Jane Austen (chopped).jpg Jane Austen (* 16. Dezember 1775, † 18. Juli 1817) war eine englische Schriftstellerin.
Ihre Werke, besonders Emma, werden oft als formal perfekt gelobt, während die moderne Rezeption immer neue Sichtweisen auf Jane Austens scharfe Kommentierung der Lage junger lediger Oberklassenfrauen im England des frühen 19. Jahrhunderts zu Tage fördert.
Die Veröffentlichung ihrer Romane entspricht nicht der Reihenfolge ihres Entstehens. Sie veröffentlichte zeitlebens anonym, auch wenn die Identität der Autorin mit der Zeit immer mehr zu einem offenen Geheimnis wurde. Die Rezeption ihrer Werke war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung recht gut; besonders Walter Scott lobte sie sehr. Seitdem hat die Anerkennung, die man ihrer Arbeit zollt, nur zugenommen; heute gilt sie als eine der größten englischen Romanautorinnen. Jane Austens Haupttalent war ihre scharfe Beobachtungsgabe, mit der sie die menschliche Natur und ihre soziale Interaktion aufs Korn nahm.
Außerdem wurde postum die „Juvenilia“ veröffentlicht. Diese besteht aus drei Bänden, die Jane Austen bereits 1784 (im Alter von 9 Jahren) begann mit Kurzprosa und Theaterstücken, zumeist scharfe Satiren und Persiflagen zu füllen. Sie sind alle fragmentarisch geblieben und geben einen Einblick in die literarischen Wurzeln und die künstlerische Entwicklung der Autorin.
Diese drei Romane entstanden (obwohl sie erst 15 bis 20 Jahre später bzw. postum veröffentlicht wurden) als Jane Austen zwischen 19 und 22 Jahre alt war.
Sie werden vom damals in der Literatur sehr verbreiteten und beliebten „courtship plot“ bestimmt. Im Mittelpunkt steht eine (in „Vernunft und Gefühl“ zwei) junge Heldin, die nach verschiedenen Schwierigkeiten, Lernprozessen und Selbsteinsicht den Mann heiratet, den sie liebt.
Eine gute Heirat war in der damaligen Zeit die einzige akzeptable Möglichkeit für eine dem englischen Landadel (gentry) angehörenden jungen Frau, sich ihre respektable Stellung in der Gesellschaft zu sichern. Andernfalls war sie ihr Leben lang (ähnlich wie Jane Austen selbst) vom Wohlwollen und der Großzügigkeit wohlhabender Verwandter abhängig.
Alle drei Romane behandeln den Zwiespalt der Protagonistinnen, diese gesellschaftlich auferlegte „Pflicht“ zu erfüllen und trotzdem eine emotional und menschlich befriedigende Ehe einzugehen.
Wie in allen ihren Werken dient diese Rahmenhandlung der Autorin aber vor allem dazu, soziale, menschliche und gesellschaftliche Eigenarten aufzudecken, zu karikieren und zu kritisieren.
Diese drei Werke wurden alle unmittelbar nach ihrer Entstehung veröffentlicht (bzw. „Überredung“ postum), sie markieren das „reife“ Werk Jane Austens.
Auch in diesen drei Romanen steht jeweils eine junge Frau im Mittelpunkt der Handlung. Auch diese Romane enden mit der Hochzeit der Heldin.
Sie und die Situation, in denen sie sich befinden, unterscheiden sich jedoch in großem Maß von denen der drei früheren Werke.
Fanny Price aus „Mansfield Park“ ist eine Nichte des Hausherrn, die in seine Familie aufgenommen wird und dort aufwächst. In dieser Hinsicht ist sie die abhängigste aller Austen-Heldinnen und bis heute eine der kontroversesten.
Die gleichnamige Hauptfigur in „Emma“ ist die erste junge Frau in Jane Austens Romanen, die nicht aus finanziellen Gründen auf eine gute Heirat angewiesen ist. Sie ist eine reiche, unabhängige Erbin, die sich in die privaten Angelegenheiten ihrer Mitmenschen einmischt und erst ganz zum Schluss erkennt, dass sie sich in all ihren Mutmaßungen über die Herzensangelegenheiten anderer getäuscht hat, auch in ihren eigenen.
