Eyck_selbst.jpg | Arnolfini.jpg | Eyck_madonna_kirche.jpg Jan van Eyck (* um 1390 in Maaseik; † 1441 in Brügge) gilt als der berühmteste Vertreter der altniederländischen Malerei. Er leitete die neue naturalistische Kunstepoche nördlich der Alpen ein. Wegen seiner vollendeten Technik und seines Sinns für Naturalismus wurde er von vielen Autoren sogar als König unter den Malern bezeichnet.
Nach dem Tod des Herzogs 1425 fand van Eyck Anstellung bei Philipp dem Guten. Sein Ruf als Maler hatte ihn an den prächtigsten Hof Europas gebracht, denn er wurde auf Grund seiner Fähigkeiten eingestellt, »von denen der Herzog durch in seinen Diensten stehende Personen gehört hatte und die auch er in der Person des Jan van Eyck erkannte«. Er wurde an den Hof zu Lille gerufen. Sein Vertrag war auf ein Jahr begrenzt. Doch führte die Verlängerungsklausel dazu, dass van Eyck viele Jahre am Hof Philipps blieb. Sein Aufgabenbereich beschränkte sich nicht nur auf das Malen von Porträts und das Dekorieren fürstlicher Residenzen. Er war ebenso für Entwürfe höfischer Kleidung, Schmuck für Zeremonien, Festlichkeiten und Turniere zuständig. Weitere Aufgaben waren das Bemalen von Schildern, Bannern und Statuen. Neben der Malerei war van Eyck auch ein talentierter Diplomat. Philipp schickte ihn innerhalb von zehn Jahren auf mehrere Geheimmissionen. Während einer dieser Missionen nahm er am 18. Oktober 1426 in Tournai an einem Fest des heiligen Lukas teil. Man nimmt an, dass er hier die Künstler Robert Campin, Rogier van der Weyden und Jacques Daret kennenlernte. Zwei Jahre später gehörte er einer Delegation nach Portugal an, die in Philipps Namen um die Tochter König Johanns I., Isabella, anhielt. Jan van Eyck malte die Infantin damit sich sein Herr ein Bild seiner zukünftigen Braut machen konnte. Nach dieser Heirat ging es in seinem Leben wohl etwas ruhiger zu.
Er schuf den angeblich von seinem vermeintlichen Bruder Hubert van Eyck begonnenen Genter Altar (vollendet wahrscheinlich 1435). Dieses Polyptychon ist ein Meisterwerk der Feinmalerei und das größte bekannte Werk der altniederländischen Malerei. Ab dieser Zeit arbeitete er auch für private Auftraggeber. Für den Kanzler Nicolas Rolin malte er eine Anbetungsszene der Muttergottes und für die Stadt Brügge sechs vergoldete Statuen, die für die Fassade des Rathauses gedacht waren. Im Jahr 1433 heiratete er seine Frau Margarete und erwarb ein Haus im Hof- und Botschaftsviertel Brügges. Philipp erwies dem Künstler seinen Respekt als er für eines der beiden Kinder van Eycks eine Patenschaft übernahm. 1436 ging er auf seine letzte Geheimmission. Nach sechzehnjähriger Zusammenarbeit starb 1441 van Eyck in Brügge, wo er am 9. Juli in der Kirche St. Donatian beigesetzt wurde.
Dies ist die Inschrift der vermeintlichen und nicht gesicherten Grabplatte des angeblichen Bruders Hubert van Eyck (siehe dazu die entscheidende Studie von Volker Herzner, Worms 1995, a.a.O)
Zur Inschrift am Genter Altar: Diese Inschrift befindet sich auf der Rahmung des Genter Altares. Die Inschrift, der Generationen von Kunsthistorikern auf den Leim gingen, ist nicht zeitgenössisch. Sie nennt Hubert als den Schöpfer und als den größten Maler den es gab, Jan van Eyck sei nur der zweite in der Kunst und habe das Werk vollendet.
»Der Maler Hubert van Eyck, der größte, den es jemals gab, begann das Werk; Jan, der zweite nach ihm, hat es im Auftrag Jodocus Vyds vollendet und lädt dich durch diese Zeilen, die am 6. Mai geschrieben wurden, zur Betrachtung ein.«
Eine Röntgenuntersuchung im Jahre 1950 brachte es ans Licht: sie wurde nachträglich aufgebracht. Sie existierte noch nicht als Dürer den Altar fast hundert Jahre nach seiner Entstehung sah. Im April 1521 besuchte Albrecht Dürer von Antwerpen aus Gent: »Am mittwoch frühe fuhrten sie mich auf S. Johannes thurn; do über sahe ich die groß wunderbarlich statt, darin ich gleich vor groß ansehen ward. Darnach sahe ich des Johannes taffel; das ist ein über köstlich, hoch verständig gemähl, und sonderlich die Eva, Maria und Gott der vatter sind fast gut.« (Jane Cambell Hutchinson: Albrecht Dürer, Frankfurt/New York 1994, S. 204). Schon zuvor hatte Hieronymus Münzer 1496, als erste gesicherte schriftliche Quelle nichts von Hubert berichtet. Diesen Hubert oder "Hubrecht den Schildere" hat es zwar in Gent gegeben, es liegt aber kein einziges, gesichertes Werk von ihm vor. Er starb völlig verarmt und wurde auf dem Kirchhof in Gent beigesetzt.
Volker Herzner konnte 1995 in seiner Studie zum Genter Altar nachweisen, dass Jan van Eyck der alleinige Schöpfer des Altares ist, was sich auch durch Röntgenreflektogramme der Unterzeichnung durch van Asperen de Boer 1979 bestätigte. Man muss auch die Frage der Datierung neu bewerten und die Vollendung später ansetzen.
Mit den Werken von Jan van Eyck, Robert Campin und Rogier van der Weyden beginnt eine neue Ära der Malerei, die sich durch liebevoll-realistische Detailschilderungen auszeichnet. Da es sich in vielen Fällen um Bilder religiösen Inhalts handelt, in denen Heilige dargestellt werden, bringt die realistische Darstellung "das Heilige ins Haus" und ermöglicht dem Betrachter eine neue Unmittelbarkeit im Zugang.
Auch maltechnisch begann mit van Eyck eine neue Ära. Er verwendete neben den traditionellen Tempera- und wässrigen Leimfarbensystemen auch häufig Ölfarben. Vasari sah deshalb in van Eyck fälschlicherweise die Erfinder der Ölmalerei, richtig ist jedoch, dass Ölfarbsysteme schon früher bekannt waren (Straßburger Manuskript). Jan van Eyck war vermutlich jedoch der erste Maler, der sikkativierte und gebleichte Öle verwendete.
Flämischer Maler | Mann | Geboren 1390 | Gestorben 1441
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