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Japan als asiatische Nation wurde erst spät und auf Umwegen zur Kolonialmacht; die vorherrschende europäische Meinung während des 17. und 18. Jahrhunderts war, dass es selbst über kurz oder lang als Kolonie einer westlichen Großmacht zufallen würde. Nachdem sich das Land jedoch auf militärischen Druck der Amerikaner im Jahre 1854 nach beinahe 250-jähriger Isolation dem Westen öffnete, wuchs es schnell zu einer leistungsfähigen und modernen Industrienation nach westlichem Vorbild heran, die bald ihre eigene wirtschaftliche, technische und militärische Überlegenheit im Pazifikraum erkennen und ausnutzen sollte.

  • Nach Ende des zweiten Weltkrieges gehen Korea, Formosa (heute Taiwan), die Pescadoren, die Südsachalin, sowie die während des Pazifikkrieges eroberten Gebiete für Japan verloren.

Verlauf der japanischen Kolonial- und Expansionspolitik


Japanisches Kolonialreich 1942.gif]] Der tatsächliche Beginn der Japanischen Kolonialpolitik ist schwer einzuschätzen; so wurden schon früh (1873-1875) unbewohnte, kleine Inseln wie die Bonin-Inseln, die Marcus-Insel und auch die Kurilen auf friedlichem Wege erworben.

Bis Ende des Ersten Weltkrieges

Als erstes Anzeichen, dass sich Japan zu einer ernstzunehmenden Kolonialmacht entwickeln würde, kann 1876-1879 der Akt der Eroberung und Annexion der Ryukyu-Inseln mit Okinawa zuungunsten Chinas gesehen werden. Zur gleichen Zeit (1876) zwängt Japan Korea erste Handelsabkommen durch die Entsendung dreier Kanonenboote der kaiserlichen Marine zur koreanischen Küste auf. Korea reizt Japan durch seine geographische Nähe und durch einige Bodenschätze wie Kohle. Im Verlauf des ersten Japanisch-Chinesischen Krieges erlangt Japan 1895 schließlich die Insel Formosa (das heutige Taiwan), sowie die nahegelegenen Pescadores-Inseln von China als Kolonien. Korea selbst, um das es Japan in diesem Konflikt hauptsächlich geht, erlangt die Unabhängigkeit von China und fällt in den japanischen Einflussbereich. Japan wird damit in den Augen der westlichen Welt erstmals zu einer ernstzunehmenden Kolonialmacht.

Japan gerät mit Russland in einen Konflikt um die Kontrolle der Mandschurei. Als Folge des Konflikts kommt es zum Russisch-Japanischen Krieg, den Japan gewinnt.

Japan erwirbt die Halbinsel Liaotung (im Süden der Mandschurei) und die südliche Hälfte der Insel Sachalin, die somit den japanischen Namen „Karafuto“ erhält, sowie die diplomatische Zuordnung Koreas zum japanischen Kaiserreich. 1905 wird Korea zu einem Protektorat Japans; im Jahre 1910 wird es schließlich offiziell annektiert. Vgl. Hauptartikel Korea unter japanischer Herrschaft

Russland muss sich aus der Mandschurei zurückziehen und Japan baut die Südmandschurische Eisenbahn auf, um Rohstoffe aus der Mandschurei nach Korea bringen zu können, von wo sie nach Japan verschifft werden. Um diese Bahn zu schützen wird die Guandong-Armee gegründet, die in den chinesischen Kolonien und Einflussgebieten Japans stationiert wird.

Im Ersten Weltkrieg beteiligt sich Japan auf Seiten der Alliierten und bekommt nach Kriegsende durch den Versailler Vertrag einige vormals deutsche Kolonien zugesprochen: Die Marianen, die Karolinen und die Marshall-Inseln werden japanische Kolonien, sowie noch während des Krieges (am 7. November 1914) die ehemalige deutsche „Vorzeigekolonie“ Kiautschou, die aber am 10. Dezember 1922 auf Drängen der amerikanischen Diplomatie an China zurückgegeben wird.

Zwischenkriegszeit

Schon vor der Weltwirtschaftskrise 1929 wird in der Führungsriege Japans die Stimme der Expansionisten vernehmbar (1927 mit der Wahl Tanaka Giichi zum Premierminister), die für die Errichtung eines weiträumigeren Einflussgebiets, neuer Absatzgebiete für die heimischen Industrien und somit die Eroberung weiterer Kolonien plädieren. Nach dem Schwarzen Donnerstag und der Weltwirtschaftskrise jedoch, die das Land und viele Kleinbauern (durch Zusammenbruch der amerikanischen Märkte für Seide etc.) schwer schädigen, wächst der innenpolitische Druck nach drastischen außenpolitischen Schritten gewaltig, und besonders in den hochrangigen Kreisen der Militärs wird der Ruf nach Taten laut. Es bilden sich hier diverse Geheimbünde und Verschwörungen wie zum Beispiel der Kirschblütenbund, die es als ihr Ziel sehen, die japanische Politik von der vermeintlichen Schwäche der demokratischen Parteien und des Parlaments zu befreien und das Kaiserreich zu neuem Ruhm und großem internationalen Einfluss zu führen.

