Jens Lehmann (* 10. November 1969 in Essen) ist ein deutscher Fußball-Torwart, der momentan für den FC Arsenal in der englischen Premier League spielt.
Lehmann begann seine Profikarriere 1989 beim FC Schalke 04 in der 2. Fußball-Bundesliga und schaffte 1991 mit dem Team den Aufstieg in die 1. Bundesliga. In seinen zehn Jahren in Schalke war Lehmann in seiner Position als Stammtorhüter nahezu unbestritten und führte die Mannschaft zum Gewinn des UEFA-Pokals im Jahr 1997. Ein Jahr später verließ er Schalke 04 und wechselte nach Italien zum AC Mailand, wo er seine Stammposition bereits nach wenigen Spielen verlor und zur Winterpause nach Deutschland zu Borussia Dortmund zurückkehrte. 2002 konnte er mit Dortmund die Deutsche Meisterschaft gewinnen, bevor er 2003 zum zweiten Mal einen Wechsel ins Ausland vollzog, diesmal nach England zum FC Arsenal, wo er gleich in seiner ersten Saison mit der Mannschaft die Premier League gewann. Durch seine Leistungen in seinen drei Jahren in England hat Lehmann auch den Sprung zum Stammtorwart der deutschen Nationalmannschaft für die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland vollzogen.
In der Saison 1988/89 schaffte Lehmann auch schnell den Sprung zum zwischenzeitlichen Stammtorwart, nachdem Schalke auch in der zweiten Bundesliga zunehmend in Abstiegsgefahr geriet. Doch als Lehmann selbst einige Fehler zeigte und auch gleichzeitig sein Abitur anstrebte, musste er vorerst wieder auf der Bank Platz nehmen. Insgesamt kam der 19-jährige Lehmann in seiner ersten Profisaison auf 13 Einsätze und Schalke verhinderte letztendlich den Sturz in die Amateurklasse. In seiner zweiten Saison bei Schalke stieg Lehmann endgültig zum Stammtorwart auf und im dritten Jahr gelang den Schalkern die Rückkehr in die erste Bundesliga, nachdem Lehmann in 34 Saisonspielen nur 25 Gegentore hatte hinnehmen müssen.
Auch in seiner ersten Bundesliga-Saison blieb Lehmann die unbestrittene Nummer 1 im Schalker Tor und nachdem die Mannschaft 1991/92 zwischenzeitlich sogar auf UEFA-Pokal-Platz Kurs steuerte, reichte es am Ende für den sicheren Klassenerhalt auf Platz 11. 1992/93 folgte der erste größere Rückschlag in der bislang immer steil nach oben zeigenden Laufbahn von Jens Lehmann, nachdem er sich am 8. Spieltag einen Innenband-, Kreuzband- und Meniskusriss mit Kapselsprengung zuzog war sogar die gesamte Karriere von Lehmann in Gefahr. Erst am sechsten Spieltag der Folgesaison kehrte Lehmann ins Schalker Tor zurück, doch er und auch die Schalker Mannschaft konnten nicht in die Form der Vorjahre zurückfinden und so kam es am 12. Spieltag der Saison 1993/94 zu einem Eklat, als Lehmann schon nach 27 Minuten 3 Gegentore von den Gegnern aus Leverkusen eingeschenkt bekommen hatte und die Schalker Anhänger vehement die Auswechslung von Lehmann forderten. Tatsächlich wechselte der neue Schalker Trainer Jörg Berger Lehmann zur Halbzeit aus und stellte Holger Gehrke für die zweiten 45 Minuten ins Tor, der weitere zwei Gegentore hinnehmen musste. Lehmann selbst erlebte das Ende des Spieles nicht mehr mit, er hatte bereits mit der Straßenbahn Leverkusen verlassen. Erst am 21. Spieltag eroberte Lehmann seinen Stammplatz zurück (Schalke lag zwischenzeitlich immer noch auf einem Abstiegsplatz), war in den folgenden Wochen aber Erfolgsgarant für die Mannschaft, die in den nächsten neun Spielen 20 Punkte erzielte, in denen Lehmann nur fünf Gegentore kassierte und damit noch das rettende Ufer der Bundesliga erreichte.
