Jeremia ist neben Jesaja und Ezechiel einer der drei großen Schriftpropheten des Tanach, der Hebräischen Bibel. Im Kanon des Alten Testaments steht sein Buch nach Jesaja an zweiter Stelle. Im hebräischen Kanon gehört es zu den hinteren der Nebiim. Seit dem Mittelalter wird das Buch in 52 Kapitel unterteilt.
Das Buch ist eine wichtige Quelle für die Geschichte des ausgehenden Königtums im Südreich Juda. Viele der darin erwähnten Völker des Nordens finden sich auch in assyrischen und griechischen Quellen (Aschkenas, Gomer, Minni, Meder und Perser).
Jer 1,1.11 bezeichnet den Autor als Sohn des Priesters Hilkija, der möglicherweise von Ebjatar, dem von David nach Anatot verbannten Priester (1Kön 2,26), abstammt. Ob dieser mit dem 2Kön 22 genannten Priester Hilkija identisch ist, ist höchst zweifelhaft. Eine priesterliche Prägung seiner Botschaft, wie etwa beim Propheten Ezechiel, ist trotz seiner priesterlichen Herkunft jedenfalls nicht erkennbar. Auch seine Stellung gegenüber der Josianischen Reform (622 v. Chr.) bleibt völlig unklar, da Jeremiaworte aus den Jahren zwischen der Reform und dem Tod des Josia nicht überliefert sind.
Jeremia stammt aus Anatot (Jer 1,1), dessen Bewohner ihm das Auftreten als Prophet ausreden wollen (Jer 11,18-23).
Im biblischen Jeremiabuch ist die letzte Nachricht seine Verschleppung nach Ägypten. Spätere nicht-kanonische Schriften erzählen von seinem Leben dort und seiner Steinigung ca. 580 v. Chr. durch Juda .
Auf Jeremia geht der Begriff "Jeremiade" für ein Klagelied zurück.
Besonders beachtenswert ist die Tempelrede in Kap. 7 und die Götzenpolemik in Kap. 10 (vgl. Jes 44).
11-20 Klagen und Gerichtsworte
Die Konfessionen Jeremias thematisieren die Einsamkeit des Propheten, der darum Gott anklagt. Einprägsam sind auch die zahlreichen Zeichenhandlungen Jeremias: Der verdorbene Gürtel (10), der zerschmetterte Krug (19), u.a..
21-24 Worte an die Führenden: Jerusalem wird zerstört werden!
25 Ansage des 70jährigen Exils
26-29 1. Schülerbericht: Das Schicksal Jeremias
Hier wird Jeremia im Konflikt mit anderen Propheten gezeigt, v.a. dem Hofpropheten Hananja.
30-35 Heilsworte
Die Rede vom Neuen Bund (31) wird verdeutlicht durch den Ackerkauf in Anatot (32). Dies soll zeigen, dass Israel jenseits der bevorstehenden Zerstörung Jerusalems eine Zukunft hat.
36-45 2. Schülerbericht: Das Schicksal Jeremias im belagerten Jerusalem
Hier steht Jeremia im Konflikt mit dem letzten König Judas Zidkija. Nach der Eroberung Jerusalems (39) und der Ermordung des babylonischen Statthalters Gedalja (41) flieht er nach Ägypten (43). Seine letzte Zeichenhandlung dort (43) kündigt die Eroberung Ägyptens durch die Babylonier an.
46-51 Worte gegen fremde Völker
52 Bericht über die Zerstörung Jerusalems und die Begnadigung Jojachins (vgl. 2Kön 24f)
- Die komplexe Überschrift in Jeremia 1,1 qualifiziert die „Worte Jeremias“ als JHWH-Wort und akzentuiert zwei Primärdaten: 628 – evtl. Beginn der Kultsäuberungsmaßnahmen Josias – und 586.
- Jeremia 1,5 bezeichnet Jeremia als „Prophet für die Völker“ – so eindeutig wie kein anderer Charakter des Alten Testaments trägt er diesen Titel: 31 Mal wird Jer als „der Prophet“ bezeichnet.
- In Jeremia 1,11-15 führt der Anblick eines Mandelzweiges, dessen Bezeichnung hebräisch wie „Wachebaum“ klingt, zur Eingebung, dass JHWH über der Erfüllung seines Wortes wacht. Dies ist eine zentrale Aussage des gesamten Buches.
- „Ausreißen und niederreißen, vernichten und einreißen, aufbauen und einpflanzen“ (Jeremia 1,10) sind Jeremias Aufgaben. Dem Übergewicht der destruktiven Wortpaare entspricht die Dominanz der Gerichtsreden im Buch Jeremia.
- „Ich werde mein Urteil sprechen“ lautet Jeremia 1,16. Dementsprechend wird die erste Buchhälfte von Anklagen und Urteilsankündigungen beherrscht.
- „Fürchte Dich nicht vor ihnen“ lautet Jeremia 1,8: Bevor noch die Adressaten der Gerichtsworte Jeremias genannt sind, wird klar: Jeremia als Bote des Wortes Gottes wird massiv bedroht! Unter Jeremias Gegnern fallen v.a. zwei Gruppen auf: Propheten / Priester (Jeremia 26-29) sowie Könige / Beamte (Jeremia 21-24.34-38).
In manchen Texten scheint das Gericht als unausweichlich, dann wieder gibt es doch konkrete Heilserwartungen - vermutlich verstärkt durch spätere Zusätze. Heil und Unheil lassen sich nicht immer säuberlich scheiden. Heil liegt darin, dass die Zeit des Unheils begrenzt ist, dass Gott auf Bestrafung verzichtet und Jerusalem zurückkehren darf zu JHWH.
Jeremia stammt aus Anatot (Jer 1,1), dessen Bewohner ihm das Auftreten als Prophet ausreden wollen (Jer 11,18-23). Hatte er eine verwandtschaftliche Beziehung zum dorthin verbannten Priester Davids Ebjatar (1. Kön 2,26)?
Interessanterweise ist das Buch Jeremia durchzogen von Hinweisen auf eine entstehende Schriftkultur: Nicht nur Baruch trägt den Titel ‚Schreiber’ (36,26), sondern der Titel ist auch sonst Funktionsbezeichnung (36,12; 37,15.20; 52,25). Von Tafel (17,3), Tinte (36,18) und Schreibermesser (36,23) ist die Rede. Die wörtlich zitierte Unheilsdrohung Michas (26,17f) und Anspielungen auf zahlreiche frühere Propheten setzen schriftliche Dokumentation dieser früher entstandenen Prophetenbücher voraus.
In der wissenschaftlichen Theologie wird zugestanden, dass überraschend große Anteile des Buches authentischen Ursprungs sind - dies gilt v.a. für die biographischen Passagen, in denen eine auffällige Häufung von Personennamen für ereignisnahe Darstellung bürgt: Baruch ben Nerija, Ahikam ben Schafan, Zefanja ben Maaseja, Ebed-Melech. Dennoch ist das Buch von deuteronomistischen Schülern Jeremias in exilischer Zeit stark nachbearbeitet worden. Wie dies genau geschah, ist umstritten.
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