Jean Pierre Frédéric Ancillon (* 30. April 1767 in Berlin; † 19. April 1837) war ein preußischer Staatsmann und Erzieher des späteren Königs Friedrich Wilhelms IV. von Preußen.
Ancillon, Urenkel von Charles Ancillon, hatte in Genf Theologie studiert und war 1790 Prediger bei der französischen Hugenotten-Gemeinde zu Berlin geworden. Im Jahr 1792 wurde er auf eine Professur für Geschichte an der Kriegsakademie berufen, 1803 wurde er königlicher Hofhistoriograph und Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Berlin. Seine Ernennung zum Staatsrat im Kulturdepartement folgte 1809, am 23. Juni 1810 trat er - wohl vor allem auf Betreiben der Königin - als Nachfolger Friedrich Delbrücks sein Amt als Erzieher des Kronprinzen an und gab das Predigtamt und die Professur auf. Nach der Volljährigkeit des Prinzen 1814 trat er als Wirklicher Geheimer Legationsrat ins Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten ein. 1817 wurde er zum Mitglied des Staatsrates und des Ausschusses für die Bearbeitung und Einführung der provinzialständischen Verfassung und des Oberzensurkollegiums berufen.
Im Mai 1831 wurde er zum Wirklichen Geheimrat sowie zum Chef des Departements für das Fürstentum Neuenburg, am 25. Juli 1831 zum Staatssekretär für die auswärtigen Angelegenheiten ernannt und 1832 als Staatsminister an die Spitze dieses Ministeriums berufen und entwarf als solcher u.a. 1834 mit Metternich das Wiener Schlußprotokoll.
Sowohl durch den europäischen Horizont, den Ancillon seinem Zögling eröffnete, als auch durch die Verbindung der aufklärerischen Rationalität des 18. Jahrhunderts mit dem reformatorischen Bekenntnis und der Romantik seiner Zeit hat Ancillon den späteren König stark geprägt.
Ancillon war ein Augenzeuge der Französischen Revolution aus deren Erleben er die Konsequenz zog, dass die europäische Politik nicht von der Hegemonie eines Nationalstaats sondern von dem Gleichgewicht aller Staaten bestimmt sein sollte. Tatsächlich hat sich Ancillon auch später stets für die Wahrung der Interessen des preußischen Staates eingesetzt, während ihm der Gedanke an ein zu einigendes Deutschland eher fremd blieb.
Die Urteile der Historiker über Ancillon gehen weit auseinander. Beispielhaft sei hier das Zeugnis Leopold von Rankes wiedergegeben, der 1875 ausführte: In Ancillon repräsentierte sich noch einmal Sinn und Art der französischen Kolonie in Berlin; in der Bildung einer immer gegenwärtigen Kunde der Ereignisse der Geschichte sowie der Dogmengeschichte der Philosophie suchte er seinesgleichen.
Mann | Landesminister (Preußen) | Reformierter | Geboren 1767 | Gestorben 1837
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