| Jakobsmuschel | ||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| : | Schalenweichtiere (Conchifera) |
| : | Muscheln (Bivalvia) |
| : | Ostreoida |
| : | Kammmuscheln (Pectinidae) |
| : | Pecten |
| : | Jakobsmuschel |
Die Jakobsmuschel (Pecten jacobaeus) oder Pilgermuschel ist eine 5 bis 15 cm große Kammmuschel, die an den Küsten von Atlantik und Mittelmeer lebt. Am Mantelrand haben Jakobsmuscheln Tentakel, zwischen denen sich insgesamt 60 blaue, millimetergroße Linsenaugen befinden. Durch plötzliches Schließen ihrer Schalen können sie bei Gefahr meterweit davonschwimmen.
Die Schalenaußenseiten sind rau, da sie mit konzentrischen und sehr feinen Schüppchenreihen besetzt sind. Die Hauptrippen der rechten Klappe tragen auf der Außenseite jeweils noch 4 feinere Rippen. Die Innenseiten der Schalen sind porzellanartig glatt.
Frische Muscheln sollten schwer und geschlossen sein. Zum Öffnen legt man sie einige Minuten auf eine heiße Herdplatte und klappt dann die flachere Schale hoch. Alle schwarzen Innereien und der Bart werden entfernt. Verwendet werden nur der zylinderförmige, weiße Muskelstrang zwischen den Klappen und der orangerote Rogen (Corail). Er gilt als besondere Delikatesse. Das Fleisch hat einen nussigen, etwas süßlichen Geschmack.
Jakobsmuscheln lassen sich auf viele Arten zubereiten, klassisch als überbackenes Ragout in der eigenen Schale. Roh werden sie nur in der japanischen Sushi-Küche verzehrt, beispielsweise über einem Nigiri (handgeformtes Reisklötzchen) unter der Bezeichnung hotategai.
Ursprünglich war die Schalenklappe der Art Pecten maximus das Erkennungszeichen der Jakobspilger. Der Name der Jakobsmuschel entstand aufgrund einer Legende: Ein junger Adliger ritt einst dem Schiff entgegen, mit dem der Leichnam des Apostels Jakobus nach Spanien gebracht wurde. Unglücklicherweise versank er dabei im Meer; jedoch rettete Jakobus auf wundersame Weise sein Leben und half dem Ritter, das Ufer zu erreichen. Dadurch war sein Körper über und über von Muscheln bedeckt, und aus diesem Grund wird die Muschel seitdem als Schutzzeichen getragen.
Seit dem Mittelalter dienen daher die unteren, stärker gewölbten Klappen der Muscheln den Jakobspilgern, die das Grab des heiligen Jakobus in Santiago de Compostela besuchen, als Erkennungszeichen. Ursprünglich galt die Muschel auch als Nachweis der Pilgerschaft. Die Muscheln wurden am Wallfahrtsort verkauft und von den Pilgern an der Kleidung, meist am Hut, befestigt; der Verkauf der Abzeichen war eine wichtige Einnahmequelle des Wallfahrtsorts. Eine Erweiterung des Wallfahrtsweges für manche Pilger ist der 60 km weite Weg nach Kap Finisterre - ans "Ende der Welt" -, wo sie selbst diese Muscheln im Meer sammeln.
Seit dem 13. Jahrhundert wurde die Pilgerschaft nicht mehr mit der Muschel, sondern mit einer Urkunde (heute: La Compostela) beglaubigt; noch heute aber ist die Jakobsmuschel das Erkennungszeichen der Pilger, das sichtbar am Rucksack getragen wird. Sie dient auch als Kennzeichnung der Jakobswege und findet sich dann oft auf Straßenschildern, Randsteinen und Wegekreuzen. Auf den verzweigten Zuwegen in Frankreich und Deutschland wird sie zunehmend zum Wahrzeichen des Pilgerweges.
In europäischen Gräbern aus dem 11. bis 14. Jahrhundert sind wiederholt Jakobsmuscheln gefunden worden.
Benedikt XVI. wählte für sein Papstwappen unter anderem die Jakobsmuschel, die auch schon in seinem Wappen als Erzbischof von München und Freising enthalten war. Im Bildteil seiner Autobiographie werden hierfür drei Deutungen angeboten:
Mit der Aufnahme der Jakobsmuschel in das Papstwappen kommt nun noch ein viertes Motiv hinzu, nämlich die Hervorhebung einer Kontinuität mit Johannes Paul II., der sich selber in seinem Amt als Pilger verstanden hat.
Muscheln | Speisefisch und Meeresfrucht | christliches Symbol
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