können direkt auf Jesus zurückgehen, da sie eventuell von Jüngern stammen, die ihn noch selbst erlebt haben.
Der „Markus“ genannte Evangelienredaktor fügte seinerseits einen frühen Passionsbericht aus der Jerusalemer Urgemeinde in sein Evangelium ein. Dieser legt den Schwerpunkt auf die Ereignisse am Lebensende Jesu, auf die hin alle Evangelien verfasst wurden. Er begann wahrscheinlich mit dem Verrat des Judas Ischariot (Mk 14,10) und endete mit der Entdeckung des leeren Grabes Jesu. Damit führte er die in den Paulusbriefen überlieferten Credoformeln erzählend aus (Ulrich Wilckens). Diese bilden die wahrscheinlich ältesten Kristallisationskerne der NT-Überlieferung. Dem Passionsbericht wurden dann allmählich weitere Ereignisse vorangestellt.
Dass alle Evangelien vom Einzug Jesu in Jerusalem an demselben festgefügten Ablauf folgen, gilt als starkes Indiz für Alter und Zuverlässigkeit der Passionsüberlieferung. Diese bildet ihren größten Anteil, so dass diese Literaturform seit Martin Kähler als „Passions- und Ostergeschichte mit ausführlicher Einleitung“ gilt.
Das Johannesevangelium kann nach heutiger Forschermeinung trotz seiner späten Entstehung (um 130) durchaus unabhängige historische Stoffe enthalten, etwa von Jesu Verhältnis zu den Mandäern oder seinen Jerusalem-Besuchen. Da die Evangelisten ihre Quellen auf je eigene Weise theologisch gestalteten und in ihre Missions- und Lehrabsichten einordneten, lassen ihre Gemeinsamkeiten umso mehr auf einen realen, historischen Kern schließen.
Seit dem frühen 20. Jahrhundert werden zunehmend außerbiblische Quellen herangezogen, um die historische Glaubwürdigkeit der NT-Überlieferung zu überprüfen. Aufgrund gewachsener Kenntnisse der Archäologie, Sozialgeschichte und Orientalistik und dank immer differenzierterer historisch-kritischer Textanalysen gehen heute auch nichtchristliche Historiker in der Regel davon aus, dass Jesus tatsächlich gelebt hat und sich relativ sicher ermitteln lässt, was er verkündete, wer er sein und was er tun wollte.
So bieten u. a. die Schriftfunde von Qumran der Judaistik heute ein differenzierteres Bild des palästinischen Judentums zur Zeit Jesu. Danach haben sich manche, von theologischen Vorurteilen bestimmte Sichtweisen – etwa Jesu angebliche „Aufhebung“ der Tora und sein Gegensatz zu den Pharisäern – als unhaltbar erwiesen. Auch apokalyptische und weisheitliche Elemente seiner Predigten werden nicht mehr vom Judentum abgerückt. Andererseits hält man auch einen Messiasanspruch und die bewusste Leidensannahme heute eher für Bestandteile der Eigenverkündigung Jesu als nur für eine nachösterliche Deutung früher Christen.
Die Herleitung von Nasiraios ist dagegen unwahrscheinlich: Ein Nasiräer war ein Asket, der – wie der Täufer – auf strenge kultische Reinheit bedacht war. Er legte einen Eid ab, keinen Alkohol - dazu zählten alle gegorenen Traubensäfte - zu trinken, sich die Haare nicht mehr zu scheren, sich keiner Leiche und keinem Grab zu nähern (Num 6,1–4). Doch Jesus tat all das im Verlauf seines Wirkens und lehnte jeden Eid ab (Mt 5,33ff).
Mt 1–2 und Lk 1–2 wollen Jesus als Messias verkünden und stellen seine Geburt dazu in den Rahmen biblischer Verheißungen. Der unbelegte Kindermord des Herodes (Mt 2,13) etwa erinnert an den Kindermord des ägyptischen Pharao vor Israels Exodus (Ex 1,22): Damit wird Jesus wie Moses als Befreier des Gottesvolks dargestellt. Auch der Stern, der orientalische Astrologen zu seinem Geburtsort geführt haben soll (Mt 2,2), verkündet Jesus als kosmischen Erlöser. Ob zum Zeitpunkt seiner Geburt ein besonderes stellares Phänomen zu beobachten war, ist umstritten.
In Betlehem, einer Kleinstadt nahe Jerusalem, sollte nach biblischer Weissagung der Messias geboren werden (Mi 5,1). Damit bezeugen Mt 2,1.6 und Lk 2,4 Jesu Abstammung vom König David. Die meisten Historiker nehmen dagegen an, dass er in Nazaret, dem Wohnort seiner Familie, oder in Kafarnaum, dem Ort seines ersten und wiederholten Auftretens (Mk 1,21ff), geboren wurde.
Geburtstag und -jahr Jesu waren schon den Urchristen unbekannt. Nach Mt 2,1 wurde er vor dem Tod Herodes des Großen 4 v. Chr. geboren, nach Lk 2,2 bei einer „ersten" römischen Volkszählung unter Quirinius. Dieser wurde jedoch erst 6 n. Chr. Statthalter Syriens und Judäas. Eine frühere Steuererhebung dort ist unbekannt, aber auch nicht auszuschließen. Die christliche Zeitrechnung, die das Jahr Null auf Jesu Geburtsjahr legen wollte, beruht auf einem Rechenfehler.
Historisch gesehen ist aus Jesu Kindheit und Jugend fast nichts bekannt. Die Evangelien berichten fast nur aus seinen letzten Lebensjahren. Zu Beginn seines Auftretens soll er 30 Jahre alt gewesen sein (Lk 3,23). Sein Todesjahr ist nicht überliefert. Da er aber nach allen Evangelien am Vortag eines Schabbat an einem Passahfest gekreuzigt wurde, halten NT-Forscher 30 für das wahrscheinlichste Todesjahr; astronomisch möglich sind auch 31 oder 33. Demnach wurde Jesus etwa 34 bis 40 Jahre alt.
Ob man griechische Ausdrücke und Redewendungen ins Aramäische zurück übersetzen kann, ist ein wichtiges Kriterium für die Suche nach „echten“, anfangs mündlich tradierten Jesusworten (Joachim Jeremias). So versucht man, seine eigene Verkündigung von urchristlicher Deutung zu unterscheiden.
