Als Jakobsweg (span. Camino de Santiago) wird der Pilgerweg zum Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela in Spanien bezeichnet. Darunter wird in erster Linie der sog. camino frances verstanden, jene hochmittelalterliche Hauptverkehrsachse Nordspaniens, die von den Pyrenäen zum Jakobsgrab reicht und dabei die Königsstädte Jaca, Pamplona, Estella, Burgos und León miteinander verbindet. Die Entstehung dieser Route fällt in ihrem auch heute begangenen Verlauf in die erste Hälfte des 11. Jahrhunderts. Ein Pilgerführer des 12. Jahrhunderts, der im Liber Sancti Jacobi, der Hauptquelle zur Jakobusverehrung im Hochmittelalter, enthalten ist, nennt für den französischen Raum vier weitere Wege, die sich im Umfeld der Pyrenäen zu einem Strang vereinigen. Nach der Wiederbelebung der Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela in den 1970iger und 1980iger Jahren wurde der spanische Hauptweg 1993 in das UNESCO-Welterbe aufgenommen. 1998 erhielten auch die vier im Liber Sancti Jacobi beschriebenen französischen Wege diesen Titel. Zuvor schon hatte der Europarat im Jahre 1987 die Wege der Jakobspilger in ganz Europa zur europäischen Kulturroute erhoben und ihre Identifizierung empfohlen. Basílica de Santiago 02.JPG, Ziel des Jakobsweges]]
Die erste Erwähnung des Jakobsweges stammt aus dem Jahre 1047, als in einer Urkunde des Hospitals von Arconada (Provinz Palencia die nordspanische Hauptverkehrsachse bezeichnet wird als "Weg, der seit alten Zeiten von Pilgern des hl. Jakobus und Peter und Paul begangen" werde. Es ist die erste urkundliche Erwähnung dieser Straße überhaupt, und sie bringt den Weg von vorneherein mit dem Grab des hl. Jakobus in Galicien in Verbindung. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird der Begriff Jakobsweg auch für andere historisch nachgewiesene Routen von Jakobspilgern in Europa verwendet. Demgegenüber hat sich jedoch eine internationale, 1985 vom Europarat eingesetzte und heute bei der Regierung der autonomen Region Galicien angesiedelte Expertenkomission auf eine Nomenklatur verständigt, nach der lediglich die nordspanische Hauptverkehrsachse die Bezeichnung Camino de Santiago (Jakobsweg) tragen soll. Alle anderen Routen werden korrekt als Wege der Jakobspilger bezeichnet. Mit dieser Nomenklatur soll zum Ausdruck gebracht werden, dass für den Camino frances die Benutzung durch Jakobspilger als eine tragende Hauptfunktion angenommen werden kann, während es sich bei den anderen Wegen um Altstraßen gehandelt hat, die unter anderem, aber nicht in erster Linie dem Pilgern dienten.
Der Name bezieht sich auf den Apostel Jakobus den Älteren. Dieser war zusammen mit seinem Bruder Johannes einer der zwölf Apostel Jesu Christi. Die sich in zahlreichen Entwicklungsschritten zwischen dem 7. und dem 13. Jahrhundert ausgebildete Legende besagt, dass nach Jakobs Hinrichtung durch König Herodes Agrippa I. im Jahr 44 in Jerusalem zwei seiner Freunde seinen Leichnam stahlen, ihn nach Jaffa schafften und dort auf ein Schiff verluden, dessen Besatzung aus unsichtbaren Engeln bestand. Dieses Schiff war dann sieben Tage unterwegs und strandete an der Küste Galiciens bei Iria Flavia. Dort wurde der Leichnam auf einen Ochsenkarren verladen; an dem Ort, an dem sich die Ochsen niederließen, soll er begraben worden sein. Als um 825 ein Grab gefunden wurde, entstand an dieser Stelle eine Grabkirche, um die sich eine Ansiedlung mit Markt bildete: Santiago de Compostela. Die Pilgerfahrten zum Jakobusgrab wurden besonders von der spanischen Reconquista gefördert.
