Karl XIV. Johann (* 26. Januar 1763 in Pau, Frankreich; † 8. März 1844 in Stockholm) war französischer Kriegsminister, Marschall von Frankreich, Prinz² von Pontecorvo, Oberbefehlshaber der alliierten Nordarmee gegen Napoléon sowie König von Schweden und Norwegen (als Karl III. Johann) von 1818 bis 1844. Sein eigentlicher Name war Jean-Baptiste Jules¹ Bernadotte.
In der Kaiserzeit wurde Bernadotte einer der 14 aktiven Marschälle vom 19. Mai 1804, mit denen Napoléon seine Feldzüge führte. Er nahm u.a. an den Schlachten bei Austerlitz und Wagram teil und jagte erfolgreich Blücher nach Lübeck, wo er ihn gefangen nahm. Karl XIV Johan, king of Sweden and Norway, painted by Fredric Westin.jpgIn seiner Zeit bis 1810 war er Gouverneur des Kurfürstentums Hannover, von Ansbach und der Hansestädte. Vom Kaiser erhielt er den Titel eines Prinzen²) von Ponte Corvo und weitere Ehrungen. Nach der Schlacht von Wagram hatte er sich mit dem Kaiser zerstritten, führte aber erfolgreich die Verteidigung Frankreichs, als die Engländer in Holland landeten.
1810 wurde er vom schwedischen Volk zum Thronfolger gewählt und vom König von Schweden, der kinderlos war, als Kronprinz adoptiert. Bernadotte wurde nun als Karl Johann Schwede.
Als in den folgenden französischen Feldzügen Schwedisch-Pommern widerrechtlich besetzt wurde und Schweden immer größeren französischen Repressalien ausgesetzt wurde, begann Karl Johann Napoléons Gegner zu unterstützen. So riet er Zar Alexander I. zu der Rückzugstaktik, die den französischen Russlandfeldzug zur Katastrophe werden ließ. 1813 stellte er sich mit schwedischen Truppen gegen Napoléon und wurde Oberbefehlshaber einer von drei Armeen der Koalition, der sogenannten Nordarmee, bestehend aus Preußen, Russen und Schweden. Unter ihm errang von Bülow den Erfolg bei der Schlacht bei Großbeeren und Dennewitz. Aufgrund seines Plans kam es zur Völkerschlacht bei Leipzig, an der er zwar zögerlich teilnahm, zu deren Erfolg er aber beitrug. Im weiteren Feldzug weigerte er sich, auf französischem Boden zu kämpfen um Frankreich zu vernichten, obwohl Zar Alexander in ihm Napoléons Nachfolger sah. Stattdessen führte er einen Anschluss Norwegens an Schweden durch.
In der Folgezeit begründete er Schwedens Neutralitätspolitik und beteiligte sich nicht an der Koalition gegen Napoléon während der Herrschaft der hundert Tage. 1818 wurde Bernadotte als Karl XIV. Johann König von Schweden und als Karl III. Johann König von Norwegen. In Schweden regiert die Dynastie Bernadotte noch heute.
In der Folge unterstützte Bernadottes Regiment die Nordarmee und er nahm an den Kämpfen von Hondschoote (September 1793) und Wattignies teil, in deren Folge sich der Feind hinter die Grenzen zurückziehen musste. Durch die Hinrichtung führender, in Ungnade gefallener Generäle wie Custine und Beauharnais durch das Terrorregimes des Öffentlichen Wohlfahrtsausschusses stiegen einige Soldaten wie Jourdan, Moreau, Masséna, Desaix, Lannes und Davout auf - so auch Bernadotte, der am 8. Februar 1794 Kommandeur eines Bataillons, am 4. April Kommandeur einer Halbbrigade mit 3.000 Mann wurde.
