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Hokusai-fuji-koryuu.png, Drache über dem Berg Fuji]] Als japanischen Farbholzschnitt bezeichnet man eine bestimmte Form des Holzschnittes, der in Japan über mehrere Jahrhunderte zu den traditionellen Kunstformen gehört.

Der Holzschnitt besitzt im Fernen Osten insgesamt eine wesentlich weiter zurückreichende Tradition als im Abendland. Bildmitteilungen mittels einfacher Stempelformen reichen in die früheste geschichtliche Zeit zurück.

Der klassische japanische Holzschnitt


Die klassische japanische Holzschnitt-Kunst, der eine der abendländischen Tradition vollkommen entgegengesetzte Auffassung von Bildkomposition zugrunde lag, hatte ihre Blütezeit zwischen 1660 und 1860 in der Edo-Zeit.

Im Unterschied zur klassischen ostasiatischen Malerei beschäftigte sich der japanische Holzschnitt mit der „vergänglichen“ Welt. Erotische Szenen, Sumo- und Schauspielerbildnisse, Legende, Mythologie und Naturdarstellungen waren seine Themen (so genanntes Ukiyo-e). Kennzeichnend für den klassischen japanischen Holzschnitt sind einfarbige Flächen mit stilisierten Konturen, wodurch der Flächencharakter des Bildes betont wird. Räumlichkeit findet ihren Ausdruck durch sich überlagernde und überschneidende Gegenstände. Ein Bildmittelpunkt fehlt und lädt damit den Betrachter ein, den Blick über die dekorativ aufgefasste Bildfläche wandern zu lassen. Häufig finden sich auf den Drucken auch ungewöhnliche Blickwinkel und am Bildrand angeschnittene Figuren. Viele Impressionisten griffen diese Art der Komposition auf.

Herstellungsprozess


Ukiyo-e dsc04679.jpg-Workshop in Tsukuba]] Ukiyo-e dsc04680.jpg An der Herstellung eines klassischen japanischen Holzschnittes waren stets vier Personen beteiligt:
  1. Der Verleger, der für die Finanzierung sowie die Verbreitung sorgte.
  2. Der Zeichner, der die Skizze fertigte.
  3. Der Holzschneider
  4. Der Drucker

Die Herstellung eines fertigen Farbholzschnittdrucks von der Vorlage erfolgt in drei Schritten, die auch von unterschiedlichen Personen ausgeführt werden können. Grundlage ist eine mehrfarbige Tuschezeichnung des Künstlers.

Aufbringen auf den Holzblock

  • Zur Herstellung des Hanshita, der Schnitzvorlage auf der Holzblockoberfläche, wird von der Farbvorlage eine Kopie angefertigt. Dies erfolgt auf normalem Papier oder Minougami, einer sehr dünnen und fast durchsichtigen japanischen Papiersorte. Nur die schwarzen Umrisse und alle schwarzen Anteile werden kopiert.
  • Bei Normalpapier wird das Hanshita mit der Vorderseite auf den Block gelegt und mit wasserlöslichem Leim fixiert. Bei Verwendung von Minougami kann die Spiegelung bei der Anfertigung der Kopie geschehen. Es wird dann mit der Vorderseite nach oben auf den Block geleimt.
  • Nach dem Austrocknen des Leims wird das Hanshita auf dem Block mit Sesam-Öl eingerieben, um es vollständig durchsichtig zu machen.

Schnitzen der Blöcke

  • Zur Herstellung des Schlüsselblocks werden alle Teile, die nicht gedruckt werden sollen, aus der Holzblockoberfläche entfernt. Hierbei ist zur Einhaltung von Linienstärke und Detailtreue der Vorlage großes Geschick erforderlich.
  • Nun werden vom Schlüsselblock so viele Kopien gezogen, wie der Druck Farben haben soll. Bei jeder Kopie werden die Bereiche der jeweiligen Farbe markiert. Diese Kopie wird wie die ursprüngliche Vorlage für den Schlüsselblock mit der Vorderseite auf einen neuen Block geleimt, aus dem dann wieder die markierten Teile der entsprechenden Farbe herausgearbeitet werden. So wird für jede Druckfarbe ein eigener Holzblock gefertigt.