Auf die Frage, wo der Jakobsweg beginne, erhält man in Spanien die Antwort: „El camino lleva a su casa“ (Der Weg beginnt an Ihrer Haustür). So handelt es sich bei dem Jakobsweg primär um eine Idee; im Mittelalter löste diese eine Volksbewegung, einen Aufbruch aus. Überall unterwegs entstanden zahlreiche Einrichtungen für die Betreuung und Begleitung der Pilger: Klöster, Stifte, Herbergen, Hospitäler, Gasthäuser und Kirchen. Für die Orte entlang der Routen bedeutete der Pilgerstrom auch wirtschaftlichen Segen.
Das Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela entwickelte sich im Mittelalter neben Rom und Jerusalem zum dritten Hauptziel der christlichen Pilgerfahrt. Das Domkapitel der Kathedrale von Santiago de Compostela hat es im Laufe des 12. Jahrhunderts verstanden, noch vor Rom und anderen Pilgerzentren die erlösungstheologischen Lehren der Frühscholastik in seine Pastoral zu integrieren. Den Menschen wurde in einer einfachen Botschaft, die alle verstanden, ein versöhnender Christus vermittelt, dessen Wirken durch die Fürsprache des heiligen Jakobus den Menschen zuteil werde. Später wurde dieses pastorale Konzept durch die Einführung von Ablässen und Heiligen Jahren nach dem Vorbild Roms untermauert.
Spain Leon - Santiago Shell.jpg An allen Pilgerzielen im Mittelalter konnte man Pilgerabzeichen erwerben. Sie sollten den Pilger auf dem Heimweg und auch noch in der Heimat schützen. Das Pilgerabzeichen der Santiagopilger war (und ist) die Jakobsmuschel, die ursprünglich auch als Nachweis diente, dass der Pilger die Reise tatsächlich absolviert hatte; seit dem 13. Jahrhundert wurde dies durch ein Beglaubigungsschreiben beurkundet, die heutige La Compostela. Daneben hatte die Jakobsmuschel aber auch den praktischen Wert, dass der Pilger sie zum Wasserschöpfen verwenden konnte. Darüber hinaus galt die Muschel in der bildenden Kunst und Literatur des Mittelalters als äußeres Kennzeichen für Pilger generell. So beschreibt z.B. Gottfried von Straßburg in seinem Tristan um 1200 zwei Pilger (wallaere), an deren Gewänder mermuschelen genäht sind (Vv.2633f). Etwa hundert Jahre später finden wir sie am Hut des Minnesängers Johannes Hadlaub in der Manessischen Liederhandschrift wieder.
Bruderschaften, die sich häufig unter das Patrozinium des Apostels Jakobus stellten kümmerten sich, um das seelische und leibliche Wohl der Pilger. Ihre Angehörigen gründeten Hospitäler und tätigten Stiftungen zur Versorgung von Pilgern. Der Pilger, der sich durch bestimmte äußere Kennzeichen - Wanderstab, Hut und relativ reglementierte Bekleidung - und auch durch sein frommes Verhalten zu erkennen gab, galt als hochachtungs- und schützenswert. Ihm zu helfen, ihm das Obdach für eine Nacht zu bieten, auch Speis und Trank, galt als allgemeine Christenpflicht. Zahlreiche Hospitalbauten in ganz Europa zeugen von der Kraft dieser frommen Massenbewegung.
Im Zuge der Wiederbelebung der Santiagopilgerfahrt seit dem ausgehenden 20. Jahrhundert wurden zahlreiche Jakobusgesellschaften und Jakobusbruderschaften neu oder wieder begründet, unter anderem die Deutsche St. Jakobus-Gesellschaft e.V. oder die St. Jakobusbruderschaft Trier. Ihre Aufgaben sind die Beratung von Pilgern, die Sorge um eine Infrastruktur der Wege (Herbergen, Ausschilderung), die wissenschaftliche Aufarbeitung der Pilgertraditionen und die europäische Zusammenarbeit.