Matthäus weist auf die Jungfrauengeburt der Maria hin: Nach Mt 1,19 glaubte Josef, Jesus sei unehelich gezeugt, bis ein Engel ihm den wahren Sachverhalt erklärt habe (Mt 1,20). Einige Stellen des jüdischen Talmud stellen einen Jesus als uneheliches Kind dar; ob sie sich auf den Nazarener beziehen, ist jedoch fraglich. Der Historiker Gerd Lüdemann greift diese These auf und vermutet im Anschluss an Celsus, ein Römer habe Maria vergewaltigt. Daraus erklärt er Jesu Benennung als „Sohn der Maria“ anstelle des üblichen „Joschua ben Josef“ und seine Außenseiterrolle in seiner Heimatstadt. Urchristen hätten dies zur göttlichen Herkunft umgedeutet.
Nach Mk 6,3 hatte Jesus vier Brüder – Jakobus, Joses (Josef? Mt 13,55), Judas, Simon – und eine unbekannte Zahl Schwestern, deren Namen nicht überliefert sind. „Brüder“, seltener auch „Schwestern“, kann im biblischen Umfeld aber auch Vettern und andere Verwandte einer Sippe bezeichnen (siehe dazu Geschwister Jesu).
Laut Lk 2,43 ging Jesus schon als Junge zur Familie auf Distanz, um im Tempel zu lehren. Nach seiner Taufe erwähnen die Evangelien seinen Vater nicht mehr: dafür nun öfter Kafarnaum, wo Jesus zuerst auftrat (Lk 4,16.23). Daher vermuten manche Forscher, er sei dorthin umgezogen, nachdem sein Vater fort oder tot war. Andere gehen davon aus, dass Jesus in Kafarnaum geboren wurde und aufwuchs, da Nazaret zu dieser Zeit für einen Baumeister keine Arbeit geboten habe.
Das vierte der Zehn Gebote – Ehre Vater und Mutter (Ex 20,12) – verlangte damals die Fürsorge des ältesten Erben für seine Sippe. Doch zu Jesu Nachfolge gehörte das Aufgeben der familiären Bindungen. Nach der Gesellschaftsmoral seiner Zeit verhielt er sich damit wie ein Mörder und Ehebrecher. Sein Umherziehen, Predigen und Heilen stieß auf Unverständnis und führte zu Konflikten mit seinen Verwandten. Sie lehnten seine Gastfreundschaft für Arme und Kranke ab, erklärten ihn für verrückt und versuchten, ihn zurückzuhalten (Mk 3,20f.; 3,31). In diesen Kontext gehören Aussagen wie Mk 3,33–35:
Seine ersten Jünger nannten ihn „Rabbuni“ (aramäisch: „mein Meister, Lehrer“). Ein Rabbi lebte von einem gewöhnlichen Handwerk, nicht vom Lehren. Jesus erlernte von seinem Vater das Bauhandwerk (Mk 6,3). Ein „Tekton“ (oft irreführend als „Zimmermann“ übersetzt) konnte generell mit Steinen, Stroh und Holz umgehen und war meist im Hausbau tätig. Ob Jesus beim Broterwerb der Familie half, bevor er sie verließ, ist den Texten aber nicht zu entnehmen. Manche Forscher nehmen dies an, da Josef allein die Familie nicht hätte ernähren können.
Johannes war einer der damaligen jüdischen Bußprediger. Er kündete die bevorstehende radikale Wende der Endzeit an und rief das ganze Volk Israel zur Umkehr: Damit griff er auf die Zukunftserwartung (Eschatologie) der jüdischen Prophetie und Apokalyptik zurück. Er berief Anhänger, lebte aber abseits bewohnter Gegenden als Wüstenasket. Das Tauchbad im Jordan war symbolische Vorwegnahme des Todes, sollte von sündigem Lebenswandel reinigen, zur Umkehr befähigen und die Getauften so vor dem drohenden Endgericht retten. Darauf geht die spätere christliche Taufe zurück.
Ob Jesus sich ihm nach seiner Taufe anschloss, ist ungewiss. Nach den älteren Evangelien hat er nicht, nach Joh 3,22ff aber eine Weile parallel zu Johannes getauft. Eventuell lernte er die Brüder Simon Petrus und Andreas bei ihm kennen und warb sie ihm ab (Joh 1,35–42). Er predigte Gottes Ankunft dann auf andere, offenbar attraktivere Art: als gnädige Zuwendung zu den Armen und Sündern. Er übernahm den endgültigen Umkehrruf von Johannes, lehnte aber das Fasten, die Askese für seine Jünger ab (Mk 2,16–19), pflegte die Tischgemeinschaft mit „Unreinen“ und heilte gerade die, die Gottes Gericht verfallen gewesen wären. Daraus wollte er ganz Israel, nicht bloß ein „reines“ Restisrael retten.
Wohl deswegen sahen die Mandäer in Jesus später einen „Lügenpropheten“. Die Evangelien dagegen sehen in Johannes den letzten Propheten des Alten Bundes, den Vorläufer der Ankunft des geistbegabten Messias (Mk 1,7f; 8,28f). Sie betonen den Zeugnischarakter seiner Botschaft (Joh 1,7f) gegenüber dem ihm überlegenen endgültigen Heilsbringer (Mt 3,11). Historiker nehmen daher an, dass es Austausch und Konkurrenz, aber auch gegenseitige Achtung zwischen Jesu und Johannes’ Anhängern gab (Joh 4,1).
Kapernaum.jpg Im Haus des Petrus in Kafarnaum richtete er eine Art Hauptquartier ein, in das er von seinen Missionswegen öfter zurückkehrte (Mk 1,29; 2,1). In jenem Fischerdorf von etwa 1.000 Einwohnern fanden Archäologen eine frühchristliche Pilgerstätte: Dort könnten Reisende ihn gehört haben, die auf der Fernstraße Via Maris nach Syrien oder Ägypten unterwegs waren. Er wirkte auch am Westufer des Sees Genezareth im heutigen Westjordanland (Gerasa, Mk 5,1) sowie im heutigen Südlibanon (Tyros und Sidon, Mk 7,24) und streifte eventuell auch durch Samaria (Joh 4,5 gegen Mt 10,5). Diese Provinz Palästinas gehörte früher zum Nordreich Israel, das den Jerusalemer Tempelkult im Südreich Juda ablehnte.
Nach sozialgeschichtlichen Untersuchungen waren die meisten Juden damals bettelarm: Sie litten unter Ausbeutung, Abgaben für Rom und den Tempel, täglicher römischer Militärgewalt, Arbeitsmangel, Schuldversklavung, Hunger, Epidemien und sozialer Entwurzelung. Aus diesen Lebensumständen erklärt z.B. Gerd Theißen viele Texte der Logienquelle, die die prophetische Zukunftserwartung einer Revolution Gottes zu Gunsten der Besitz- und Rechtlosen erneuerten. Dazu gehören Aussagen, wonach Jesus den Armen das Erbe des Landes (Mt 5,5) und das „Gnadenjahr“ des allgemeinen Schuldenerlasses und der gerechten Bodenreform (Lk 4,19f) zusagte. An dieses alte biblische Gottesrecht (Lev 25; Dtn 15) erinnerte schon Deuterojesaja im Babylonischen Exil (Jes 61).