In den folgenden Offensiven der französischen Armee unter Jourdan, die bald die Sambre-Maas-Armee genannt wurde, tat sich Bernadotte durch besondere Tapferkeit hervor. So drängte er den österreichischen General Kray nach Maastricht zurück. Beim Sieg in der Schlacht bei Fleurus am 26. Juni 1794 hatte er entscheidenden Anteil, als er wankende Truppen aufhielt, mit 6 Bataillonen verlorenes Terrain zurückeroberte und die Österreicher bis an ihr Lager bei Chapelle d'Erlemont zurückjagte. General Kléber, unter dem Bernadotte stand und mit dem er sich im Laufe der Zeit befreundete, schlug ihn zum Brigadegeneral vor. Bernadotte erreichte mit seinen Truppen am 5. Oktober Neuss, musste sich aber auf Befehl Richtung Maastricht zurückziehen. In der Schlacht bei Aldenhoven (auch Schlacht bei Jülich genannt) am 2. Oktober hielt er mit 10.000 Mann einer Übermacht von 25.000 Gegnern stand, so dass die Franzosen unter dem Oberbefehl von Jourdan siegten. Am 22. Oktober 1794, zweieinhalb Jahre nach Erhalt des Unteroffizierrangs, wurde er Divisionsgeneral.
Als am 4. November 1794 Maastricht kapitulierte, wurde Bernadotte Garnisonskommandant bis zum Dezember, dann übernahm er im Januar 1795 in Köln das Kommando über die 4. Division, mit der er zwar Kreuznach eroberte, die sich aber wegen der anderen französischen Misserfolge durch Pichegru und Kléber ebenfalls zurückziehen musste. Auch im Deutschlandfeldzug 1796 war Bernadotte anfänglich erfolgreich und besetzte Würzburg, Bamberg und Nürnberg und schlug bei Montabaur, Hadamar und Limburg a.d. Lahn den Feind zurück, musste aber dem damals 25 jährigen Erzherzog Karl weichen, als dieser ihn durch ein Täuschungsmanöver mit der österreichischen Hauptarmee angriff. Jourdan wurde bei Würzburg geschlagen und dankte Anfang September ab. Letztlich galt die Sambre-Maas-Armee als vernichtet.
Am 3. März 1797 fand die erste Begegnung zwischen Napoléon und Bernadotte in Mantua statt. Bernadotte erhielt den Befehl über die 4. Division, die auf Wien marschieren sollte und ganz aus seinen zugeführten Truppen der Sambre-Maas-Armee bestand. Auf dem Weg dahin zeigte Bernadotte weiteren Mut, besetzte am 18. Palmanova. Am 19. eroberte er Gradisca, so dass sich Erzherzog Karl nur nach Norden zurückziehen konnte. Anschließend hatte Bernadotte die Aufgabe, Richtung Laibach (Ljubljana) zu marschieren und die dortige Gegend zu besetzen. An den dort eroberten Quecksilberminen von Idria bereicherte sich Napoléon mit 800.000 Francs, behielt die Hälfte und verteilte den Rest an Offiziere - u.a. Berthier 100.000, Bernadotte, Murat, Fraint und Junot jeweils 50.000.
In der Waffenstillstandszeit schickte Napoléon Bernadotte mit restlichen eroberten österreichischen Fahnen und einem Brief, in dem er schrieb, Bernadotte "... gehört heute zu den Offizieren, die am stärksten zum Ruhm der Italienarmee beitragen" nach Paris zum Direktorium. Dort wurde er mit großen Ehren empfangen und ihm wurde das Kommando von vier Divisionen im Süden Frankreichs angeboten, was er aber ablehnte. Am 13. Oktober traf er wieder in Italien ein und erhielt das Kommando über seine Division zurück, am 17. Oktober wurde der Friede von Campo Formio geschlossen.