Nach dem arabischen Einfall im 8. Jahrhundert wurde die Überlieferung, dass der Apostel Jakobus d. Ä. auf der iberischen Halbinsel missioniert habe, in Spanien aufgegriffen. Die christlichen Nachfolgereiche des untergegangenen Westgotenreiches bedurften einer Identifikationsgestalt. Dabei galt Jakobus als Schutzheiliger vor allem als Legitimation für die asturische Königsdynastie. Die Auffindung des Apostelgrabes im äußersten Nordwesten Spaniens spätestens um 840 unter König Alfonso II. von Asturien und die Legendenbildung über die Translation des heiligen Leichnams von der Hinrichtungsstätte in Jerusalem an das Ende der damals bekannten Welt waren die nächsten und konsequent erscheinenden Schritte. Zunächst blieb der Einzugsbereich der Verehrung auf Kantabrien beschränkt. Seit etwa 930, nachdem Nordspanien geschlossen dem christlichen Herrschaftsgebiet eingegliedert wurde, sind vereinzelt Pilger aus Aquitanien und dem Bodenseegebiet nachgewiesen.
Nach einem Niedergang der Pilgerfahrt in der frühen Neuzeit, verursacht durch einen Verfall der Pilgeridee, die Reformation und nationale Kriege zwischen Frankreich und Spanien, ist seit der Mitte des 17. Jahrhunderts ein erneuter Aufschwung erkennbar. Deutlich sichtbar ist dies an einem umfassenden Bauprogramm für die Kathedrale, welches 1657 durch den Domherrn José de Vega y Verdugo initiiert wurde und 1769 mit der Vollendung einer neuen Nordfassade seinen Abschluss fand. Nach den napoleonischen Kriegen löste eine durchgreifende Säkularisierungswelle die karitative Infrastruktur des nordspanischen Jakobsweges beinahe vollständig auf. Ein deutlicher Rückgang der Pilgerzahlen war die Folge, wenngleich der Pilgerverkehr auf dem Jakobsweg nie ganz zum Erliegen kam. Die Wiederentdeckung der seit dem 16. Jahrhundert verschollenen Gebeine im Jahre 1879 brachte die Wende, vor allem, nachdem Papst Leo XIII. 1884 die Echtheit der wieder aufgefundenen Reliquien bestätigt hatte.
1937 erklärte General Franco das Fest des heiligen Jakobus zum spanischen Nationalfeiertag, eine politische Instrumentalisierung in einem nationalistischen Sinn, die durch das international einsetzende Interesse an der Pilgerfahrt nach 1945 überwunden werden konnte. 1950 entstand in Paris die erste auf wissenschaftlicher Grundlage arbeitende Jakobusgesellschaft.
Der Aufschwung nahm in den zurückliegenden Jahrzehnten folgenden Verlauf:
| Jahr | Pilger | Jahr | Pilger | Jahr | Pilger | Jahr | Pilger |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1970 | 68 | 1980 | 209 | 1990 | 4.918 | 2000 | 55.0043) |
| 1971 | 4511) | 1981 | 299 | 1991 | 7.274 | 2001 | 61.418 |
| 1972 | 67 | 1982 | 1.8681) | 1992 | 9.764 | 2002 | 68.952 |
| 1973 | 37 | 1983 | 146 | 1993 | 99.4361) | 2003 | 74.614 |
| 1974 | 108 | 1984 | 423 | 1994 | 15.863 | 2004 | 179.9441) |
| 1975 | 74 | 1985 | 690 | 1995 | 19.821 | 2005 | 93.924 |
| 1976 | 2431) | 1986 | 1.801 | 1996 | 23.218 | ||
| 1977 | 31 | 1987 | 2.905 | 1997 | 25.179 | ||
| 1978 | 13 | 1988 | 3.501 | 1998 | 30.126 | ||
| 1979 | 231 | 1989 | 5.7602) | 1999 | 154.6131) |
In Spanien und Frankreich wird die Urkunde "Compostela" zunehmend in Bewerbungsunterlagen verwendet. Die Bewerber zeigen damit, dass sie über eine Fachkompetenz hinaus auch in sozialem und spirituellem Verhalten eingeübt sind.