Als Eigenverkündigung Jesu gelten auch die „Seligpreisungen“ (Makarismen), die dem ganzen angeredeten Volk zusagten (Lk 6,20):
Lukas ergänzte sinngemäß die Weherufe an die Reichen. Diese werden meist nicht als originär angesehen, da Jesus etwa nach Lk 19,1–10 auch reichen Zöllnern Vergebung schenkte. Nach Mk 10,21 lud er einen Großgrundbesitzer zum Besitzverzicht zu Gunsten der Armen ein, um ihn zu seiner Nachfolge zu befreien: Dies ist als „Einlassbedingung“ für Gottes Reich formuliert, während es den Armen ohne Vorbedingung zugesagt wird.
Diese Zusagen enthielten einen indirekten Messiasanspruch, da der Messias in Israels Prophetie Gottes Recht auf Erden durchsetzen soll. Demgemäß antwortete Jesus auf die Messiasfrage des Täufers („Bist du der Kommende?“) mit dem Hinweis auf sein Wirken, in dem sich die prophetischen Heilsverheißungen erfüllten (Mt 11,2–5). Diese Verbindung von Gottes weltveränderndem Kommen mit seinem gegenwärtigen Handeln, das die Situation der Angeredeten bereits veränderte, unterschied seine Predigt von prophetischen, rabbinischen oder zelotischen Traditionen seiner Umgebung.
Der Begriff „Reich Gottes“ wurde in der Christentumsgeschichte sehr verschieden gedeutet. Schon bald wurde die Spannung der „sich realisierenden Eschatologie“ Jesu (C.H. Dodd, W.G. Kümmel) zu Gunsten einer bloß jenseitigen Erlösung oder innerlichen Heilspräsenz aufgelöst. Dahin tendieren schon manche Aussagen im NT (Joh 18,36). Viele Ausleger deuteten Jesu Heilszusagen als rein kirchliches Gnadenangebot oder mystische Erfahrung oder sozialpolitische Forderungen ohne Bezug auf Gott. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts entdeckte Albert Schweitzer die apokalyptische Dimension der Botschaft Jesu wieder.
Wunder berichtet die antike Umwelt oft von Herrschern oder berühmten Ärzten, denen als „göttlichen Menschen“ (griech. theios aner) besondere Kräfte zugeschrieben wurden. Auch die Evangelien tradieren gemeinsame und verschiedene Heilwunder; einige davon gehören zu den ältesten Stoffen der Logienquelle. Doch die Jesuswunder lassen sich kaum auf einen historischen Kern zurückführen, da sie alle nachösterliche Verkündigung seiner Person sind.
Nach dem NT soll Jesus Dämonen ausgetrieben haben. Die Textmotive lassen auf damals unheilbare Krankheiten wie Lepra, grauen Star, Epilepsie und Schizophrenie schließen. Solche Kranke galten nach damaliger Tora-Auslegung als „von unreinen Geistern besessen“. Man vermied Umgang und Berührung mit ihnen, verstieß sie aus bewohnten Orten und verurteilte sie so meist zum Tod (Adolf Holl). Jesu Zuwendung zu ihnen gilt dem NT bereits als Wunder; doch verkündet es seine Heiltaten nicht als isolierte Mirakel, sondern als Angriff auf die Herrschaft des Bösen über das Gottesvolk und zeichenhaften Beginn des Reiches Gottes (Mk 3,27). Die Exorzismen betonen das dramatische Kampfgeschehen mit der Feindmacht, das den Sohn Gottes als Sieger erweist (Mk 1,25f). Demnach habe Jesus mit dem Machtwort des Schöpfers sogar Tote auferweckt: Talita kumi! – „Mädchen, steh auf!“ (Mk 5,41).
Andere Texte betonen das Heilen durch Nähe (Mk 1,31), Berührung (Mk 1,41), Schuldvergebung (Mk 2,5), Handauflegen oder Speichel (Mk 7,32f). Hinzu kommen soziale Aspekte: Jesus führt den Kranken aus dem Dorf und heilt ihn getrennt von seiner Umgebung (Mk 8,23). Manche sendet er verwandelt dorthin zurück (Mk 5,19), andere nicht (Mk 8,26). Dem Bedürftigen wird das Heil ohne Vorleistung geschenkt (Mk 3,3); Jünger wie Zuschauer aber werden zum Glauben ermahnt (Mk 9,19.25). Demnach war Jesu Anliegen ganzheitlich zu verstehen: Er heilte den Einzelnen, indem er ihn Gottes bedingungslose Gnade spüren ließ, seine gesamte Lebensorientierung radikal umwandelte, wo möglich, auch seine krankmachende Umgebung veränderte und so den Geheilten neue Lebenschancen eröffnete.
Diese Tätigkeit galt auch Ausländern (Mk 7,24ff) wie dem Diener eines römischen Offiziers (Mt 8,5–13; Lk 7,1–10). In Israel galten besondere Heilkräfte jedoch leicht als Teufelei. Seine „Vollmacht“ brachte Jesus neben Sympathie auch Misstrauen, Neid, Abwehr ein (Mk 3,22). Gerade seine Heilerfolge sollen Tötungspläne seiner Gegner ausgelöst haben (Mk 3,6).
Die Naturwissenschaften rechnen nicht mit unerklärbaren Ausnahmen vom Ursache-Wirkungs-Gesetz. Die psychosomatische Medizin erkennt jedoch an, dass jede Krankheit auch seelische Dimensionen hat und Heilung immer den ganzen Menschen umfasst. Die moderne Gestalttherapie findet in den Wundermotiven des NT daher verwandte Heilmethoden.
Neben Heilungen schreiben die Evangelien Jesus wunderbare Nahrungsvermehrungen, Sturmstillung, Seewandel (Mt 14,24–33) zu. Während der Rationalismus diese Texte seit der Aufklärung „entmythologisierte“, glauben viele evangelikale und charismatische Christen und Esoteriker an Jesu reale Wunderkräfte, etwa zur Levitation, und an „Dämonen“ als reale übernatürliche Wesen.