In „Überredung“ variiert Jane Austen die Ausgangssituation. Anne Elliot ist eine (ähnlich wie Emma gutsituierte) Endzwanzigerin, die sich vor Jahren unter dem Einfluss ihrer Familie und ihrer Freundin gegen den Mann entschied, den sie liebt. Im Verlauf der Handlung treffen sie wieder aufeinander und entdecken und offenbaren nach und nach ihre gegenseitigen, unveränderten Gefühle füreinander.
Jane Austen verdichtet die Handlung gegenüber den ersten drei Romanen. Das Geschehen wird fast ausschließlich aus dem Blickwinkel der Heldin geschildert, in „Emma“ soweit, dass der Leser Highbury, den Wohnort Emmas, nie verlässt.
Die Romane Jane Austens haben bis heute nichts von ihrem Reiz eingebüßt. Das kann als Zeichen dafür verstanden werden, dass ihre Bedeutung weit über die der „romantischen Liebesgeschichte“ hinausgeht. In der englischen, vor allem britischen Kultur ist sie ähnlich tief verwurzelt wie beispielsweise William Shakespeare. Auch in ihrer sprachlichen Virtuosität ist sie wiederholt mit ihm verglichen worden.
Sie hat öffentliches Lob von anderen Literaten erhalten (z.B. Robert Louis Stevenson, Virginia Woolf, Walter Scott und Rudyard Kipling, der sogar eine Kurzgeschichte mit dem Titel „The Janeites“ schrieb) und auch Missbilligung ( z.B. von Charlotte Bronte und Mark Twain). Schon zu ihren Lebzeiten erschienen deutsche und französische Übersetzungen einiger ihrer Werke.
Thematisch orientierte sie sich anfangs an der Tradition des zu ihrer Zeit sehr populären Sittenromans (z.B. von Fanny Burney). Austen hob dieses Genre jedoch weit über die damaligen Grenzen heraus. Ihr literarischer und sprachlicher Stil ist beinahe von Beginn an als zukunftsweisend eingestuft worden. Der erste, der dies öffentlich würdigte, war Walter Scott, der anlässlich der Veröffentlichung von „Emma“ 1816 ein vierseitiges Essay für eine Literaturzeitschrift verfasste. In der damaligen Zeit eine außerordentliche Anerkennung.
Er hob besonders die Genauigkeit der Beobachtung, die sprachliche Eleganz und die vollkommene Beherrschung der Mittel in ihren Werken hervor. Ein Niveau, das die deutsche Romankunst erst Jahrzehnte später mit Theodor Fontane und dem Eintritt des Realismus erreichte.
Jane Austen starb zu dem Zeitpunkt, als sich ihre wachsende Popularität immer deutlicher abzuzeichnen begann.
Mit dem Beginn des Viktorianischen Zeitalters geriet sie zunehmend aus der Mode. Selbst ihre Verwandten bemühten sich, ihr Bild dem Zeitgeschmack anzupassen, was sicherlich ein Grund für die bis heute äußerst gegensätzlichen Ansichten und Ansätze der Literaturkritik zu ihrem Werk ist.
In den 1990er Jahren erlebte die Popularität von Jane Austens Werk einen Höhepunkt, nicht zuletzt durch die in England und darüber hinaus sehr beliebten Fernsehadaptionen ihrer Romane und einiger aufwändiger Kinoproduktionen (eine Auswahl der Verfilmungen ist im Anschluss aufgeführt).
Zahlreiche Autoren (z.B. Joan Aiken) veröffentlichten in jüngster Zeit von Jane Austens Romanen inspirierte Werke. Am bekanntesten in dieser Reihe ist Bridget Jones - Schokolade zum Frühstück, das Ähnlichkeiten mit „Stolz und Vorurteil“ hat.
Ausgewählte Verfilmungen der Romane von Jane Austen oder Filme, die sich mit Jane Austen befassen. In Klammern die Hauptdarsteller.
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