Berühmte Pilger der Neuzeit sind die Schriftsteller Cees Nooteboom, David Lodge, Henrik Stangerup und Paulo Coelho, der Pädagoge Hans Aebli, die Schauspielerinnen Shirley MacLaine und Verona Pooth, der Entertainer Hape Kerkeling, die Malerin Diane d'Orléans und die us-amerikanische Präsidententochter Jenna Bush.
Der Weg ist auch als spanischer Fernwanderweg GR-65 markiert.
Bis zur arabischen Invasion war die Vía de la Plata Hauptverbindungsroute zwischen dem Süden und dem Norden der iberischen Halbinsel. Es ist unsicher, ob die Straße nach der Rückeroberung Sevillas während der Reconquista als Pilgerstraße genutzt worden ist. In den letzten Jahren wurde sie jedenfalls zwischen Sevilla und Astorga als Jakobsweg ausgewiesen und zunehmend von Pilgern benutzt. Die Vía de la Plata ist auch unter der Bezeichnung GR-100 (einer von ca. 120 spanischen Fernwanderwegen) bekannt. Als Jakobsweg ist aber vor allem die Abzweigung in Granja de Moreruela, etwa 40 km nördlich von Zamora, begangen. Dieser Weg, auch Camino Mozarabe genannt, führt durch Galizien über Ourense nach Santiago. In den letzten zehn Jahren wird die Via de la Plata - Camino Mozarabe mehr und mehr als Weg nach Santiago de Compostela genutzt.
Der Ursprung dieses Pilgerweges über die asturianisch-galicischen Küste nach Santiago de Compostela geht auf die Entdeckung des Apostelgrabes um 820 zurück. Die Wege des früheren Königreiches Asturien waren mit die ersten, über die Pilger nach Santiago pilgerten. Bevor die Monarchen im 11. und 12. Jahrhundert den Französischen Weg als Hauptweg förderten, um die christlichen Königreiche des Nordens zu verbinden, erfreute sich die Küstenstrecke einer ähnlichen Beliebtheit wie die anderen "ursprünglichen" Pilgerwege.
Der nördliche Weg beginnt in Ribadeo, gleich nach der Überquerung der Brücke über den Eo und man verlässt den Camino de la Costa (Küstenweg). Der Camino del Norte verläuft weiter durch die Orte Vilanova de Lourenzá, Mondonedo, Vilalba, Baamonde und Sobrado dos Monxes, Arzúa, Santa Irene und Pedrouzo zum Monte do Gozo.
Der Caminho Portugues nimmt seinen Ausgang in Porto und führt in nördlicher Richtung nach Galicien, die Flüsse Rio Lima und Rio Minho dabei überquerend. Der Minho ist der Grenzfluss zwischen den beiden sich gegenüber liegenden Städten Valença (Portugal) und Tui (Spanien). Als letztes muss der Fluss Rio Ulla bei Padron überschritten werden. Die gesamte Distanz des Weges beträgt 232 Kilometer, davon entfallen auf das portugiesische Teilstück 117, auf die Grenzüberschreitung drei und auf die galicische Strecke 112 Kilometer.