Ob Jesus selbst das so sah, ist umstritten. Einige Gebote verschärfte er, andere relativierte er, wieder andere hob ganz auf. Zum Gebot der Sabbatruhe soll er z.B. gesagt haben (Mk 2,27):
Die Besatzer benutzten Juden als Lastesel und schlugen die, die sich weigerten. Verschuldung, Enteignung, römische Gewalt bedrohten ihre Existenz. Jesus nannte diese Unterdrückung seiner Mitjuden „das Böse“ (Mt 5,39), rief aber dazu auf, auf Gegengewalt zu verzichten. Er erhöhte keine Strafen, sondern deckte das gnadenlose Verurteilen anderer auf, um es zu überwinden und Gottes Volk vor Krieg und Untergang zu retten (Mt 7,1–6):
Gerade weil Jesus das 1. Gebot über alles stellte, ordnete er die „Sozialtafel“ der „Kulttafel“ des Dekalogs über: Er hob die Reinheitsgesetze auf (Mk 7,1–22) und relativierte die Kultgesetze (Mt 5,24). Die Versöhnung mit dem Bruder und das Segnen der Feinde (Mt 5,23f.44) geht dem Opfern im Tempel voraus, weil Nächstenliebe gleichrangig mit Gottesfurcht ist (Mk 12,28–34): Dieses Doppelgebot nahm eine zentrale Lehre des Talmud schon vorweg. Es erfüllte für Jesus ebenso wie für die Pharisäer Israels ganze Tora. Daher wird seine Lehre heute nicht mehr als Kontrast zu jüdischer Ethik, sondern als innerjüdische Toradeutung aufgefasst (Pinchas Lapide).
Die Gefahr für diese Wanderbettler war nicht das Festhalten von Besitz, sondern das Aufgeben ihrer Mission für ein gesichertes Existenzminimum (Mt 6,25–33). Mk 2,23ff zufolge lasen sie am Sabbat Ähren von abgeernteten Feldern auf. Jesus heilte bewusst auch am Sabbat und erlaubte den Bruch der Sabbatruhe bei Lebensgefahr (Mk 3,4), da Gesetze für den Menschen gemacht seien, nicht umgekehrt (Mk 2,27).
Das soll den Plan seiner Gegner, ihn zu töten, ausgelöst haben (Mk 3,6). Aber gerade Pharisäer wie Hillel erlaubten schon vorher Lebensrettung und Wohltätigkeit für die Armen auch am Sabbat. Sie wollten die Tora im Alltag flexibler anwenden. Dazu ergänzten sie die Bibel durch die mündliche Auslegung verschiedener Pharisäerschulen, die später in der Mischna zusammengefasst wurde.
Die Evangelien stellen die Pharisäer überwiegend negativ und zum Teil falsch dar. Historiker erklären das aus ihrer Entstehungszeit: Nach der Zerstörung Jerusalems 70 n. Chr. gewannen die Pharisäer die Führung des Judentums und grenzten die Christen aus, da diese sich bereits gegen die volle Weitergeltung der Tora und für die Völkermission entschieden hatten. Daraufhin grenzten die Evangelien sich ebenfalls polemisch gegen die Pharisäer ab, obwohl Jesus ihnen nahe stand.
Die biblische und rabbinische Tradition betont die Einehe als den legitimen Ort für Sexualität. Der Scheidebrief (Dtn 24,1) sollte geschiedene Frauen vor Ehrverlust schützen, erlaubte aber auch, sie zu verlassen. Obwohl Männer selbst fremdgingen, erwarteten sie unberührte Ehefrauen. Verstoßene Frauen waren daher praktisch recht- und mittellos und oft zur Prostitution gezwungen, die wiederum als todeswürdig galt. – Jesus entzog dieser männlichen Doppelmoral die Rechtfertigung, indem er verheirateten Männern den „Seitensprung“ (Mt 5,27–32) und die Ehescheidung (Mk 10,1–12) verbot.
Aber er gebot seinen Jüngern nicht die Eheschließung, sondern ließ „um des Himmelreichs willen“ Ehelosigkeit zu (Mt 19,12). Eine Partnerin Jesu erwähnen die kanonischen Evangelien nicht, nur das späte apokryphe Philippusevangelium. Als ausgebildeter Rabbi wäre er laut Mischna zur Ehe verpflichtet gewesen. Da er dem Verkünden des Reiches Gottes Vorrang vor allen weltlichen Bindungen gab (Mt 6,33), kann er unverheiratet und sexuell enthaltsam umhergezogen sein. Die Erinnerung an eine Freundin Jesu könnte aber auch später getilgt worden sein, da sie nicht zum Bild des Gottessohns passte (Luise Schottroff).
Die Frau wird auch in der urchristlichen Verkündigung hochgeschätzt. Jesu Stammbaum (Mt 1,1–17) erinnert bewusst an weibliche Außenseiter in Israels Erwählungslinie: die vermeintliche Hure Tamar, die Hure Rahab, die Moabiterin Ruth und Batseba, die Witwe des ermordeten Urija. Eine Frau salbte Jesus vor seinem Tod (Mk 14,3–9). Nachfolgerinnen waren nach allen Evangelien die letzten Zeugen seines Todes, entdeckten sein leeres Grab und bezeugten als erste seine Auferweckung.
Herodes Antipas, ein von Rom eingesetzter König aus Idumäa (Südjudäa, früher Edom), regierte damals Galiläa und Judäa. Sein Vater, Herodes der Große, ließ Paläste bauen und missbrauchte dazu Teile der Tempelsteuer. Antipas selbst nahm eine bereits verheiratete Nichte als Zweitfrau und ließ den Täufer Johannes wegen dessen Kritik daran hinrichten (Mk 6,17–29). Daher waren die Herodianer den meisten Juden genauso verhasst wie die Römer. Sie gelten den Evangelien wohl historisch zutreffend auch als Gegner und Verfolger Jesu (Lk 13,31).
Seine Hauptgegner aber waren die hellenistisch geprägten, vornehmen Sadduzäer. Als Erben der Leviten verwalteten sie den Tempelkult in Jerusalem. Aus ihnen kam der Hohepriester, der sein erbliches Amt auf Zadok zurückführte: jenen Priester, der auf Geheiß König Davids den Tempelerbauer Salomo gesalbt hatte (1.Kön 1,32) und dessen Nachfahren seit der Makkabäerzeit Priesterkönige waren. Im Hinterland war ihr Einfluss zwar geringer; doch wachten sie auch dort über die strenge Einhaltung der biblischen Reinheits- und Opfergesetze. Da Jesus diese für seine Jünger außer Kraft setzte (Mk 7,1–23), wurde ein Konflikt mit ihnen unvermeidbar.
Die jüdische Oberschicht kooperierte eng mit den römischen Besatzern. Diese ließen den Tempelkult zu, solange innerjüdische Konflikte ihre Machtkontrolle nicht bedrohten. Sie setzten Juden als Steuereintreiber und Ortsvorsteher ein, um Judäa als „Kornkammer“ für Rom auszubeuten. – Da Jesus den Armen schon in Galiläa den Landbesitz zusagte (Mt 5,5) und immer mehr Zulauf gewann (Mk 10,1.46), bahnte sich auch mit den Römern ein Konflikt an. Nachdem er sich zum Pessachfest nach Jerusalem aufmachte, kam es dort zur direkten Konfrontation mit den damaligen Autoritäten in Religion und Politik: dem Hohenpriester Kaiphas und dem römischen Statthalter Pontius Pilatus.
