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Jarl war während der Wikingerzeit und des Hochmittelalters ein Fürstentitel in den nordischen Ländern.

Etymologisch ist der Begriff mit dem englischen Wort Earl sowie dem althochdeutschen Erl verwandt, und wird im Deutschen mit Graf übersetzt. In Schweden dagegen wurde der Titel Jarl in lateinischen Urkunden des Mittelalters mit Dux wiedergegeben, was dem deutschen Herzog entspricht.

Jarle gab es vor allem in Dänemark, Norwegen und Schweden. Zu Beginn, vom frühen 8. bis zum 10. Jhd., waren Jarle nur auf Zeit gewählte Führer auf Raubfahrten der Wikinger. Das heißt: Jeder Mann, der ein Schiff besaß, konnte Leute anheuern und einen Raub- oder Beutezug unternehmen, bei dem er als Oberhaupt fungierte und einen höheren Anteil erhielt. Dazu kam noch eine Art Aufwandsentschädigung für sein Material, etwa für das Schiff oder für Waffen, die er verlieh. Der Jarl konnte jedoch schon während der Fahrt abgelöst werden, wenn die Mannschaft der Meinung war, dass er des Kommandos unwürdig oder schlicht unfähig sei, sie anzuführen.

Erfolgreiche Jarle häuften so immer mehr Reichtum an und konnten damit eine wachsende Gefolgschaft an sich binden. Sie entwickelten sich im Laufe der Zeit zu Häuptlingen oder Stammesführern. Ursprünglich war der Titel nicht erblich, dies änderte sich jedoch im Laufe der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts. Was jedoch immer blieb, war, dass sich die Häuptlinge jährlich einer Art Vertrauenswahl stellen mussten, in der geprüft wurde, ob die Krieger weiter bereit waren, ihrem Oberhaupt zu folgen. War dies nicht der Fall, wurde er abgelöst, entweder durch den Sohn, falls dieser alt genug war, oder durch den nächst mächtigen Mann im Dorf.

Auf den Kreuzzügen nordischer Fürsten traten Jarle als Hauptleute auf, die den König oder einen anderen Fürsten auf den einzelnen Schiffen vertraten.

In Norwegen war der Jarl im Mittelalter ein lokaler Vertreter des Königs, also eine Art Vogt. In Schweden dagegen nahm er im Hochmittelalters das höchste Amt im Reich nach dem König ein und fungierte bei dessen Abwesenheit als Reichsverweser. Im 14. Jahrhundert wurde der Titel Jarl durch hertig, also Herzog, ersetzt, wobei dieser Titel hauptsächlich Mitgliedern der königlichen Familie vorbehalten blieb.

Der letzte schwedische Jarl Birger, der in lateinischen Schriften dux sveciae genannt wird, wurde zum Stammvater des Königsgeschlechtes der Folkunger, die von 1250 bis 1364 regierten.

Der letzte Jarl Südjütlands bzw. Schleswigs war Knud Laward, der schließlich den deutschen Titel Herzog übernahm. Er wurde am 7. Januar 1131 ermordet.

Siehe auch


Schwedische GeschichteDänische GeschichteNorwegische Geschichte

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