Der Pilgerführer im 5. Buch des Codex Calixtinus (12. Jahrhundert) nennt vier Jakobswege, die in Paris, Vézelay, Le Puy und Arles ihren Ausgang nehmen, um in den Pyrenäen zusammen zu kommen. An ihrer Wegeführung lagen zahlreiche Gräber von Heiligen, so St. Martin in Tours, St. Hilarius in Poitiers und St. Eutropius in Saintes an der Via Turonensis, St. Leonhard in Saint-Leonhard-de-Noblat und St. Front in Périgueux an der Via Lemovicensis, die hl. Fides in Conques an der Via Podensis oder St. Saturninus in Toulouse an der Via Tolosana. Diese Streckenführungen hatten über Jahrhunderte Gültigkeit. Darüber hinaus entwickelte sich ein dichtes Netz weiterer Wege. Eine Pilgerlandkarte des Graphikers Daniel Derveaux aus dem Jahr 1975 hält die französischen Wege nach den Forschungen des langjährigen Präsidenten der französischen Jakobus-Gesellschaft, Marquis Renè de la Coste-Messelière, fest.
Auf diesen Grundlagen werden seit einigen Jahren die französischen Jakobswege als Fernwanderwege - "Sentiers de Grand Randonnée" (GR) - wiederbelebt. Der GR 65 führt von Genf über Le Puy nach Saint-Jean-Pied-de-Port und entspricht im ersten Teil bis Le Puy der "Via Gebennensis", ab Le Puy der "Via Podiensis". Von Namur führt der GR 654/6542 ("Via Lemovicensis") über Reims, Vézelay und Limoges nach Montréal-du-Gers, wo er auf die Via Podiensis stößt. Der neu eingerichtete GR 655 verläuft von Tours entlang der Via Turonensis über Poitiers und Saintes nach Mirambeau.
Im Elsass führt ein Jakobsweg von Wissembourg über Straßburg und Thann nach Belfort. Er ist beschrieben auf den Seiten der Amis de Saint Jaques en Alsace. In Franche-Comté führt der Weg weiter nach Gy, wo er wahlweise in Richtung Vézelay oder über Dôle und Cluny in Richting Le Puy weitergeht. Der Weg in Franche-Comté ist beschrieben auf den Seiten der Association franc-comtoise du chemin de Compostelle.
Die Routen der Jakobspilger in Belgien verliefen entweder von dem niederdeutschen Sammelpunkt Aachen oder von den großen flämischen Handelsstädten Brügge, Gent und Antwerpen in südlicher Richtung nach Nordfrankreich und Paris, wo sie in der Via Turonensis mündeten. Hermann Künig von Vach beschrieb den Weg von Aachen nach Paris im ausgehenden 15. Jahrhundert und bezeichnete ihn als Niederstraße. Heute existieren auf dieser Grundlage zwei ausgeschilderte Wege in Belgien, die in "Topo-Guides du Sentier" beschrieben sind:
In den Niederlanden besteht ein Weg entlang der Maas, der 2004 als gemeinsames niederländisch-deutsches Projekt eröffnet wurde. Er führt von Millingen am Rhein über Goch, Kevelaer, Venlo, Roermond, Maaseik und Maastricht nach Lüttich, wo er an die "Via Mosana" anschließt. Grundlage für die Wegeführung war die historische Handelsstraße am östlichen Ufer der Maas.
In Großbritannien kümmert sich die Confraternity of St. James (London) um die Erforschung der Pilgerwege nach Santiago de Compostela. Als erstes rekonstruierte sie den Pilgerweg von Droitwich nach Bristol, dem Seehafen an der Südküste von Wales.
Der wichtigste Hafen, an dem sich die Pilger nach La Rochelle, Bordeaux oder La Coruna eingeschifft haben, war Southampton an der englischen Südküste. Ein vielgegangener, heute wieder ausgeschilderter Pilgerweg führt von London aus dorthin.
Ein weiterer, längerer Pilgerweg wurde von London über Canterbury nach Dover, wo man nach Calais übersetzen kann, ausgeschildert. Diese Route ist bereits im 14. Jahrhundert von Geoffrey Chaucer in seinen Canterbury Tales beschrieben worden.
