Janis Lyn Joplin (* 19. Januar 1943 in Port Arthur, Texas; † 4. Oktober 1970 im Landmark Hotel in Los Angeles) war eine US-amerikanische Sängerin.
Nachdem sie 1960 ihren High School-Abschluss bestanden hatte, ging sie im Alter von 17 Jahren von zu Hause fort, um Sängerin zu werden. Sie versuchte sich auch an einigen Colleges, brach aber den Besuch immer vorzeitig ab. Ein Jahr später hatte sie ein wenig Geld verdient und zog nach Los Angeles.
Janis Joplin sang, unter anderem begleitet von Jorma Kaukonen (Gitarrist von Jefferson Airplane), mit 18 Jahren in Kneipen und Folk-Clubs. Autodidaktisch geschult durch Schallplatten von Leadbelly (Huddie Ledbetter), Odetta und Bessie Smith (ihr größtes Vorbild), avancierte sie mit ihrem hemmungslosen, bis dahin für eine weiße Sängerin einzigartigen Gesangsstil, zur unbestrittenen "Queen des (weißen) Bluesrock".
Nachdem Joplin 1962 in Louisiana als Kellnerin gearbeitet hatte, kehrte sie bald nach Texas zurück, um in Austin ihr berühmtes Appartement, das als the Ghetto bekannt wurde, zu beziehen. Bald danach rief Chat Helms, der Manager von Big Brother And The Holding Company bei ihr an und teilte ihr mit, dass die Band eine neue Sängerin suchte.
1968 folgte für Columbia Records Cheap Thrills (Frontcover von Robert Crumb). Das zweite Album enthielt schon viele ihrer legendär gewordenen Stücke wie Piece Of My Heart oder Ball And Chain und war größtenteils der Stilrichtung Acid Rock zuzuordnen.
Die Band hatte ihren wahrscheinlich bedeutendsten Auftritt im Jahre 1969 beim Woodstock Festival, der allerdings zu wünschen übrig ließ. Das Engagement der Band fehlte, wodurch Janis Joplin nicht in der Lage war, ihre gewohnte Explosivität auszuleben. Sie wirkte aufgeschwemmt und verbraucht; ihre Stimme brach öfters. Allerdings äußerte sie eine Bemerkung über die Hippiebewegung, die später oft zitiert wurde: "Früher waren wir nur wenige, jetzt gibt es Massen und Massen und Massen von uns." Der Auftritt schaffte es weder in den Film noch auf das Album zum Festival.
1969 war Janis Joplin auch im Fernsehen bei Ed Sullivan und Dick Cavett aufgetreten und mit der Kozmic Blues Band zwei Monate durch Europa getourt. Ihr einziges Konzert in Deutschland fand am 12. April 1969 in der Jahrhunderthalle in Frankfurt-Höchst statt. Auf der offiziellen Homepage ist unter dem Datum 12. April 1969 vermerkt: "Kozmic Blues two concerts in Frankfurt". Nach Ende des von der Agentur Lippmann und Rau veranstalteten Konzerts forderte Joplin die Zuhörer auf, zu bleiben, weil nun noch eine Aufzeichnung des amerikanischen Fernsehens folgte. Mitschnitte dieses "zweiten Konzerts", bei dem sie die Fans animierte, auf die Bühne zu kommen, sind in der Filmdokumentation Janis (1975) zu sehen. Der Titel "Raise Your Hand" auf der postum veröffentlichten LP Farewell Song wurde während des Frankfurter Konzerts live aufgenommen.
Zusätzlich nahm Janis 1969 ihre zweite LP für Columbia (I Got Dem 'Ol Kozmic Blues Again, Mama) auf und wurde in Tampa, Florida inhaftiert, da sie einen Polizisten beleidigt hatte. Bei der nachfolgenden Gerichtsverhandlung bezeichnete ein Gericht Janis' Verhalten als freie Meinungsäußerung und ließ die Anklage fallen. Weiter wurde sie nach einem ihrer Konzert in der Curtis Hall wegen obszöner Sprache und Fluchens auf der Bühne zu einer Geldstrafe verurteilt.
Im Januar 1970 löste sich die Band auf. Um von ihrer Sucht nach Alkohol, Aufputschmitteln und Drogen loszukommen plante sie längere Ferien in Südamerika und reiste zum Karneval nach Rio de Janeiro. Durch die Beziehung zu einem Weltenbummler begann sie sogar über ihr Karriereende nachzudenken.
Janis besuchte das Grab von Bessie Smith und ließ ihr einen Grabstein errichten. Am 1. Oktober 1970 unterschrieb sie in Beverly Hills ihr Testament. Das Ende der Studioaufnahmen zu ihrer dritten Columbia-LP, Pearl (ihr Spitzname) war bereits in Sicht, als sie am 4. Oktober 1970 im Landmark Hotel in Los Angeles in ihrem Hotelzimmer tot aufgefunden wurde. Die Todesursache soll ein Gemenge aus Alkohol und einer Überdosis Heroin gewesen sein. Ironischerweise konnte deshalb das Stück Buried Alive In The Blues auf der LP nur als Instrumentalversion veröffentlicht werden.
Wunschgemäß vertranken 200 Freunde auf einer Party das hinterlassene Bargeld von 25000 Dollar. Janis Joplins Leiche wurde verbrannt und die Asche an der kalifornischen Küste in den Pazifik gestreut.
Am 12. Januar 1995 wurde Janis Joplin in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen. Melissa Etheridge hielt dabei die einer Janis würdigen Laudatio. Zehn Jahre später, am 9. Februar 2005, wurde Janis Joplin der Lifetime Achievement Award Grammy verliehen. Kris Kristofferson hielt, mit Tränen in den Augen, die Laudatio. Melissa Etheridge und Joss Stone sangen Cry Baby und Piece of my Heart.
Die vergebliche Suche nach der wahren Liebe, Zuneigung und Geborgenheit ließ sie zuweilen in depressive Phasen fallen, welche sie durch Heroin, Kokain und Alkohol zu verdrängen suchte. Durch diese innere Zerrissenheit der Gefühle und ihre Schwierigkeiten, enge menschliche Kontakte aufzubauen, lässt sich ihre Musik verstehen, die gleichzeitig Stolz und Verzweiflung (All is Loneliness) ausdrückt.
Von manchen wurde Joplin, durchaus positiv zu verstehen, die knallharte, fluchende, saufende, vögelnde und Heroin drückende Schlampe genannt. Da in den 1960er-Jahren Frauen im Rampenlicht ungleich schärfer der Kritik ausgesetzt waren als Männer, und weibliche Vorbilder kaum als öffentliche Personen respektiert wurden, avancierte die Sängerin, trotz oder gerade wegen ihrer Eskapaden zur Ikone des Feminismus.
Gitarrist | Liedermacher | R&B-Sänger | Blues-Musiker | Rockmusiker | US-Amerikaner | Frau | Geboren 1943 | Gestorben 1970
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