Die Religionspolitik der Römer war anfangs toleranter als die ihrer Vorgänger. Doch um 6 n. Chr. verordnete Augustus allen Juden eine Volkszählung, um ihre Tributpflicht zu erzwingen (nach Lk 2,1 der Kontext der Geburt Jesu). Judas Galiläus organisierte einen Boykott dagegen. Nachdem er scheiterte, verübten seine Anhänger vermehrt Anschläge gegen römische Beamte und Soldaten. Die, die Meuchelmorde begingen, hießen „Sikarier“ (Dolchträger). Sie selber nannten sich nach biblischem Vorbild „Zeloten“ (Eiferer) und verweigerten das Zahlen römischer Steuern. Diese galten vielen Juden als Götzendienst, da der römische Kaiser auf den Münzen abgebildet war und sich wie ein Gott verehren ließ.
Nach Mk 12,13–17 prüften Jesu Gegner sein Verhalten zur Kaisersteuer, um ihn als Zeloten zu überführen und an die Römer ausliefern zu können. Darauf soll er gesagt haben:
So zeigte sich auch dieser Galiläer bei der Tempelreinigung als „Eiferer“ für Gottes Reich (Joh 2,17). Darum folgten ihm auch einige Zeloten nach: Dazu gehörte wohl Judas Iskariot, der ihn später an Kaiphas verriet. Der Grund wird nicht genannt; Historiker vermuten meist eine Enttäuschung darüber, dass Jesus keinen zelotischen Aufstand anführen wollte. Er wollte nicht Israels Besatzer mit Gewalt vertreiben, sondern die Feindschaft zwischen Juden und Heiden überwinden.
Er verließ Galiläa wohl, weil sich dort nach seiner Predigt nichts entscheidend besserte. Das lassen seine Weherufe über Galiläas Städte vermuten (Mt 11,20–24; Lk 10,13–16). Diese geprägten Klagen nehmen das Endgericht vorweg, als sei es schon passiert: Das war in Israels Gerichtsprophetie als letzter ultimativer Umkehrruf zu verstehen. Jesus vertraute die besuchten Städte also Gottes Gericht an und zog weiter, wie er es seinen Jüngern auch geboten hatte (Mt 10,14f).
Er zog nach der Enthauptung des Täufers nach Jerusalem (Mt 14,12): Sie kann ihn dazu veranlasst haben, sein Werk zuende zu führen, ganz Israel zur Umkehr zu rufen und den jüdischen Gottesdienst zu reformieren. Spätestens jetzt musste er mit seinem gewaltsamen Tod rechnen (Mt 14,13). Er nahm diesen wohl bewusst in Kauf (Mk 8,31 par.), um – wie der verheißene leidende „Knecht Gottes“ (Jes 53) – ganz Israel von Not, Krankheit, Unrecht und Sünde zu befreien (Mk 10,45). Unterwegs folgten ihm einfache Juden, die ihn für den wiedergeborenen Johannes, den Endzeitpropheten Elija oder sogar für den Maschiach hielten (Mk 8,27–30). Sie erwarteten offenbar eine Entscheidung über die Rechtmäßigkeit seines Anspruchs.
Daraufhin soll Jesus auf einem zuvor unberittenen Esel in die Stadt geritten sein. Diese prophetische Zeichenhandlung erinnerte die Menge an eine Verheißung des Propheten Sacharja: Dieser hatte nach dem Tempelneubau (um 530) einen gewaltlosen Messias der Armen angekündet, der Gottes weltweites Abrüstungsgebot aufrichten und in Israel zuerst durchsetzen würde (Sach 9,9–11).
Jesu Eselsritt widersprach der Erwartung eines machtvollen Herrschers, der die Römer verjagen und ein Großreich Israel wiederherstellen sollte. Demnach wollte er kein kriegerischer Anführer sein, sondern die biblische Prophetie des Völkerfriedens durch Abrüstung (Jes 2,2–4; Mi 4,1–3) gewaltlos zu erfüllen anfangen und so allen Völkern Gottes Reich nahebringen.
Der Tempel spielt in den Evangelien eine wichtige Rolle. Jesu Verhalten dazu ist nicht eindeutig. In Galiläa schickte er Geheilte zu den Priestern, damit diese ihre Gesundung amtlich feststellten und sie wieder in die Gesellschaft aufnahmen (Mk 1,44). Seine Tora-Auslegung lehnte die Opfer nicht direkt ab, ordnete sie aber der Nächstenliebe unter (Mt 5,23f). Indem er im Tempel lehrte, erkannte er diesen als Gotteshaus an. Auch die Tempelsteuer hat er anders als die Kaisersteuer wohl gebilligt (Mk 12,41ff).
Doch in Jerusalem soll Jesus gegenüber seinen Jüngern (Mk 13,2 par.) wie auch öffentlich (Mt 23,38 par.) die Zerstörung der Tempelstadt angekündigt haben. Dabei berief er sich auf Jeremia, der die Zerstörung des ersten Tempels (586 v. Chr.) vorhergesagt hatte und dafür von den Priestern fast getötet worden wäre (Jer 26).
Nach allen Evangelien vertrieb Jesus kurz darauf die Händler und Geldwechsler aus dem Tempelvorhof für die „Heiden“. Diese tauschten dort griechische und römische Alltagsmünzen in jüdische Münzen um, da auf dem Opfergeld keine Gottkaiser oder Götter abgebildet sein durften. Nur dafür verkauften sie armen Juden oder Heiden erschwingliche Opfertiere wie Sperlinge oder Tauben, die dann nur im Tempel dargebracht werden durften. Ohne sie konnten die religiösen Riten also nicht vollzogen werden.
Jesu Handeln wurde oft als Angriff auf den Tempel an sich missdeutet; jedoch sollte seine prophetische Zeichenhandlung auch Nichtjuden Zugang zum Gotteshaus eröffnen (Mk 11,17; Jes 56,7):
Doch dass ein enttäuschter Zelot Jesus an die Römer ausgeliefert hätte, wirkt unglaubhaft. Wegen solcher Ungereimtheiten bestritt der jüdische Historiker Paul Winter, dass es überhaupt einen religiösen Prozess gegen Jesus gab, und wies dem Sanhedrin nur eine Hilfsrolle bei seiner Festnahme und Auslieferung an Pilatus zu. Die meisten christlichen Historiker halten demgegenüber an der Initiative der Tempelpriester im Passionsverlauf fest, wie sie die Evangelien übereinstimmend darstellen (siehe dazu: Antijudaismus im Neuen Testament#Forschungspositionen).