Der wichtigste Jakobsweg in Italien ist die Via Francigena, die sowohl von Pilgern nach Rom wie nach Santiago de Compostela benutzt worden ist. Erstmals erwähnt wurde diese Straße von Sigerico, Erzbischof von Canterbury, der im Jahre 990 in 79 Tagen von Canterbury nach Rom reiste. Die Straße ist nach den Franken, d.h. Franzosen benannt, die auf dieser Route nach Rom unterwegs waren. In nördlicher Richtung nimmt sie von Rom aus folgenden Verlauf: Rom, Viterbo, Siena, San Gimignano, Lucca, Pontremoli, Parma, Piacenza, Pavia, Vercelli, Aostatal, Großer Sankt Bernhard. Santiagopilger bogen in Richtung Genua ab, um in Arles auf die "Via Tolosana" zu stoßen.
Neben Pilgern und Kaufleuten wurde die Straße auch von den römisch-deutschen Königen benutzt, die zur Kaiserkrönung nach Rom ritten. Die Via Francigena war daher einer der wichtigsten Kommunikationswege des mittelalterlichen Europas.
1994 wurde die Via Francigena nach dem Vorbild des Camino de Santiago feierlich vom Europarat zur "Kulturstraße Europas" ernannt. Rechtzeitig zum Heiligen Jahr 2000 in Rom wurde die Route ausgeschildert.
In Franken und Schwaben wurde ein historisch belegter Weg der Jakobspilger von Nürnberg über Ulm und Bad Waldsee nach Konstanz gekennzeichnet und der Anschluss an den schweizerischen Schwabenweg Konstanz–Einsiedeln geschaffen. Er wird von der Deutschen St. Jakobus-Gesellschaft e.V. gepflegt. Für diesen Weg liegen vier Pilgerführer vor.
In Vorbereitung bzw. Planung befindet sich derzeit die Verbindung von Mitteldeutschland (s.u.) nach Nürnberg auf zwei Routen: Entlang der "Nürnberger Geleitstraße" über Coburg, Lichtenfels, Bamberg und Forchheim nach Nürnberg bzw. entlang der via imperii über Hof, Bayreuth, Pegnitz und Gräfenberg nach Nürnberg.
Der fränkische Albverein pflegt die Beschilderung zu einem fast 200 km langen Wanderweg von Ensdorf (Lkr. Amberg-Sulzbach) über Nürnberg und Ansbach nach Rothenburg ob der Tauber. Vor Ensdorf führt der Weg durch die Oberpfalz vom Grenzübergang Tillyschanz bei Eslarn an der tschechischen Grenze über Schwandorf nach Ensdorf. - In Rothenburg o.d.T. mündet der Weg in den Fränkischen Weg, der von Fulda über den Kreuzberg nach Würzburg und von dort über Ochsenfurt und Uffenheim nach Rothenburg geht.
Von Rothenburg o.d.T. geht seit 2004 ein Weg in südwestlicher Richtung weiter über Winnenden, Kloster Denkendorf, Kloster Bebenhausen bis Rottenburg am Neckar, wo sich der Kinzigtäler Weg über den Schwarzwald anschließt. Für den Jakobsweg von Rothenburg bis Rottenburg gibt es einen Wegführer, siehe Literatur.
Der Kinzigtäler Jakobusweg, im Jahre 1993 vom "Arbeitskreis der Jakobusfreunde" angelegt, führt über Loßburg, Alpirsbach, Wolfach, Zell a.H., Gengenbach, Offenburg nach Schutterwald. Der bekannteste Verehrungsort des Apostels im Schwarzwald ist die St. Jakobkapelle bei Wolfach.