Nachdem im September 1931 in der Mandschurei eine Gruppe solcher Verschwörer aus Kreisen der japanischen Armee durch einen inszenierten Sabotageakt auf die Südmandschurische Bahngesellschaft (dem sogenannten Mukden-Zwischenfall) das Eingreifen des Militärs provoziert (Mandschurei-Krise), nimmt die in Guangdong stationierte Truppe innerhalb eines halben Jahres Stück für Stück die gesamte Mandschurei gegen den vom chinesischen Bürgerkrieg geschwächten chinesischen Widerstand in Besitz, ohne dass jedoch eine Kriegserklärung vorliegt. Die Verwaltung der Mandschurei fällt in japanische Hände, es kommt zur Errichtung des Marionettenstaates Mandschuko unter der „Führung“ Pu Yis, des letzten chinesischen Kaisers der Qing-Dynastie. Der Völkerbund verurteilt das japanische Vorgehen und fordert am 24. Oktober 1931 einen japanischen Truppenabzug sowie die Untersuchung der Vorfälle in der Mandschurei. Die japanische Politik streitet währenddessen ab, den Befehl zur Besetzung der Mandschurei gegeben zu haben und behauptet, die Armee operiere auf eigene Faust, was wohl auch zu einem gewissen Teil der Wirklichkeit entsprochen haben dürfte.

Die chinesische Reaktion darauf sind Handelsboykotts, in den großen chinesischen Hafenstädten werden japanische Schiffe nicht mehr be- und entladen. Die japanischen Exporte gehen auf ein Sechstel des üblichen Niveaus zurück. Die Stimmung heizt sich weiter auf, und so reagiert Japan im Januar 1932 äußerst brutal auf einen scheinbar belanglosen Zwischenfall in Shanghai (es wurden fünf japanische Mönche auf offener Straße überfallen und verprügelt, einer von ihnen starb an seinen Verletzungen), der Proteststürme in den japanischen Medien und der Öffentlichkeit auslöste: Es kommt hier unter anderem am 29. Januar zum ersten Flächenbombardement auf Zivilbevölkerung in der Geschichte durch japanische Land- und Schiffsartillerie und auf Flugzeugträgern stationierte Bomber; etwa 18,000 chinesische Zivilisten werden getötet, etwa 240,000 verlieren ihre Häuser. Die Handelsboykotts werden schließlich fallengelassen und eine entmilitarisierte Zone wird um Shanghai errichtet. Der Völkerbund verurteilt das japanische Vorgehen zwar verbal aufs Schärfste, trifft jedoch weiterhin keinerlei handfeste Maßnahmen gegen das äußerst aggressive Vorgehen der Japaner. Im Mai 1933 schließt die chinesische Führung angesicht der inneren Instabilität einerseits ( Bürgerkrieg zwischen Kuomintang und Kommunisten) und andererseits der offen ausgesprochenen Drohung eines japanischen Einmarschs in Peking einen Waffenstillstand und erkennt darin die japanischen Ansprüche auf die Mandschurei an, trotz der bis dato von Japan bereits begangenen Gräueltaten, denen dort später auch die Kriegsverbrechen und Menschenversuche der Einheit 731 folgen werden.

Nach einem zwar in erster Instanz missglückten (das Kriegsrecht wird nicht verhängt), jedoch im Endeffekt als äußerst wirksam anzusehenden blutigen Staatsstreich am 15. Mai 1932, der das Vertrauen der Japaner in ihre Parlamentarier vollkommen erschüttert, übernimmt das Militär und damit die Expansionisten die politische Führung in Japan.

Japan tritt 1933 aufgrund der scharfen Kritik und der Hoover-Stimson-Doktrin, die forderte, den Waffenstillstand als durch völkerrechtlich illegale Aktionen erlangten Vertrag international zu ignorieren, komplett aus dem Völkerbund aus. Die außenpolitische Position Japans verschiebt sich in diesen Jahren vollends hin zu einem aggressiven, totalitären Expansionismus. Es kommt zu ersten Verträgen mit Nazi-Deutschland und dem faschistischen Italien (u.a. dem Antikominternpakt).