Notwendig erschien Jesu Festnahme wegen der realen politischen Umstände: Sein Auftreten im Tempelbezirk konnte einen Volksaufstand beim bevorstehenden Passahfest auslösen. Das hätte unvermeidlich das Eingreifen der Römer, blutigen Kampf und das Ende der religiösen Autonomie Israels provoziert. Daher wirkt die von Kaiphas überlieferte Abwägung im Sanhedrin plausibel (Joh 18,14):
Nach den Synoptikern vernahm der Sanhedrin zuerst Zeugen, die behaupteten, Jesus habe Unmögliches, nämlich den Abriss und Neubau des Tempels innerhalb von drei Tagen geweissagt (Mk 14,58). Er könnte daher wegen Falschprophetie angeklagt worden sein, nach Dtn 13,2–6; 18,20 eines der religiösen Kapitalvergehen. - Für Markus waren die Zeugen Lügner, die sich widersprachen und so kein legales Todesurteil hergaben (Mk 14,56; Dtn 19,15ff). Doch ihre Aussage traf im Kern zu: Denn Jesus hatte bei seiner Vertreibung der Opferhändler den Abriss des alten Tempels gefordert und seinen Neubau angekündigt (Joh 2,19).
Eine solche Kultreform aber stand nach jüdischer Tradition (2. Sam 7,13) nur dem Nachkommen Davids, also dem Messias zu (Otto Betz). Das erklärt die Frage des Kaiphas an Jesus (Mk 14,61):
In den synoptischen Evangelien bekennt Jesus sich nur dieses eine Mal als „Messias“. Keiner seiner Anhänger war beim Verhör anwesend. Daher gilt dieser Vers meist als nachösterliche Christusverkündigung, nicht als historischer Beleg für Jesu expliziten Messiasanspruch. Einen impliziten Messiasanspruch Jesu halten viele NT-Forscher aber für wahrscheinlich. Dafür sprechen
Diese Motive zeigen jedoch auch deutliche Distanz zur tradierten Messiaserwartung. Als Petrus erstmals bekennt: Du bist der Christus!, folgt Jesu Hinweis auf das bevorstehende Leiden des Menschensohns und die notwendige Kreuzesnachfolge (Mk 8,27–37). Auch im Verhör vor Kaiphas ergänzt er sein Messiasbekenntnis:
Ein Messiasanspruch an sich war für die Sadduzäer noch keine Todsünde: Da Israels Gott die Geschichte lenkt, wurde sein Messias durch seinen historischen Erfolg ausgewiesen. Man konnte Jesus festsetzen und abwarten (Dtn 18,22). Andere jüdische Messiasanwärter wie Simon Bar Kochba wurden im Judentum trotz späterer Niederlagen hoch verehrt. Doch Jesus identifizierte hier den Messias – sich – mit dem „Menschensohn“. Damit bezog er sein Vorhaben einer Reform des Tempelkults auf die verheißene Zukunft nach Gottes Endgericht. Demnach wollte er den Opferkult abschaffen, Ausländern Zugang zum Gott Israels gewähren und auch ihnen so Daniels apokalyptische Hoffnung auf ein Ende aller Gewaltherrschaft nahe bringen.
Auf diese Provokation antwortete Kaiphas nach Mk 14,63, indem er sein Gewand zerriss. Diese Trauergeste bezeugte ein Kapitalvergehen und nahm das Todesurteil vorweg. Dem soll der Rat laut Markus sofort einstimmig zugestimmt haben (Mk 14,64). Dies wäre nach dem späteren Prozessrecht des Talmud unrechtmäßig gewesen. Der Evangelist machte damit alle Repräsentanten des Judentums für Jesu Tod haftbar: Ihm folgend (Mk 14,11.55; 15,10f) stellen alle Evangelien ihr Vorgehen als böswillig geplanten Justizmord dar.
Ein einstimmiges Urteil gilt jedoch als unhistorisch, weil im Rat auch Pharisäer saßen, die ebenfalls an das kommende Reich Gottes glaubten und die Urchristen später im Sanhedrin in Schutz nahmen. Doch auch für sie musste Jesu „Menschensohn“-Anspruch die vermutete Anklage wegen Falschprophetie bestätigen; auch Verführung zum Götzendienst ist als historischer Urteilsgrund denkbar (Dtn 13,6; 18,20).
Wenn alle Jünger geflohen waren – nur Simon Petrus und einige Frauen harrten laut Mk 14,66–72 im Innenhof des schwer bewachten Kaiphas-Hauses aus –, ist fraglich, wie sie vom Prozessverlauf erfuhren. Man vermutet, dass der vornehme Ratsherr Joseph von Arimathia, dessen Name den Urchristen noch Jahrzehnte später bekannt war, ihnen die Details zutrug. Er bat Pilatus nach Jesu Tod darum, ihn ehrenhaft bestatten zu dürfen (Mk 15,43–46); dann hatte er dem Todesurteil sicher nicht zugestimmt. Denn rechtmäßig verurteilte Falschpropheten sollten ohne Grab verscharrt werden, damit nichts an sie erinnerte.
Der Prozessbericht will jedoch kein historisches Protokoll sein, sondern den erhöhten Christus verkündigen. Markus bezeugt: Erst als es für ihn um Leben und Tod ging, offenbarte der Menschensohn seine Identität. So gab Jesus sein Leben für andere, als Petrus ihn unten im Hof verleugnete. Das Bekenntnis zum „Sohn Gottes“ war für die Christen, an die sich dieses Evangelium wandte, also schon zur Lebensgefahr geworden.
Doch indem Jesus die Messiasfrage bejahte und mit der Menschensohn-Ankündigung ergänzte, schien er sich mit einem göttlichen Wesen gleich zu stellen. Das war für Juden die Ursünde: Ihr werdet sein wie Gott..., sprach die Schlange im Paradies (Gen 3,5). Die Stellung des Partizips im Satzbau verrät aber, dass der Versteil sitzend zur Rechten der Kraft und... später eingefügt wurde. Denn die Evangelien-Redaktion setzte Jesu Auferstehung voraus und verkündete auch hier den schon inthronisierten Christus (Apg 2,34).
Jesus selbst kündete sonst immer den kommenden Menschensohn in der 3. Person an. Damit erinnerte er Israels Führer an Daniels Vision, um ihnen eine Zukunft jenseits des Tempelkults zu geben, dessen Untergang er ja vorausgesagt hatte. Obwohl seine Aussage drohend klingt – ihr werdet sehen! –, ist sie eine Heilszusage.
