Japanisch (jap. 日本語 nihongo) ist die Amtssprache Japans.
Der Language Code nach ISO 639 ist ja bzw. jpn.
Schätzungen gehen davon aus, dass ca. 4,9% aller Webseiten auf Japanisch sind (Platz 4 hinter Englisch, Deutsch und Französisch).
Das erste Problem ist, dass das älteste erhaltene japanische Schriftzeugnis, das Kojiki, erst aus dem 8. Jahrhundert nach Christus stammt. Alle Erkenntnisse über die japanische Sprachgeschichte vor diesem Zeitpunkt sind daher linguistische Rekonstruktionen oder sind Übertragungen aus archäologischen oder genetischen Untersuchungen.
Das zweite Problem ist, dass das Japanische zwar typologisch und syntaktisch Ähnlichkeiten zum Koreanischen und den mandschu-tungusischen Sprachen besitzt. Die Phonetik und das „urjapanische“ Vokabular, also der Teil, der nicht aus dem Chinesischen übernommen wurde, zeigt jedoch wenig, einigen Linguisten zufolge gar keine Ähnlichkeit in dieser Richtung. Da allerdings nach der Meinung vieler Sprachwissenschaftler die Grammatik sehr viel beständiger ist als Phonetik und Vokabular, wird die japanische Sprache der großen, heterogenen Gruppe der Altaisprachen zugeordnet, zu der neben vielen anderen auch die erwähnten koreanischen, mandschurischen und tungusischen Sprachen gehören. Das wichtigste gemeinsame Merkmal dieser Sprachen ist, dass sie agglutinierende Sprachen sind.
Genetisch sind die Japaner die Nachkommen von zwei unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen, die beide zu unterschiedlichen Zeiten über die koreanische Halbinsel nach Japan eingewandert sind, der Jōmon-Bevölkerung aus der Jōmon-Zeit ab etwa dem 10. Jahrtausend vor Christus und der Yayoi-Bevölkerung aus der Yayoi-Zeit etwa ab dem 9. Jahrhundert vor Christus. Beide Gruppen haben sich genetisch, und sehr wahrscheinlich auch sprachlich vermischt.
Über die Sprache der Jōmon-Bevölkerung gibt es keine gesicherten Erkenntnisse, da weder Schriftzeugnisse noch Sprecher erhalten sind und völlig unklar ist, welche Elemente dieser Sprache sich im modernen Japanisch, in den Ryūkyū-Sprachen oder der Ainu-Sprache erhalten haben. Vorgeschlagene Theorien bringen diese Sprache unter anderem mit der Ainu-Sprache, aber auch mit austronesischen Sprachen in Verbindung.
Die Yayoi-Sprache ist besser belegt, in einer Studie hat Riley (2003) Proto-Japanisch und die Sprache des historischen koreanischen Staates Goguryeo rekonstruiert und eine Verwandtschaft festgestellt. Eine Hypothese besagt nun, dass die Sprachen der damals mit japanischen Staaten politisch verbündeten koreanischen Staaten Gaya und Baekje noch nähere Verwandtschaft zeigten, allerdings sind dazu noch nicht ausreichend Belege vorhanden.
Der Bruch zwischen Japanisch und Koreanisch fand dann spätestens im 7. Jahrhundert nach Christus statt, als der koreanische Staat Silla die anderen Königreiche auf der Halbinsel besiegte und damit auch seine Sprache durchsetzte, während sich in Japan in der Asuka-Zeit eine eigenständige Kultur zu entwickeln begann.
Durch die politischen Differenzen zwischen Japan und den beiden Korea ist die Frage nach der Verwandtschaft der beiden Sprachen allerdings nicht nur ein linguistischer, sondern auch ein politischer Streitpunkt, weswegen japanische und koreanische Quellen zum Thema oft gefärbt sind.
Die Sprache der Ainu, der Ureinwohner von Hokkaidō, ist dagegen weder mit dem Japanischen noch mit einer anderen bekannten Sprache verwandt und wird daher mit anderen isolierten Sprachen der Region zu den paläosibirischen Sprachen gerechnet.
Einige Hypothesen ordnen die japanische Sprache auf Grund oberflächlicher Ähnlichkeiten anderen Sprachfamilien zu, so ist die Phonetik des modernen Japanisch ähnlich den austronesischen Sprachen, während die Syntax auch Ähnlichkeiten zu dravidischen Sprachen zeigt. Beide Hypothesen sind allerdings nicht durch genetische oder kulturhistorische Belege untermauert. Ebenfalls als überholt gilt die Einordnung des Japanischen als isolierte Sprache.