Spätestens ab der Saison 1994/95 war Lehmann der unbestrittene Stammtorwart von Schalke 04 und verpasste in den nächsten vier Jahren nur noch zwei Bundesligaspiele. Auch für Schalke ging es in nationaler Hinsicht aufwärts, in der Saison 1994/95 gelang der sichere Klassenerhalt (wobei Lehmann als einer der ersten Torhüter in der Bundesliga einen Elfmeter verwandeln konnte) und in den folgenden Jahren wurde Schalke für die hervorragende Defensivabteilung um Jens Lehmann bekannt, die in der Saison 1995/96 mit 36 Toren die wenigsten Gegentore aller Bundesligavereine hinnehmen musste und mit Platz 3 die beste Bundesligaplatzierung seit fast 20 Jahren erreichte. 1996/97 gelang Schalke dann der größte Erfolg in der bisherigen Vereinsgeschichte mit dem Gewinn des UEFA-Pokals, bei dem Lehmann im zweiten Endspiel im Elfmeterschießen den ersten Elfmeter von Inter Mailand parieren konnte. In der Bundesliga war Schalke weniger erfolgreich, denn auch trotz der zweitbesten Defensivabteilung der Liga, reichte die geringe Torausbeute nicht aus, um Schalke weiter als auf Platz 12 in der Tabelle zu führen. Als Titelverteidiger nahm die Mannschaft dennoch auch in der nächsten Saison am UEFA-Pokal teil und konnte wieder bis ins Viertelfinale vordringen, wo man allerdings in der Wiederholung des Endspiels vom Vorjahr Inter Mailand diesmal knapp unterlegen war. In der Bundesliga musste Schalke in 34 Ligaspielen nur 32 Gegentore hinnehmen und schaffte mit Platz 5 in der Tabelle erneut die Qualifikation für den internationalen Wettbewerb. Dabei konnte Lehmann am 20. Spieltag gegen Borussia Dortmund als erster Torwart in der Bundesligageschichte ein Feldtor erzielen.
Die Saison 2000/01 lief für Lehmann dann auch größtenteils ereignisarm, einzig seine hohe Anzahl von Gelben Karten fiel weiterhin negativ auf. Insgesamt musste Lehmann in seinen 31 Saisonspielen 40 Gegentore hinnehmen und Dortmund schaffte am Saisonende mit Platz 3 die Rückkehr ins internationale Geschäft. Die Saison 2001/02 sollte Dortmund und Lehmann noch weiter nach vorne bringen. Mit starken Leistungen und einer geschlossenen Defensivabteilung musste Dortmund in der Hinrunde der Saison nur 10 Gegentore hinnehmen und lag zur Winterpause punktgleich mit Tabellenführer Leverkusen auf Platz 2. In der Champions-League war man erneut ausgeschieden, hatte aber noch die Qualifikation für den UEFA-Pokal erreicht. Auch in der Rückrunde konnte sich Dortmund weiter an Bayer Leverkusen orientieren, am 27. Spieltag kam es allerdings zu einem erneuten Eklat um Lehmann. Dieser hatte beim Sieg gegen Freiburg gegen den Mittelfeldspieler Soumaila Coulibaly nachgetreten und wurde nachträglich für vier Spiele gesperrt. Schon in den Wochen zuvor hatte Lehmann mit einer Attacke gegen Leverkusenstürmer Ulf Kirsten und einem Ellbogencheck gegen Bayerns Giovane Elber für Schlagzeilen gesorgt. Im UEFA-Pokal kam Lehmann dagegen weiterhin zum Einsatz und erreichte mit Dortmund das Endspiel. Am 31. Spieltag kehrte Lehmann in die Bundesligamannschaft von Dortmund zurück und konnte die letzten drei Saisonspiele mit der Mannschaft gewinnen und am vorletzten Saisonspiel an Leverkusen vorbeiziehen und die erste deutsche Meisterschaft seiner Karriere zu feiern. Im UEFA-Cup Endspiel reichte es dagegen nicht zum Sieg, Dortmund verlor das Endspiel gegen Feyenoord Rotterdam mit 2:3. Wenige Wochen zuvor hatte Lehmann seinen Vertrag in Dortmund bis 2004 verlängert.