Wegen seiner Kreuzigung glaubten die Urchristen, Jesus sei als Gotteslästerer verurteilt worden. Denn diese Todesart galt wie Aufhängen im jüdischen Gesetz als gerechte und notwendige Strafe für einen Lästerer des Gottesnamens (Dtn 21,23). So wurde vom Tod auf das Todesurteil gefolgert. Doch Jesu Messiasanspruch war damals keine Gotteslästerung. Christen, die dies immer noch behaupten, behindern damit den notwendigen Dialog mit Juden.
Um Jesu rechtzeitige öffentliche Hinrichtung zu erreichen, formten die Ratsmitglieder das Todesurteil am folgenden Morgen in die Anklage eines politischen Messiasanspruchs um (Mk 15,1). Entgegen der Tradition (Dtn 18,22) sahen sie sich offenbar zu schnellem Handeln veranlasst. Der Talmud verlangte später eine Frist von einem Tag zwischen Urteil und Vollstreckung; diese Regel wäre, falls es sie damals schon gab, im Falle Jesu missachtet worden. Bei akuter Gefährdung von Tempel und Stadt durfte eine Hinrichtung auch sofort geschehen. Dies spricht dafür, dass die Aufstandsgefahr beim Passahfest Jesu Auslieferung erzwang.
Hinzu kam, dass der Verurteilte vor Beginn des Sabbats tot sein musste, um Israel nicht zu verunreinigen (Dtn 21,23). Darum nehmen christliche Historiker meist an, dass Jesus am 15. Nisan des Jahres 30, dem Hauptfesttag des damaligen Passah, gekreuzigt wurde. Manche folgen auch dem Johannesevangelium, das den Todestag auf den Rüsttag, also den 14. Nisan legt.
Nach Markus, dem die übrigen Evangelien darin folgten, war Pilatus nicht von Jesu Schuld überzeugt und bot dessen Anklägern seine Freilassung anstelle eines anderen, bereits verurteilten Zeloten – Barabbas – an. Doch eine Volksmenge habe ihn zur Hinrichtung Jesu gedrängt – Kreuzige ihn! –, so dass er ihnen zuletzt nachgab (Mk 15,2–15).
Diese Darstellung gilt heute als unhistorisch. Denn gerade die Zustimmung, die Jesus nur Tage zuvor bei der Menge der Festpilger (Mk 11,9) und für seine Kritik am Tempelkult (Mk 11,18) fand, war der Grund seiner Festnahme und Auslieferung. Die Sadduzäer dagegen waren im Landvolk unbeliebt. Der enge Innenhof des Pilatuspalastes bot auch nur wenigen ihrer Anhänger Raum. Zudem war Pilatus nach zuverlässigen römischen Quellen ein skrupelloser Machtpolitiker. Er ignorierte jüdische Traditionen und innerjüdische Konflikte und ließ Juden häufig ohne Rechtsverfahren hinrichten, bis man ihn deshalb absetzte. Daher ist unwahrscheinlich, dass er Jesus gegen Kaiphas in Schutz nahm.
Markus hat also den ihm vorliegenden Jerusalemer Passionsbericht mit deutlich antijüdischer Tendenz überarbeitet, den römischen Statthalter entlastet und die jüdischen Führer als Hauptschuldige dargestellt. Sein Motiv dürfte in der bedrohten Lage der christlichen Gemeinden im römischen Reich und in der verschärften Konkurrenz mit Synagogen nach dem verlorenen jüdischen Befreiungskrieg (70 n. Chr.) zu suchen sein. Die endgültige Trennung vom Judentum stand bevor.
Nach dem Passionsbericht gab es eine Absprache zwischen Kaiphas und Pilatus: Sein Angebot, einen „Mörder“ (Zeloten) zum Tausch für Jesus freizulassen, sollte wohl das Volk beruhigen (Mk 15,6–15). Demnach war eine Hinrichtung ohnehin geplant. Auch Pilatus und Herodes sollen darüber Freunde geworden sein, dass sie den Todeskandidaten verhöhnten (Lk 23,11f). Obwohl beide keine Anhaltspunkte für einen geplanten Aufstand fanden, beseitigten sie den machtlosen Messias der Armen. Offenbar gefährdete Jesus die Zusammenarbeit der jüdischen Oberschicht mit den römischen Besatzern mehr als Zeloten wie Barabbas.
Nach allen Evangelien verurteilte Pilatus Jesus als „König der Juden“. Dies stand nach dem NT (Joh 19,19) in Lateinisch, Griechisch und Hebräisch auf der Kreuzestafel, die wie bei Römern üblich den Grund des Todesurteils angab. Demnach hielt Pilatus Jesus für einen Zelotenanführer, der Israels Hoffnung auf Befreiung von der Fremdherrschaft bestärkte. Er wollte gegen alle rebellischen Juden ein Exempel statuieren. Denn ein Messiasanspruch war nach römischem Recht Hochverrat (crimen maiestatis), Anstiftung zum Aufstand (seditio) oder bereits selbst staatsfeindlicher Aufruhr (perduellio). Nur der römische Kaiser hatte das Recht, Könige ein- oder abzusetzen.
Den entscheidenden Grund für den Hinrichtungsbefehl des römischen Statthalters sehen einige NT-Historiker jedoch in Jesu eigenem Verhalten: Seine Antwort auf die Frage nach einer angemaßten Königswürde (Du sagst es, Mk 15,2) und sein folgendes Schweigen (Mk 15,5) musste Pilatus nach geltendem römischem Gesetz als Geständnis werten, das ihn zum Todesurteil zwang (Klaus Haacker). Für die Urchristen war dies jedoch ein Unrechtsurteil, da Jesus keinen bewaffneten Aufstand plante (Lk 22,38). Für sie stellte der Kreuzestitel kein angebliches Verbrechen fest, sondern bestätigte Jesu Königswürde als des Kyrios Christus, Herrscher aller Herren (Off 19,16). Laut Joh 19,21 protestierten die Sadduzäer erfolglos gegen die Inschrift: Jesus habe bloß behauptet, der Messias zu sein. Dies soll auf ihre Schuld hinweisen, deutet aber zugleich darauf hin, dass Jesus tatsächlich einen Messiasanspruch erhob.
Danach zwang man Jesus, sein Kreuz zum Richtplatz vor die Stadtmauer zu tragen. Als er unterwegs zusammenbrach, wurde ein jüdischer Landarbeiter genötigt, ihm die Last abzunehmen. Diese Willkür führte allen Juden am Passahfest, an dem sie der Befreiung aus Ägypten gedachten, ihre Ohnmacht gegenüber den Römern vor Augen. Die Notiz nennt den Kreuzträger „Simon von Kyrene“ aus der nordafrikanischen Exilsgemeinde Kyrenaika und seine Söhne beim Namen (Mk 15,21) und sagt damit aus: So wie Jesus für sein Volk litt und starb, so litten Juden mit ihm und für ihn, als seine Anhänger ihn schon verraten, verleugnet und verlassen hatten. Es gab demnach anfangs keine Feindschaft zwischen Christen und Juden, sondern ein gemeinsames Leiden, Erinnern, Hoffen: auch und gerade im Diasporajudentum, wo sich das Christentum zuerst ausbreitete.