Das japanische Schriftsystem verwendet die chinesischen Schriftzeichen (Kanji) sowie zwei davon abgeleitete Silbenschriften, Hiragana (für den indigenen Wortschatz) und Katakana (für neuere Lehnwörter). Mit der Schrift wurden auch viele chinesische Begriffe ins Japanische übernommen. Doch in Aussprache und Grammatik unterscheiden sich Japanisch und Chinesisch grundlegend: Anders als die chinesischen Sprachen kennt das Japanische keine Töne und auch weniger Konsonanten, daher ist sein Silbenvorrat mit rund 150 Silben im Vergleich zu den (unter Berücksichtigung der Töne) rund 1600 des Chinesischen viel geringer. In der Grammatik ist Japanisch, im Gegensatz zu den isolierenden chinesischen Sprachen, eine agglutinierende Sprache, besitzt also eine Vielzahl von grammatischen Suffixen – so genannten Partikeln und Funktionalnomen –, die eine vergleichbare Funktion wie die Flexionen, Präpositionen und Konjunktionen der europäischen Sprachen haben.
Noch im heutigen Japanisch werden „altjapanische“ und chinesische Elemente voneinander abgegrenzt. Bei den Schriftzeichen wird zwischen 音読み (On-yomi) und 訓読み (Kun-yomi) unterschieden. On-yomi ist die sinojapanische Lesung, eine Übertragung der chinesischen Lesung (meist aus der Sung- oder Tang-Zeit) in den Lautvorrat des Japanischen, bei der Kun-yomi wurde ein „urjapanisches“ Wort mit der Bedeutung des Schriftzeichens verbunden. Einige Lautfiguren finden sich nur in jeweils einem der beiden Bereiche. Aus dem Chinesischen stammende japanische Verben und Adjektive, die wie alle chinesischen Wörter nicht flektierbar sind, funktionieren auch grammatikalisch anders als ihre flektierbaren „urjapanischen“ Gegenstücke.
Japanese (standard) vowels.png
| Bilabial | Dental | Alveolar | Post- alveolar | Palatal | Velar | Glottal | Ort- los | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Plosiv | ||||||||
| Flap | ||||||||
| Frikativ | ||||||||
| Affrikate | ||||||||
| Nasal | ||||||||
| Approximant |
Manche Konsonanten bilden Allophone. So wird vor ein *," target="_blank" >*," target="_blank" >*" target="_blank" >und *." target="_blank" >Vor *" target="_blank" >zu *" target="_blank" >zu *" target="_blank" >zu [.
Die Satzstellung des Japanischen ist SOP, Subjekt - Objekt - Prädikat. Das heißt, das Prädikat steht immer am Ende des Satzes bzw. Nebensatzes.
Das Japanische ist eine agglutinierende Sprache. Grammatische Formen werden gebildet, in dem das Verbende verändert wird, andere Satzteile werden durch Partikeln verändert.
Eine zweite Gruppe von Partikeln wird an Sätze angefügt und dient als Satzverbinder.
Weiterhin gibt es Suffixe, mit denen sich der Plural bei Menschen ausdrücken lässt: -tachi (höflicher: -gata, informell: -ra)
| Einzahl | Mehrzahl |
|---|---|
| kodomo = Kind | kodomo-tachi = (die) Kinder |
| sensei = Lehrer | sensei-gata = (die) Lehrer |
| kare = er | kare-ra = sie (Mz. Männl.) |
| Japanisch | Deutsch |
|---|---|
| chiisai kodomo | das kleine Kind |
| kodomo=ga chiisai | das Kind ist klein |
Für die Selbstbezeichnung gibt es eine Reihe von Ausdrücken, die von "selbst" oder "persönlich" abgeleitet sind. Eines dieser Wörter ist watakushi (私; wörtlich "privat") das die höchste Höflichkeitsstufe im modernen Japanisch für "ich" darstellt und eine Reihe von informellen Verkürzungen kennt (watashi; atashi; ashi usw.). Boku (僕) und ore (俺) sind weitere informellere Wörter, die "ich" bedeuten und ausschließlich von Männern verwendet werden, dazu kommen dialektale Ausdrücke.
Wo im Deutschen immer das Personalpronom nötig ist, um zu bezeichnen, um wen es geht, wird es im Japanischen eher weggelassen und aus der durch Hilfsverben ausgedrückten "Richtung" der Handlung ("aufwärts" = zum Hörer hin; "abwärts" = zum Sprecher hin) sowie aus dem allgemeinen Kontext geschlossen, um wen es eigentlich geht. Was in Japanisch-Lehrbüchern als Personalpronomen aufgeführt wird, hat in der japanischen Umgangssprache ganz andere Verwendungen. Mit kare (彼, höflicher kareshi 彼氏) und kanojo 彼女 ist immer der Freund und meistens die Freundin gemeint. Ob jemand Single ist, fragt man also mit "kare / kanojo ga imasu ka?" („Existiert ein Freund/eine Freundin?“)
anata あなた Ist das einzige im aktuellen Japanisch verwendete Wort mit der Bedeutung "du", das in neutralen Zusammenhängen als "Sie" gebraucht werden kann z.B. in Hinweisschildern und Durchsagen: "Bitte benutzen Sie die Yamanote-Linie bis zur Station Shinjuku und steigen Sie dann...". Es stammt von einer gleichnamigen Anrede von Frauen für ihre Ehemänner. Das direkte Anreden von unbekannten oder höhergestellten Erwachsenen mit anata ist ausgeschlossen!