Bis Ende des Zweiten Weltkriegs

Als Produkt des Zwischenfalls an der Marco-Polo-Brücke zwischen japanischen und chinesischen Truppen am 7. Juli 1937 kommt es zum zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg, der von (vornehmlich chinesischen) Historikern auch als eigentlicher Beginn des Zweiten Weltkriegs angesehen wird. In dessen Verlauf erobern die japanischen Streitkräfte die gesamte chinesische Küste inklusive der Städte Shanghai, Nanking, Kanton, Suzhou und Tsingtau (die ehemalige deutsche Kolonie Kiautschou), sowie die Insel Hainan. Es kommt hierbei zu einer Vielzahl von Kriegsverbrechen, allen voran die als Massaker von Nanking in die Geschichtsbücher eingegangenen Ereignisse in der damaligen chinesischen Hauptstadt.

Im September 1940 schließt Japan den Dreimächtepakt mit Nazi-Deutschland und Mussolinis Italien; es übernimmt mit Zustimmung des Vichy-Regimes die Kolonien in Französisch-Indochina (Vietnam, Laos, Kambodscha) und unternimmt Bestrebungen, in Niederländisch Ostindien, dem heutigen Indonesien, Fuß zu fassen. Die Ideologie der Großostasiatischen Wohlstandssphäre, eines durch Japan von den europäischen Kolonialherren befreiten Asiens, verbreitet sich (analog dazu: Am Deutschen Wesen wird die Welt genesen).

Die japanischen Expansionsbestrebungen stoßen auf heftige Kritik der USA, die schließlich in Ölembargos gegen Japan und der Verstärkung amerikanischer Militärpräsenz im Pazifik resultieren. Japan sieht sich dadurch wirtschaftlich an die Wand gedrängt, und der frisch gewählte Premierminister Tojo Hideki lässt noch während der laufenden Friedensbemühungen am 7. Dezember 1941 den japanischen Angriff auf Pearl Harbor starten, der schließlich im Eintritt der USA in den sogenannten Pazifikkrieg resultiert (historisches Vorbild dazu: Russisch-Japanischer Krieg, Angriff auf Port Arthur). Die Intention dahinter war, durch Ausschaltung der amerikanischen Pazifikflotte freie Hand bei der Eroberung weiterer Kolonien im Pazifik zu erlangen. Im Dezember 1941 zwingt Japan Thailand durch Truppeneinmarsch zur militärischen Allianz. Die japanischen Truppen besetzen Burma, Britisch Malaya, Singapur, Borneo, Hongkong und auch Niederländisch Ostindien. Bis zum Mai 1942 fallen auch die unter amerikanischer Kontrolle stehenden Philippinen, die Salomonen, sowie der Norden der Insel Neuguinea in japanische Hände. Von größtem Interesse für die japanischen Streitkräfte waren dabei die Ölfelder Sumatras und Borneos. Mit der Niederlage in der blutigen und langgezogenen Schlacht von Guadalcanal beginnt der Siegeszug der Amerikaner im Pazifikkrieg. Japan verliert nach und nach weitere Territorien, die Amerikaner praktizieren die Taktik des „Island Hopping“ (Inselspringen).

Bis Kriegsende erkämpfen sich die Amerikaner ihren Weg bis zur Insel Okinawa, die zur Ryukyu-Inselgruppe gehört und eine der frühesten kolonialistischen Eroberungen Japans darstellt. Nach der Kapitulation Japans am 15. August 1945 werden die Ländereien und Inselgruppen neu verteilt; die Hauptfiguren der japanischen Expansionsbestrebungen aus Militär und Politik wurden in den sogenannten Tokioter Prozessen angeklagt, analog zu den Nürnberger Prozessen gegen die Führungsriege Nazi-Deutschlands.