Als Bernadotte den Wunsch des Direktoriums erhielt, die Botschaft mit republikanischen Farben zu schmücken, ließ er am 13. April 1798 um 8 Uhr abends die Trikolore hissen, was zu einem Volksauflauf von 3.000 Personen führte. Das Hissen der Landesflagge war zu dieser Zeit für Botschaften noch nicht typisch, die Trikolore wie alles Revolutionsfranzösische bei den Österreichern verhasst. Infolge des Tumultes wurde das Erdgeschoss der Botschaft gestürmt und verwüstet und die Fahne verbrannt. Bernadottes Adjutant Gérard rettete ihm hierbei das Leben. Da dieser Auflauf insgesamt fünf Stunden dauerte und trotz dreier Schreiben Bernadottes an den österreichischen Minister Thugut die Polizei bzw. das Militär der nahegelegenen Kaserne erst spät in der Nacht stärker einschritt, sah Bernadotte hierin eine gezielt gesteuerte Verletzung des Völkerrechts und verlangte die Pässe.
Nach diesem Vorfall reiste Bernadotte mit seinem Gefolge aus Österreich ab. Um einen Krieg zwischen beiden Ländern zu vermeiden - Napoléon wollte sich zu seinem Ägyptenfeldzug einschiffen und Außenminister Talleyrand sollte zuvor in die Türkei abreisen, die Türken beschwichtigen - entschuldigten sich sowohl der spätere österreichische Kaiser wie auch Talleyrand für Frankreich für diesen Vorfall und Bernadotte wurde gerügt. Das Direktorium, dem gegenüber er alles aufklären konnte, billigte sein Verhalten und er wurde am 27. Mai zum bevollmächtigten Gesandten in Den Haag ernannt, was er jedoch dankend ablehnte.
Dieser Vorfall fand in ganz Europa Beachtung, da ein hierdurch ausgelöster Krieg nicht ausgeschlossen schien. Zur Erinnerung trägt die Straße in Wien, an der die Botschaft lag, den Namen Fahnengasse.
Am 10. Oktober wurde Bernadotte zur Mainzer Armee versetzt und hatte sein Hauptquartier in der Universitätsstadt Gießen. Wegen seines Engagements zugunsten des gesellschaftlichen Zusammenlebens und der Wissenschaft - er verhinderte auf Einschreiten des Rektors Crome, dass Sammlungen der Universität nach Paris gebracht wurden - wurde ihm am 17. Dezember der Ehrendoktor der Philosophie verliehen.
Später vermittelte Crome den Geheimvertrag zwischen den Franzosen unter Bernadotte und dem Landgrafen von Hessen. Die dafür angebotene Belohnung wies Bernadotte mit der brüsken (antisemitischen) Frage ab, ob Crome ihn für einen Juden halte.
Als Joubert sich als unzureichend erwies, ernannte man Bernadotte am 10. Februar 1799 zum Oberbefehlshaber der Italienarmee, der schwere Bedenken aufgrund der mangelnden Truppenstärke hatte. Kriegsminister Schérer übernahm aufgrund Bernadottes Empfehlung an Barras selbst das Oberkommando. Letzterer erhielt am 21. Februar, rückdatiert auf den 5., das Oberkommando der Rheinischen Observationsarmee. Als im erneuten Krieg gegen Österreich diese Armee mit der Helvetien- und der Donauarmee unter Jourdans Kommando zusammengelegt wurde, begab sich Bernadotte wegen "Bluthustens" in Kur.
François-Xavier Fabre 001.jpgAuf Anraten von Lucien und Joseph Bonaparte schlug Direktor Gohier Bernadotte als Nachfolger des allgemein für unfähig gehaltenen Milet-Mureau zum Kriegsminister vor. Am 2. Juli 1799 wurde Bernadotte einstimmig vom Direktorium gewählt. Zwei Tage später kam sein Sohn Oscar, der spätere Oskar I. von Schweden und Norwegen, auf die Welt. Als Pate kann Désirées ehemaliger Verlobter Napoléon Bonaparte angenommen werden. Zur Zeit Bernadottes Kriegsminsteramtes gab es 260 000 Soldaten, die von allen Seiten durch äußere Feinde wie im Inneren durch die Royalisten bedroht waren. Er ordnete die Finanzen, ging gegen Korruption vor, richtete neue Rekrutencamps ein und verbesserte die Versorgung der Truppen. Als Jourdan, Augereau und Saliceti versuchten, mit ihm ein Komplott gegen die Regierung zu verabreden, indem Barras, Sieyès und Fouché verhaftet werden sollten, lehnte er dies in seiner Funktion als Kriegsminister mit Truppenunterstützung ab, er müsse dazu zuvor zurücktreten. Das Komplott fand nicht statt. Sieyès, Barras und Roger-Ducos, die gewarnt worden waren, setzten gegen den Widerspruch der anderen beiden Direktoren Bernadotte am 14. September ab, indem sie seinen angeblichen Rücktritt annahmen. Sieyès gewährte Bernadottes gewünschtes Ruhegehalt als Divisionsgeneral. Bernadottes Nachfolger, Edmond Louis Alexis Dubois-Crancé, blieb keinen Monat im Amt und wurde von Berthier beerbt.