Jesus wurde zusammen mit anderen Zeloten auf dem Hügel Golgota (Schädelstätte) vor der damaligen Jerusalemer Stadtmauer gekreuzigt. Ein Trupp römischer Soldaten überwachte den Vorgang. Diese grausamste der damals bekannten Hinrichtungsmethoden war im römischen Kaiserreich für Aufständische, entlaufene Sklaven und Einwohner ohne römisches Bürgerrecht (Peregrine) üblich. Sie sollte alle Augenzeugen demütigen und von der Teilnahme an Aufruhr abschrecken. Sie galt Juden als Gottesfluch für Gotteslästerer (Dtn 21,23; Gal 3,13), die so aus dem erwählten Volk ausgeschlossen wurden. Sie konnte je nach Ausführung tagelang dauern, bis der Gehängte verdurstete oder an seinem eigenen Körpergewicht erstickte.
Der vormarkinische Passionsbericht nennt dazu jedoch keine Details, sondern stellt nur geradezu monoton den Ablauf dar: in der dritten, ... der sechsten, ... der neunten Stunde.... Das betont in der Sprache der jüdischen Apokalyptik (Dan 7,12) Gottes vorherbestimmten Plan.
Die Aussagen des Gekreuzigten variieren im NT. Im ältesten Evangelium rief er kurz vor seinem Tod auf Aramäisch:
Die Soldaten verabreichten Jesus den üblichen, mit Myrrhe versetzten Betäubungstrank zur Schmerzlinderung. Diesen soll Jesus jedoch abgelehnt haben, während er unmittelbar vor seinem Tod den Weinessig (Posca) von Juden annahm (Mk 15,23.36). Gemäß seinem Schwur beim Passahmahl – Amen ich sage Euch: Ich werde hinfort nicht mehr vom Gewächs des Weinstocks trinken bis zu dem Tag, an dem ich neu trinke im Reich Gottes (Mk 14,25) – begann für die Christen damit die unsichtbare Entmachtung der Weltherrscher.
Pilatus soll überrascht gewesen sein, dass Jesus relativ schnell, vor Ablauf eines Tages, verstarb. Er ließ seinen Tod nochmals amtlich feststellen, bevor er seinen Leichnam zur Bestattung freigab (Mk 15,44f). Römische Freigabe und jüdische Grablegung eines Gekreuzigten waren damals höchst unüblich. So betonen alle Evangelien die Aussage des urchristlichen Credos: „gestorben und begraben.“ Damit reagierten sie wohl schon auf eine gnostische Legendenbildung, die Jesu Tod bestritt und damit sein österliches Erscheinen erklärte.
Nach Markus wurde Jesu Leichnam noch am selben Abend von dem Pharisäer und Ratsmitglied Joseph von Arimathia nach jüdischer Sitte einbalsamiert und in ein neues Felsengrab gelegt (Mk 15,46). Nach Johannes soll ein anderer Pharisäer, Nikodemus, 100 Pfund Myrrhe und Aloe ans Grab gebracht haben (Jh 19,39). Das Grab wurde mit einem schweren Stein verschlossen, wie es damals in Jerusalem für fromme Juden üblich war (Eduard Schweizer). Nur einige Frauen aus Galiläa, die Jesus bis zu seinem Tod begleitet hatten, wurden Zeugen dieses Vorgangs (Mk 15,47).
Für die Urchristen jedoch war dies der Kern und Ausgangspunkt ihrer Botschaft: Gott habe dem angeblichen Gotteslästerer gegen seine Richter, aber für sein Volk endgültig Recht gegeben, sein endgültiges Gnadenurteil über alle Menschen gefällt, sie von der Sünde erlöst, die Welt mit sich versöhnt und die endzeitliche Wende vom ewigen Tod zum ewigen Leben eingeläutet. Der Auferstandene selbst habe ihnen seine Geistesgegenwart für alle Zeit zugesagt.
Der Artikel Jesus Christus im Neuen Testament gibt einen Überblick über Inhalte und Bedeutung neutestamentlicher Glaubensaussagen zu Jesus. Die Ostertexte im Besonderen behandelt Auferstehung Jesu Christi. Wie die kirchlichen Lehren zu seiner Person sich in der Christentumsgeschichte entwickelten, zeigen die Artikel Urchristentum und Christologie. Biblische und außerbiblische Vorstellungen eines Lebens nach dem Tod, ihr Verhältnis zu naturwissenschaftlichen Theorien und Religionskritik daran behandelt Auferstehung.
Jesus-Kritik
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Jesus Christus | Iesus Crist | يسوع المسيح | Xesús | İsa | Езус Хрыстус | Исус Христос | Jisas Kraes | যীশূ | Isus | Jesús de Natzaret | Ježíš Kristus | Иисус Христос | Iesu Grist | Jesus fra Nazaret | Ιησούς Χριστός | Jesus | Jesuo Kristo | Jesús de Nazaret | Jeesus | Jeesus | Jisu Karisito | Jésus de Nazareth | Íosa Críost | Iosa Chrìosd | ישו | ईसा मसीह | Isus | Jézus | Յիսուս Քրիստոս | Jesus Kristus | Jesus Christo | Yesus Kristus | Jesus | Jesús | Gesù | イエス・キリスト | ქრისტე | Yesu | Иса | ಯೇಸು ಕ್ರಿಸ್ತ | 예수 그리스도 | Îsa | Yesu Krist | Iesus | Jesus vun Nazaret | Zjezus Christus | Jėzus Kristus | Jēzus Kristus | Ihu Karaiti | Исус Христос | യേശു ക്രിസ്തു | Jesus Christ | Jesus Christus | Jezus (traditioneel-christelijk benaderd) | Jesus | Jesus Kristus | Jésus-Chrît | ਈਸਾ ਮਸੀਹ | Yeesus Grischdus | Jezus Chrystus | Jesus | Gesu da Nazaret | Isus din Nazaret | Иисус Христос | Gesù Cristu | Isus | Jesus | Ježiš Kristus | Jezus Kristus | Iesu Keriso | Jezusi | Исус Христос | Jesus | Yesu | இயேசு கிறிஸ்து | Исо | พระเยซู | Hesus | Jisas | İsa | Yesu Kreste | Ğaysa | Yesu Kristo | ئەيسا پەيغەمبەر | Ісус Христос | Iso Masih | Giê-su | ישוע | 耶稣 | 耶穌
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