Ehemalige japanische Kolonien nach 1945

  • Korea wird von den Siegermächten willkürlich entlang des 38ten Breitengrades in zwei Teile gespalten, den russisch-kommunistischen im Norden sowie den unter westlicher Verwaltung stehenden Süden. Es kommt hier im Juni 1950 zum Koreakrieg. Die Spaltung Koreas besteht bis heute.
  • Taiwan geht zurück an China und dient den im chinesischen Bürgerkrieg schließlich unterliegenden Kuomintang als Fluchtziel. Die taiwanische Gesellschaft sieht sich bis heute als Teil der von den Kuomintang gegründeten Republik China, was große Konflikte mit der kommunistischen Volksrepublik China mit sich zieht.
  • Kambodscha, Laos und Vietnam erklären 1945 beeinflusst vom antieuropäischen Gedankengut der Japaner ihre Unabhängigkeit, fallen jedoch zunächst wieder unter französische Kolonialherrschaft, erlangen dann aber als Folge des Indochinakriegs 1954 ihre Unabhängigkeit.
  • Hong Kong fällt zurück unter britische Administration, wird dann im Jahre 1997 wie vertraglich festgelegt an China zurückgegeben.
  • Die Mandschurei geht zunächst an die Sowjetunion, fällt aber bereits 1946 an China zurück.
  • Indonesien erklärt zunächst seine Unabhängigkeit, wird dann aber wieder von den Niederlanden als Kolonie in Besitz genommen, erlangt jedoch nach heftigen Aufständen und regelnder amerikanischer Intervention 1949 die Unabhängigkeit.
  • Papua-Neuguinea wird australisches Treuhandgebiet und 1975 unabhängig.
  • Malaysia geht zunächst an Großbritannien zurück und wird 1957 unabhängig.
  • Die Ryukyu- und Bonin-Inseln gehen an die USA, werden aber später an Japan zurückgegeben (Ryukyu 1953, Bonin 1968).
  • Die Karolinen, Marianen sowie die Marshall-Inseln fallen unter amerikanische Herrschaft, sie werden mit Ausnahme der Marianen in den 1980ern und 1990ern unabhängig.

Oftmals wird - gerade von nationalistisch-japanischen Historikern - die Welle von Unabhängigkeitserklärungen in den ehemals japanischen Kolonien nach Kriegsende als verspäteter Erfolg der „Großostasiatischen Wohlstandssphäre“ gewertet; Ostasien wäre noch heute unter den europäischen Kolonialmächten Großbritannien, Frankreich und den Niederlanden aufgeteilt, so argumentieren diese, wäre nicht durch die militärischen Erfolge des japanischen Kaiserreichs eindeutig demonstriert worden, dass asiatische Staaten unabhängig ihren Platz in der Welt erkämpfen könnten.

Es ist zweifellos klar, dass der Zusammenbruch des japanischen Imperiums und die darauffolgende Phase der Ungewissheit und Prozesse der gesellschaftlichen Neuordnung in den betreffenden Staaten wie Indonesien, Malaysia, Kambodscha, Vietnam und Laos tatsächlich einen großen Beitrag für die dortigen Unabhängigkeitsbestrebungen geleistet hat. Jedoch wird im Allgemeinen der japanische Imperialismus mit all seinen Schattenseiten wie den begangenen Massakern, grausamen Experimenten an Menschen sowie der Zwangsrekrutierung von „Trostfrauen“ und auch der alltäglich zu beobachtenden Arroganz der Besatzungstruppen gegenüber den Anliegen der Bevölkerung eher als Negativbeispiel gesehen, als letzter „heilsamer Schock“, der diesen Nationen die Notwendigkeit verdeutlichte, sich von jeglicher Art Fremdbestimmung zu befreien.

Nachwirkungen der Kolonialbestrebungen Japans

Wie antijapanische Demonstrationen vor japanischen Einrichtungen auf chinesischem Boden im April 2005 (aufgrund der Veröffentlichung von Schulbüchern, die den japanischen Kolonialismus und Expansionismus beschönigen) zeigen, besteht weiterhin ein immenser Klärungsbedarf gerade bezüglich der begangenen Kriegsverbrechen. Seit 1945 entzündeten sich oftmals derartige internationale Konflikte (sogenannte symbolische Krisen) an vermeintlich nebensächlichen Aspekten der Beziehungen zwischen Japan und den Staaten, die damals dessen Kolonialbestrebungen zum Opfer fielen. Die Begründung hierfür ist wohl darin zu suchen, dass der gesellschaftliche Diskurs in Japan nach der Kapitulation im August 1945 nie wirklich die Themen Schuld und Wiedergutmachung berührte, wie dies beispielsweise in Nachkriegsdeutschland der Fall war. Vielmehr herrschen revisionistische Töne vor, die die begangenen Gräueltaten und die extrem blutige Art der Kriegsführung entweder als unumgänglich für das allgemeine Wohl Japans darstellen, oder die historische Richtigkeit solcher Berichte ganz anzweifeln (Vergleiche dazu: Holocaustleugnung). So werden auch die Opfer der Zwangsprostitution in Japan beschönigend Trostfrauen genannt.

Zumindest in der Vergangenheit galt hierzu jedoch die Einschätzung, dass die Wirtschaftsinteressen in Ostasien zu eng verzahnt sind, als dass solche Konflikte und der damit verbundene raue diplomatische Umgangston tatsächlich zu kriegerischen Auseinandersetzungen eskalieren könnten.

Siehe auch


Kolonialmacht | Japanische Geschichte | Liste (Politik) | Außenpolitik Japans

 

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