Delikat: Bernadotte soll geäußert haben, dass er, als Vorgesetzter, Napoléon verhaften lassen müsse und würde, wenn er sich unerlaubt von seiner Truppe aus Ägypten entfernen würde. Napoléon tat dies durch die Landung in Frankreich genau einen Monat später.
Direkt nach dem Staatsstreich tauchte Bernadotte kurz mit seiner Frau, die sich als Mann verkleidet hatte, unter, da er wie andere Gegner Repressalien befürchten musste. Ein Brief Joseph Bonapartes brachte ihn dazu, wieder nach Paris zu kommen. Wie vorher Bernadotte aus familiären Gründen nicht offen gegen Napoléon vorgegangen war, so nahm Napoléon ihn aus den gleichen Gründen wieder in den Familienclan auf.
Als sich das Verhältnis arg angespannt hatte, setzte sich u.a. Joseph Bonaparte auf Betreiben Desirées für Bernadotte ein. Napoléon schlug im Frühjahr 1802 Bernadotte vor, Gouverneur von Louisiana, den französischen Besitzungen im Gebiet der heutigen USA zu werden, die fünfmal so groß wie Frankreich und wesentlich größer als der heutige Bundesstaat Louisiana waren. Wegen des zu erwartenden Krieges mit England und der schlechten Verteidigungsmöglichkeit betrieb Napoléon den Verkauf dieses Gebietes an die junge USA - am 30. April 1803 wurde das Gebiet für 40 Millionen Francs (15 Millionen Dollar) verkauft - und so ernannte er Bernadotte am 31. Dezember zum bevollmächtigen Gesandten bei den amerikanischen Bundesstaaten. Die Abfahrt verzögerte sich allerdings so sehr, dass die englische Kriegserklärung dazwischen kam. Bernadotte trug Napoléon erneut seine militärischen Dienste an und dieser nahm ihn als kommandierenden General wieder auf, gab ihm jedoch fast ein Jahr lang kein Kommando.
Als Gouverneur des Kurfürstentums Hannovers, welches dem englischen König Georg III. gehört hatte, residierte er im königlichen Schloss an der Leine und erwies sich als guter Verwalter. Bei den Hannoveranern und im norddeutschen Raum war er - im Gegensatz zu vielen französischen Gouverneuren - schnell geschätzt, da er sich u.a. für den Handel, billige Brotpreise, geringere Besatzungszahlungen und die Bekämpfung einer Hungersnot einsetzte. In dieser Zeit hatte er mehrere freundschaftliche Kontakte zu führenden Soldaten anderer Nationen, wie z.B. zu Gebhard Leberecht von Blücher, der ihn als Kommandeur von Westfalen am Hofe in Hannover besuchte. Vom preußischen König Friedrich Wilhelm III. erhielt er am 8. April gleichzeitig mit Napoléon, Murat, Cambacérès, Talleyrand, Berthier, Duroc und dem schwedischen König Gustav IV. Adolf den Schwarzer-Adler-Orden.