Im Jahre 1994 wurde der Jakobusweg Horb, Leinstetten, Loßburg initiiert. Zwischenzeitlich wurde der Jakobusweg Rottenburg a. N.–Horb a. N.–Mühringen und Horb a. N.–Salzstetten–Pfalzgrafenweiler sowie Pfalzgrafenweiler–Loßburg ausgeschildert. Pilgerherbergen finden Sie in Taberwasen bei Horb-Nordstetten und im Pfarrhaus Leinstetten. Ein Jakobuszimmer ist in Horb-Ihlingen zu besichtigen.
Seit 2004 besteht die 1510 erstmals gegründet Jakobusbruderschaft Killer wieder, die den Hohenzollerischen Jakobsweg, der von Rottenburg am Neckar über Hirrlingen, Rangendingen und Hechingen an Killer vorbei nach Burladingen, Sigmaringen, Meßkirch und Wald führt, auszeichnete. Der Weg von Pfullendorf über Überlingen und Konstanz zum Schwabenweg in die Schweiz wurde schon 1998 ausgezeichnet.
Ein noch nicht vollständig markierter Jakobsweg verläuft längs der Route eines römischen Heerwegs, bzw. der Schweizer Landstrasse über Hechingen, Balingen, Rottweil, Villingen nach Schaffhausen und eine Variante über Waldshut nach Basel. Von dort geht er durch das Sundgau auf den französischen Jakobsweg über Belfort. Gekennzeichnet ist er zwischen Hechingen und Balingen, sowie zwischen Villingen und Waldshut.
Neue Wege entstanden auch in Bayern. Von München aus führt seit 2003 ein Weg nach Bregenz und Lindau. Der Münchner Jakobsweg beginnt beim Jakobskloster der Armen Schulschwestern am Jakobsplatz, führt über den Marienplatz zur Isar. Isaraufwärts erreicht er als erstes Tagesziel das Kloster Schäftlarn. Von hier folgt er einem sehr alten Klosterweg, über Andechs, Dießen, Wessobrunn, Rottenbuch, der Wies nach Steingaden. Bei Lechbruck wechselt er nach Bayerisch Schwaben und über Teile des alten Römerweges nach Kempten, Weitnau und über die alte Salzstraße nach Weiler-Simmerberg. Hier führt der eine Weg nach Lindau und der andere Weg über den Pfänder nach Bregenz. Bei Wiggensbach-Ermengerst mündet der Bayerisch-Schwäbische-Jakobsweg, welcher aus Augsburg kommt, in den Münchner Jakobsweg ein. Dieser Weg wurde jetzt von einem seiner Initiatoren beschrieben. Nähere Informationen siehe unten. Seit 2005 ist der Südostbayerische Jakokobsweg, beginnend in Krumau in Tschechien, von Passau nach Kufstein und von Salzburg zum Hohenpeißenberg hin ausgeschildert; in Breitenbach hinter Kustein schließt er an den Jakobsweg Tirol an, und am Hohenpeißenberg schießt er den Münchner Jakobsweg an.
Fischach_Wollmetshofen_Kirche_St_Jakob_Jakobus_liegend.jpg Die Jakobuspilgergemeinschaft-Augsburg e.V. pflegt die Beschilderung des bayerisch-schwäbischen Jakobswegs von Oettingen über Augsburg nach Lindau mit den Varianten Augsburg-Oberschönenfeld-Babenhausen-Memmingen und Augsburg-Türkheim-Bad Wörishofen-Ottobeuren. Beide Varianten treffen sich in Bad Grönenbach und führen über Buchenberg-Weiler-Lindenberg nach Lindau (Nonnenhorn St. Jakobus).
In Westfalen ist der historische Jakobsweg in vielen Städten und Orten belegt. Auf dem Weg über Paderborn, Soest mit dem historischen Pilgrim-Haus über Werl mit dem Heiligen Kreuz in der Propsteikirche St. Walburga führt der Weg weiter durch das Kurkölnische Sauerland, um dem Weg durch das Rheinland zu folgen.