Die Saison 2002/03 lief für Dortmund nicht annähernd so erfolgreich, auch weil der Verein immer wieder mit einer Reihe von Verletzungsausfällen zu kämpfen hatte. So stand die Mannschaft zur Winterpause dennoch auf Platz 2 der Tabelle, was vor allem der Defensivabteilung zu Verdanken war, die in 17 Spielen nur 13 Gegentore kassiert hatte. Lehmann fiel in der Saison hauptsächlich durch zwei weitere Platzverweise auf, am 12. Spieltag nach einer deutlichen Kritik am Schiedsrichter, am 22. Spieltag nachdem er den eigenen Mitspieler Marcio Amoroso verbal attackiert hatte. In der Champions-League schaffte Dortmund erstmals seit einigen Jahren wieder den Sprung in die Zwischenrunde und scheiterte am Ende erst knapp am Einzug ins Viertelfinale. Am 26. Spieltag sollte Lehmann sein letztes Bundesligaspiel für Dortmund bestreiten, nachdem er sich im Training eine lang anhaltende Oberschenkelverletzung zuzog. Im Ligapokal der Saison 2003/04 leistete sich Lehmann den fünften Platzverweis seit seinem Wechsel zu Borussia Dortmund, nachdem er den Stuttgarter Stürmer Kevin Kurányi im Strafraum umgerissen hatte. Einen Tag später wurde bekannt, dass ein schon länger diskutierter Wechsel Lehmanns nach England zum FC Arsenal perfekt sei. Endgültig sicher wurde der Wechsel am 26. Juli 2003, nachdem sich die Vereinsführungen beider Mannschaften auf eine Ablösesumme von 3,5 Millionen und zusätzlich den Transfer von Arsenals Ersatzkeeper Guillaume Warmuz nach Dortmund einigten. Nach 129 Bundesligaspielen und 37 internationalen Einsätzen endete das Kapitel Dortmund für Jens Lehmann.
Die Saison 2004/05 verlief wechselhaft für Lehmann, der sich mit zwei Fehlern im Champions-League Gruppenspiel gegen Panathinaikos Athen erneut Kritik einfing und nach einem Formtief im Winter vorübergehend seine Stammposition an Ersatzmann Manuel Almunia verlor. Nachdem zeitweise gar von einem Abschied Lehmanns aus London die Rede war, kehrte dieser am 26. Spieltag, nach zehn Spielen Pause, wieder ins Tor von Arsenal zurück, weil sich auch unter Almunia der Erfolg der Vorsaison nicht wieder einstellte und Arsenal zwischenzeitlich auf den dritten Tabellenplatz abrutschte. In den letzten 13 Saisonspielen musste Lehmann nur noch sieben Gegentreffer hinnehmen und war Garant dafür, dass Arsenal letztendlich noch die englische Vizemeisterschaft erringen konnte. Auch im FA-Cup konnte sich Lehmann auszeichnen, indem er in der regulären Spielzeit gegen Manchester United eine fehlerfreie Partie zeigte und im Elfmeterschießen den entscheidenden Schuss parieren konnte.