Randnotiz: In der Nacht zum Abreisetag in sein Exil versuchte Bernadotte seinen Freund Lucien Bonaparte, der mit Napoléon Streit wegen seiner Heirat mit Alexandrine Jouberthon hatte, erfolglos mit den Worten "Wer sich aus dem Spiel zurückzieht, verliert" zum Bleiben zu bewegen. Lucien antwortete: "Mein Lieber, hier gibt es kein Spiel mehr für mich zu gewinnen, der Einsatz ist mir zu hoch."
Auf Befehl Napoléons verletzte er die Neutralität Ansbachs, indem er hindurchmarschierte und über Eichstätt nach Ingolstadt zog. Hier erhielt er den Befehl, München zu nehmen. Am 12. Oktober zog Bernadotte in München ein, welches vom österreichischen General Kienmayer geräumt war. In der Folge eroberte er in vier Tagen das Salzburger Land. Am 13. November erhielt er den Befehl, Kutosows Russen zu verfolgen, die zuvor Mortier geschlagen hatten. Dies gelang ihm nicht, weil die Brücken zerstört und Mortiers Truppen die Boote zum Überqueren der Donau in Beschlag hatten. Napoléon machte Bernadotte zum Sündenbock dafür, dass Kutusow entkam und dieser konnte die ungerechtfertigte Kritik schlecht akzeptieren.
Im Pressburger Frieden erhielt Preußen das ehemalige Königreich Hannover im Austausch für das Markgrafentum Ansbach-Bayreuth, wobei letzteres an Bayern fiel, da Eugène de Beauharnais Prinzessin Auguste von Bayern heiratete. Bernadotte verwaltete Arnsberg vom 23. Februar 1806 bis zum 30. September. Wieder erwies er sich als guter und gerechter Verwalter.
Ponte Corvo war eine Stadt mit umliegendem Gebiet, die ca. 5.600 Einwohner zählte und nur ein Rente von gut 13.000 hervor brachte. Bernadotte scherzte deswegen gern im Kreise der Vertrauten, er wäre vom Kaiser nicht zum Prinz², sondern zum Bürgermeister von Ponte Corvo ernannt worden. Im Gegensatz zu Berthier und Murat zeichnete er nicht nur mit seinem Vornamen und nannte sich zum zeitweiligen Missfallen des Kaisers häufig Marschall J. Bernadotte und nicht, wie vom Kaiser gewünscht und später auch gefordert, Prinz von Ponte Corvo. Bernadotte besuchte Ponte Corvo nie.
Bernadotte, der von Berthier den Befehl erhielt nach Dornburg zu marschieren, unterrichtete diesen, dass seine Spione Truppen von ca. 50.000 Mann in der Umgebung von Weimar ausgemacht hätten, die sich wohl auf dem Rückzug nach Magdeburg befänden. Diese Nachricht wurde ignoriert. Am 14. Oktober, wenige Stunden nach Mitternacht, kam ein Befehl für Davout, nach Apolda zu marschieren und dem Feind in den Rücken zu fallen. Sollte sich Bernadotte noch bei ihm befinden, könnten sie gemeinsam marschieren, wobei der Kaiser hoffte, Bernadotte befinde sich schon in Dornburg. Bernadotte war nur noch mit restlichen Truppen dort, während die meisten schon auf dem Weg Richtung Dornburg waren. Man beschloss also, getrennt zu marschieren.
Um 11:00 morgens erreichte das 1. Korps Dornburg und Bernadotte hörte Kampfgetöse sowohl aus Auerstedt wie aus Jena. Da er sah, dass Davout in Auerstedt Gefahr lief, auf dem linken Saale-Ufer übergangen zu werden, marschierte er entsprechend den Befehlen des Kaisers Richtung Weimar über Apolda, was er um 16:00 Uhr erreichte. Einem Hilfegesuch Davouts folgte Bernadotte nicht, da er den Befehlen des Kaisers nicht zuwiderhandeln wollte. Die Truppenpräsenz des 1. Korps in der Mitte zwischen Jena und Auerstedt verhinderte aber eine Vereinigung beider preußischen Heere, die statt dessen den Rückzug - besser: die Flucht - antraten. Davout siegte mit seinen drei Divisionen mit 27.300 Mann gegen 50.000 Mann. Um 7:00 Uhr abends erreichte Bernadotte die Ilm, wo er mehr als 1.000 Mann der flüchtenden preußischen Armee gefangen nehmen konnte.
