Jakob Friedrich Fries (* 23. August 1773 in Barby, † 10. August 1843 in Jena) war ein deutscher Philosoph, Physiker und Mathematiker.
Wenn Fries sich auch von der pietistischen Prägung seines einstigen Glaubens löste, blieben doch strukturell religiöse Elemente für die Entwicklung seines philosophischen Systems bestimmend. Seine philosophische Position hinsichtlich seiner Zeitgenossen machte er in der kritischen Arbeit über Reinhold, Fichte und Schelling (1803; neugedruckt 1824 als Polemische Schriften) sowie in den Abhandlungen System der Philosophie als evidente Wissenschaft (1804) und Wissen, Glaube und Ahnung (1805, Neuaufl. 1905) deutlich.
Seine wichtigste Abhandlung, die Neue oder anthropologische Kritik der Vernunft von 1807 (2. Aufl. 1828-1831), war ein Versuch, der kritischen Theorie von Immanuel Kant in der Selbstreflexion und dem "Selbstvertrauen der Vernunft" eine neue Grundlage zu geben; sie hat Fries den Vorwurf des Psychologismus eingetragen, wie mehrfach nachzuweisen versucht wurde allerdings zu Unrecht. 1811 erschien sein System der Logik und 1814 Julius und Evagoras, ein philosophischer Roman. Nach seiner Berufung nach Jena auf den Lehrstuhl der theoretischen Philosophie (einschließlich Mathematik und Physik und neuerer Philosophie) unternahm er einen Kreuzzug gegen den vorherrschenden Romantizismus.
Politisch war Fries ein erklärter Liberaler und Unionist, der auf vielfältige Weise die Burschenschaften unterstützte. Seine Ansichten legte er in der Schrift Von deutschem Bund und deutscher Staatsverfassung (1816) dar, die er "der Jugend von Deutschland" widmete; 1817 trat er auf dem Wartburgfest als Redner auf. 1819 beendeten die durch die Repräsentanten der deutschen Regierungen verabschiedeten Karlsbader Beschlüsse sein weiteres Wirken. Karl Ludwig Sand, der Mörder Kotzebues, zählte zu Fries' Schülern; ein Brief von ihm, der bei einem anderen Studenten gefunden wurde und in dem Sand vor der Teilnahme an Geheimgesellschaften gewarnt wurde, wurde durch die argwöhnischen Behörden als Schuldbeweis angesehen. Fries wurde vom Mainzer Gericht verurteilt, so dass ihm der Großherzog von Weimar seine Lehrbefugnis entziehen musste; er zahlte ihm jedoch sein Gehalt weiter, bis er 1824 seine Vorlesungen teilweise und vierzehn Jahre später und fünf Jahre vor seinem Tod wieder voll aufnehmen konnte.
Fries gilt als der Begründer des Prinzips der "Ahndung", womit er sich dem Dilemma von Glaube und Wissen entziehen will. Er führt so die Rolle des Gefühls und der Ästhetik als Handlungsprinzip ein. "Andacht" und "Hingabe" gestaltet er zu mithin außerreligiösen Kategorien politischen Handelns. Nach Fries sind Überzeugung und Gesinnung hinreichende Motive aktiver Beteiligung am politischen Geschehen. Von seiner Brisanz für die Begründung ideologisch abgezielter Handlungen bis zum Attentat hat Fries' Ansatz bis heute nichts eingebüßt.
Zu den wichtigsten Arbeiten gehört Fries'
Seit 1967 ist eine über 30 Bände angelegte Gesamtausgabe "Jakob Friedrich Fries - Sämtliche Schriften. Nach den Ausgaben letzter Hand zusammengestellt, eingeleitet und mit einem Fries-Lexikon versehen von Gert König (Bochum) und Lutz Geldsetzer (Düsseldorf). im Scientia Verlag in Aalen am Erscheinen.
Zur ersten Fries'schen Schule (1847-1849) gehörten: als ihr wichtigster Vertreter der Philosoph Ernst Friedrich Apelt (1815-1859), Herausgeber der Reihe Abhandlungen der Fries'schen Schule, weiter die Philosophen Ernst Siegmund Mirbt (1799-1847), Friedrich van Calker (1790-1870) und Heinrich Johann Theodor Schmid (1799-1836), der Botaniker Ernst Hallier (1831-1904), der Zoologe Oscar Schmidt (1823-1886) sowie der Mathematiker Oskar Schlömilch (1823-1901) und andere. Der Mathematiker C.F. Gauß (1777-1855) und der Botaniker Matthias Jacob Schleiden (1804-1881) schätzten Fries hoch ein; für den Philosophen und Theologen Friedrich Eduard Beneke (1798-1854) war Fries' Philosophie von wesentlichem Einfluss, ebenso für den Philosophen Jürgen Bona Meyer (1829-1897) sowie für die Theologen Wilhelm Martin Leberecht de Wette (1780–1849), Carl Heinrich Schleiden (1809-1890), den Bruder o.g. Botanikers, sodann für Karl August von Hase (1800-1890), Karl Schramm (1810-1888), Dankegott Kramer und O. Eggeling.
Der Göttinger Philosoph Leonard Nelson begründete Anfang des 20ten Jahrhunderts eine Neue Fries'sche Schule, gab ab 1904 eine Neue Folge der Abhandlungen der Fries'schen Schule heraus und gründete 1913 eine bis 1921 aktive Jakob-Friedrich-Fries-Gesellschaft mit dem Psychiater und Psychotherapeuten Arthur Kronfeld als Geschäftsführer. -
In neuerer Zeit hat u. a. der in Deutschland von Hans Albert und Helmut F. Spinner vertretene Kritische Rationalismus Poppers an die Philosophie von Fries angeknüpft; in den USA bezieht sich der Philosoph Kelley L. Ross stark auf die Fries'sche Philosophie und betreibt unter dem Titel The Proceedings of the Friesian School, Fourth Series seit 1996 ein darauf ausgerichtetes e-journal (s.)mit einem philosophischen Archiv (s.).
Mann | Deutscher | Philosoph (19. Jh.) | Geboren 1773 | Gestorben 1843 | Kantianer
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