Drucken

  • Nachdem alle Blöcke fertig sind, können eventuell noch nötige Korrekturen an den Ausrichtungsmarkierungen der jeweiligen Blöcke vorgenommen werden. Dies ist insbesondere nach langer Lagerung (z. B. wegen Schrumpfung bei Nachtrocknung) notwendig.
  • Wenn alle Linien und Flächen ohne Überlappungen in die vorgesehenen Bereiche fallen, kann der Druck mit dem Schlüsselblock beginnen. Wie bei der Kalligraphie wird immer zuerst mit schwarzer Tuscheschwarz, Sumi, gedruckt.
  • Anschließend werden in beliebiger Reihenfolge die anderen Farben mit den entsprechenden Holzblöcken gedruckt.

Beim klassischen japanischen Farbholzschnitt kommen bis zu zwölf Druckplatten zum Einsatz, was bei der Arbeit höchste Präzision erfordert. Die für japanische Holzschnittdrucke verwendeten Pigmente sind stets voll transparent und können daher auch ohne Kontrastverlust auf schwarze Umrisse gedruckt werden.

Der japanische Farbholzschnitt und die europäische Kunst


Ab 1850 gelangten japanische Farbholzschnitte von besonders hohem technischem und künstlerischem Niveau in großer Stückzahl nach Europa und beeinflussten zahlreiche europäische Künstler. Dem französischen Maler Felix Bracquemond wird zugeschrieben, 1856 als erster den künstlerischen Wert des japanischen Farbholzschnittes entdeckt zu haben, nachdem er einige Arbeiten von Katsushika Hokusai gesehen hatte. Vor allem Impressionisten wie z. B. Claude Monet und Edgar Degas fühlten sich in ihren eigenen Theorien über Farbe und Form bestätigt und zogen gleichzeitig neue Anregungen daraus. Der Japanische Farbholzschnitt prägte darüber hinaus aber auch die Künstler des Nabis-Kreises und die frühen Expressionisten, wie beispielsweise Paula Modersohn-Becker.

Meister des klassischen japanischen Holzschnitts


Shin Hanga


Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren die Künstler der stark formalisierten Darstellungen des Ukiyo-e allmählich überdrüssig. Gleichzeitig gelangten immer mehr europäische Einflüsse nach Japan. Insbesondere der Impressionismus hatte starke Auswirkungen auf die japanischen Künstler. Die Stilsprache des klassisch-japanischen Holzschnitts wurde zwar grundsätzlich beibehalten, aber man stellte Personen jetzt individueller dar, spielte mit Licht und Schatten. Derartige Bilder bezeichnete man als Shin Hanga ("Neue Drucke"). Eine große Rolle für die Verbreitung der neuen Kunstrichtung spielte der Verleger Shozaburo Watanabe (1885–1962), der zahlreiche Künstler für sich arbeiten ließ und vor allem Exportabsichten verfolgte. Außerhalb Japans entwickelte sich vor allem in den Vereinigten Staaten ein Markt für Shin-Hanga-Grafiken. Noch beliebter wurden die Holzschnitte dieser Stilrichtung in den USA, als amerikanische Besatzungssoldaten nach dem Zweiten Weltkrieg die Bilder mit in ihre Heimat brachten. So entstanden in den USA einige große Shin-Hanga-Sammlungen.

Meister des Shin-Hanga-Holzschnitts

Literatur


  • Julius Kurth: Geschichte des japanischen Holzschnitts. 3 Bände, Leipzig 1925–1929
  • Friedrich B. Schwan: Handbuch japanischer Holzschnitt. München 2003, ISBN 3891297491

Weblinks


Japanische Kunst | Holzschnitt

 

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