Davout beschwerte sich am 17. Oktober beim Kaiser, gegen das halbe preußische Heer allein gelassen worden zu sein. Napoléon, der eigene Fehler schlecht eingestehen konnte und die Situation falsch eingeschätzt hatte - er war anfänglich davon ausgegangen, die Hauptmacht bei Jena geschlagen zu haben -, machte Bernadotte dafür verantwortlich. Im 5. Bulletin des Kaisers vom 15. Oktober hieß es noch, dass "der Prinz von Ponte Corvo aus Dornburg hervorbrechen sollen, um den Feind [der Schlacht bei Jena in den Rücken zu fallen ...", während ihm am 21. Oktober die mangelende Unterstützung Davouts bei Auerstedt vorgeworfen wurde. Späteren Difamierungskampagnen nach soll Davout Bernadotte sogar den Oberbefehl über die gemeinsamen Truppen angeboten haben, wenn sie gemeinsam nach Apolda gingen, was dieser aber abgelehnt haben solle. Bernadotte hätte als Älterem dies Recht ohnehin zugestanden. Ein angebliches Hilfeersuchen Davouts an Bernadotte, welches dieser ignorierte, ist ebenfalls nach den Recherchen des englischen Biografen Dunbar Plunket Barton erfunden.
Napoléon verglich diese Brücken-Erstürmung mit seiner eigenen bei Lodi und soll Marschall Lefebvre hierzu gesagt haben: "Was? Diese Brücke haben sie genommen? Die hätte ich nicht mit 60.000 Mann anzugreifen gewagt!" Die Eroberung Halles machte für Davouts Truppen den Weg nach Berlin frei.
Als sich die Preußen Zugang in die neutrale Stadt Lübeck erzwungen hatten, trafen dort auch Soults und Murats Truppen ein. Bernadotte eröffnete am 6. November 1806 den Sturm auf Lübeck mit zwei Divisionen und es gelang gegen Mittag in die Stadt einzudringen und große Teile der Truppen - Scharnhorst und der schwer verwundete Yorck darunter - gefangen zu nehmen. Die Franzosen verloren 1.000, die Preußen 8.000 Mann. Blücher konnte zwar mit 9.000 Mann entkommen, aber angesichts der auswegslosen Lage und des desolaten Zustandes seiner Truppe, nahm er die erneute Kapitulationforderung Bernadottes mit dem Zusatz, dass er nur mangels Brot und Munition kapituliere, und der Bedingung einer Ehrerbietung für die preußischen Truppen, an. Bernadotte akzeptierte diese Bedingungen erst nicht, aber da Blücher zu keinen weiteren Zugeständnissen zu bewegen war, gab Bernadotte zur Vermeidung weiterer Kämpfe und Toten nach und ließ entsprechend der Kapitulationsbedingungen die französischen Truppe längs der Straße zur Ehrerbietung an den vorbeiziehenden tapferen Feind Aufstellung nehmen. Als persönliche Geste verzichtete er auf die Annahme von Blüchers Degen.
Zurück in Lübeck unterband Bernadotte auf Vermittlung des dort lebenden französischen Gelehrten Charles de Villers Plünderungen durch die ausgehungerten französischen Truppen und zeigte sich schwedischen Kriegsgefangenen sehr entgegenkommend, womit er einen guten Ruf in Schweden bekam, der ihm später hilfreich wurde.
In der Folge verwaltete er die norddeutschen Städte in Hamburg als Gouverneur und nahm u.a. an der Schlacht bei Wagram 1809 teil, nach der er sich mit Napoléon verstritt. Er verteidigte dennoch Frankreich bei der Landung der Engländer in Walcheren.