Durch Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen führt ein Jakobsweg im Zuge der Via Regia von Görlitz über Bautzen, Kamenz, Großenhain, Wurzen, Leipzig, Merseburg, Naumburg, Erfurt, Gotha, Eisenach und Vacha nach Fulda. Er hat eine Länge von 500 km. Am 6. Juli 2003 wurde das erste Teilstück bis Erfurt in Königsbrück eröffnet. Die Eröffnung des zweiten Abschnitts folgte am 11. Oktober 2003 in Vacha.
Als Verbindung nach Franken führt die Frankenstraße von Bautzen über Bischofswerda, Dresden, Kesselsdorf, Grumbach, Mohorn, Freiberg und Chemnitz nach Zwickau, um sich dort mit der von Leipzig kommenden Via Imperii für den weiteren Weg über Plauen, Hof und Bayreuth nach Nürnberg zu vereinigen. Wobei die Frankenstraße (zumindest für die Strecke Dresden - Freiberg) im Vergleich zur Via Regia nur eine absolut untergeordnete Bedeutung besaß.
In Planung befindet sich ein Weg entlang der Via Imperii (Reichsstraße) von Leipzig über Rötha, Borna, Altenburg, Gößnitz, Zwickau, Reichenbach und Plauen nach Hof. (Von dort auf oberfänkischem Gebiet weiter über Bayreuth nach Nürnberg zum Anschluss an den Fränkischen Jakobsweg, siehe oben unter Süddeutschland.)
Durch Tirol führen vor allem drei wichtige Jakobswege. Von Norden vom süddeutschen Raum kommend von Rosenheim über Kufstein, durch das Inntal weiter nach Westen durch Innsbruck und über den Arlberg durch Vorarlberg mit Bludenz und Feldkirch weiter nach Liechtenstein und in das Berner Oberland.
Der Weg von Südosten führt durch das Kärntner Drautal nach Lienz in Osttirol und weiter durch das Pustertal nach Innichen, Bruneck und Brixen in das Eisacktal, wo er in den von Süden kommenden Jakobsweg führt.
Von Süden führt der Weg von der Salurner Klause nach Bozen und weiter über Brixen und Sterzing in das Wipptal. Vom Brennerpass führt der Weg nach Innsbruck.
Eine wichtige Station auf dem Jakobsweg ist der Dom zu St. Jakob in Innsbruck.
Der jüngste Jakobsweg in Österreich (seit 2005) führt von Stift Göttweig durch die Wachau zum Stift Melk.
Aus dem Süden des Königreichs Polen zogen die Pilger durch Böhmen und nahmen den Weg über Prag. Hingegen wurde aus den nördlichen Landesteilen der Seeweg ab den Küstenstädten an der Ostsee bevorzugt.
Aus Schlesien gelangte man auf der Via Regia nach Westen. In Jakubów (früher Jakobskirch), einem ehemals bedeutenden Wallfahrtszentrum in der Nähe von Glogau mit der über 1.000 Jahre alten Sankt-Jakobus-Apostel-Kirche, dem zweitältesten Sakralbau Schlesiens, beginnt ein Pilgerweg, der über 140 Kilometer über Bunzlau nach Zgorzelec an der Neiße führt. Dort knüpft er an den Ökumenischen Pilgerweg an, der im weiteren Verlauf der Via Regia in Richtung Hessen verläuft. Mit dem Projekt „Von Jakob zu Jakob“ wurde in Jakubow der bisher östlichste Ausgangspunkt Europas für eine ausgeschilderte Pilgerroute nach Santiago de Compostela geschaffen. Das Wegzeichen ist eine weiße Muschel mit rotem Jakobskreuz. Auch Herbergen am Wegrand beleben den Gedanken der mittelalterlichen Pilgerfahrt neu. In Jakubów entspringt auch die Heilige Jakobusquelle. In Jędrzychowice gibt es Funde mittelalterlicher Spuren von Jakobspilgern.
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