Jesaja ist neben Jeremia und Ezechiel einer der drei großen Schriftpropheten des Tanach, der Hebräischen Bibel. Er wirkte im damaligen Südreich Juda zwischen 740 und 701 v. Chr. in der Zeit der Bedrohung durch die antike Großmacht Assyrien. Er verkündete Juda, Israel und Assur Gottes Gericht, aber auch eine endzeitliche Wende zu universalem Frieden, Gerechtigkeit und Heil. Als erster Prophet Israels verhieß er den Israeliten einen zukünftigen Messias als gerechten Richter und Retter der Armen.
Das gleichnamige biblische Buch wurde im Mittelalter in 66 Kapitel unterteilt. Davon weist historisch-kritische Bibelforschung die ersten 39 Kapitel dem Propheten Jesaja zu, Kapitel 40 bis 55 führt sie auf einen spätexilischen Propheten zurück, den sie Deuterojesaja nennt, die restlichen Kapitel auf den nachexilischen Tritojesaja.
Die Kapitel 40-55 werden dem spätexilischen „Deuterojesaja" (zweiter Jesaja) zugeschrieben, Kapitel 56-66 des Buches entweder einem einzigen Autor „Tritojesaja“ (dritter Jesaja) oder noch weiteren verschiedenen Autoren. Diese späteren Autoren könnten Teil einer von dem ursprünglichen Jesaja begründeten Denkschule oder Traditionslinie von Propheten gewesen sein.
Man nimmt an, dass diese Schriften schon in vorchristlicher Zeit in ein Buch zusammengefasst wurden und das Wissen um dessen komplizierte Entstehung danach verloren ging. Denn schon die berühmte Jesajarolle der Schriftfunde aus Qumran (1947), die nach Radiokarbon-Untersuchungen von 1991 und 1994 um 200 v. Chr. niedergeschrieben wurde, war eine Einheit. Auch die Septuaginta, entstanden seit dem 3. Jahrhundert v. Chr., unterteilte das Buch nicht.
Evangelikale gehen oft noch von der Einheit des Jesajabuchs aus und lehnen seine Teilung ab. Sie erklären die sprachlichen und inhaltlichen Unterschiede zwischen den angenommenen Autoren als prophetische Zukunftsschau des ersten Jesaja. Diese vorkritische Sicht sehen historisch-kritisch geschulte Theologen in der Regel als unhaltbar an. Denn ab Kapitel 40 redet der Autor von Babylon als herrschender Macht und setzt die Babylonische Gefangenschaft der Israeliten, die er trösten will, voraus. Diese fand erst über 120 Jahre nach den Ereignissen statt, die im ersten Buchteil eine Rolle spielen.
Im 12. Jahrhundert n. Chr. stellte der jüdische Kommentator Abraham Ibn Esra zum ersten Mal die einheitliche Autorenschaft des Buches Jesaja in Frage. In seinem Jesajakommentar erklärte er, die zweite Hälfte (ab Kapitel 40) sei das Werk eines Propheten, der während des Babylonischen Exils lebte, bis kurz nach der Rückkehr nach Zion. Diese Auffassung setzte sich im 18. und 19. Jahrhundert in der historischen Theologie durch. So stellte Johann Christoph Döderlein, ein deutscher Theologe, 1775 im ersten Teil seines exegetischen Werkes über Jesaja fest:
Aufgrund weiterer Beobachtungen von literarischen Spannungen und Widersprüchen stellte man auch die Einheit des ersten Buchteils zunehmend in Frage: So wurden beispielsweise Kapitel 15 und 16 einem unbekannten Propheten zugewiesen; Kapitel 23 bis 27, 34-35 wurden Jesaja abgesprochen, da deren Stoffe und Sprache bereits stark den Kapiteln 40 bis 66 ähnelt.
Der Exeget Charles C. Torrey fasste die Forschungslage wie folgt zusammen:
Die ersten 39 Kapitel bestehen überwiegend aus Prophezeiungen, in denen Jesaja den Nationen droht, die Juda verfolgen. Zu den Nationen gehören unter anderem Assyrien, Ägypten, Babylonien, Syrien und Moab. Generell besagen die Prophezeiungen, dass Gott der Herr der Welt sei und alle ungläubigen Völker bestraft, die sich sicher genug fühlen. Jesaja erwähnt hier auch einen Messias, eine geweihte Person, die Macht von Gott bekommen hat und dessen Königreich, in dem Gerechtigkeit vorherrschen werde.
Ab Kapitel 40 wird die Befreiung der nach Babylonien verschleppten Juden vorhergesagt. Dabei beteuert der Autor, dass die Juden das auserwählte Volk des Herrn seien und dass JHWH ihr einziger Gott sei.
Die letzten Abschnitte enthalten poetisch formulierte Prophezeiungen über die prächtige Zukunft Zions. Obwohl das Buch die Verdammung von falschen Götzendienern erwähnt, endet es mit einer Nachricht der Hoffnung auf einen rechtschaffenen Herrscher. Die Wirkungszeit des Propheten in Jerusalem beträgt etwa 40 Jahre.
Im Buch Jesaja werden die Seraphim dargestellt und Immanuel und die Verheißung des Friedefürsten erwähnt.
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