In der Saison 2005/06 kam Lehmann in allen Saisonspielen zum Einsatz und musste in diesen 38 Ligaspielen insgesamt 31 Gegentore hinnehmen. Am letzten Spieltag der Saison schaffte die Mannschaft noch den Sprung auf Platz 4 in der Tabelle und damit die Teilnahme an der Qualifikation zur Champions-League 2006/07. In der Champions-League entwickelte sich Lehmann zum Führungsspieler der Mannschaft und musste in seinen acht Saisonauftritten kein einziges Gegentor hinnehmen. Vor allem in den Spielen gegen Real Madrid im Achtelfinale und im Halbfinale gegen Villareal, als Lehmann im Rückspiel in der 90. Minute einen für das Weiterkommen entscheidenden Elfmeter von Juan Román Riquelme hielt, war er der Erfolgsgarant der Mannschaft. Im Finale gegen den FC Barcelona sah Lehmann in der 19. Minute eine Rote Karte, als er außerhalb des Strafraums ein Gegentor durch den allein auf ihn zustürmenden Eto'o verhindern wollte, wobei er die Wertung dieses Gegentores durch seine Notbremse verhinderte. Zwar konnte seine Mannschaft in der Folge in Unterzahl in Führung gehen, musste in der Schlussphase noch zwei Gegentore zur 1-2 Niederlage hinnehmen. Dennoch ist Lehmann mittlerweile 767 Minuten ohne Gegentor; so lange wie kein anderer Torhüter je zuvor in der Champions League und löste damit Edwin van der Sar als Rekordhalter ab.
Im April 2006 unterzeichnete Lehmann einen Einjahresvertrag mit London, der ihn bis zum Abschluss der Saison 2006/07 an den Verein bindet. Lehmann selbst hatte auf eine längere Laufzeit seines neuen Vertrages gehofft. Zuletzt hat er auch offen über eine Rückkehr in die Bundesliga nach dem Ende seines Vertrages in London gesprochen.
Jens Lehmann nahm mit der Nationalmannschaft an der Weltmeisterschaft 1998, der Europameisterschaft 2000, der Weltmeisterschaft 2002 und der Europameisterschaft 2004 teil, kam jedoch nie zum Einsatz.
Jürgen Klinsmann erklärte bei seinem Debüt als Bundestrainer im Sommer 2004, dass es keine klare Nummer 1 im Tor der Nationalmannschaft gibt und setzte die beiden Konkurrenten Kahn und Lehmann im Rahmen des Rotationsprinzips abwechselnd ein. Die ungeklärte Torhüterfrage (medienwirksam abgekürzt zur Bezeichnung T-Frage) sorgte im Vorfeld der Weltmeisterschaft 2006 für intensive öffentliche Diskussionen.
Am 7. April 2006 verkündete Klinsmann schließlich die Entscheidung zu Gunsten Lehmanns. Dessen Verein Arsenal London hatte zuvor das Halbfinale der Champions League erreicht und dabei acht Spiele in Folge - bei fünf von diesen (darunter den letzten vier) stand jeweils Lehmann im Tor - kein Gegentor kassiert (auch in den folgenden Halbfinalspielen blieb Arsenal mit Lehmann im Tor ohne Gegentreffer), während sein Konkurrent durch leichte Verletzungen und einige Patzer negativ aufgefallen war. Klinsmann betonte aber, dass nicht Kahns Fehler ausschlaggebend für die Entscheidung waren, sondern vielmehr die Spielphilosophie Lehmanns, der außerdem als der kommunikativere und anpassungsfähigere Spieler gilt.
In der Nationalmannschaft hält er den Rekord der längsten Serie ohne Gegentor: Der Torwart des FC Arsenal spielte beim 1:1 in Bosnien-Herzegowina, beim 3:0 gegen Belgien, beim 7:0 gegen Malta, beim 3:1 gegen Österreich, beim 2:0 im Iran sowie beim 3:0 gegen Kamerun jeweils zu Null. In Bosnien sowie gegen Österreich spielte Lehmann nur eine Halbzeit, die Gegentore fielen nicht gegen ihn. Insgesamt blieb Lehmann von August 2002 bis Februar 2005 ohne Länderspielgegentreffer. Erst nach 530 Spielminuten überwand ihn der Argentinier Juan Pablo Sorín.
Am 30. Juni 2006 sorgte er für das Erreichen des Halbfinales der deutschen Nationalmannschaft bei der WM, indem er im Viertelfinalspiel gegen Argentinien im Elfmeterschießen zwei Elfmeter hielt und Deutschland dadurch 5:3 (n.E.) gewann.
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