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Ein Jazzstandard ist eine Melodie mit festgelegter Harmoniefolge, die als Thema und Material einer Jazzimprovisation dient. Standards stammen seit etwa 1930 aus Schlagern, Chansons, Musicals, Filmmusik und Eigenkompositionen (vgl.: Original) von Jazzmusikern und gehören zum Grundrepertoire eines traditionell orientierten Jazzmusikers.

In den 1950er Jahren verwendeten Jazzmusiker wie Dizzy Gillespie, Miles Davis, Charlie Parker u.a. solche bereits bekannten Songs und schrieben neue Melodien über deren Akkordfolgen oder behielten die Melodie, veränderten aber die Akkordfolgen (Harmonien) dieser Songs. Auf diese Weise entstanden neue Standards. Die dabei neuentwickelten Themen werden mit dem Fachbegriff bebop head bezeichnet.

Funktion


Jazzmusiker spielen diese Melodien und improvisieren darüber bzw. über die ihnen zu Grunde liegende Akkordfolge in den verschiedenen Stilrichtungen des Jazz. Die musikalischen Konventionen dafür variieren von Stil zu Stil. Aber auch der Übergang in andere Stile während der Improvisation, sei es kontrolliert oder als spontaner Ausbruch ("free"), sind grundsätzlich gestattet. Das ursprüngliche Musikstück kann dabei auf unendlich vielfältige Weise gestaltet, interpretiert, verändert, moduliert und verfremdet werden.

Viele Jazzgruppen greifen bei Auftritten auch auf eine Auswahl der im Jazz allgemein anerkannten Jazzstandards zurück, auf die sich verschiedene Musiker oft rasch gemeinsam verständigen können. Damit können sie ohne Probe ein Konzert geben, selbst wenn sie sich vorher noch nie getroffen haben. Auch auf spontanen Jazzmusikertreffen, den "Sessions", spielen Standards eine unaufgebbare Rolle. In den Wandlungen der Jazzgeschichte bilden sie eine der tragenden "Säulen", auf die Jazzmusiker gleich welcher Stilistik immer wieder zurückkommen.

Viele Melodien, die zu solchen Standards wurden, waren ursprünglich Blues-Themen, Chansons, Schlager, Musical-Hits, Pop-Songs oder Filmmusik, wie sie seit Erfindung der Schallplatte Verbreitung fanden. Eine sehr häufige Standard-Form besteht aus einem 32-taktigen Schema: Es enthält einen wiederholten A-Teil, dann eine "Bridge" als B-Teil und eine (oft variierte) erneute Wiederholung des A-Teils. Diese "AABA"-Form ist für ältere Chansons und Schlagermelodien typisch: etwa für das bekannte "Autumn Leaves".

Ebenso verbreitet sind 12- oder 24-taktige Bluesformen, wobei eine der häufigsten Akkordfolgen des Blues, I - I - I - I - IV - IV - I - I - V - IV - I - I (als Stufen einer Tonart), vielfältig abgewandelt wird, wie etwa in "Bessies Blues".

Weiterhin gibt es populäre Jazzkompositionen, die zu Standards wurden, etwa Take Five oder Watermelon Man. Die Formen der Standards sind daher ebenso variabel und vielfältig wie die Jazzmusik insgesamt.

Sammlungen von Jazzstandards


Jazzmusiker verwenden verschiedene Sammlungen von Jazzstandards. Besonders beliebt ist das so genannte Real Book, das in mehreren Ausgaben existiert.

  • Das ursprüngliche Real Book ist eine hektographierte Raubkopie von knapp 500 Stücken. Diese sind nur als Melodie mit Akkordsymbolen notiert und umfassen meist eine, höchstens zwei DIN-A-4-Seiten. Sie nennen den Komponisten der Melodie und geben sporadische Hinweise auf den Charakter (z. B. "ballad"), den Rhythmus (z. B. "swing") und besonders wichtige Interpreten (z. B. Charlie Parker) des Standards. Die älteren Ausgaben davon enthielten noch viele Fehler, die erst allmählich korrigiert wurden.

  • Erst mit Erscheinen des New Real Book kam eine überprüfte und autorisierte Druckversion alter und moderner Standards in Umlauf. Im Gegensatz zu den oft sehr rudimentären und sogar fehlerhaften Angaben des Vorläufers notiert dieses Werk meist nicht nur Melodie und Akkorde, sondern macht darüberhinaus genaue und differenzierte Angaben zu Arrangement, Mehrstimmigkeit, Ein- und Ausleitungen, Rhythmen, Tempo (Musik), Interpreten und Einspielungen (Tonträgern) für dieses Stück. Damit wird meist ein bestimmtes, Jazzmusikern und Jazzhörern vertrautes Arrangement des Standards favorisiert. Daher gilt dieses Werk als besonders quellentreu. Allerdings konzentriert sich sein Inhalt auf die Jazzstile seit den 70er Jahren, so dass viele der älteren und beliebten Standards der Swing- und Bebop-Ära darin fehlen.

Beliebt unter Jazzmusikern sind daneben auch

  • "557 Standards", die es neben dem DIN-A-4-Format auch als praktisches DIN-A-5-Hardcover-Ringbuch gibt. Diese Ausgabe vereint die Vorteile des alten mit denen des neuen Real Books: Sie enthält nur die nötigsten Angaben bei weitestmöglicher Interpretationsfreiheit, aber genauer Notation der Themen und Akkordfolgen, also Quellentreue. Es gibt sie - wie inzwischen auch die älteren Realbooks - in mehreren, für verschiedene Blasinstrumente geeigneten Tonarten (C, Eb, Bb).

  • Hinzu kommen sogenannte Fake Books, in denen sowohl Popsongs als auch Jazz-Standards gelistet und mit Arrangements unterschiedlicher Qualität versehen sind.

Siehe auch


Der Artikel Liste von Jazzstandards und -kompositionen enthält eine alphabetische Liste der bekanntesten Jazzstandards und Jazzkompositionen. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, kann aber laufend ergänzt werden. Dort sind zugleich (in Klammern) der jeweilige Komponist und - gegebenenfalls - Texter angegeben.

Der Artikel Bebop head schildert die „Umarbeitungen“ von Jazzstandards, wie sie vor allem von den Musikern des modernen Jazz häufig praktiziert wurden.

Literatur


  • The Real Book. ISBN 0634060384 (legale Ausgabe)
  • Chuck Cheer (Hrsg.): The New Real Book, Sher Music Co., Petaluma, CA, 1988. ISBN 0961470143
  • Hans-Jürgen Schaal: Jazz-Standards. Das Lexikon. 320 Songs und ihre Interpretationen, Bärenreiter, Kassel, 2002. ISBN 3761814143

Jazz-Titel

Jazz standard | نغمه‌های استاندارد جاز | Jazzstandardi | Standard de jazz | סטנדרט (ג'אז) | Standard (musica) | Jazz-standards

 

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