Jacques Tati (bürgerlich Jaques Tatischeff; * 9. Oktober 1908 in Le Pecq im Département Yvelines; † 4. November 1982 in Paris) war ein französischer Drehbuchautor, Schauspieler und Regisseur. Tati, Sohn holländisch-russischer Eltern, war von 1942 bis zu seinem Tod mit Micheline Winter verheiratet und hatte zwei Kinder.
Mit der von ihm entwickelten und dargestellten Figur des Monsieur Hulot eroberte er sich einen bedeutenden Platz in der Filmgeschichte, und das mit insgesamt nur fünf langen Spielfilmen. Als Schauspieler bediente er sich der Mittel von Pantomime und Slapstick und erwies sich in der Gestalt des Monsieur Hulot als unermüdlicher Zivilisationskritiker.
Als Regisseur war Tati – auch wenn er inhaltlich oft die gute alte Zeit beschwor – seiner Zeit weit voraus und beeindruckte durch den einfallsreichen Einsatz moderner filmtechnischer Mittel. Er war ein Einzelgänger, der die völlige künstlerische Kontrolle über seine Filme anstrebte. Darin, und in seinem Hang zum Perfektionismus, ist er auf dem Gebiet der Filmkomik am ehesten mit Charles Chaplin und Buster Keaton vergleichbar.
Jacques Tati kam von der Bühne. Er hatte Erfolg mit pantomimischen Szenen, in denen er Sportarten und Reisen mit verschiedenen Verkehrsmitteln parodierte, und tauchte Anfang der 1930er Jahre erstmals im Kurzfilmen auf, etwa als Tennis-Champion.
1947 gelang Tati der Durchbruch mit seinem ersten selbst geschriebenen und inszenierten Langfilm „Jour de fête“ („Tatis Schützenfest“), gleichzeitig dem ersten französischen Farbfilm.
Sein zweiter Film „ Les Vacances de Monsieur Hulot“ („Die Ferien des Monsieur Hulot“) spielt in einem Urlaubsort am Meer und zeigt zum ersten Mal Tatis Alter Ego Hulot, einen liebenswürdigen Individualisten mit Hut und langer Pfeife, der sich in permanentem Kampf mit den Tücken der modernen Zivilisation und den neuzeitlichen Umgangsformen befindet. Der Film gewann 1953 den Prix Louis-Delluc, das Drehbuch wurde 1956 für den Oscar nominiert. Ein wesentliches Kennzeichen für Tatis Filme war der fast vollständige Verzicht auf Sprache. Die Hauptfigur Monsieur Hulot, die einen tolpatschigen Antihelden verkörpert, gibt so gut wie kein verständliches Wort von sich. Dialoge gehen meist entweder in lauten Hintergrundgeräuschen unter oder sind bis auf wenige Wortfetzen zur vollständigen Unverständlichkeit verstümmelt.
In „Mon Oncle“ („Mein Onkel“) hat es Monsieur Hulot mit einem supertechnisierten Haus und seinen Bewohnern zu tun. Der Film gewann den Spezial-Preis der Jury beim Cannes Film Festival, den Preis der französischen Filmkritiker 1958 und den Oscar als bester fremdsprachiger Film 1959.
Der Erfolg ermutigte Tati zu seinem größten Projekt: für „PlayTime“ (1967) ließ Tati einen riesiges Stadtteil-Set mit Hochhäusern außerhalb von Paris bauen (Tativille). Hier irrt Hulot in einem Paris herum, das nur aus Wolkenkratzern und Büroblocks zu bestehen scheint, auf der Suche nach einem Treffen mit M. Lac. Das außerordentlich teure und aufwendige Filmprojekt (drei Jahre Produktionszeit, zwischen fünf und zwölf Mio. Francs Budget) mit brillantem Produktionsdesign und visionärer Kamera scheiterte trotz exzellenter Presse (dänischer Bodil-Filmpreis 1969) an den Kinokassen.
Aufgrund der Schulden, die „PlayTime“ hinterließ, musste Tati in „Trafic “ (1971) wieder Hulot in den Mittelpunkt des Films stellen; etwas, das er eigentlich vermeiden wollte. Im Film versucht er, einen Auto-Prototyp rechtzeitig zu einer Automobilmesse zu bringen.
Tati konnte seinen Bankrott nicht mehr abwenden und zog sich langsam vom Filmgeschäft zurück. Nach „Trafic“ folgte nur noch 1974 ein fürs schwedische Fernsehen produzierter Zirkusfilm für Kinder mit dem Titel „Parade“.
1977 wurde Tati mit einem Ehren-César der Académie des Arts et Techniques du Cinema ausgezeichnet.
| 1932 | Oscar, champion de tennis | Kurzfilm | Regie und Auftritt |
| 1934 | On demande une brute | Spielfilm | Co-Autor und Auftritt |
| 1935 | Gai dimanche (Fröhlicher Sonntag) | Kurzfilm | Co-Autor, Co-Regie und Auftritt |
| 1936 | Soigne ton gauche (Achte auf deine Linke) | Kurzfilm | Buch und Auftritt |
| 1938 | Retour à la terre | Kurzfilm | Buch und Auftritt |
| 1945 | Sylvie et le fantôme (Sylvia und das Gespenst) | Spielfilm | Auftritt |
| 1946 | Le Diable au corps (Teufel im Leib) | Spielfilm | Auftritt |
| 1947 | L'École des facteurs (Schule der Briefträger) | Kurzfilm | Buch, Regie und Auftritt |
| 1949 | Jour de fête (Tatis Schützenfest) | Spielfilm | Buch, Regie und Auftritt |
| 1953 | Les Vacances de Monsieur Hulot (Die Ferien des Monsieur Hulot) | Spielfilm | Buch, Regie und Auftritt |
| 1958 | Mon oncle (Mein Onkel) | Spielfilm | Buch, Regie und Auftritt |
| 1967 | Playtime (Tatis herrliche Zeiten) | Spielfilm | Buch, Regie und Auftritt |
| 1967 | Cours du soir (Abendschule) | Kurzfilm | Buch und Auftritt |
| 1968 | Baisers volés (Geraubte Küsse) | Spielfilm | Auftritt |
| 1971 | Trafic (Tati im Stoßverkehr) | Spielfilm | Buch, Regie und Auftritt |
| 1972 | Obraz uz obraz | TV-Serie | Auftritt |
| 1974 | Parade | Fernsehfilm | Buch, Regie und Auftritt |
| 1978 | Forza Bastia 78 ou l'île en fête (Forza Bastia 78 oder Festtag auf der Insel) | Dokumentarfilm | Buch und Co-Regie |
Franzose | Mann | Filmregisseur | Schauspieler | Komiker
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