Weiterhin ist in diesem Zusammenhang zu erwähnen, dass ehemalige sehr höfliche Sie-Wörter in der Geschichte der Sprache oft unhöflich geworden sind. Beispiele dafür sind:
Seit dem 3. Jahrhundert übernahm das Japanische zusammen mit der chinesischen Schrift zahlreiche chinesische Lehnwörter, die jedoch an die japanische Aussprache angepasst wurden. Ein großer Teil des heutigen japanischen Wortschatzes besteht aus diesen angeglichenen Begriffen.
Als portugiesische Jesuiten im 16. Jahrhundert in Japan eine kurzlebige christliche Mission einrichteten, übernahm die japanische Sprache einige Wörter aus dem Portugiesischen. Dazu gehören beispielsweise パン pan (Brot) und テンプラ tempura (in Backteig frittiertes Gemüse und Fisch, von lateinisch tempora, *zeiten). Zu dieser Zeit wurden diese Wörter in chinesischen Schriftzeichen phonetisch wiedergegeben, z.B. Kaffee = 珈琲 kōhi-, mittlerweile werden die praktischeren Silbenschriften dafür verwendet.
Seit der Öffnung zum Westen 1853 und dem Beginn der Meiji-Zeit 1868 sind die Japaner mit einer Vielzahl westlicher Konzepte konfrontiert worden, für die neue Wörter geschaffen werden mussten. Als erste Möglichkeit wurden Begriffe in chinesischen Schriftzeichen neu geschaffen, z.B. minshushugi 民主主義 = Demokratie. (Interessanterweise finden sich diese Wörter heutzutage vielfach als japanische Lehnwörter im Chinesischen.)
Andere Wörter wurden phonetisch übertragen. Ihr Anteil an der japanischen Sprache beträgt mittlerweile ca. 10-15% und variiert je nach Sachgebiet stark. Die Aussprache in lateinischer Schrift geschriebener englischer Wörter ist für Japaner oft nur schwer nachzuvollziehen, zumal andere europäische Sprachen wie Französisch, Deutsch, Spanisch die lateinischen Buchstaben wieder anders lesen und damit die Schwierigkeiten vergrößern. Um die Lesung zu vereinheitlichen, werden phonetische Lehnwörter daher im Japanischen in der Silbenschrift Katakana wiedergegeben. Bei der Übertragung ins Japanische werden dabei allerdings oft die Laute verändert, so unterscheidet das japanische nicht zwischen l und r. Dass es sich bei タワー tawā um einen tower = Turm handelt und bei タオル taoru um ein towel illustriert die Schwierigkeiten vielleicht. Zu lange Begriffe werden dabei zusätzlich auf „japanische Weise” abgekürzt. So ist aus dem englischen Begriff personal computer durch Verkürzung und Angleichung das Wort パソコン pasokon geworden, ラブホ rabuho bezeichnet ein love hotel. Außerdem sind diese Wörter durch Umdeutung häufig nicht mehr mit ihrer ursprünglichen Bedeutung gleichzusetzen.
Auch deutsche Lehnwörter sind im Japanischen zu finden (z. B. アルバイト arubaito von Arbeit, im Sinne von Teilzeitjob). Von Mitte des 19. bis ins 20. Jahrhundert hinein orientierte sich die ärztliche Ausbildung in Japan an deutschen Dozenten und Lehrbüchern, und die Krankenberichte wurden auf deutsch in lateinischer Schrift geschrieben. Daher haben sich vor allem in der Medizin viele Begriffe erhalten (z. B. ルンゲ runge von Lunge, クランケ kuranke von Kranke, カルテ karute von Karte im Sinne von Patientenkartei). Auch in der Philosophie (z. B. ゲシュタルト geshutaruto von Gestalt, イデー idē von Idee) und beim Bergsteigen (z. B. シュタイクアイゼン shutaikuaizen von Steigeisen, エーデルワイス ēderuwaisu von Edelweiß) finden sich im Japanischen zahlreiche deutsche Lehnwörter; Recht und Militärwesen sind weitere Bereiche.
Seit Mitte des 19. Jahrhunderts übernimmt das Japanische große Mengen von Wörtern aus dem Englischen, die meisten Begriffe des „modernen Lebens” fallen im heutigen Japanisch in diese Kategorie. Besonders sind dabei die Bereiche Wirtschaft, Technik, Computer, Popkultur, Medien und Werbung zu nennen.
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