Für Napoléon eröffnete sich die Gelegenheit zum "Eylauer Manöver", aber, da die Kuriere an Bernadotte aber abgefangen wurden, erhielt dieser keine Instruktionen und Bennigsen erfuhr von der Falle, die ihm gestellt wurde. Bernadottes Truppen waren so am 6. und 7. Februar beschäftigt, die preußischen Truppen von General L'Estoque zu verfolgen, dass sie nicht an der Schlacht bei Preußisch-Eylau teilnahmen. Am 5. Juni, als Bennigsen mit einer neuen Offensive begann, wurde Bernadotte am Hals verwundet und musste pausieren. Napoléon lud den frisch Genesenen zu den Festlichkeiten der Friedensfeier in Tilsit ein und beschenkte ihn mit Geld, Gütern und Renten in Millionenhöhe.
Fouché wurde für sein schnelles Handeln zum Herzog von Otranto ernannt.
Napoléon war es unlieb, dass Bernadotte in Paris, in seinem Haus, bleiben wollte und forderte ihn auf, in sein Fürstentum Pontecorvo zu ziehen. Als dieser ablehnte und lieber seinen Titel zurückgeben wollte, folgte ein Angebot, die französische Armee in Katalonien zu übernehmen, was Bernadotte ebenfalls ausschlug. Napoléon rief ihn nach Wien, wo er gerade weilte, und bot ihm den gut dotierten Posten als Gouverneur von Rom an - Napoléons Sohn führte den Titel "König von Rom" -, den Bernadotte erst annahm, dann als Exil ansah und ablehnte. Bernadotte kehrte nach Paris zurück um seinen "Ruhestand" zu nehmen. Dass das Verhältnis mit Napoléon sich entspannte, zeigt, als dieser nach seiner Hochzeit mit Marie-Luise 1810 Bernadottes Bruder in den Adelsstand erhob.
Er erwies sich jetzt als loyaler Schwede: Als Napoléon Schweden zur Kriegserklärung gegen England und zum Beitritt in die Kontinentalsperre zwang und Schwedisch-Pommern widerrechtlich besetzte, nahm Bernadotte Kontakte zu Napoléons Gegnern auf. Alexander I. (Russland) riet er zu der erfolgreichen Taktik, die französischen Truppen anzugreifen, solange Napoléon nicht befehligte, vor Napoléon selber aber zurückzuweichen. Diese Taktik wurde auch in den Befreiungskriegen 1813 durchgeführt, in denen Bernadotte die sogenannte Nordarmee befehligte. Er trug durch Planung und seine Truppen wesentlich zum Ausgang der Völkerschlacht bei Leipzig bei. Anschließend erreichte er einen Anschluss Norwegens, welches zu Dänemark gehörte, in Personalunion an Schweden.
²) statt "Prinz" ist häufig auch "Fürst" und "Herzog", manchmal "Fürst und Herzog" zu finden. Strenggenommen gibt es keine entsprechende deutsche Übersetzung, da "Fürst" im deutschen Adelsrecht nach einem "Herzog" kommt, im Französischem aber vor ihm rangiert. Der französische Titel ist prince, im Englischen wird ebenfalls prince benutzt (nach Amelunxen).
König (Norwegen) | König (Schweden) | Haus Bernadotte | Mann | Militärperson (Schweden) | Militärperson (Frankreich) | Geboren 1763 | Gestorben 1844
Karel XIV. | Karl 14. Johan | Κάρολος ΙΔ΄ Ιωάννης της Σουηδίας | Charles XIV John of Sweden | Karlo la 14-a Johano (Svedio) | Carlos XIV Juan | Kaarle XIV Juhana | Charles XIV Jean de Suède | קארל הארבעה עשר מלך שבדיה | カール14世ヨハン (スウェーデン王) | Karel XIV Johan van Zweden | Karl XIV Johan av Sverige | Karl III Johan | Karol XIV Jan Bernadotte | Бернадот, Жан-Батист-Жюль | Charles-Jean Baptiste Bernadotte | Karl XIV Johan
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Karl XIV. Johann (Schweden)".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world